The Sound Of Revolution 2017 (Bericht & Fotos)

The Sound Of Revolution 2017 (Bericht & Fotos)

6.000 Tickets im Vorverkauf weg, Besucher aus 38 Ländern, ein Line Up, bei dem jeder zweite Eintrag mit dem Zusatz “Exclusive”, “Anniversary” oder “Special Set” versehen war: Die zweite Auflage des The Sound of Revolution Festivals in Eindhoven glänzte schon im Vorfeld mit Superlativen. Mit der Revolution ist das aber bekanntlich so eine Sache, je größer ein Festival wird. Wie viel Rock-Show steckte also im TSOR und wie viel Hardcore war noch übrig?

Die 2017er Edition des Festival fand abermals im Klokgebouw in Eindhoven statt, einem ehemaligen Industriebau. Der Bau hat definitiv Atmosphäre, auch wenn man leider sagen muss, dass die hohen, kargen Hallen dem Sound auf keiner der Bühnen gut getan haben. Insgesamt 21 Bands spielten an einem Tag auf drei Bühnen verteilt für gerade einmal 25 Euro im Vorverkauf. Hierbei war die sogenannte “Revolution Stage” nicht wirklich revolutionär sondern eine riesige Festivalbühne mit Fotograben und jeder Menge Securities. Glücklicherweise war die etwas kleinere “True Spirit Stage” ohne Bühnengraben tatsächlich geeignet ihrem Namen gerecht zu werden. Die dritte Bühne, “Warzone Stage” genannt, befand sich in einem deutlich kleineren Saal. Während das Programm der beiden großen Bühnen exakt getaktet war, spielte die “Warzone Stage” jeweils parallel zu den anderen Bühnen. Dieser Nachteil wirkte sich aber glücklicherweise nicht grundsätzlich auf das Publikumsinteresse aus; bei jedem Blick in den Saal war auch dieser zumeist gut gefüllt. Störender war hingegen eher, dass es in dem Raum aufgrund der großen offenen Türen zum angrenzenden Raucherbereich derbe stank. Die Location wurde komplettiert durch eine Merchmeile, einen Distrobereich, verschiedene Essens- und Getränkestände und sogar durch einen Bereich mit Schließfächern, in denen man zwischendurch seine Einkäufe deponieren konnte. Eine Garderobe suchte man allerdings vergebens.

Festival Plan

Am Eingang fiel erst einmal die typische holländisch entspannte Atmosphäre auf, was sich den ganzen Tag über bei Kontakt mit verschiedenen Securities und den über 100 freiwilligen Helfern an den verschiedenen Ständen bestätigte. Allgegenwärtige Beschilderungen und straffe Bühnenzeitpläne zeigten eine professionelle Organisation. Trotzdem kam es zeitweise zu langen Schlangen, insbesondere am Eingang und am Token-Stand (Essen und Getränke konnten nur hiermit bezahlt werden). Der Unmut mancher Besucher wurde bereits am Festivaltag durch die Veranstalter in einem Facebook Posting aufgegriffen. Auf Kritik von einigen Besuchern stießen auch die teilweise hohen Preise für Essen und Getränke: 0,2l Softdrink oder eine 0,5l Wasserflasche (ohne Deckel) gab’s für 1 Token (Wert 2,75 Euro), einen Burger für 3 Tokens. Sollten hier die überaus günstigen Tickets quersubventioniert werden? Kann man machen, aber es hätte sich aber sicherlich auch niemand beschwert, wenn das Ticket 5,- teurer gewesen wäre.
Absolut nicht nachvollziehbar war hingegen die Regelung zur Rückgabe der Tokens: Wollte man nicht gebrauchte Wertmünzen zurücktauschen, bekam man lediglich 2,50 Euro zurück. Das riecht schon stark nach Abzocke und so gar nicht nach Hardcore-Ethos. Seine Pfandbecher konnte man aber auch der Hardcore Help Foundation spenden. Eine sehr schöne Idee. Dass sämtliches Essen allerdings in Wegwerfgeschirr serviert wurde, führte gepaart mit der leider immer wieder anzutreffenden Ignoranz mancher Besucher letztlich dazu, dass man ab dem Abend auf einer Schicht aus Müll und Essensresten durch den Eingangsbereich glitt. Schade. Abgesehen von solchen Kleinigkeit fiel das Festival aber durch eine überaus runde Organisation auf. Essen gab’s es vegan von Just Like Your Mums Catering und ansonsten eine Auswahl an Pommes, Burger, typisch holländisch frittierten Sachen und Sandwiches.

