Rheinkultur 2011

Rheinkultur 2011

Die Rheinkultur, Deutschlands größtes kostenloses Open Air fand dieses Jahr zum 29. Mal statt. Gab es mittags noch leichten Regen, so wurde es später doch recht freundlich, wenn auch für den Juli erstaunlich kühl. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Alles ist schließlich besser als die Affenhitze und das anschließende desaströse Gewitter vom Jahr zuvor.

Auf dem Weg zum Bahnhof irritieren mich die ganzen Menschen die sich anscheinend zu Fuß auf dem Weg in die Rheinaue machen. Für einen Moment fürchte ich, daß die U-Bahn gar nicht fährt, und die ganze Strecke laufen zu müssen. War aber nicht nötig, zwar gab es eine kleine Schlange am Bahnhof, doch klugerweise betrete ich den Bahnsteig von der anderen Seite, da ist alles frei. Es kommt auch sofort eine leere Bahn. Die Anreise läuft also ziemlich gut, trotz der Fußballathmosphäre die im Zug aufkommt. Auch am Einlaß muss man etwas länger warten als gewohnt, geht aber ohne Probleme. Ich hole meinen Fotopass ab und begebe mich erstmal zur roten Bühne.

Dort bekomme ich noch den letzten Song von Itchy Poopzkid mit. Die Band habe ich bislang völlig ignoriert und scheine damit nicht viel falsch gemacht zu haben. Was auffällt ist, wie voll das Gelände schon um diese Uhrzeit (ca. 16:00h) ist. Nicht nur im Vergleich zum Vorjahr – wo Dank Sturm und Fussball der Platz vor den Bühnen nachmittags wie leergefegt war – sondern auch insgesamt. Ich habe das Gefühlt das das Gelände 2011 so voll ist wie noch nie: Es gibt Schlangen vor dem Merch-Stand. Bereits um 18:00h wurde offiziell angeraten wegen Überlastung des Geländes nicht mehr anzureisen. Den ganzen Tag über ist es schwierig in den Bereich vor den ersten Wellenbrecher zu kommen, da ist es halt auch voll. Das kenn ich sonst eigentlich nur bei den Headlinern. Laut Pressemitteilung waren 160000 Besucher dort, das scheint mir zu wenig, das wäre eine durchaus ’normale‘ Zahl. Zumal abends von der Bühne auch die Zahl 200000 verkündet wurde.

Die erste Band die ich richtig mitbekomme sind Kraftklub. Die versuchen eine Mischung aus deutschem Indierock und Rap. Tragen dafür alle Collegejacken und betonen aus Karl-Marx-Stadt zu kommen und wollen nicht nach Berlin. Haut mich persönlich nicht um, sorgt aber dank des guten Wetters durchaus für Stimmung. Jedenfalls ist vor der Bühne einiges los. Das bleibt eigentlich auch den ganzen Tag über so, es ist immer voll und das Publikum geht gut mit.

Es folgen die Gallows, Englands beliebteste Punk-Hardcore-Screamo Band. Sänger Frank Carter hält es nicht auf der Bühne aus und marschiert während des zweiten Songs ins Publikum, um die nächste Viertelstunde vom Graben des Wellenbrechers aus zu singen, das sind schon einige Meter vor der Bühne. Umringt von einigen Fans die ziemlich abgehen. Das hab ich so auch noch nicht gesehen. Am Ende läßt er sich auf den Schultern eines Fans auch wieder nach vorne tragen. Was für ein Ausritt! Später sucht er sich noch einige Metal-Goth-Fans (die vermutlich auf die Apokalyptischen Reiter warten?) als Opfer für Spott aus, sie sollten doch bitte aus dem Tageslicht verschwinden.

