Mando Diao live in Dortmund

Mando Diao - Westfalenhalle Dortmund

Mando Diao – Westfalenhalle Dortmund

Westfalenhalle Dortmund, 20.10.09
Die schicken Schwedenjungs von Mando Diao verlangen für eins ihrer Konzerttickets mittlerweile 40 Euro, im April dieses Jahres waren‘s noch 30. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber so langsam darf die Band auch schon Stadionluft schnuppern – so geschehen am 20.10. in der Dortmunder Westfalenhalle.Die Fans, die schon stundenlang vor Einlass vor der Halle gewartet haben, um in die erste Reihe oder wenigstens in die erste Welle zu kommen, wurden eines Besseren belehrt: Die erste Reihe war den „VIP Eventimticket“-Käufern vorbehalten (120 Euro für einen Platz in der ersten Reihe, ein Foto mit und ein Autogramm von Mando Diao) und eine Welle zur Abgrenzung gab es sowieso nicht. Letzteres war in Anbetracht des großen Stehplatzraumes zunächst erst irritierend, am Ende aber eine Bereicherung für die Stimmung des ganzen Abends.
Dazu aber später mehr, erst einmal sollten die Supportacts gewürdigt werden.
Um 20 Uhr betrat klammheimlich Carl Norén die Bühne. Der Bruder von Mandos Sänger Gustaf Norén und hauptberuflich Kopf von Sugarplumfairy ist nun auf Solopfaden unterwegs und sorgte direkt für verzücktes Aufschreien der anwesenden Mädels.
Abwechselnd saß er am Piano, spielte Mundharmonika, klimperte auf seiner Gitarre und schaffte es dazu auch noch, wunderbar zu singen. Eine CD von ihm gibt’s nur als unbetitelte 2-Track-Version, ein Internetauftritt fehlt ganz – die Karriere ist also noch deutlich im Aufbau. Trotzdem konnte sich der Auftritt vom Calle ganz schön sehen lassen. Die ersten Fans hat er mit diesem Auftauchen eindeutig hinzugewonnen.
Bei den Engländern The Rumble Strips bin ich mir da nicht so sicher. Ihr variabler Indie mit Unterstützung von Saxophonen wirkte zwar anfangs durchaus interessant, war auf Dauer aber relativ langweilig. Man hat gemerkt, dass die meisten Leute langsam ungeduldig wurden und auf den Headliner des Abends warteten.
Um kurz nach 9 war es dann auch soweit: Mando Diao eröffneten mit „Blue Lining White Trenchcoat“ ihr Konzert und direkt ging der Pogo los. Vorherige Befürchtungen, das Konzert könne aufgrund des wachsenden Radiobekanntheitsgrades der Band eher lahm werden, wurden sofort in den Wind geschossen. Es gab genug Fans, die mit Freuden jeden einzelnen Song betanzten und eifrig beklatschten. Die Videos oder generell die visuelle Unterstützung und Umsetzung der Bühne waren top, nur die Backgroundsängerinnen wirkten, wie auch bei ihren anderen Auftritten, eher unnötig und ihr Gesang war viel zu dünn. Aber was interessieren die Backgroundsängerinnen, wenn das Topgespann Gustaf Norén und Bjorn Dixgard vorne steht?! Richtig, überhaupt nicht. Munter spielten sie alte und neue Songs und betonten mehrmals, dass sie beeindruckt von dem Dortmunder Publikum seien. Die Setlist war aber auch wirklich gut aufgebaut: „God Knows“, „Lady“, „Chi-Ga“…quer durch alle Alben ging die Musikreise. Und zwischendurch folgte die wohl verdiente Ruhepause für die fleißigen Fans: Auf einmal tauchten Gustaf und Björn in der Mitte beim Soundpult auf und spielten „The New Boy“, „All My Senses“, „Gold“ …und als absolutes Highlight der langsamen Lieder: „If I don’t live today then I might be here tomorrow“.
Das beliebteste schnellere Stück war natürlich „Down in the past“, da werden dann auch gleich mal drei Wall of Deaths eröffnet, für ein Indiekonzert wohl eher ungewöhnlich.
Nach über 1 ½ Stunden verabschiedeten sich Mando Diao, kamen aber natürlich noch einmal für zwei Zugaben zurück: Zuerst das sehnsüchtig erwartete „Dance With Somebody“, welches wider Erwarten nicht das Konzert beendet und danach, während die meisten Besucher schon den Heimweg antreten, wurde noch das weniger bekannte Lied „Go Out Tonight“ gespielt.
Insgesamt ein super Konzert – zumindest für die Stehplatzkartenbesitzer -, einziger Wehrmutstropfen: Weder „Long Before Rock ‘n‘ Roll“ (jetzt mal ernsthaft – haben die das vergessen?!) noch „Ode To Ochrasy“ schafften es auf die Setlist, Anfang des Jahres waren sie noch drauf…

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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