Trash Talk, Rolo Tomassi, Throats

Trash Talk, Rolo Tomassi & Throats

Trash Talk, Rolo Tomassi & Throats

05.04.10 im Underground, Köln
Zugegeben, die drei Bands, die man sich am Ostermontag zusammen im Underground ansehen konnte, waren zunächst eine etwas gewöhnungsbedürftige Kombi. Da wären die Headliner Trash Talk mit ihren trashigen eine Minute Hardcore Songs, die experimentellen Rolo Tomassi, die man irgendwie in keine Musikschublade stecken kann, und Throats, mit ihrem lauten Mathcore. Dieses Line-Up scheint aber zu funktionieren, zumindest war das Underground ziemlich gut gefüllt.
Los ging’s um kurz nach 8 mit den Engländern Throats. Und zwar so plötzlich, dass der Großteil der Besucher sich noch gar nicht im Club an sich befand. Je mehr Klänge sich jedoch nach draußen bewegten umso mehr Leute fanden sich zum Glück auch vor der Bühne zusammen. Die fünf Briten verzichteten auf großes Gerede, wirkten allerdings sehr sympathisch und stellten ihre erste Selftitled EP vor, die vor Kurzem über Holy Roar Records veröffentlicht wurde. Das Publikum an sich war größtenteils ziemlich angetan und wippte im Takt mit. Der ein oder andere war sogar schon textsicher und da der Sound auch besser war, als auf ihrer letzten kleinen Tour mit Worms Feed, konnte man den Auftritt durchaus als gelungen bezeichnen.
Als nach knapp zwanzig Minuten das Umbauen für Rolo Tomassi begann und ein Synthesizer auf die Bühne geholt wurde, war klar, dass sich nun ein Musikerlebnis der anderen Art für uns eröffnen würde. Ich persönlich hatte vorher noch gar nichts von der Band gehört und so erging es wohl auch vielen anderen Konzertbesuchern. Diesen vielen anderen Konzertbesuchern schien allerdings zumindest Sängerin Eva zuzusagen, die mit einem knappen schwarzen Kleidchen über die Bühne hüpfte und mal schreiend, mal singend ihre Stimme zum Besten gab. Ob das, was insgesamt herüberkam, nun nicht nur Augen- sondern auch Ohrenschmaus war, darüber lässt sich streiten. Für mich war das ganze etwas zu wirr und unstrukturiert, aber zumindest gab es nach dem letzten Song „Abraxus“ warmen, freundlichen Applaus der Anwesenden.
Dass Trash Talk die am meisten gefeierte Band des Abends war im Vorfeld erwartet worden und diese Erwartung wurde schon beim Intro bestätigt, als sich Sänger Lee noch gar nicht auf der Bühne befand und schon die ersten munter hin- und herrannten. Los ging’s mit „F.Y.R.A/Worthless Nights“ und „Dig“. Es wurde sehr schnell eng und brutal ganz vorne, aber das kam ja nicht sonderlich überraschend. Lee verkündete, dass sie zum ersten Mal in Köln seien und war merklich beeindruckt von der Stimmung. Er selbst war natürlich ganz der charismatische Frontmann, der sich des Öfteren selbst ins Publikum warf, über die Bühne rollte und am Ende wahrscheinlich so viele blaue Flecken hatte, wie seine Anhänger selbst. Ohne viele Unterbrechungen ging es durch die gesamte Trash Talk Diskographie und jeder der Songs, ob „Babylon, CA“, „Well of Souls“ oder „Walking Disease“ wurde frenetisch abgefeiert. Auch die neuen Lieder, einerseits das ungewöhnlich lange „Explode“ und anderseits das wie gewohnt kurze „Envy“, vom bald erscheinenden Album „Eyes & Nines“ kamen gut an. Gewinner des Abends waren aber natürlich wieder „Manifest Destination“, wo sich am Ende bestimmt zwanzig Leute auf der Bühne aufhielten und „forever fucked“ ins Mikro brüllten, und „Sacramento Is Dead“. Bei Letzterem übernahm der jahrelange Trash Talk Tourbegleiter Sebastian das Mikro und fand sich am Ende liegend auf der Bühne wieder, mit sehr sehr vielen Leuten über ihm. Nach „Lepers to feed the Lepers“ und „Birth Plague Die“ war dann auch trotz Zugaberufen Schluss und ein farbiger, lustig wirkender Mann stand zum wiederholten Male auf der Bühne und rief „War das nicht die Party eures Lebens?“ – Vielleicht nicht die Party unseres Lebens, aber eine überzeugende war’s auf jeden Fall.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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