Anschließend unternehme ich einen Ausflug zur Hip-Hop Bühne, da war ich in all den Jahren noch nie. Es gestaltet sich auch äußerst schwierig, denn dort is es so voll, dass es fast gar kein Durchkommen gibt. Nur eine riesige Menschenmasse. Nach langer Zeit, viel Gedrängel und mit Hartnäckigkeit gelange ich schließlich doch nach vorne. Nur um mitanzusehen, dass wenige Minuten später das Programm abgebrochen wird. Es ist einfach zu voll, zu viele Menschen werden vorne zerquetscht so dass die Sicherheit des Publikums nicht mehr garantiert werden kann. Man fordert die Zuschauer auf doch weiter nach hinten zu gehen, mehr Platz zu schaffen. Trotz aller Bemühungen klappt das nicht so richtig. Lange passiert nichts. Versüßt wird die Wartezeit einzig durch eine Frau von der Security die, sichtlich genervt vom Verhalten des Publikums, kräftig schimpft und sich mit dem einen oder anderen Gast anlegt. Sie benimmt sich deutlich mehr aggro als so mancher Rapper und die Schimpfworte will ich hier auch nicht wiederholen. Leider hatte ich kein RTL 2 Kamerateam dabei. Irgendwann bin ich dann abgehauen, da tat sich nichts mehr. Oder halt doch. Wie ich hinterher erfahren habe, gab es noch Krawalle und Ausschreitungen als dann der endgültige Abbruch verkündet wurde. Mit Verwüstung der Bühne, Polizeieinsatz und allem. Jetzt hab ich also sowohl Haftbefehl als auch die Randale verpasst. Mit ist auch kein vergleichbarer Fall aus der Rheinkulturgeschichte bekannt.

Ab ging es zu Razorlight auf der blauen Bühne. Britischer-Skandinavischer Gittarrenpop liegt mir ja nicht so und anfangs kann mich die Band auch gar nicht überzeugen. Die ersten beiden Stücke sind langsam, es gibt wenig Bewegung auf der Bühne und es wird kaum ein Wort gesprochen. Mir bleibt erstmal nur mich über das Outfit des Bassisten zu wundern. Ist der nun Indianer oder Cowboy? Doch beim dritten Song wird es auf einmal lauter, schneller, energiegeladener. Plötzlich rockt die Band und Sänger Johnny Borrell tritt nach vorne, kommt auf die Vorbühne (wo die TV Kameras stehen) und lässt sich feiern. Den überwiegend jungen Damen in der ersten Reihe (und dahinter) gefällt das. Ich nutze die Zeit anschließend um nochmal übers Gelände zu schlendern.

Headliner auf der roten Bühne sind The Subways. Die sollten schon vor einigen Jahren mal spielen, mussten ihren Auftritt aber absagen. Das hat ihnen im Endeffekt gut getan. Damals waren sie so ne neue Band mit einer Hit-Single, heute kamen sie als Top-Act wieder. Und für mich sind die drei Engländer/Innen die Gewinner des Abends. Was nicht zuletzt an der schnörkellosen Show liegt. Bassistin Charlotte Cooper wird nie müde ihre Haare durch die Gegend zu schwingen, Sänger Billy Lunn rennt über die Bühne oder springt auch mal vom Schlagzeug. Dabei wirkt die Band sympatisch und agiert mit den Zuschauern. Passend zum Festival-Auftritt werden fast nur die rockigen Songs aus dem Repertoire gespielt. Die gefallen mir persönlich auch immer besser als die Balladen. Die Band findet auch genau das richtige Maß an Publikums-Bespaßung. Da wird mal zum Mitklatschen aufgerufen, aber man übertreibt es nicht. So wird Rock’n’Roll Queen wie es sich gehört einfach runtergerotzt anstelle sich auf der Hit-Single auszuruhen. Schon witzig wie den Song dann plötzlich alle um einen herum mitsingen. Auch die wenigen neuen Stücke im Programm gefallen. Für mich machen die Subways an dem Abend alles richtig! So muss man ne Rockshow machen.

Auf dem Heimweg komme ich an der blauen Bühne vorbei, wo grade Dick Brave spielt. Rockabilly gehört ja ohnehin zu den schlimmsten Musikstilen überhaupt. Nun, Rockabilly der von einem deutschen Schlagersänger gemacht wird…. Rockabilly eines deutschen Schlagersängers der grade eine abgrundtief schlechte Coverversion von Green Days ‚American Idiot‘ anstimmt…. kein Kommentar.

Zurück geht es übrigens ähnlich unproblemematisch wie hin. Ich laufe bis zur Haltestelle an der B9 statt mich an der Rheinaue in die Schlange zu stellen. Wieder kommt sofort eine Bahn die genug Platz bietet. (Will heißen: Bin reingekommen, drinnen war natürlich kein Platz mehr!) So war die Heimreise auch fix erledigt. Insgesamt fand ich es gut, aber voll und anstrengend. Zum Glück war es nicht so heiß. Bei 30°C wäre das unerträglich gewesen. Das Publikum wird auch immer jünger, und nicht nur weil ich immer älter werde. Also dann bis zum nächsten Jahr.

