Title Fight, Drug Church, Milk Teeth (23.05.15, Underground Köln)

Title Fight, Drug Church, Milk Teeth (23.05.15, Underground Köln)

Und wie findest du das neue Album?“ – in diesen Tagen lautet so die Standardfrage schlechthin, beginnt ein Gespräch sich um Title Fight zu drehen. Aber was soll man auch erwarten, wenn aus melodischem Hardcore mit Emo-Einschlag hypnotisierender Shoegaze wird? Selten hat sich der Sound einer Band so drastisch innerhalb des Zeitraumes von nur zwei Alben geändert. Da stellt sich natürlich die Frage, wie diese Kombination wohl live klingt und wie sie auf der Bühne zum Besten gegeben wird. Also haben wir uns kurzerhand auf den Weg nach Köln zum Underground gemacht, um den vier jungen Männern aus Kingston, Pennsylvania, beim Musizieren zuschauen. Denn neben Stuttgart, München, Berlin und Hamburg stand auch die Domstadt auf dem deutschen Teil des Tourplans.

Doch bevor Title Fight die Bühne überhaupt betraten, musste man zwei andere Bands über sich ergehen lassen. So war jedenfalls die Gemütslage bevor Milk Teeth zu spielen begannen. Doch was ebendiese im Underground veranstalteten, wollte man dann doch nicht verpassen. Milk Teeth bestehen aus drei Jungs und einem Mädchen. Und ihr Bandname ist durchaus mit Bedacht gewählt, denn teilweise sehen sie tatsächlich so aus, als könnten sie noch ihre Milchzähne haben. Und passend dazu sind sie auf der Bühne so dermaßen aufgedreht, wie Kinder, die zu viel Zucker gegessen haben. Genau diese Energie wurde ihrem Set aus einem Mix von Punk-, Grunge- und Emoelementen schlussendlich auch zum „Verhängnis“, jedenfalls zu dem des Leadsängers. Denn der fiel zwischenzeitlich nicht nur fast in die Drums, weil er seine Gitarre zu ausgelassen um sich warf, sondern er stieß zudem mit der Bassistin ein ums andere Mal zusammen und stolperte generell in regelmäßigen Abständen über seine eigenen Kabel. Gegen Ende des Sets geschah genau dies erneut, allerdings riss der junge Mann dabei auch gleich noch diverse andere raus und sorgte so für einen partiellen Stromausfall. Nicht der erste wohlgemerkt, denn nach kurzer Reparaturpause, gelang ihm das Meisterwerk beim letzten Song gleich ein zweites Mal. Das abermalige Missgeschick veranlasste ihn dann zu einem denkwürdigen Abgang: Seine unschuldige Gitarre trat er einmal durch den Raum und dann ging er ab – mitten im Song.

Drug Church hatten also einen fast comedy-reifen Auftritt zu toppen. Scheinbar hatten sie diesen aufmerksam studiert, denn auch ihr Sänger versteifte sich schnell auf wirres Geschichten erzählen und strich irgendwann das arme Eindhoven von der Landkarte – er habe noch nie was von der Stadt gehört, da werde es sie auch nicht geben. Zum Glück machten Drug Church auch noch Musik und dieses Soundgemisch aus melodischem Post-Hardcore und Grunge kam so gut an, sie hätten auch den Headliner geben können – wenn da nicht Title Fight gewesen wären!

Das Rätsel um die Kombinationsmöglichkeiten drei grundverschiedener Alben sollte nämlich nun gelüftet werden: ja, die Chose funktioniert großartig. Entsprechend bebte alsbald der ganze Raum. Sowohl Band als auch Equipment wurde von den Zuschauern, als diese die Bühne stürmten, beiseite gestoßen, damit sie sich gleich darauf wieder in den überfüllten Raum werfen konnten. Wer keinen Merch gekauft hat, wird stattdessen mit einigen blauen Flecken als Erinnerung nach Hause gegangen sein. Aber nicht nur diejenigen, die sich direkt vor der Bühne befanden, mussten einiges einstecken, sondern auch das gesamte Interieur. Wer den Underdround kennt, weiß schließlich, dass die Decken nicht allzu hoch sind. Demnach kam es ein ums andere Mal vor, dass die Deckenbeleuchtung einen Treffer einstecken musste. Von Tritten der springenden Zuschauer, bis hin zu denjenigen, die sich als Tarzan versuchten. Nicht schlecht – fand auch die Band.

Fotos der Show in Berlin gibt es hier zu sehen: http://www.stageload.org/fotos/title-fight-drug-church-milk-teeth

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