Donots, Smile And Burn (29.01.16, Ringlokschuppen, Bielefeld)

Donots, Smile And Burn (29.01.16, Ringlokschuppen, Bielefeld)

In Deutschland gibt es wahrscheinlich keine Stadt, über die schlechter geredet und mehr gescherzt wird als Bielefeld. Der Ort sei schrecklich, schlecht, hässlich oder – der Klassiker – existiere überhaupt nicht. Vielleicht stimmen diese Aussagen in irgendeinem Paralleluniversum ja auch tatsächlich, doch für die dort lebenden Menschen wäre das durchaus schade. Denn dann hätten sich die Donots und Smile And Burn mit Sicherheit niemals nach Bielefeld aufgemacht – und das kann nach diesem Abend nun wirklich niemand wollen!

Das Berliner Quintett Smile And Burn eröffnete wie es sich gehört pünktlich um 20 Uhr und nahm wie gewohnt recht bald alle Aufmerksamkeit in Anspruch. Zum ersten Mal seien sie in Bielefeld, doch einen besseren Empfang hätten sich die Jungs gewiss nicht vorstellen können. Es könnte an dem tanzfreudigen Publikum liegen, das Donots-Konzertabende ausmacht. Man könnte es aber ebenso gut darauf schieben, dass sich Smile And Burn inzwischen zu einem der besten Live-Acts gemausert haben, den dieses Land zu bieten hat. Neben den Fähigkeiten an den Instrumenten, spielen nicht allzu viele Musikgruppen so gekonnt mit dem Publikum wie sie – oder holen direkt jemanden auf die Bühne, damit auch dort zu „Apologies And Alibis“ gebührend das Tanzbein geschwungen wird. Lange wird es bestimmt nicht mehr dauern, bis Smile And Burn in der Lage sind, selber ein Venue in dieser Größe zu füllen.

Die Donots setzten aber – natürlich – noch einen obendrauf. Zumeist dürfen Konzertfotografen ja während der ersten drei Songs ihre Fotos vom Bühnengraben aus machen, dann haben sie diesen zu räumen. Nach nun mehr als 20 Jahren sollte Donots-Sänger Ingo daran gewöhnt sein, er interpretierte den Deal jedoch ein wenig anders und holte sie mit den Worten „Wenn sie schon umsonst auf ein Konzert gehen und in der nullten Reihe stehen, müssen sie auch was tun!“ zum ausgelassenen Tanzen, Circle Pit und Crowdsurfen auf die Bühne.

Letzteres war auch der Lieblingssport vom Publikum (ein junger Mann wurde mindestens zehnmal zur Bühne getragen) und auch der Donots-Frontmann himself ließ sich den Spaß nicht entgehen. Der Sprung von der Bühne schien dem Herrn Knollmann jedoch zu langweilig zu sein, er bevorzugte den Fall von der einige Meter hohen Tribüne. Zuvor musste er allerdings noch seinen eingereisten Eltern und ganz besonders seiner Mutter mehrmals sein großes Vertrauen ins Publikum versichern – dass ihm nichtsdestotrotz das Herz kurz zuvor in die Hose rutsche, war dennoch kaum zu übersehen.

Wer schon einmal auf einem Donots-Konzert war, der weiß, dass sich an einem solchen Abend Highlight an Highlight reiht. Sei es nun ein riesiger „Spendenpit“ für „Kein Bock auf Nazis“, das Cover von „Westerland“, oder dass die Gebrüder Knollmann für „Hansaring um 2:10 Uhr“ durchs Publikum tingelten. Vielleicht war es aber auch das Medley aus Songs der früheren Tage wie „Whatever happened to the 80s“ oder „Superhero“. In jedem Fall aber war dieser Fast-Tourabschluss einmal mehr für alle Beteiligten ein wahres Fest. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen Bielefeld.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Hinterlasse einen Kommentar