Crash Fest 2013 (NoFX, Bad Religion, Slime, Mad Caddies, Montreal)

Crash Fest 2013 (NoFX, Bad Religion, Slime, Mad Caddies, Montreal)

Crash Fest auf der Trabrennbahn in Hamburg. Da, wo sich am Wochenende Hutträger wie High Society fühlen und vor ein paar Monaten noch Robbie Williams vor 80.000 Fans aufgetreten ist, soll heute also der Punk abgehen. Glücklicherweise hat man das Gelände am Rand des Rondells in überschaubarer Größe eingerichtet und nicht über die gesamte Anlage ausgedehnt. Den Besucher erwartet die übliche Festivalversorgung und sogar ein FC St. Pauli Fanshop. Zum Start des Hamburger Kultursommers (Punk ist Kultur!) sollen heute also bei sommerlichem Wetter NoFX, Bad Religion, Slime, Mad Caddies und Montreal aufspielen. Auch dem Publikum sieht man an, dass drei der Bands ihr 30 jähriges Bestehen bereits gefeiert haben.

Den undankbaren Spot als Opener haben Montreal, die die riesige Festivalbühne vor einem sehr spärlich gefüllten Rund bereits um 16:30Uhr entern. Davon lassen sie sich ihre Laune aber nicht verderben, scherzen fröhlich mit der kleinen Gruppe Fans vor der Bühne; eine Bühne in einer Größe auf der die drei Musiker allerdings recht verloren wirken, auch wenn sich Schlagzeuger „Max Power“ zwischenzeitlich mal auf den Weg an den Bühnerand macht.  Langsam füllt sich das Gelände und Montreal verbreiten zum ersten Bier des Tages gute Laune: „Was ist das Gegenteil von einem Circle Pit? Ein Halbkreis in dem nichts passiert…“. Und am Ende des Sets gibt’s tatsächlich den ersten kleinen Pogopit und viel Applaus.

Auch die sonnenbebrillten Mad Caddies müssen zunächst mit viel leerer Fläche vor der Bühne leben. Donnerstag Nachmittag ist vielleicht doch nicht der beste Tag für ein Konzert, wenn ein Großteil des Publikums doch mittlerweile regulär arbeitende Ex-Punker sind. Aber, am Samstag ist die Bühne für Cro reserviert… Das zunächst sehr chillige Ska-/Reggae-lastige Set trifft aber genau die Stimmung der späten Nachmittagssonne. Viele glückliche Gesichter wippen mit und die Stimmung steigt, gerade auch bei den eher punkigen Songs, die den Schwerpunkt der zweiten Hälfte des Sets bilden.

Mit Slime entert Hamburger Punk Urgestein anschließend die Bühne. „A.C.A.B.“ und „Legal, illegal, scheißegal“ machen den wütenden Anfang. Die Menge feiert und die alten Hits ob „Schweineherbst“, „Deutschland muss sterben“ oder „Linke Spießer“ werden lauthals mitgegröhlt. Ob da jetzt die politische Botschaft oder eher das Partypotenzial im Vordergrund steht sei mal dahingestellt. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in Berlin MaHe hätte die ein oder andere Ansage auch deutlich pointierter ausfallen können. Der Menge ist’s egal, der Punk tanzt. Nach hinten raus gibt’s noch eine Skaeinlage mit Bläserunterstützung und die bekannte gemeinsame Verbeugung am Ende. Slime sind wie immer ein Garant für eine Party; es wird aber auch mal wieder deutlich: zwischen Hafenstraße und Trabrennbahn liegen doch ein paar Kilometer.

Mittlerweile ist das Gelände gut gefüllt und der stete Zustrom ebbt langsam ab. Bad Religion schaffen es in 75min Spielzeit eine Setlist über 3 DinA4 Seiten zu spielen. Eine „First 3 Songs, no Flash“ Fotoregel stößt an ihre Grenzen, wenn diese in Summe gerade mal in 5 Minuten um sind… Gespielt wird ein Querschnitt aus der gesamten Bandgeschichte, vom aktuellen Album „True North“ bis in die ganz frühen Tage von „Suffer“ („Do what you want“), „No Control“ („Sanity“) und sogar „How could hell be any worse“ („Fuck armageddon…this is hell“). Dazwischen eingestreut immer wieder Überhits wie „21st century digital boy“ und „American Jesus“. Die Menge feiert. Stimmung auf der Bühne will allerdings das gesamte Set nicht richtig aufkommen. Greg Graffin ist von Soundproblemen inkl. Mikrofonausfällen sichtlich genervt. Mike Dimkich als Ersatz für Brett Gurewitz wirkt in weißer Hose, Lederjacke und weißem Seidenschal irgendwie deplatziert. Einzig Jay Bentley scheint mit wirklich viel Spaß bei der Sache zu sein. Dem Publikum ist’s egal, man feiert. Den Abschluss, ohne besondere Ansage oder Abschiedsworte vorher, bildet der „Punk Rock Song“ und man rastet kollektiv aus. „Das ist DER HIT!!!“ brüllt ein Mittvierziger seinem Nebenmann freudestrahlend an…