Aber nun zur Musik: Um 13:30 Uhr enterten This Means War als Opener die große Bühne. Für mich fiel der Auftritt leider der verspäteten Anreise zum Opfer. Erstaunlich, trotz der frühen Uhrzeit hatten Slander auf der True Spirit Stage bereits eine ordentliche Kulisse. Die Jungs aus Venedig freute es sichtlich und das Publikum dankte es mit ersten Side-to-Sides. Dass hier nicht nur Musiker sondern auch Fans gekommen waren, konnte man später am Tag sehen, als sich der Slander-Sänger mit einem Stagedive nach dem anderen von der Bühne stürzte.
Den Eindruck der frühen Ankunft vieler Besucher bestätigte sich auch bei . Vor einer bereits beeindruckenden Kulisse auf der Hauptbühne gelang es ihnen, zu ersten Singalongs zu animieren, auch wenn die Distanz durch den zwei Meter breiten Bühnengraben deutlich wurde.

hatten derweil  einen schwereren Stand. Die Fanbase war offensichtlich noch nicht so früh vertreten, so dass sich ein relativ großes Loch vor der Bühne nahezu den ganzen Auftritt hielt und nur selten gefüllt wurde. Im großen Eingangsbereich lief unterdessen ein DJ Set aus Hardcore, Punk und Metalklassikern. Wo man also hinkam, gab’s etwas auf die Ohren. kamen frisch eingeflogen auf die Bühne und werden diese erste Show ihrer Tour mit No Turning Back, Knuckledust und Strength For A Reason definitiv in Erinnerung behalten. Schon jetzt kamen Zweifel auf, wie viel mehr Leute eigentlich noch vor die Revolution Stage passen sollten. Wisdom In Chains war es egal. Die hymnischen Punk/Hardcore Songs wurden abgefeiert und lauthals mitgesungen. Im großen Saal enterten dann die völlig vernebelte Bühne. “We are Slapshot and we are a Hardcore Band!” Mehr muss nicht gesagt werden. Jack Kelly schaffte es, wie häufig, sich bereits beim ersten Song selbst eine Platzwunde am Kopf zu verpassen. Muss wohl sein. An den vielen Shirts im Publikum war zu erahnen, dass die Band aus Boston viel Zuspruch finden würde und dieser manifestierte sich in einem ordentlichen Pit. Ob man als Band mit über 30 Jahre langer Historie allerdings das Publikum zu “Hardcore, Hardcore”-Rufen animieren muss oder ob dies den Auftritt von Kategorie “Klassiker” eher in Richtung “komisch” driften lässt, darf jeder für sich beurteilen.

Ein Blick durch die verschiedenen Räume und nach draußen, wo sich immer noch eine lange Schlange am Eingang hielt, ließ zeitweise die Sorge aufkommen, ob die Räumlichkeiten am Ende nicht doch etwas zu klein sein würden für die 6.000 angekündigten Besucher. Bei war der Saal mit der True Spirit Stage dann brechend voll und es reicht ein Wort zur Beschreibung des Ganzen: Abriss. Ab diesem Auftritt bis zum Ende des Abends machte die mittlere Bühne ihrem Namen alle Ehre und es zeigte sich, dass es eine gute Idee war, hier keinen Graben vorzusehen. Stagedives, Saltos, Singalongs ohne Ende. nutzten das Festival in ihrer Heimat um ihr 20 jähriges Bandjubiläum zu feiern. Und dafür wurde ganz schön was aufgefahren. Als Mitorganisator war ein Slot auf der Hauptbühne fällig, wobei die Band meines Erachtens auf der True Spirit Stage deutlich besser funktioniert hätte. Zum Jubiläum gab es dann eine richtige Rock-Show inklusive CO2-Blasts und Luftschlangenkanone. Zusammen mit dem Standardintro, in dem die Band als “European Hardcore Heavy Weights” und “Main act of the evening you’ve all been waiting for” angekündigt wurde, war man sich streckenweise nicht sicher, ob das Ganze noch lustig sein sollte oder doch ein bisschen ernst gemeint und damit eher peinlich war. Das Set enthielt freilich einen Klassiker nach dem anderen und schloß wie üblich mit “Stronger”.

