Converge, Touché Amoré, The Secret – 12.12.2012 in Berlin

Converge, Touché Amoré, The Secret – 12.12.2012 in Berlin

Es ist ein bitterkalter Mittwochabend in Berlin. Irgendwo in Kreuzberg, zwischen Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof liegt das legendäre SO36, seines Zeichens seit über 30 Jahren eines der wichtigsten linken Etablissements der Stadt. Hier, wo einst Die Toten Hosen als Vorband der Ärzte (damals noch unter dem Namen „Soilent Grün“) auftraten und wo man schon mehrfach vor dem finanziellen Ruin stand, und sich dennoch mit letzter Kraft rettete, gastieren heute keine Geringeren als Converge. Mit dabei haben sie die italienischen Black-Metal-Hardcorepunks The Secret, die Neurosis-Erben A Storm Of Light aus Brooklyn, sowie die Shootingstars Touché Amoré, ebenfalls aus den USA.

Gestärkt durch einen Imbiss im nebenan liegenden „Kreuzburger“ konnte um 19 Uhr der Club betreten werden, in dem sich heute Abend für viele Gäste ein Traum erfüllen sollte. Converge waren hier, und sie waren gekommen, um die unheiligen Hallen des SO36 zu erschüttern.

Es ist 19.25 Uhr. Verhalten stehen einige Gäste an den Wänden im Raum verteilt. Man bemerkt kaum, wie The Secret die Bühne betreten und ihr Intro beginnt. Es ist der gleichnamige Opener des aktuellen Albums „Agnus Dei“, der ihnen jedoch mit dem anfänglichen Blastbeat blitzschnell die Aufmerksam der Anwesenden sichert. Schon bildet sich eine Menschentraube vor der nur 50 Zentimeter niedrigen Bühne, es fliegen die ersten Haare durch die Luft und Biere aus den Bechern. The Secret geben von der ersten Sekunde an alles und klingen noch räudiger und aggressiver als auf ihren Platten. Sie spielen viele der besten Stücke von „Agnus Dei“ und auch ältere Songs, nach viel zu kurzen 25 Minuten Spielzeit und einer wirklich amateurhaften Performance des Lightshow-Beauftragten ist das ganze allerdings schon wieder vorbei. Immerhin sind jetzt alle wach.

Nach weiteren 25 Minuten Soundcheck geht das Licht wieder aus. Zumindest für einen Teil der Leute, die A Storm Of Light noch nicht kannten, ist ihr doomiger Sludge-Sound in diesem Moment gleichermaßen überraschend wie stimmungstötend. Denn nach der elektrisierenden vorhergehenden Show können es die Amerikaner naturgemäß nicht mit der Geschwindigkeit von The Secret aufnehmen. Die Stimmungskurve knickt stark ein, nicht weil A Storm Of Light schlecht spielten, sondern weil sie deplatziert wirken und der Menge ungewollt den Wind aus den Segeln nehmen. Diesem Eindruck zum Trotz füllt sich die Halle immer mehr. Denn viele der Gäste waren für Touché Amoré gekommen, welche sich im Anschluss die Ehre gaben.

Peinlicher als mit einem Totalausfall des Gesangsmikrofons kann ein Eröffnungssong kaum starten. So geschehen bei „~“, dem Opener des aktuellen Albums „Parting The Sea Between Brightness And Me“. Diesen Fauxpax übergeht Sänger Jeremy gekonnt und verhilft seiner Band zu einem mitreißenden Showbeginn. Mit „Pathfinder“ setzen sie nach, jetzt ohne Soundprobleme und mit einem Publikum, das irgendwie nur in den vorderen 4 Reihen aktiv zu sein scheint. Noch. Spätestens bei „Home Away From Here“ und „Adieux“ sind aber wieder alle da. Nach weiteren Hits wie „The Great Repetition“ und „Amends“ verabschieden sich Touché Amoré mit „Honest Sleep“, dessen letzte Minute ausschließlich von der Menge gesungen wird. Für Fans muss es ein Wahnsinnsspektakel gewesen sein.

Mittlerweile ist sind so viele Menschen da, dass selbst der Merch-Stand, die Bar und die Stufen des Tonmeister-Podests von Fans belagert sind. Die Umbaupause scheint quälend lang, dann endlich erscheinen Converge und lassen von Anfang an keinen Zweifel daran, dass diese Show brutal wird. Beim nunmehr 18. Auftritt dieser Tour zeigt Converge-Frontmann Jacob Bannon keine Spur von Erschöpfung – im Gegenteil, wie eine Wildkatze streunt er auf der Bühne hin und her, springt, schreit und strahlt dabei. Denn er liebt, was er tut, das merkt jeder hier. Nach den klassischen Eröffnungstiteln „Concubine“ und „Dark Horse“ und dem nahtlos folgenden „Heartless“ spielen die Bostoner einen ersten Song des aktuellen Albums „All We Love We Leave Behind“. Ließ „Aimless Arrow“ bei Veröffentlichung schon Münder offen stehen, so ist es live umso heftiger und führt zu zahllosen Stagedives und umherwirbelnden Körperteilen. Ohne Pause brettern Converge Song um Song hervor, das mittlerweile randvolle SO36 schwitzt und ringt um Fassung, als „Trespasses“ und „A Glacial Pace“ ertönen und ist fast schon dankbar für die anschließende erste richtige Pause im Set. Dessen zweite Hälfte beginnt zunächst etwas ruhiger mit „On My Shield“, steigert sich jedoch erneut zu voller Härte. Hier sei auch das unterhaltsame Schlagzeug-Duett bei „Empty On The Inside“ erwähnt, für das Elliot Babin von Touché Amoré mitsamt Snaredrum auf der Bühne erscheint. Welche Lieder man sich auch innerlich wünschte, die Chance war groß, das sie gespielt würden, sei es nun „Axe To Fall“ oder „You Fail Me“.

Niemand im Raum blieb an diesem Abend trocken, was sicher nicht nur an der unsinnigerweise eingeschalteten Heizung lag. Möchte man die Performance von Converge mit einem Wort beschreiben, dann als intensiv. Nicht nur sie selbst stellten nach einer knappen Stunde Spielzeit fest, dass dieser Abend der bislang eindrucksvollste Auftritt der Tour war, auch die Fans wussten es und gingen mit leichten Blessuren und einem Lächeln nach Hause. Eine klassische Win-Win-Situation.

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