Die Rheinkultur, Deutschlands größtes kostenloses Open Air fand dieses Jahr zum 29. Mal statt. Gab es mittags noch leichten Regen, so wurde es später doch recht freundlich, wenn auch für den Juli erstaunlich kühl. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Alles ist schließlich besser als die Affenhitze und das anschließende desaströse Gewitter vom Jahr zuvor.Auf dem Weg zum Bahnhof irritieren mich die ganzen Menschen die sich anscheinend zu Fuß auf dem Weg in die Rheinaue machen. Für einen Moment fürchte ich, daß die U-Bahn gar nicht fährt, und die ganze Strecke laufen zu müssen. War aber nicht nötig, zwar gab es eine kleine Schlange am Bahnhof, doch klugerweise betrete ich den Bahnsteig von der anderen Seite, da ist alles frei. Es kommt auch sofort eine leere Bahn. Die Anreise läuft also ziemlich gut, trotz der Fußballathmosphäre die im Zug aufkommt. Auch am Einlaß muss man etwas länger warten als gewohnt, geht aber ohne Probleme. Ich hole meinen Fotopass ab und begebe mich erstmal zur roten Bühne.Dort bekomme ich noch den letzten Song von Itchy Poopzkid mit. Die Band habe ich bislang völlig ignoriert und scheine damit nicht viel falsch gemacht zu haben. Was auffällt ist, wie voll das Gelände schon um diese Uhrzeit (ca. 16:00h) ist. Nicht nur im Vergleich zum Vorjahr - wo Dank Sturm und Fussball der Platz vor den Bühnen nachmittags wie leergefegt war - sondern auch insgesamt. Ich habe das Gefühlt das das Gelände 2011 so voll ist wie noch nie: Es gibt Schlangen vor dem Merch-Stand. Bereits um 18:00h wurde offiziell angeraten wegen Überlastung des Geländes nicht mehr anzureisen. Den ganzen Tag über ist es schwierig in den Bereich vor den ersten Wellenbrecher zu kommen, da ist es halt auch voll. Das kenn ich sonst eigentlich nur bei den Headlinern. Laut Pressemitteilung waren 160000 Besucher dort, das scheint mir zu wenig, das wäre eine durchaus 'normale' Zahl. Zumal abends von der Bühne auch die Zahl 200000 verkündet wurde.Die erste Band die ich richtig mitbekomme sind Kraftklub. Die versuchen eine Mischung aus deutschem Indierock und Rap. Tragen dafür alle Collegejacken und betonen aus Karl-Marx-Stadt zu kommen und wollen nicht nach Berlin. Haut mich persönlich nicht um, sorgt aber dank des guten Wetters durchaus für Stimmung. Jedenfalls ist vor der Bühne einiges los. Das bleibt eigentlich auch den ganzen Tag über so, es ist immer voll und das Publikum geht gut mit.Es folgen die Gallows, Englands beliebteste Punk-Hardcore-Screamo Band. Sänger Frank Carter hält es nicht auf der Bühne aus und marschiert während des zweiten Songs ins Publikum, um die nächste Viertelstunde vom Graben des Wellenbrechers aus zu singen, das sind schon einige Meter vor der Bühne. Umringt von einigen Fans die ziemlich abgehen. Das hab ich so auch noch nicht gesehen. Am Ende läßt er sich auf den Schultern eines Fans auch wieder nach vorne tragen. Was für ein Ausritt! Später sucht er sich noch einige Metal-Goth-Fans (die vermutlich auf die Apokalyptischen Reiter warten?) als Opfer für Spott aus, sie sollten doch bitte aus dem Tageslicht verschwinden. Anschließend unternehme ich einen Ausflug zur Hip-Hop Bühne, da war ich in all den Jahren noch nie. Es gestaltet sich auch äußerst schwierig, denn dort is es so voll, dass es fast gar kein Durchkommen gibt. Nur eine riesige Menschenmasse. Nach langer Zeit, viel Gedrängel und mit Hartnäckigkeit gelange ich schließlich doch nach vorne. Nur um mitanzusehen, dass wenige Minuten später das Programm abgebrochen wird. Es ist einfach zu voll, zu viele Menschen werden vorne zerquetscht so dass die Sicherheit des Publikums nicht mehr garantiert werden kann. Man fordert die Zuschauer auf doch weiter nach hinten zu gehen, mehr Platz zu schaffen. Trotz aller Bemühungen klappt