Wer den letzten Auftritt von auf dem Ieperfest vor ein paar Jahren noch in schlechter Erinnerung hatte, wurde im Anschluss ab dem ersten Song eines Besseren belehrt. Kein Vergleich zu dem gelangweilten, uninspirierten Auftritt von 2014. Diese Band hatte Bock. Ben Cook kam standesgemäß in Polyester-Jogginghose auf die Bühne und es roch ab dem ersten Song nach Testosteron. Songs mit Gesang von der “Suffer Survive” wie z.B. “Bad Timing” wurden diesmal komplett ignoriert. Das Publikum dankte es mit Stagedives und Singalongs. Nach dem etwas verkorksten Start nach der Reunion, zumindest in Europa, scheint die Band definitiv die Kurve gekriegt zu haben.

auf der Hauptbühne, das sollte Party bedeuten. War der Anfang noch etwas schleppend, brachen spätestens bei “Who’s the king” alle Dämme und der Saal hüpfte, als wäre es 1995. Band und Publikum hatten einfach nur Spaß und auch die bösen Hardcore-Jungs hatten ein Grinsen auf dem Gesicht, wenn das Saxophon ertönte. Nicht nur einmal wurde an das legendäre Dynamo Open-Air erinnert. Statt Surfbrett nutzte John Connor diesmal den Koffer des Bassisten, um wie damals eine Runde auf den Händen des Publikums zu drehen.

Mit aus Washington D.C. befindet sich eine weitere Band aus den 90ern gerade auf ihrer Reunion Tour. Ein einzelner neu veröffentlichter Song weckte Hoffnungen, aber wie funktioniert das nach fast 20 Jahren noch auf der Bühne? Der Anfang jedenfalls war ernüchternd, dritte Show der Tour und Brian McTernans Stimme war bereits vor dem ersten Song komplett hinüber. Der Anfang gestaltete sich dann auch eher schleppend, sodass sich die Befürchtung eines eher peinlichen Schauspiels zu bewahrheiten schien. Spätestens bei Song Nummer drei kippte die Stimmung dann aber und Band und Publikum zelebrierten die Songs als hätte es die Jahre dazwischen nicht gegeben. Den Abschluss bildete mit “Young till I die” ein großartiges 7 Seconds Cover, was es aber noch nicht einmal gebraucht hätte, um den Auftritt als eines der Highlights des Sound of Revolution-Festivals in Erinnerung zu behalten.

