Adam Angst, KMPFSPRT, Youth Man (Gleis 22 Münster; mit Bildergalerie)

Adam Angst, KMPFSPRT, Youth Man (Gleis 22 Münster; mit Bildergalerie)

Adam Angst ist einzigartig. Ein einzigartig vorlautes und gewissenloses Arschloch, das Pfarrer spielt und diesen auch noch nach ihm selber benannten Tonträger als Predigt benutzt. Adam Angst zeigt nicht nur schreiend mit dem Finger auf dich, sondern streut zusätzlich Salz in deine ohnehin schon blutenden Wunden und drückt zu guter Letzt noch schön drauf“. Das galt vor etwa einem halben Jahr, als das Debüt-Album gerade auf den Markt gekommen war. Nach der Show im Gleis 22 in Münster muss man diese Aussage aber wohl ein wenig korrigieren.

Nach der Releasetour und einem Sommer voller Festivals hat Adam Angst, aka Felix Schönfuss und Gefolge, seine Jünger um sich versammelt, um erneut die Städte in den hiesigen Gefilden von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Mit dabei war die Punk-/Hardcore-Band Youth Man aus Birmingham und die Kölner Punkrocker von KMPFSPRT. In Münster wurde in das ausverkaufte – und Dank großer Gästeliste – heillos überfüllte Gleis 22 geladen. Gegen 21 Uhr durften die Briten den Abend eröffnen. Und obwohl die Zuschauer gegen Ende des Sets so langsam warm wurden und nicht nur aus purer Höflichkeit klatschten, war doch offensichtlich, dass die gut 300 Anwesenden auch ohne Youth Man gekommen wären.

Das sollte überdeutlich werden, als die vier KMPFSPRTler die Bühne betraten. Bereits beim Opener „Affengeld“ bewiesen sie, dass ihr Name nicht ohne Grund in derselben Schriftgröße wie der Adam Angsts auf den Tickets und Tourplakaten gekleistert worden ist. Hier spielte kein Support-Act, sondern ein Co-Headliner! Absolutes Highlight ihres Sets waren die zwei neuen Songs, die die Vorfreude auf das neue Album ins Unermessliche stiegen ließ: „Intervention“ und „Ich hör die Single nicht“ – beides genau das, was man von der Band kennt, aber doch etwas völlig Neues. Besonders bei Letzterem kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn „Ich hör die Single nicht“ hat schlicht und einfach keinen (jedenfalls beim ersten Hören) erkennbaren roten Faden. Der Beginn klingt nicht im Entferntesten wie der Mittelteil, die Bridge oder gar das Ende – herrlich. Bessere Werbung für ein neues Album, geht nicht!

And always look on the bright side of life. Come on, always look on the bright side of life“ – wer kennt diesen Song nicht und hat vor allem nicht sofort einen Ohrwurm? Womit man ihn aber ganz sicher nie in Verbindung gebracht hätte, wäre als finaler Anheizer für Adam Angst. Doch kaum war das letzte gedankliche Pfeifen verklungen, setzte auch schon das Intro zu „Jesus Christus“ ein. Der ganze Raum wartete gespannt auf den selbsternannten spirituellen Führer in Schwarz, gierend nach einer neuen Audienz beziehungsweise Gesangsstunde. Denn jeder Anwesende wollte offenbar vor allem endlich wieder aus voller Kehle mitsingen – so laut, dass die Band zeitweise nur noch das Publikum hören konnte und nicht ein Wort von dem verstand, was ihr Frontmann selbst in sein Mikro schrie.

Dieses „Problem“ hielt die Herren freilich nicht davon ab, zu zeigen, was man über de Sommer alles gelernt hat: War Schönfuss‘ Performance im Frühjahr noch beeindruckend, ist sie nun furchteinflößend – insbesondere seine Darstellung als Sohn Gottes. Diese lässt wohl auch überzeugte Atheisten darüber nachdenken, ob es nicht für das Seelenheil doch besser wäre, hin und wieder in eine Kirche zu gehen und zu beten. Als Regent der Hölle würde dieser Adam Angst aber ohne Frage eine ebenso gute Figur machen. Viel Übung bräuchte er dafür jedenfalls nicht.