Headliner des Abends sind NoFX. Mittlerweile hat sich die Dunkelheit auf das Gelände gesenkt und im Bühnenlicht kommt das minimalistische Backdrop (ca. 1/4qm) der Band erst recht zur Geltung. Fat Mike kommt auf die Bühne (als einziger Punk-Musiker des Tages mit Iro…), reckt sich, als wäre er gerade aus einem Katerschlaf aufgewacht.
NoFX funktionieren, egal ob auf einer kleinen Bühne oder einem Open Air. „Hey, you even like our new songs“ stellt man erstaunt fest, na dann wohl auch die alten.  Alte und neue Hits, Material vom aktuellen Album „Self Entitled“, und jede Menge Klassiker („Fuck the Kids“, „Linoleum“, „The Brews“…..) wechseln sich ab. Dazwischen immer wieder mehr oder weniger pubertäre Sprüche und Beleidigung des Publikums. Es wird erstaunlich viel Musik für ein NoFX Konzert gespielt. Die Band hat Spaß, das Publikum feiert. Zwischendurch eine  Verbeugung vor Bad Religion als „beste Punk Rock Band der Welt“, wobei am heutigen Tag ganz klar NoFX als Gewinner und würdiger Headliner den Abend inkl. Zugabe beenden und Publikum in die illuminierte Nacht auf der Trabrennbahn entlassen.

Punk war das alles nur bedingt, aber nicht zuletzt dank NoFX ein sehr unterhaltsamer Donnerstag Nachmittag und Abend mit vielen alten Helden.