www.youtube.com/watch?v=7Ky7ggnVIfM

Konnte danach noch was kommen auf der True Spirit Stage? Oh ja. brauchten, trotz des ein oder anderen Verspielers, keine zwei Songs, um den Saal in der Hand zu haben. Mit gerade mal zwei Studioalben in den letzten neun Jahren und recht seltenen Besuchen in Europa wurde die Band dennoch abgefeiert. Nach hinten raus war der Saal nicht mehr ganz voll, aber vorne gibt es Stagedives ohne Ende. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass das Konzept der Veranstalter voll und ganz aufgehen sollte. Die Besucher verteilten sich ausreichend und trotzdem bzw. gerade deshalb hat jede Band ihr Publikum. Dieses wartete zu großen Teilen auch bereits vor der Hauptbühne auf den Headliner – . Auch hier waren Zweifel angebracht, ob die Band nach über 30 Jahren Bandgeschichte noch als Headliner nach so einem langen Tag zieht. Die Antwort ist ein ganz klares Ja. Dies sah man auch daran, dass das weite Rund der Bühne gefüllt war mit anderen Musikern des Tages, als die Band um die wie üblich breit grinsenden Gebrüder Koller gegen 23:00 Uhr die Bühne enterten. Eine Sick Of It All-Show ist eine Sick Of It All-Show, da braucht man sich nichts vorzumachen. Die gehört auf eine solche Bühne. Aber genau da funktioniert sie auch. Diese wahnsinnige Energie, die die mittlerweile nicht mehr ganz jungen Musiker immer noch an den Tag legen, übertrug sich trotz des anstrengenden Tages auf das Publikum, das es der Band mit Singalongs und jeder Menge Crowd Surfern dankte. Den Abschluss des Sets bildeten wie üblich “Scratch the surface” und “Step down”. Für mich endet der Tag nach dem Set der New Yorker. Auf dem Weg in Richtung Ausgang konnte ich aber sehen, dass auch die CroMags auf der True Spirit Stage nach Mitternacht noch einen komplett gefüllten Saal inklusive jeder Menge Stagediver vor sich versammelten. Die Klänge von Totos “Africa” entließen mich durch den Eingangsbereich, in dem mittlerweile sogar richtig Standardtanz probiert wurde, in die Eindhovener Nacht.

Insgesamt kann man den Machern des Festivals nur gratulieren, dass das diesjährige Line-up so gut funktioniert hat. Es ist kein einfacher Job und immer mit einem gewissen Risiko behaftet, dass eine Band beim Publikum komplett hinten runter fällt oder aber die Besucher nicht bis zum Ende gehalten werden. Aus ein paar organisatorischen Schwachstellen kann man zum nächsten Jahr noch lernen, aber ansonsten hat sich mit dem Sound of Revolution innerhalb von nur zwei Jahren eine Instanz weit über die europäische Hardcore Szene hinaus etabliert.

