EMP Persistence Tour (16.01.16, Turbinenhalle, Oberhausen)

EMP Persistence Tour (16.01.16, Turbinenhalle, Oberhausen)

Ein neues Jahr beginnt und die EMP Persistence Tour läutet für viele den musikalischen Part ein. Zwölf Städte stehen auf dem Programm, sieben davon in Deutschland gelegen. Die für Oberhausen angekündigten Bands waren Ignite, Terror, H2O, Iron Reagan, Twitching Tongues, Wisdom In Chains, Risk It! und Übergang – eigentlich ein recht vielversprechendes Line-Up. Oder?

Den Anfang machte eine Hardcore-Band aus Göttingen namens Übergang. „Die Welt ist nicht gut, aber die Welt ist auch nicht schlecht“, gab der Sänger zwischen den Songs zu bedenken. Genau wie nichts entweder Schwarz oder Weiß sei, sondern sich alles in einer Art Übergang befindet – so viel also zur Wahl des Bandnamens. Dem Publikum war diese Rede herzlich egal, ganz genau wie auch die Band an sich. Selbstverständlich ist es eine schwierige Aufgabe, am frühen Abend (17:30 – 18:00 Uhr) für Urgesteine des Hardcore und Punk den Vorturner zu geben, aber Übergang zeigten leider nur zu deutlich, wie man sie nicht angehen sollte. Selbst für Genrefans war die Wand aus „Musik“, unterlegt mit Geschrei und Growls, kaum mehr als Lärm und bot für sie eher die perfekte Gelegenheit, das Thekenpersonal zu besuchen oder die Nachrichten auf dem Handy zu checken. Applaus war nur ganz vereinzelnd auszumachen und wenn, dann erst knapp fünf Sekunden nach dem Ende des Songs – fast schon aus Mitleid also. Die Majorität der Besucher hätte es freilich nicht schlimm gefunden, wäre die Truppe gar nicht erst aufgetreten.

Risk It! klangen dann schon wie eine Erlösung – zumindest anfangs. Hatte man nämlich erst alle schlechten Gedanken an Übergang abgeworfen und konnte Risk It! irgendwann als eigenständige Band betrachten und nicht nur als natürliche Verbesserung zum Vorgänger, wurde es trotz neuer Songs und upgedateter Setlist leider schnell langweilig. Was die Herren da auf der Bühne trieben war zwar guter Hardcore, aber spannend war das Ganze nicht wirklich. In einer anderen Halle ohne einen mehrere Meter breiten Bühnengraben hätte das wohl anders ausgesehen. Von der Show in Oberhausen wird so vermutlich nur ein Teil einer Ansage des Frontmannes im Gedächtnis bleiben: „Es geht nicht darum, was du hörst, sondern darum, was sich in einem Kopf abspielt.“ Widersprechen kann man dem kaum. Aber das machte den Abend bis dato auch nicht besser.

Wisdom In Chains brachten darauf allerdings ein wenig Licht ins Dunkel. Dass sich der Großteil der Menschen in der sich allmählich füllenden Turbinenhalle 1 in Oberhausen köstlich amüsierte, wird trotzdem keiner behaupten. Vielmehr wurde gerade bei der (nach Übergang) schlimmsten Show des Abends – abgeliefert von Twitching Tongues – immer deutlicher, dass, wäre die Parkplatzsituation draußen besser, viele erst einige Stunden nach Einlass angereist wären. Man bekommt wirklich nur äußerst selten ein so müde aussehendes Publikum vor Augen. Die Auftritte der bisherigen Bands schienen für die meisten lediglich Hintergrundgeplänkel gewesen zu sein. Für beide Seiten eine eher bemitleidenswerte Situation. Die ersten Bands wurden eben einfach nur hingenommen – Qualität der abgelieferten Shows hin oder her. So hatten auch Iron Reagan in ihrer Karriere wohl schon vor einfacherem Publikum gespielt. Wie auch bei den jüngsten Vorgängern wurden ihre teilweise nur Sekunden dauernden Songs ausschließlich in den vorderen Rängen gefeiert. Hinten schienen WhatsApp, Facebook oder schlicht verbale Kommunikation wichtiger zu sein. Zum Takt gewackelt wurde dort wahrscheinlich nur aus purer Gewohnheit.

Das änderte sich schlagartig zu H2O! Zum ersten Mal an dem Abend tummelten sich am Bühnengraben die Leute zu Hunderten, drängelten sich dicht zusammen und sangen aus voller Kehle und mit tiefer Inbrunst die Texte (alte und neue) fehlerfrei mit – so hat das bei einer Festivaltour auszusehen! Nur die 30 Minuten Stagetime waren dann leider viel zu schnell vorbei.

Terror bekamen dann immerhin 45 Minuten zugesprochen und bei dem, was die Band mit den Menschen anstellte, war jede einzelne hochverdient! Sänger und Frontmann Scott Vogel sagt zwar gerne, er wolle bei seinen Konzerten am liebsten nichts Anderes als Stagedives sehen, doch das, was eine Hand voll Besucher in Oberhausen veranstalteten, um ihre Lieblingsband zu feiern, hätte sich auch dieses Urgestein des Hardcore nicht erträumen können. Irgendwie schafften es ebendiese Besucher, auf das Gerüst der sich über der Bühne befindenden Lichtanlage zu klettern. Dort liefen sie herum und baumelten zeitweise an nur einer Hand daran herunter – etwa zehn Meter über hunderten anderen Konzertbesuchern, die im Pit ihren Spaß hatten. Eine extrem gefährliche Angelegenheit, die damit beendet wurde, dass zwei der Kletterer, kaum waren sie wie durch ein Wunder unversehrt auf der Bühne angelangt, über den schätzungsweise zweieinhalb Meter breiten Bühnengraben ins ahnungslose und von der Aktion vollkommen überraschte Publikum sprangen. Das Secruitypersonal war von diesen unglaublich riskanten Aktionen verständlicherweise nicht besonders angetan.

Bei Ignite gab es keine solcher Tricks, was alleine schon deswegen gut war, weil man sich so voll und ganz auf die Show konzentrieren konnte – denn die war es mehr als wert! Mit dem grandiosen neuen Album („A War Against You“) im Rücken hätte sie aber auch kaum anders verlaufen können. Nur die eingestreuten Reden von Vertretern verschiedenster Organisationen stellten dann einen kleinen Bruch dar. Doch gerade Leuten von der Hardcore Help Foundation verzeiht man das freilich gerne.

Traurigerweise wird so nur wegen der drei Großen dieser Konzertabend in Oberhausen in Erinnerung bleiben. Vor allem weil diese drei nicht wenigen Anwesenden wohl vollkommen ausgereicht hätten, wäre da eine Solo- oder gar Clubtour von H2O, Terror und Ignite höchstwahrscheinlich die sinnvollere Idee gewesen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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