Modern Life Is War, Birds In Row, Terrible Feelings, Swan Song, 14.04.2015, Leipzig

Modern Life Is War, Birds In Row, Terrible Feelings, Swan Song, 14.04.2015, Leipzig

Im Leben einer Band gibt es immer wieder Ereignisse, die die Anhängerschaft spalten. Ein schlechtes Album, ein musikalischer Wandel, Eskapaden der Mitglieder. Doch all diese reichen bei weitem nicht an den Aufreger Nummer Eins heran: die Reunion nach einer (vermeintlich endgültigen) Auflösung. Meist zieht diese zwei typische Arten von Reaktion nach sich. Die einen wittern sofort den Verrat der Ideale und suchen die Gründe lediglich in Geldgier oder Not. Die anderen machen genau das Gegenteil: sie feiern die Reunion bedingungslos und lechzen förmlich nach neuen Tönen und Touren.

Auch bei Modern Life Is War gab es die besagten Diskussionen. Dadurch dass die allermeisten jedoch sehnsüchtig auf eine Reunion warteten, fielen diese weniger kontrovers aus als bei manch anderer Band. Und so fand die Band 2012 nach einer vierjährigen Pause wieder zueinander und veröffentlichte im Jahr darauf ein viel gefeiertes neues Album. Um das Glück zu komplettieren fehlte eigentlich nur noch eine ausgedehnte Tour. Doch diesen Gefallen taten uns die tourmüden Jungs aus Marshalltown, Iowa zunächst nicht. Konzerte blieben eine Ausnahme. Die fast schon legendäre Show 2014 auf dem Groezrock (s. Groezrock-Festivalbericht: www.stageload.org/berichte/2014-groezrock) sollte die einzige in Europa sein. Es dauerte noch ein weiteres Jahr, bis Modern Life Is War endlich auch wieder deutschen Boden betraten. Entsprechend riesig waren auch in Leipzig die Erwartungen.

Laut Zeitplan sollten Terrible Feelings die erste Band des Abends sein. Doch die Truppe, die dann pünktlich um 21:00 die Conne Islands-Bühne betrat, hatte so gar nichts gemein mit den schwedischen Rock ’n‘ Rollern – weder optisch, noch musikalisch. Zur Überraschung aller wurde der Abend von Swan Song aus London eröffnet. Den meisten war die erst 2014 gegründete Band kein Begriff und die Reaktionen des Publikums waren daher eher höflich-verhalten als euphorisch. Swan Song war dieser Umstand jedoch relativ egal. Die Jungs hatten ihren Spaß und hauten der Crowd ihren kompromisslosen metallischen Hardcore regelrecht um die Ohren.

Nach dem 15-minütigen Swan-Songs-Gig, war es Zeit für Terrible Feelings aus Malmö. Leider passte die Band mit ihrem Rock ’n‘ Roll nur bedingt in das hardcorelastige Gesamtpaket, weshalb es außer ein paar wippenden Köpfen im Publikum nur Stillstand zu bewundern gab. Eins hat sich die Band jedoch redlich verdient: den Preis für die besten Outfits des Abends. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, die Band um Sängerin Manuela Iwansson wäre einer Zeitmaschine entstiegen und direkt aus den 1970ern zu uns gekommen.

Nach einer kurzen Umbaupause folgten dann Birds In Row – die idealen Einheizer für Modern Life Is War. Man merkte den drei Franzosen zu keiner Zeit an, dass nur noch Sänger Balboa vom ursprünglichen Line-Up übrig geblieben ist. Im Gegenteil: die Besetzungswechsel tut der Band richtig gut. Birds In Row spielten sich in ihren 30 Minuten in einen regelrechten Rausch und das Publikum genoss den musikalisch nur schwer einzuordnenden Mix aus Screamo, Hardcore und Sludge sichtlich. Nach der Show dürften sich Birds In Row garantiert über einige neue Fans freuen. Es bleibt zu hoffen, dass die kurzfristige Auflösung 2014 nicht noch einmal vollzogen wird.

Danach waren endlich Modern Life Is War an der Reihe. Und die Reaktionen waren schlichtweg überragend – so und nicht anders muss eine Hardcore-Show sein! Es verging keine Sekunde, in der nicht irgendwer von der Bühne ins Publikum flog oder Sänger Jeff gierig folgte, um die vertrauten Zeilen mit allen verfügbaren Kräften höchstselbst ins Mikrofon zu brüllen. Songs wie „Fuck the Sex Pistols“, „Martin Atchet“ oder das grandiose „D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S.“ wurden derart frenetisch gefeiert, der Abend hätte niemals enden sollen. Diese selige Glückseligkeit sah man auch dem Quintett auf der Bühne an. Die Herren genossen es sichtlich vor einer so euphorisierten, textsicheren und am Ende klitschnassen Crowd zu spielen. Mit einem Bad Jeffs in der Menge bei „Hair Raising Accounts Of Restless Ghosts (AKA Hell Is For Heroes Part II)“ endete die knapp einstündige Show. Spätestens jetzt dürfen sich die Jungs wohl endgültig fragen, warum sie nicht sofort nach dem Release ihrer letzten LP „Fever Hunting“ auf Tour gekommen sind und die wunderbare Erfahrung eines Konzerts nicht öfter erleben möchten.

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