Rise and Fall Record Release Show // 28.11.09 Ghent, Minus One
Das belgische Ghent ist keine sonderlich schöne Stadt und wenn es dann auch noch in Strömen regnet, gäbe es eigentlich keinen einzigen Grund, aus Deutschland extra dorthin zu fahren. Zufälligerweise ist dieses Fleckchen Erde aber der Heimatsort von Rise & Fall und aus diesem Grund sollte genau dort die Record Release Show der neuen Platte „Our Circle Is Vicious“ stattfinden. Hat auch irgendwie niemanden gestört, dass das Album schon einen guten Monat draußen ist und auch bereits auf einigen europäischen Dates präsentiert wurde.
So konnte sich immerhin jeder vorher mit den Texten bekannt machen und auf einen gelungenen Tourabschluss einstellen. Zunächst musste aber erst einmal das „Minus One“, in dem an diesem Abend insgesamt 6 Bands spielen sollten, gefunden werden. Nicht ganz so leicht. Von einem Vans-tragenden Fahrradfahrer gelotst, wurde die Location aber irgendwann gesichtet. Das „Minus One“ ist ein komisch grün beleuchteter, hauptsächlich unterirdischer Container, in dem man 50 Cent pro Toilettengang bezahlen muss, es sei denn, man kauft sich eine „Pis Kaart“ für 2€. Ungewöhnlich.
An diesem Abend wurde das „Minus One“ jedenfalls hauptsächlich von Metallern aufgesucht. Kein Wunder bei den ganzen Trashmetalbands, die die Bühne anfangs entern sollten: Skeleton Witch, Goatwhore und Toxic Holocaust sind momentan sogar zusammen auf großer Europatour. Dementsprechend einseitig war zunächst das Publikum- es schien, als seien die Rise & Fall Fans alle bewusst später gekommen. Zumindest fühlte man sich ohne eine mit Patches bestickte Lederweste und Tonnen von Nieten leicht aussätzig.
Die Metaller im Publikum gingen bereits bei den Openern Skeleton Witch aus Ohio begeistert ab. Von 300 Leuten, die in den Club passen, waren bestimmt schon 200 drinnen und vorne wurde ordentlich geheadbangt. Ungefähr das Gleiche gilt auch für die darauffolgenden Toxic Holocaust aus Oregon und Goatwhore aus Louisiana. Zwischendurch lichtete sich mal das Feld, um dem Bierkonsum nachzugehen, aber insgesamt fanden alle Metalbands großen Zuspruch. Wer von der Musik nicht wirklich angetan war, konnte sich zumindest schon einmal vergewissern, dass der Sound an diesem Abend wirklich top war.
Nach Goatwhore gab es für die Rise & Fall Anhänger dann auch endlich die auf 50 Stück limitierten Release LPs zu kaufen. Musikalisch ging es ebenfalls in eine andere Richtung: Um halb 9 spielten die relativ unbekannten Drums Are For Parades als Ersatz für Reproach und bildeten mit ihrem hardcorelastigen Rock den Wendepunkt des Abends, denn nicht nur die Musik sondern auch die Zuschauer wurden grundlegend ausgetauscht.
Leerer wurde es allerdings nicht, ganz im Gegenteil, die Rise & Fall Tourkumpanen und Texaner Iron Age blickten auf einen gut gefüllten Raum. Ihr sehr metallastiger Hardcore wurde mit Begeisterung aufgenommen – der Abend war mit Sicherheit stimmungsmäßig einer der besten ihrer Europatour. Liegt auch daran, dass sie dieses Mal einfach besser ins Line-up passten. Die komplette Band wirkte an diesem Abend ziemlich gut gelaunt, was zum Teil wohl an ihrem überhöhten Alkoholkonsum liegen könnte. Selbst dem Publikum wurde eine Flasche Scotch in die Hand gedrückt.
Um kurz nach halb 12 war dann aber auch endlich Zeit für die Headliner. Begrüßt wurde das Publikum mit „Wir sind Rise & Fall“. Dieser deutsche Satz war dann auch ungefähr das einzige, was man als nichtflämischsprechende Person verstanden hat. Aber viel wurde eh nicht geredet, die Musik war natürlich wichtiger. Das Set von Rise & Fall wurde dieses Mal in alte und neue Songs gegliedert. Songs wie „Bottom Feeder“ oder „The Noose“ kamen super an und die Stimmung war verglichen mit anderen Shows ziemlich gut, vielleicht auch brutaler. Wirklich abstützen konnte man sich nirgends, schnitt man sich doch dummerweise an den Verstärkern auf der leicht erhöhten Bühne. Aber immerhin war der Sound so gut, dass man diesmal auch wirklich Sänger Björn hören konnte. Es folgten „Harms Way“, „In Circles“ und „Built On Graves“ vom neuen Album und das Publikum gab sich erstaunlich textsicher. Bei „Forked Tongues“ wurde dann noch einmal ordentlich ausgerastet und danach endete der Auftritt relativ abrupt nach einer knappen halben Stunde. Björn zeigte entschuldigend auf seine Stimmbänder – da hat der ganze flüssige Honig, den er vorher „getrunken“ hatte, wohl nicht viel gebracht.
Insgesamt ein sehr metallastiger Abend mit einem gut aufgelegten Headlinerduo.




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