Slander

6.000 Tickets im Vorverkauf weg, Besucher aus 38 Ländern, ein Line Up, bei dem jeder zweite Eintrag mit dem Zusatz “Exclusive”, “Anniversary” oder “Special Set” versehen war: Die zweite Auflage des The Sound of Revolution Festivals in Eindhoven glänzte schon im Vorfeld mit Superlativen. Mit der Revolution ist das aber bekanntlich so eine Sache, je größer ein Festival wird. Wie viel Rock-Show steckte also im TSOR und wie viel Hardcore war noch übrig?Die 2017er Edition des Festival fand abermals im Klokgebouw in Eindhoven statt, einem ehemaligen Industriebau. Der Bau hat definitiv Atmosphäre, auch wenn man leider sagen muss, dass die hohen, kargen Hallen dem Sound auf keiner der Bühnen gut getan haben. Insgesamt 21 Bands spielten an einem Tag auf drei Bühnen verteilt für gerade einmal 25 Euro im Vorverkauf. Hierbei war die sogenannte “Revolution Stage” nicht wirklich revolutionär sondern eine riesige Festivalbühne mit Fotograben und jeder Menge Securities. Glücklicherweise war die etwas kleinere “True Spirit Stage” ohne Bühnengraben tatsächlich geeignet ihrem Namen gerecht zu werden. Die dritte Bühne, “Warzone Stage” genannt, befand sich in einem deutlich kleineren Saal. Während das Programm der beiden großen Bühnen exakt getaktet war, spielte die “Warzone Stage” jeweils parallel zu den anderen Bühnen. Dieser Nachteil wirkte sich aber glücklicherweise nicht grundsätzlich auf das Publikumsinteresse aus; bei jedem Blick in den Saal war auch dieser zumeist gut gefüllt. Störender war hingegen eher, dass es in dem Raum aufgrund der großen offenen Türen zum angrenzenden Raucherbereich derbe stank. Die Location wurde komplettiert durch eine Merchmeile, einen Distrobereich, verschiedene Essens- und Getränkestände und sogar durch einen Bereich mit Schließfächern, in denen man zwischendurch seine Einkäufe deponieren konnte. Eine Garderobe suchte man allerdings vergebens.http://www.stageload.org/wp-content/fotos/04-11-2017-sound-of-revolution/171104_00_TSOR_01.jpgAm Eingang fiel erst einmal die typische holländisch entspannte Atmosphäre auf, was sich den ganzen Tag über bei Kontakt mit verschiedenen Securities und den über 100 freiwilligen Helfern an den verschiedenen Ständen bestätigte. Allgegenwärtige Beschilderungen und straffe Bühnenzeitpläne zeigten eine professionelle Organisation. Trotzdem kam es zeitweise zu langen Schlangen, insbesondere am Eingang und am Token-Stand (Essen und Getränke konnten nur hiermit bezahlt werden). Der Unmut mancher Besucher wurde bereits am Festivaltag durch die Veranstalter in einem Facebook Posting aufgegriffen. Auf Kritik von einigen Besuchern stießen auch die teilweise hohen Preise für Essen und Getränke: 0,2l Softdrink oder eine 0,5l Wasserflasche (ohne Deckel) gab's für 1 Token (Wert 2,75 Euro), einen Burger für 3 Tokens. Sollten hier die überaus günstigen Tickets quersubventioniert werden? Kann man machen, aber es hätte sich aber sicherlich auch niemand beschwert, wenn das Ticket 5,- teurer gewesen wäre.Absolut nicht nachvollziehbar war hingegen die Regelung zur Rückgabe der Tokens: Wollte man nicht gebrauchte Wertmünzen zurücktauschen, bekam man lediglich 2,50 Euro zurück. Das riecht schon stark nach Abzocke und so gar nicht nach Hardcore-Ethos. Seine Pfandbecher konnte man aber auch der Hardcore Help Foundation spenden. Eine sehr schöne Idee. Dass sämtliches Essen allerdings in Wegwerfgeschirr serviert wurde, führte gepaart mit der leider immer wieder anzutreffenden Ignoranz mancher Besucher letztlich dazu, dass man ab dem Abend auf einer Schicht aus Müll und Essensresten durch den Eingangsbereich glitt. Schade. Abgesehen von solchen Kleinigkeit fiel das Festival aber durch eine überaus runde Organisation auf. Essen gab's es vegan von Just Like Your Mums Catering und ansonsten eine Auswahl an Pommes, Burger, typisch holländisch frittierten Sachen und Sandwiches.Aber nun zur Musik: Um 13:30 Uhr enterten This Means War als Opener die große Bühne. Für mich fiel der Auftritt leider der verspäteten Anreise zum Opfer. Erstaunlich, trotz der frühen Uhrzeit hatten Slander auf der True Spirit Stage bereits eine ordentliche Kulisse. Die Jungs aus Venedig freute