das nicht so richtig. Lange passiert nichts. Versüßt wird die Wartezeit einzig durch eine Frau von der Security die, sichtlich genervt vom Verhalten des Publikums, kräftig schimpft und sich mit dem einen oder anderen Gast anlegt. Sie benimmt sich deutlich mehr aggro als so mancher Rapper und die Schimpfworte will ich hier auch nicht wiederholen. Leider hatte ich kein RTL 2 Kamerateam dabei. Irgendwann bin ich dann abgehauen, da tat sich nichts mehr. Oder halt doch. Wie ich hinterher erfahren habe, gab es noch Krawalle und Ausschreitungen als dann der endgültige Abbruch verkündet wurde. Mit Verwüstung der Bühne, Polizeieinsatz und allem. Jetzt hab ich also sowohl Haftbefehl als auch die Randale verpasst. Mit ist auch kein vergleichbarer Fall aus der Rheinkulturgeschichte bekannt.Ab ging es zu Razorlight auf der blauen Bühne. Britischer-Skandinavischer Gittarrenpop liegt mir ja nicht so und anfangs kann mich die Band auch gar nicht überzeugen. Die ersten beiden Stücke sind langsam, es gibt wenig Bewegung auf der Bühne und es wird kaum ein Wort gesprochen. Mir bleibt erstmal nur mich über das Outfit des Bassisten zu wundern. Ist der nun Indianer oder Cowboy? Doch beim dritten Song wird es auf einmal lauter, schneller, energiegeladener. Plötzlich rockt die Band und Sänger Johnny Borrell tritt nach vorne, kommt auf die Vorbühne (wo die TV Kameras stehen) und lässt sich feiern. Den überwiegend jungen Damen in der ersten Reihe (und dahinter) gefällt das. Ich nutze die Zeit anschließend um nochmal übers Gelände zu schlendern.Headliner auf der roten Bühne sind The Subways. Die sollten schon vor einigen Jahren mal spielen, mussten ihren Auftritt aber absagen. Das hat ihnen im Endeffekt gut getan. Damals waren sie so ne neue Band mit einer Hit-Single, heute kamen sie als Top-Act wieder. Und für mich sind die drei Engländer/Innen die Gewinner des Abends. Was nicht zuletzt an der schnörkellosen Show liegt. Bassistin Charlotte Cooper wird nie müde ihre Haare durch die Gegend zu schwingen, Sänger Billy Lunn rennt über die Bühne oder springt auch mal vom Schlagzeug. Dabei wirkt die Band sympatisch und agiert mit den Zuschauern. Passend zum Festival-Auftritt werden fast nur die rockigen Songs aus dem Repertoire gespielt. Die gefallen mir persönlich auch immer besser als die Balladen. Die Band findet auch genau das richtige Maß an Publikums-Bespaßung. Da wird mal zum Mitklatschen aufgerufen, aber man übertreibt es nicht. So wird Rock'n'Roll Queen wie es sich gehört einfach runtergerotzt anstelle sich auf der Hit-Single auszuruhen. Schon witzig wie den Song dann plötzlich alle um einen herum mitsingen. Auch die wenigen neuen Stücke im Programm gefallen. Für mich machen die Subways an dem Abend alles richtig! So muss man ne Rockshow machen.Auf dem Heimweg komme ich an der blauen Bühne vorbei, wo grade Dick Brave spielt. Rockabilly gehört ja ohnehin zu den schlimmsten Musikstilen überhaupt. Nun, Rockabilly der von einem deutschen Schlagersänger gemacht wird.... Rockabilly eines deutschen Schlagersängers der grade eine abgrundtief schlechte Coverversion von Green Days 'American Idiot' anstimmt.... kein Kommentar.Zurück geht es übrigens ähnlich unproblemematisch wie hin. Ich laufe bis zur Haltestelle an der B9 statt mich an der Rheinaue in die Schlange zu stellen. Wieder kommt sofort eine Bahn die genug Platz bietet. (Will heißen: Bin reingekommen, drinnen war natürlich kein Platz mehr!) So war die Heimreise auch fix erledigt. Insgesamt fand ich es gut, aber voll und anstrengend. Zum Glück war es nicht so heiß. Bei 30°C wäre das unerträglich gewesen. Das Publikum wird auch immer jünger, und nicht nur weil ich immer älter werde. Also dann bis zum nächsten Jahr.

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