Enter Shikari, Young Guns, The James Cleaver Quintett

Enter Shikari, Young Guns, The James Cleaver Quintett

Enter Shikari? Da war doch was. 2007. Oder? Oh mein Gott, das ist fünf Jahre her. [Hier bitte nostalgisches Geschwafel einfügen] Bis zum Debutalbum total abgefeiert und dann in Vergessenheit geraten. Aber Anfang des Jahres haben mich die Jungs mit „A Flash Flood Of Color“ dann doch buchstäblich vom Hocker gehauen, wie auch meine Mitbewohner. Da lag es dann doch nahe mir zu meinem Geburtstag im Februar Karten für den Tourstop in Frankfurt zu schenken und sich selbst gleich mit. Gute Sache eigentlich.
Wenn – ja wenn – das Ganze nicht in einer Kirche stattgefunden hätte. Nachdem ich mein Death Is Not Glamorous-Shirt mit den pikanten Zeilen aus Invincible Summer aus reiner Nachsicht im Schrank gelassen hatte, ging es dann nach Frankfurt, ins (in die?) St. Peter. Meine ersten Bedenken zum Trotz bin ich dann schonmal beim obligatorischen Schritt über die Schwelle nicht in Flammen aufgegangen. Puh. Glück gehabt. Aber was für ein Laden! Futuristische Innenarchitektur par excellence. An der Theke wurde dann für andere Veranstaltungen geworben: „Jeden Sonntag: Frühstücken mit Gott“. Nee. Danke. Muss nicht. Aber gut, ich bin ja für die Musik hier und dem geschenkten Gaul… Jaja. Das Publikum setzte sich dann wie zu erwarten aus RockAmRing-Shirt-Festival-schreien-wenn–die-Band-die-Bühne-betritt-Menschen (jeder wie er mag), den letzten Ausläufern dieses unsäglichen „Emo“trends von vor ein paar Jahren und Menschen mit Metal-Deathcore-Shirts und Meshshorts zusammen. Insgesamt ein ganz nett anzuschauendes Schauspiel. Aber weg von meiner (möglicherweise etwas subjektiven) Selbstdarstellung, hin zu den essentiellen Themen.
Die beiden Vorbands James Cleaver Quintett und Young Guns sind schnell abgehandelt und bekommen dieselbe Kritik: Zwei begnadete Sänger (bei ersterer auch mit Geschrei) vergeuden ihr Talent mit unglaublich vorausschau- und austauschbarer Musik. Schade. Aber immerhin: Bombensound im Hause Gottes! Dafür gibt’s auf jeden Fall den Daumen steil nach oben. Ziemlich flott (sieben Uhr war Einlass, eigentlich sollte erst um acht angefangen werden, doch die erste Band legte los, da waren wir grade angekommen) war man dann beim Hauptakt angelangt. Enter Shikari betraten die Bühne und schickten den geneigten Zuhörer (und hier vor allem Zuschauer) auf einen anderthalb stündigen LSD-Trip. Auch fast 24 Stunden später bin ich nicht mit mir im Reinen ob ich den Typen, der für die Lightshow verantwortlich war unglaublich feiern oder einfach nur verprügeln möchte. So viel soll gesagt sein: Die Autofahrt danach hatte ihre Tücken. Musikalisch war das dann schon ziemlich überzeugend, was die Jungs da abgeliefert haben, die Liveproben vom zweiten Album „Common Dreads“ haben mich dann aber überzeugt, dass ich mit dem Album nicht viel verpasst habe. Aber die vereinzelten Sachen der „Take To The Skies“ so wie der neue Kram wussten Spaß zu machen.
Enttäuschend: Eine Band wie Enter Shikari, die gerade ein extrem politisches Album herausgebracht hat und sich (gerade Sänger Rou) auch in Interviews mittlerweile mit einem klaren Standpunkt gibt, hat sicherlich zwischen den Songs mehr zu sagen als „Hey Frankfurt, how are you doin‘ tonight?“. Auch lustig, wenn der halbe Saal „Fuck all borders, fuck all boundaries, fuck all flags and fuck nationalities“ mitgröhlt, wo doch die Hälfte des RaR-Publikums während der EM im Sommer wieder mit Deutschlandfahnen am Auto stolz rumpatriotisiert. Auch die Sache mit der Kirche hat immer noch einen faden Beigeschmack – musikalisch war es aber ein unterhaltsamer Abend.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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