B58 Fest (20.05.17, Braunschweig)

B58 Fest (20.05.17, Braunschweig)

Ausverkauftes Haus in Braunschweig: Auf zwei Bühnen fand am Samstag die zweite Ausgabe des B58 Fests statt. Regionale und internationale Bands diverser Stilrichtungen beschallten etwa 200 Zuschauer im Jugendzentrum B58. Den undankbaren Job des Openers übernahmen gegen 15:30 Beardless. Die Osnabrücker begeisterten den bereits gut gefüllten Saal selbstbewusst und präzise im Stil von Hot Water Music oder The Loved Ones – eingängige Punkrock-Rhythmen mit rauer Gesangstimme inklusive sauberer Zweitstimmen. Am Ende blieben da nur zwei Fragen offen: warum ausgerechnet dieser Bandname und warum muss diese vor Energie strotzende Band so früh ran? Wie auch immer, hier gilt es, unbedingt dran zu bleiben: im Herbst kommt das Debüt-Album.

Kurz darauf folgte Cosmo Thunder auf der Singer/Songwriter-Bühne. Ein schüchterner, junger Mann, der pessimistische Songs im Gepäck hatte und für den kurzfristig ausgefallen No Surprising News einsprang. Mit wehleidigen Stücken über Arbeit, Gesellschaft und sich selbst fungierte der Local Hero zwar weniger als Stimmungskanon wohl aber als Blaupause für die Zuschauer, um noch einmal zur Ruhe zu kommen. Rivershores aus NRW spielten gleich darauf nämlich wieder lauter auf. Die vier performten gut gelaunten, aber etwas rumpeligen College-Punk, der leider bereits nach wenigen Songs im Vergleich zu den zwei Acts zuvor eine gewisse Ernsthaftigkeit vermissen ließ. Letzteres könnte man auch dem Hot Dog-Stand auf dem Festivalgelände vorwerfen, aber das ist eine andere Geschichte.

Gegen 18.15 betrat dann die Frontfrau von Rascal (Auftrittsname: Rascalette) die Unplugged-Bühne. Eingängige Skatepunk-Songs ließ die Dame auf das Publikum los und sie war zudem unprofessionell bzw. sympathisch genug, stets zu betonen, wie ungewohnt diese Solo-Situation für sei. So nett auch dieser Auftritt war – richtig intensiv wurde es erst wieder mit Lirr. Die vier Nordlichter aus Flensburg spielten einen fast unmöglich einzuordnenden Genre-Mix aus Hardcore, Postrock, einer Prise Pop und Punk. Die drei Gitarristen (kein Bassist!) und der Schlagzeuger kreierten schwere, aber aufregende Kost. Einzig die technischen Probleme mit einer der Gitarren dämmten ein wenig die Energie ein. Nichtsdestotrotz: ein starker Auftritt.

Etwas eingängiger ging es im Anschluss beim Soloset von Polaroit zu. Die Songs versprühten einen hoffnungsvollen Charme, der jedoch ein ums andere Mal etwas in Richtung Cheesiness abdriftete. Als nächstes waren Newmoon aus Antwerpen an der Reihe. Filigrane Gitarrenflächen verschwammen mit der hallüberzogenen Stimme des sichtlich angetrunkenen Frontmanns der Belgier. Insgesamt wurde hier ein spannender, sehr eigenständiger Shoegaze/Postrock/Indie-Sound geboten, der sich deutlich von den Genre-Kollegen abhebt. Obendrein sorgten die seltsam sympathischen Ansagen zwischen den Songs für gute Unterhaltung, sodass die 40 Minuten Auftrittszeit wahnsinnig schnell vorbei waren.

Etwas deplatziert wirkten dagegen die Singer/Songwriter No King. No Crown aus Dresden. Das Trio spielte handwerklich einwandfreien, aber doch sehr glatten Akustik-Pop. Musikalisch ließ sich das ganze am ehesten irgendwo zwischen Ed Sheeran und Max Giesinger einordnen – stört nicht, aber fesselt die wenigsten im Saal. Rainald Grebe würde sagen: Langnese fürs Mittelohr. Ganz anders verhielt es sich mit Swain aus Utrecht. Die vier polterten auf der Hauptbühne mit beängstigender Bühnenpräsenz los. Den Zuhörern war der Hardcore/Grunge der Niederländer offenbar bestens bekannt. Die Sing-a-longs wurden eifrig mitgegrölt und die Stimmung schien zum ersten Mal so richtig zu kochen. Schade nur, dass den offenen und berührenden Ansagen von Noam Cohen nur wenig Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Allen voran der mittlerweile noch betrunkenere Sänger von Newmoon machte einen nicht unbeträchtlichen Teil des Lärmpegels zwischen den Songs aus. Dieser wies die Band und den Saal immer wieder daraufhin, wie großartig Swain sind. Recht hatte er. Der mal zerbrechliche, mal aggressive Grunge riss den Saal komplett mit und überzeugte von vorne bis hinten.

Den letzten Slot auf der Unlugged-Bühne hatte schließlich das Folk-Duo North Alone. Der folkig, punkige Akustik-Stil ließ den kleinen Saal kurz zum Irish Pub werden und bildete eine unbeschwerte Auszeit von der eben dargebotenen Melancholie und Wut von Swain. Gegen 22:00 war dann die Bühne frei für die Co-Headliner Smile & Burn. Die Berliner offenbarten an diesem Abend einmal mehr eine Reihe von Argumenten, die ihren Ruf als hervorragende Live-Band rechtfertigen: eine mitreißende Show, unterhaltsame Ansagen, aber vor allem: ein Haufen Hits. Auch die Songs vom neuen Album „Get Worse Get Better“ fügten sich geschmeidig in ihr Set ein. Das Publikum pogte, sang, grölte und klatschte eifrig in dem mittlerweile fast unerträglich heißen B58. So und nicht anders soll es sein.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben The Hirsch Effekt - Holon Anamnesis, We Were Promised Jetpacks - These Four Walls, Apologies I Have None - London, The Offspring - Smash, Herrenmagazin - Das Wird Alles Einmal Dir Gehören
Die besten Konzerterlebnisse Zinnschauer (Hildesheim 2013), We Were Promised Jetpacks (Hamburg 2014), The Xcerts (London 2012, Supprt: Yearbook)

Kommentare

  1 kommentar

  1. Dominik Wagenführer

    Polaroit ist für No Suprising News eingesprungen 😀

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