The Crookes, RIKAS (30.04.16, Badehaus Szimpla, Berlin)

The Crookes, RIKAS (30.04.16, Badehaus Szimpla, Berlin)

Wer hört heutzutage eigentlich noch Indie-Musik? Während früher Mando Diao, The Kooks und Co. die großen Hallen füllten und ihnen kleinere Bands erfolgreich nacheiferten, sind es derzeit Robin Schulz oder KYGO, die die Masse zum Ausrasten und das Feuilleton zum Nachdenken bringen. Pogotanz, dreckige Chucks und schreiende Mädels mit Schweden-Flaggen scheinen zusammen mit dem nordeuropäischen Indie-Rock in der Versenkung verschwunden zu sein. Da wundert es nicht, wenn eine britische Indie-Band mit immerhin knapp 20.000 Facebook-Likes nur 48 Event-Zusagen auf eben jener Plattform erreicht.

Die Rede ist von The Crookes aus Sheffield, die den ganzen Spaß seit 2008 mitmachen und daher vermutlich auch schon andere Zeiten erleben durften. Zum Glück sind Facebook-Zusagen aber selbst heutzutage nicht alles und das Berliner „Badehaus Szimpla“ war mit knapp 200 Gästen tatsächlich gut gefüllt. Dies war allerdings noch nicht der Fall, als der Support RIKAS auf die Bühne trat. Die brandneue Band aus Stuttgart fing eine Viertelstunde zu früh an und war quasi schon halb durch mit dem Set, als die meisten Zuschauer die Location erreichten. Was jedoch schon in der kurzen Zeit deutlich wurde: noch ist nicht klar, wo die Genre-Reise hingeht. Mal experimentell, mal indietypisch eingängig zeigte sich die Band. Die gradlinigeren Lieder überzeugten auf Anhieb mehr und wirkten auch anders als die EP, die ihre Bandcamp-Seite hergibt. So oder so aber beachtlich, dass RIKAS derart schnell Teil einer passenden Tour werden durften.

Bereits um viertel vor zehn ertönte dann das Intro von The Crookes. Wie ungewohnt, unmodern und fast schon affektiert bei so wenig Publikum – könnte man denken. Dass ein Indie-Konzert aber doch ganz anders gefeiert wird als die x-beliebige Hardcore oder Metal-Show, wurde schnell klar. Das Intro leitete würdevoll eine Stunde unterhaltsame Live-Musik ein. In dieser Stunde quatschte niemand, es tippten wenige auf ihren Handys rum, viele tanzten und sangen munter vor sich hin. Hier wurde der Auftritt wirklich noch wertgeschätzt. Wie angenehm! Und auch durchaus berechtigt: The Crookes sind offensichtlich gestandene Musiker, sie klangen live wie auf Platte und hatten auf der Bühne trotzdem noch einen eigenen Vibe. Im direkten Vergleich der Neuzugänge und alten Hits wurde zudem klar, wie sich die Band weiterentwickelt hat. Weg vom zuckersüßen Indie-Pop zu rockigeren, durchdachteren Melodien mit George Waites‘ starker Stimme als roter Faden. Das neue, mit dem eigenen Label vertriebene Album „Lucky Ones“ überzeugte so gleich noch eine Schippe mehr. Wie schön, dass es für solch ein Genre auch 2016 noch Fans gibt – wenn auch deutlich weniger, ist die Begeisterungsfähigkeit dieselbe geblieben. Selbst in Berlin.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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