es sichtlich und das Publikum dankte es mit ersten Side-to-Sides. Dass hier nicht nur Musiker sondern auch Fans gekommen waren, konnte man später am Tag sehen, als sich der Slander-Sänger mit einem Stagedive nach dem anderen von der Bühne stürzte.Den Eindruck der frühen Ankunft vieler Besucher bestätigte sich auch bei Knuckledust. Vor einer bereits beeindruckenden Kulisse auf der Hauptbühne gelang es ihnen, zu ersten Singalongs zu animieren, auch wenn die Distanz durch den zwei Meter breiten Bühnengraben deutlich wurde.Strength For A Reason hatten derweil  einen schwereren Stand. Die Fanbase war offensichtlich noch nicht so früh vertreten, so dass sich ein relativ großes Loch vor der Bühne nahezu den ganzen Auftritt hielt und nur selten gefüllt wurde. Im großen Eingangsbereich lief unterdessen ein DJ Set aus Hardcore, Punk und Metalklassikern. Wo man also hinkam, gab's etwas auf die Ohren. Wisdom In Chains kamen frisch eingeflogen auf die Bühne und werden diese erste Show ihrer Tour mit No Turning Back, Knuckledust und Strength For A Reason definitiv in Erinnerung behalten. Schon jetzt kamen Zweifel auf, wie viel mehr Leute eigentlich noch vor die Revolution Stage passen sollten. Wisdom In Chains war es egal. Die hymnischen Punk/Hardcore Songs wurden abgefeiert und lauthals mitgesungen. Im großen Saal enterten dann Slapshot die völlig vernebelte Bühne. “We are Slapshot and we are a Hardcore Band!” Mehr muss nicht gesagt werden. Jack Kelly schaffte es, wie häufig, sich bereits beim ersten Song selbst eine Platzwunde am Kopf zu verpassen. Muss wohl sein. An den vielen Shirts im Publikum war zu erahnen, dass die Band aus Boston viel Zuspruch finden würde und dieser manifestierte sich in einem ordentlichen Pit. Ob man als Band mit über 30 Jahre langer Historie allerdings das Publikum zu “Hardcore, Hardcore”-Rufen animieren muss oder ob dies den Auftritt von Kategorie “Klassiker” eher in Richtung “komisch” driften lässt, darf jeder für sich beurteilen.Ein Blick durch die verschiedenen Räume und nach draußen, wo sich immer noch eine lange Schlange am Eingang hielt, ließ zeitweise die Sorge aufkommen, ob die Räumlichkeiten am Ende nicht doch etwas zu klein sein würden für die 6.000 angekündigten Besucher. Bei Backtrack war der Saal mit der True Spirit Stage dann brechend voll und es reicht ein Wort zur Beschreibung des Ganzen: Abriss. Ab diesem Auftritt bis zum Ende des Abends machte die mittlere Bühne ihrem Namen alle Ehre und es zeigte sich, dass es eine gute Idee war, hier keinen Graben vorzusehen. Stagedives, Saltos, Singalongs ohne Ende.No Turning Back nutzten das Festival in ihrer Heimat um ihr 20 jähriges Bandjubiläum zu feiern. Und dafür wurde ganz schön was aufgefahren. Als Mitorganisator war ein Slot auf der Hauptbühne fällig, wobei die Band meines Erachtens auf der True Spirit Stage deutlich besser funktioniert hätte. Zum Jubiläum gab es dann eine richtige Rock-Show inklusive CO2-Blasts und Luftschlangenkanone. Zusammen mit dem Standardintro, in dem die Band als “European Hardcore Heavy Weights” und “Main act of the evening you’ve all been waiting for” angekündigt wurde, war man sich streckenweise nicht sicher, ob das Ganze noch lustig sein sollte oder doch ein bisschen ernst gemeint und damit eher peinlich war. Das Set enthielt freilich einen Klassiker nach dem anderen und schloß wie üblich mit “Stronger”.Wer den letzten Auftritt von No Warning auf dem Ieperfest vor ein paar Jahren noch in schlechter Erinnerung hatte, wurde im Anschluss ab dem ersten Song eines Besseren belehrt. Kein Vergleich zu dem gelangweilten, uninspirierten Auftritt von 2014. Diese Band hatte Bock. Ben Cook kam standesgemäß in Polyester-Jogginghose auf die Bühne und es roch ab dem ersten Song nach Testosteron. Songs mit Gesang von der “Suffer Survive” wie z.B. “Bad Timing” wurden diesmal komplett ignoriert. Das Publikum dankte es mit Stagedives und Singalongs. Nach dem etwas verkorksten Start nach der Reunion, zumindest in Europa, scheint die Band definitiv die Kurve gekriegt zu haben.Dog Eat Dog auf der Hauptbühne, das sollte Party bedeuten. War der Anfang noch etwas schleppend, brachen spätestens bei “Who’s the