Neck Deep, Creeper, WSTR (01.04.16, Luxor, Köln)

Neck Deep, Creeper, WSTR (01.04.16, Luxor, Köln)

Was hatten Neck Deep 2015 nur für Furore gesorgt. Erst wurde (inzwischen Ex-)Gitarrist Lloyd Roberts via Twitter sexuelle Belästigung vorgeworfen, dann veröffentlichten die Waliser mit „Life’s Not Out To Get You“ eines der besten Pop-Punk-Alben der letzten Jahre und in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen präsentierte die Band ein neues Video nach dem anderen. Schließlich nahm sich sogar Blink-182s Mark Hoppus zwei der neuen Songs an und unterzog ihnen einem Remix. Die Schlagzeilen sollten gar kein Ende nehmen.

Und dann ist da ja auch noch die ausgedehnte Tour, auf welcher sich Neck Deep auch im ausverkauften Kölner Luxor die Ehre gaben – vor augenscheinlich ganzen Schulklassen auf Pop-Punk-Exkursion, das Durchschnittsalter schien jedenfalls eine „1“ als erste Ziffer zu haben. Vielleicht war die Show auch deswegen so früh angesetzt worden, so brauchte wenigstens niemand den berüchtigten „Mutti-Zettel“ vorzuzeigen. Neck Deeps Genre-Kollegen WSTR betraten jedenfalls schon weit vor 19 Uhr für sage und schreibe 20 Minuten die Bühne. Diese hatten es jedoch Dank ihrer sehr starken Debüt-EP „SKRWD“ in sich. Zur Set-Verlängerung hätte nur auch gerne jeder Song zweimal gespielt werden können, gestört hätte es sicher niemanden – zumal die Umbauphase dann auch sicherlich nicht dieselbe Länge gehabt hätte wie das Set selber.

Doch die ebenfalls zum Genre des Abends passenden Creeper waren das lange Warten ohne Zweifel wert. Ihre Mission verkündeten sie gleich zu Beginn: In einem Zeitraum von ungefähr 30 Minuten das Publikum auf Neck Deep vorbereiten und anheizen. Geklappt hat das tatsächlich auch recht schnell, doch da die Pause erneut genauso lang war wie das vorangegangene Set, blieb bis zum Auftreten des Headliners von der Wirkung nur noch die große Vorfreude übrig und nicht auch aufgewärmte Muskeln. Etwas ernüchternd an einem Abend, an dem sich Support-Bands und Hauptact qualitativ nichts nahmen.

    http://de.musicplayon.com/embed-v2?v=370735

    Jedenfalls nicht überragen viel, denn Neck Deep waren – und das wird wohl kaum eine große Überraschung sein – das Highlight des gesamten Abends. Über einer Stunde folgte ein Hit dem nächsten und Altes Neuem. Laute Sing-a-longs, bei denen es die Band auch eigentlich hätte belassen und sich ihre Songs auch von der Bühne aus hätte anschauen können. Das gesamte Luxor in den Händen einer einzigen Band, die eine Show ablieferte, die so wohl noch keiner gesehen hat – ganz großes Kino. Und nachdem während der drei Songs umfassenden Zugabe nach dem ersten die Akustikgitarre schon beiseite gestellt wurde und die (leichte) Enttäuschung bereits wuchs, dass an dem Abend wohl nicht das Ober-Schmankerl des aktuellen Albums zum Besten gegeben werden sollte, wurde doch tatsächlich genau das angespielt. „December“ als Full-Band-Version. Kaum mit der akustischen auf „Life’s Not Out To Get You“ zu vergleichen, doch mindestens genauso gut.

    Spätestens an diesem Punkt sollte dann auch klar gewesen sein, wer sich da die Ehre gab: Eine der besten Pop-Punk-Bands der letzten Jahre – auf Platte und auf der Bühne. Eine Band, die garantiert nicht umsonst Schlagzeilen macht.

    Unser Review zu „Life’s Not Out To Get You“ findet ihr hier: www.stageload.org/reviews/neck-deep-lifes-not-out-to-get-you-review

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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