Crash Fest auf der Trabrennbahn in Hamburg. Da, wo sich am Wochenende Hutträger wie High Society fühlen und vor ein paar Monaten noch Robbie Williams vor 80.000 Fans aufgetreten ist, soll heute also der Punk abgehen. Glücklicherweise hat man das Gelände am Rand des Rondells in überschaubarer Größe eingerichtet und nicht über die gesamte Anlage ausgedehnt. Den Besucher erwartet die übliche Festivalversorgung und sogar ein FC St. Pauli Fanshop. Zum Start des Hamburger Kultursommers (Punk ist Kultur!) sollen heute also bei sommerlichem Wetter NoFX, Bad Religion, Slime, Mad Caddies und Montreal aufspielen. Auch dem Publikum sieht man an, dass drei der Bands ihr 30 jähriges Bestehen bereits gefeiert haben.http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2013/08/130822_01_montreal_03-220x146.jpgDen undankbaren Spot als Opener haben Montreal, die die riesige Festivalbühne vor einem sehr spärlich gefüllten Rund bereits um 16:30Uhr entern. Davon lassen sie sich ihre Laune aber nicht verderben, scherzen fröhlich mit der kleinen Gruppe Fans vor der Bühne; eine Bühne in einer Größe auf der die drei Musiker allerdings recht verloren wirken, auch wenn sich Schlagzeuger "Max Power" zwischenzeitlich mal auf den Weg an den Bühnerand macht.  Langsam füllt sich das Gelände und Montreal verbreiten zum ersten Bier des Tages gute Laune: "Was ist das Gegenteil von einem Circle Pit? Ein Halbkreis in dem nichts passiert...". Und am Ende des Sets gibt's tatsächlich den ersten kleinen Pogopit und viel Applaus.http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2013/08/130822_02_madcaddies_11-220x146.jpgAuch die sonnenbebrillten Mad Caddies müssen zunächst mit viel leerer Fläche vor der Bühne leben. Donnerstag Nachmittag ist vielleicht doch nicht der beste Tag für ein Konzert, wenn ein Großteil des Publikums doch mittlerweile regulär arbeitende Ex-Punker sind. Aber, am Samstag ist die Bühne für Cro reserviert... Das zunächst sehr chillige Ska-/Reggae-lastige Set trifft aber genau die Stimmung der späten Nachmittagssonne. Viele glückliche Gesichter wippen mit und die Stimmung steigt, gerade auch bei den eher punkigen Songs, die den Schwerpunkt der zweiten Hälfte des Sets bilden.http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2013/08/130822_03_slime_08-146x220.jpgMit Slime entert Hamburger Punk Urgestein anschließend die Bühne. "A.C.A.B." und "Legal, illegal, scheißegal" machen den wütenden Anfang. Die Menge feiert und die alten Hits ob "Schweineherbst", "Deutschland muss sterben" oder "Linke Spießer" werden lauthals mitgegröhlt. Ob da jetzt die politische Botschaft oder eher das Partypotenzial im Vordergrund steht sei mal dahingestellt. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in Berlin MaHe hätte die ein oder andere Ansage auch deutlich pointierter ausfallen können. Der Menge ist's egal, der Punk tanzt. Nach hinten raus gibt's noch eine Skaeinlage mit Bläserunterstützung und die bekannte gemeinsame Verbeugung am Ende. Slime sind wie immer ein Garant für eine Party; es wird aber auch mal wieder deutlich: zwischen Hafenstraße und Trabrennbahn liegen doch ein paar Kilometer.http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2013/08/130822_04_badreligion_06-220x146.jpgMittlerweile ist das Gelände gut gefüllt und der stete Zustrom ebbt langsam ab. Bad Religion schaffen es in 75min Spielzeit eine Setlist über 3 DinA4 Seiten zu spielen. Eine "First 3 Songs, no Flash" Fotoregel stößt an ihre Grenzen, wenn diese in Summe gerade mal in 5 Minuten um sind... Gespielt wird ein Querschnitt aus der gesamten Bandgeschichte, vom aktuellen Album "True North" bis in die ganz frühen Tage von "Suffer" ("Do what you want"), "No Control" ("Sanity") und sogar "How could hell be any worse" ("Fuck armageddon...this is hell"). Dazwischen eingestreut immer wieder Überhits wie "21st century digital boy" und "American Jesus". Die Menge feiert. Stimmung auf der Bühne will allerdings das gesamte Set nicht richtig aufkommen. Greg Graffin ist von Soundproblemen inkl. Mikrofonausfällen sichtlich genervt. Mike Dimkich als Ersatz für Brett Gurewitz wirkt in weißer Hose, Lederjacke und weißem Seidenschal irgendwie deplatziert. Einzig Jay Bentley scheint mit wirklich viel Spaß bei der Sache zu sein. Dem Publikum ist's egal, man feiert. Den Abschluss, ohne besondere Ansage oder Abschiedsworte vorher, bildet der "Punk Rock Song" und man rastet kollektiv aus. "Das ist DER HIT!!!" brüllt ein Mittvierziger seinem Nebenmann freudestrahlend an...http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2013/08/130822_05_nofx_09-220x146.jpgHeadliner des Abends sind NoFX. Mittlerweile hat sich die Dunkelheit auf das Gelände gesenkt und im Bühnenlicht kommt das minimalistische Backdrop (ca. 1/4qm) der Band erst recht zur Geltung. Fat Mike kommt auf die Bühne (als einziger Punk-Musiker des Tages mit Iro...), reckt sich, als wäre er gerade aus einem Katerschlaf aufgewacht.NoFX funktionieren, egal ob auf einer kleinen Bühne oder einem Open Air. "Hey, you even like our new songs" stellt man erstaunt fest, na dann wohl auch die alten.  Alte und neue Hits, Material vom aktuellen Album "Self Entitled", und jede Menge Klassiker ("Fuck the Kids", "Linoleum", "The Brews"…..) wechseln sich ab. Dazwischen immer wieder mehr oder weniger pubertäre Sprüche und Beleidigung des Publikums. Es wird erstaunlich viel Musik für ein NoFX Konzert gespielt. Die Band hat Spaß, das Publikum feiert. Zwischendurch eine  Verbeugung vor Bad Religion als "beste Punk Rock Band der Welt", wobei am heutigen Tag ganz klar NoFX als Gewinner und würdiger Headliner den Abend inkl. Zugabe beenden und Publikum in die illuminierte Nacht auf der Trabrennbahn entlassen.Punk war das alles nur bedingt, aber nicht zuletzt dank NoFX ein sehr unterhaltsamer Donnerstag Nachmittag und Abend mit vielen alten Helden.
Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
Die besten Konzerterlebnisse Hellfest 2003 - Syracuse, NY; Have Heart, Edge Day 2009 - Boston, MA

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