king” alle Dämme und der Saal hüpfte, als wäre es 1995. Band und Publikum hatten einfach nur Spaß und auch die bösen Hardcore-Jungs hatten ein Grinsen auf dem Gesicht, wenn das Saxophon ertönte. Nicht nur einmal wurde an das legendäre Dynamo Open-Air erinnert. Statt Surfbrett nutzte John Connor diesmal den Koffer des Bassisten, um wie damals eine Runde auf den Händen des Publikums zu drehen.Mit Battery aus Washington D.C. befindet sich eine weitere Band aus den 90ern gerade auf ihrer Reunion Tour. Ein einzelner neu veröffentlichter Song weckte Hoffnungen, aber wie funktioniert das nach fast 20 Jahren noch auf der Bühne? Der Anfang jedenfalls war ernüchternd, dritte Show der Tour und Brian McTernans Stimme war bereits vor dem ersten Song komplett hinüber. Der Anfang gestaltete sich dann auch eher schleppend, sodass sich die Befürchtung eines eher peinlichen Schauspiels zu bewahrheiten schien. Spätestens bei Song Nummer drei kippte die Stimmung dann aber und Band und Publikum zelebrierten die Songs als hätte es die Jahre dazwischen nicht gegeben. Den Abschluss bildete mit “Young till I die” ein großartiges 7 Seconds Cover, was es aber noch nicht einmal gebraucht hätte, um den Auftritt als eines der Highlights des Sound of Revolution-Festivals in Erinnerung zu behalten.www.youtube.com/watch?v=7Ky7ggnVIfMKonnte danach noch was kommen auf der True Spirit Stage? Oh ja. Cold World brauchten, trotz des ein oder anderen Verspielers, keine zwei Songs, um den Saal in der Hand zu haben. Mit gerade mal zwei Studioalben in den letzten neun Jahren und recht seltenen Besuchen in Europa wurde die Band dennoch abgefeiert. Nach hinten raus war der Saal nicht mehr ganz voll, aber vorne gibt es Stagedives ohne Ende. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass das Konzept der Veranstalter voll und ganz aufgehen sollte. Die Besucher verteilten sich ausreichend und trotzdem bzw. gerade deshalb hat jede Band ihr Publikum. Dieses wartete zu großen Teilen auch bereits vor der Hauptbühne auf den Headliner - Sick Of It All. Auch hier waren Zweifel angebracht, ob die Band nach über 30 Jahren Bandgeschichte noch als Headliner nach so einem langen Tag zieht. Die Antwort ist ein ganz klares Ja. Dies sah man auch daran, dass das weite Rund der Bühne gefüllt war mit anderen Musikern des Tages, als die Band um die wie üblich breit grinsenden Gebrüder Koller gegen 23:00 Uhr die Bühne enterten. Eine Sick Of It All-Show ist eine Sick Of It All-Show, da braucht man sich nichts vorzumachen. Die gehört auf eine solche Bühne. Aber genau da funktioniert sie auch. Diese wahnsinnige Energie, die die mittlerweile nicht mehr ganz jungen Musiker immer noch an den Tag legen, übertrug sich trotz des anstrengenden Tages auf das Publikum, das es der Band mit Singalongs und jeder Menge Crowd Surfern dankte. Den Abschluss des Sets bildeten wie üblich “Scratch the surface” und “Step down”. Für mich endet der Tag nach dem Set der New Yorker. Auf dem Weg in Richtung Ausgang konnte ich aber sehen, dass auch die CroMags auf der True Spirit Stage nach Mitternacht noch einen komplett gefüllten Saal inklusive jeder Menge Stagediver vor sich versammelten. Die Klänge von Totos “Africa” entließen mich durch den Eingangsbereich, in dem mittlerweile sogar richtig Standardtanz probiert wurde, in die Eindhovener Nacht.Insgesamt kann man den Machern des Festivals nur gratulieren, dass das diesjährige Line-up so gut funktioniert hat. Es ist kein einfacher Job und immer mit einem gewissen Risiko behaftet, dass eine Band beim Publikum komplett hinten runter fällt oder aber die Besucher nicht bis zum Ende gehalten werden. Aus ein paar organisatorischen Schwachstellen kann man zum nächsten Jahr noch lernen, aber ansonsten hat sich mit dem Sound of Revolution innerhalb von nur zwei Jahren eine Instanz weit über die europäische Hardcore Szene hinaus etabliert.Slander
Strength For A Reason
Wisdom In Chains
No Turning Back
Autor Tobias Luger
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Beruf ja
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Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
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