The Kooks, The Amazons (07.02.15, C-Halle)

The Kooks, The Amazons (07.02.15, C-Halle)

Als Mittzwanziger denkt man bei „Indie-Rock“ gern mal an volltrunkene Tanznächte und die ersten nicht ganz so peinlichen Konzerte ohne Eltern. Mando Diao, Razorlight, Arctic Monkeys, The Kooks … diese Namen haben das Genre vor Jahren dominiert und gefühlt hat sich Indie-Rock seitdem nur bedingt weiterentwickelt. Was viele allerdings nicht wissen: Die Bands bringen alle noch neue Alben raus. Bei The Kooks kommt die aktuelle Platte „Listen“ dem alten Zeug stiltechnisch sogar recht nahe – und zieht Unmengen junger Mädchen an, die Sänger Luke Pritchard anscheinend genauso hübsch finden wie seine Anhänger damals bei „Inside In / Inside Out“.

Entsprechend spaltete sich das Publikum beim ausverkauften The Kooks Auftritt in der Berliner Columbiahalle in zwei Gruppen: The Kooks Neu-Fans, dank denen „Listen“-Hit „Bad Habit“ unter den meistgehörten Kooks-Songs bei Spotify rangiert, sowie Alt-Fans, die sich einfach nochmal zurück erinnern wollten an 2007. Für Letztere war es vermutlich ziemlich überraschend zu entdecken, dass die Supportband The Amazons die Britrock-Indie-Sparte auch heutzutage noch bedient. Dass dies nicht sonderlich spannend ist, wurde allerdings ebenso schnell klar, denn The Amazons boten typisch rockige Nebenbei-Musik mit viel zu vielen „Oh Ohs“. Ist halt auch ein Statement, wenn die Band trotz mehrerer Supportdates mit nur 560 Facebook-Likes aufwarten kann…

Aber was soll’s, The Amazons waren nach einer kurzen halben Stunde Geschichte und 3.500 Besucher warteten gespannt auf den Hauptact, der pünktlich um 21 Uhr die Bühne betrat. Mit „Around Town“, glasklaren Sound und einer fulminanten Lichtshow startete das Live-Spektakel der Briten. Das Publikum feierte The Kooks ab der ersten Sekunde – zunächst vor allen Dingen mit Geschrei und Applaus, spätestens ab dem ersten alten Hit, „Ooh La“, kam dann allerdings auch Bewegung in die Besucher der C-Halle. Glücklicherweise war die Setlist nämlich bombensicher konzipiert: auf maximal zwei, drei neue Songs folgte mit Sicherheit altbewährtes Material, sodass „Seaside“-Liebhaber genauso sehr auf ihre Kosten kamen wie „Forgive & Forget“-Fans. Doch egal, ob Anhänger alter oder neuer Alben: Nicht umsonst lebt bei The Kooks die homogene Eingängigkeit und so war die gute Laune an diesem kalten Samstagabend durchweg bei allen Besuchern spürbar. Auch bei der Band schien die Stimmung angekommen sein, wirkten die Briten doch sehr motiviert und zufrieden mit dem frenetischen Angefeuere des Publikums. Höhepunkt waren dann aber doch die zu erwartenden Zugaben „Junk of the Heart (Happy)“ und – natürlich – „Naïve“. Die Sorglosigkeit von damals wird schließlich nicht ohne Grund mit diesem Song manifestiert, da bleibt der Fuß nicht still.

Danke an The Kooks für dieses Fest der Erinnerungen!

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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