The Kooks, Blossoms, Callum Beattie (02.04.19)

The Kooks, Blossoms, Callum Beattie (02.04.19)

The Kooks zählen zu den Indie-Rock-Lieblingen der 00er Jahre und haben es trotz des verschmähten vierten Albums „Listen“ geschafft, auch die jüngere Generation für sich zu gewinnen. Kein Wunder also, dass sich die Band alle ein bis zwei Jahre in Berlin blicken lässt und jedes Mal um die 3.000 Zuschauer anzieht. In diesem Jahr, zur Feier des neuen Albums „Let’s Go Sunshine“, suchte sich die Band als Location das Berliner Tempodrom in Kreuzberg aus. Vermutlich war es mal Zeit für etwas Neues, denn zuvor hatten sie tatsächlich ganze vier Mal die ähnlich große Columbiahalle bespielt. Vielleicht war Samy Deluxe bei der Columbiahalle aber auch einfach schneller. So oder so, das Tempodrom war eine gute Wahl, mit Sitz- und Stehplätzen je nach Belieben.

Callum Beattie Tempodrom Berlin 2019Bis sich die Halle füllt, dauert es allerdings. Der erste Support-Act, Callum Beattie, spielt lediglich vor einer Handvoll Zuschauern. Das ist nicht nur dem Sonnenschein draußen geschuldet: Auf dem Ticket und im Facebook-Event war von einem Konzertbeginn um 20 Uhr die Rede, zu diesem Zeitpunkt beendet der schottische Singer Songwriter sein Set aber schon. Schade, sein abwechslungsreicher Indie Pop / Folk Rock und seine sympathischen Ansagen überzeugen deutlich mehr als der schnarchlangweilige Auftritt der Supportkollegen Blossoms.

Die nostalgische Indie-Band begleitete The Kooks schon 2017 auf Tour und ist laut ihrer Landsmänner „die beste Band, die Großbritannien derzeit zu bieten hat“. Diese Einschätzung scheint das Publikum nicht zu teilen: Bei Blossoms regt sich vor der Bühne wenig, die Getränkestände dagegen finden großen Anklang, obwohl man dank 70er-Jahre-Outfits und diverser Gitarrenwechsel zumindest visuelles Entertainment geboten bekommt.

Im Vergleich zu dem sechsköpfigen, eng gestellten Musikaufgebot von Blossoms wirkt die Bühne bei The Kooks zunächst recht schlicht: Es gibt kein Banner und keine Videos im Hintergrund wie bei den beiden Touren zuvor. Nur ein paar LEDs und hochgestellte Drums mit dem markanten The Kooks Logo. Damit bleibt genug Freifläche für vier gut gelaunte Musiker – allen voran Luke Pritchard. Der Frontmann und Sänger von The Kooks wirbelt 75 Minuten über die Bühne des Tempodroms, flirtet mit dem Publikum und tanzt munter um seine Bandmitglieder. Bei „See Me Now“ wechselt Pritchard ans Klavier, bei „Seaside“ stehen er und seine Akustikgitarre im Mittelpunkt.

The Kooks Tempodrom Berlin 2019Obwohl The Kooks derzeit auf „Let’s Go Sunshine“-Promotour sind, sind nur vier Lieder des neuen Albums auf der Setlist vertreten. Der Rest der 22 Songs umfasst einen Mix aus Hits und Fan-Favoriten, von „Ooh La“, über „Always Where I Need To Be“ bis hin zu „Junk of the Heart“ und „Westside“.

Die Songauswahl kommt insgesamt gut an, doch gemeinschaftliche Momente wie bei „Seaside“, als gefühlt der ganze Saal die Handytaschenlampen leuchten lässt und mitsingt, gibt es nur selten. Zwar finden sich vor der Bühne wie auf den Rängen genug Leute, die zu der Musik mitwippen, aber frenetische Stimmung kommt nicht auf. Irgendwie ist der Auftritt zu routiniert, die Setlist zu 08/15 – vermutlich haben alle, die die Band schon einmal live erlebt haben, ein besseres Konzert im Hinterkopf.

Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau, schließlich geben sich The Kooks seit 15 Jahren große Mühe, ihren Fans die bestmögliche Setlist zu liefern, doch irgendetwas fehlt an diesem Abend. Vielleicht eine Überraschung.

(Aufmacherfoto: Pressefoto, Credit: Andrew Whitton)

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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