KMPFSPRT

Fotos: Christoph Steinweg

„Adam Angst ist einzigartig. Ein einzigartig vorlautes und gewissenloses Arschloch, das Pfarrer spielt und diesen auch noch nach ihm selber benannten Tonträger als Predigt benutzt. Adam Angst zeigt nicht nur schreiend mit dem Finger auf dich, sondern streut zusätzlich Salz in deine ohnehin schon blutenden Wunden und drückt zu guter Letzt noch schön drauf“. Das galt vor etwa einem halben Jahr, als das Debüt-Album gerade auf den Markt gekommen war. Nach der Show im Gleis 22 in Münster muss man diese Aussage aber wohl ein wenig korrigieren.Nach der Releasetour und einem Sommer voller Festivals hat Adam Angst, aka Felix Schönfuss und Gefolge, seine Jünger um sich versammelt, um erneut die Städte in den hiesigen Gefilden von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Mit dabei war die Punk-/Hardcore-Band Youth Man aus Birmingham und die Kölner Punkrocker von KMPFSPRT. In Münster wurde in das ausverkaufte – und Dank großer Gästeliste – heillos überfüllte Gleis 22 geladen. Gegen 21 Uhr durften die Briten den Abend eröffnen. Und obwohl die Zuschauer gegen Ende des Sets so langsam warm wurden und nicht nur aus purer Höflichkeit klatschten, war doch offensichtlich, dass die gut 300 Anwesenden auch ohne Youth Man gekommen wären.Das sollte überdeutlich werden, als die vier KMPFSPRTler die Bühne betraten. Bereits beim Opener "Affengeld" bewiesen sie, dass ihr Name nicht ohne Grund in derselben Schriftgröße wie der Adam Angsts auf den Tickets und Tourplakaten gekleistert worden ist. Hier spielte kein Support-Act, sondern ein Co-Headliner! Absolutes Highlight ihres Sets waren die zwei neuen Songs, die die Vorfreude auf das neue Album ins Unermessliche stiegen ließ: "Intervention" und "Ich hör die Single nicht" – beides genau das, was man von der Band kennt, aber doch etwas völlig Neues. Besonders bei Letzterem kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn "Ich hör die Single nicht" hat schlicht und einfach keinen (jedenfalls beim ersten Hören) erkennbaren roten Faden. Der Beginn klingt nicht im Entferntesten wie der Mittelteil, die Bridge oder gar das Ende – herrlich. Bessere Werbung für ein neues Album, geht nicht!"And always look on the bright side of life. Come on, always look on the bright side of life" – wer kennt diesen Song nicht und hat vor allem nicht sofort einen Ohrwurm? Womit man ihn aber ganz sicher nie in Verbindung gebracht hätte, wäre als finaler Anheizer für Adam Angst. Doch kaum war das letzte gedankliche Pfeifen verklungen, setzte auch schon das Intro zu "Jesus Christus" ein. Der ganze Raum wartete gespannt auf den selbsternannten spirituellen Führer in Schwarz, gierend nach einer neuen Audienz beziehungsweise Gesangsstunde. Denn jeder Anwesende wollte offenbar vor allem endlich wieder aus voller Kehle mitsingen – so laut, dass die Band zeitweise nur noch das Publikum hören konnte und nicht ein Wort von dem verstand, was ihr Frontmann selbst in sein Mikro schrie.Dieses "Problem" hielt die Herren freilich nicht davon ab, zu zeigen, was man über de Sommer alles gelernt hat: War Schönfuss' Performance im Frühjahr noch beeindruckend, ist sie nun furchteinflößend – insbesondere seine Darstellung als Sohn Gottes. Diese lässt wohl auch überzeugte Atheisten darüber nachdenken, ob es nicht für das Seelenheil doch besser wäre, hin und wieder in eine Kirche zu gehen und zu beten. Als Regent der Hölle würde dieser Adam Angst aber ohne Frage eine ebenso gute Figur machen. Viel Übung bräuchte er dafür jedenfalls nicht.KMPFSPRT
Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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