Reason To Care, Gone To Waste, usw.

Reason To Care, Gone To Waste, usw.

Es ist immer schwierig gute Shows auf die Beine zu stellen. Werbung machen, Bands auftreiben die einigermaßen vom Stil her zusammenpassen und eine gute Location finden um das Gesamtbild abzurunden. Am 07.08. war dieses Gesamtbild nahezu perfekt. Mit The Waste Of Effort, Wolf x Down, Gone To Waste und Reason To Care spielten in der Wohnwelt in Wunstorf vier junge und ambitionierte Bands, die gleichermaßen harten wie aber auch melodischen Hardcore servierten. Für jeden wäre also etwas dabei gewesen. Ein Problem aber blieb: Es war Sonntag, 18 Uhr und die meisten potentiellen Zuschauer hatten wohl anderes zutun, als kurz in die S-Bahn zu steigen und 10 Minuten von Hannover aus nach Wunstorf zu fahren. Das war sehr schade, aber was will man machen? Es läuft oder es läuft eben nicht.

The Waste Of Effort machten an diesem Sonntag den Anfang. Ich habe die Band inzwischen drei Mal gesehen und jedes Mal haben sie sich gesteigert.
Mit einem neuen und durchaus guten Song im Gepäck haben die vier Jungs aus der Nähe von Hannover mich dieses Mal auf Anhieb überzeugt. Als ich sie im Dezember das erste Mal gesehen habe, war alles noch etwas holprig, Gesang wie Instrumente. Aber jetzt, über ein halbes Jahr später hat man wirklich kaum noch etwas auszusetzen. Das Ganze mit einer guten Produktion auf Platte gebannt und man hätte ein durchweg gutes Debüt in der Hand. Also Jungs, ab ins Studio, dann klappt es auch bald überregional mit dem Durchbruch!
Wolf x Down brauchen keine große Einleitung, die Ex-Mitglieder von Sink Or Swim und Endbringer haben genügend Können, Ahnung und Potential um zu überzeugen. Zwar bestand das Set aus gerade einmal vier Songs, aber die waren mehr als gut und wurden, trotz der recht geringen Anzahl an Zuschauern, energiegeladen rübergebracht. So lobe ich mir das, alles geben trotz nur weniger, zahlender Gäste. Wer sich da das Demo-Tape der Band aus dem Ruhrpott nicht gekauft hat, der mag entweder die Musik grundsätzlich nicht, oder der hatte kein Geld in der Tasche.
Gone To Waste habe ich, wie auch schon The Waste Of Effort, an diesem Abend zum dritten Mal gesehen, und auch die Warburger haben mich im Vergleich zu ihren letzten Auftritten hier am meisten überzeugt. Die Band lag auf einer Wellenlänge mit Wolf x Down, was auch die Guestvocals von Larissa deutlich machten, und überzeugten deswegen. Ich bin gespannt, was die Jungs auf ihrer kommenden Platte so abliefern werden, die, wie an diesem Abend oft genug von Sänger Lukas angepriesen wurde, im Oktober erscheint. Was nicht so gut ankam, zumindest bei den Jugendlichen außerhalb der Wohnwelt, die durch die gläserne Fassade einen Blick riskierten und offensichtlich nichts mit Hardcore und Punk am Hut hatten, war die Ansage gegen Konventionen und Religionskriege. Da half nur Daumen drücken, dass die Lage nicht eskaliert und das ist sie zum Glück auch nicht.
Zum Abschluss des Abends betraten Reason To Care die Bühne oder besser gesagt den Raum. Der war leider noch weniger gefüllt als zu Beginn des Konzertes, da Gone To Waste bereits abgereist und so vier Leute weniger anwesend waren (bei gerade einmal einem Dutzend Gäste plus Bands fällt das auf). Reason To Care aber zogen ihre Show trotzdem routiniert durch, immerhin ist man schon mehr als zwei Jahre unterwegs und hat schon so manche Show erlebt, auf der es nicht so gut lief. Beeindrucken ließ man sich also nicht und spielte viele Songs des aktuellen Albums „Dear Liv Ivy“, die ordentlich Druck hatten. Trotz der wenigen Gäste machte der Auftritt also Spaß, genau wie der gesamte Abend.

Bleibt zum Abschluss nur noch eins zu sagen: Unterstützt Locations wie die Wohnwelt. Unterstützt Bands wie The Waste Of Effort, Wolf x Down und Gone To Waste, die die Zukunft der deutschen Szene sind, oder eben solche wie Reason To Care, die sich schon längst etabliert haben aber trotzdem noch darauf angewiesen sind, dass Leute Platten und Merch kaufen. Hardcore ist auch 2011 kein Selbstläufer und ist auf Leute angewiesen, die die Szene am Laufen halten. Also tut es verdammt noch mal, unterstützt die kleinen Bands und kauft nicht nur unzählige Shirts und Platten von diversen Deathwish oder Bridge 9-Acts.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  1 kommentar

  1. Aljoscha Napp

    Danke für den guten Bericht, fasst ganz gut den Tag zusammen. Ich hoffe, dass die zukünftigen Dinger besser laufen!

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