
Fotos und Bericht von Converge, Kylesa, Gaza, Kvelertak im Feierwerk, München vom 06.08.2010
Dass auf Hardcoreshows mehr Jungs als Mädels sind, ist gang und gäbe, dass auf einer Show das männliche Geschlecht fast völlig in der Übermacht ist, ist dann aber doch etwas verwunderlich. Muss wohl– ganz klischeebelastet – an der sehr metallastigen Musik liegen, die Converge am 6.August mit ihren drei Supportbands ins Feierwerk München brachten.
Pünktlich um halb 9 ging es los mit den Norwegern Kvelertak und ihrer eigens kreierten Musikrichtung „Necro’n’Roll“. Im Prinzip rockiger Metal aus dem Norden und dank Texten in der Landessprache auch für jeden von uns unverständlich. Nichtsdestotrotz sind Kvelertak ein wahrer Geheimtipp und wurden schon im Vorfeld als bester Support gehandelt. Aus diesem Grund standen denn auch schon so einige Leute vor der Bühne, die zwar nicht textsicher mitgröhlten aber zumindest tapfer ihre Mähnen schwangen oder mit den Füßen wippten. Mit am besten kam wohl „Blodtørst“ an. Im Grunde genommen war aber der komplette Auftritt ziemlich überzeugend, für mich ein bisschen überraschend, da sie mich auf Platte bisher nicht begeistern konnten. Sie waren aber sogar besser als die darauffolgenden Gaza aus Boston, deren Auftritt nach kurzer Zeit ziemlich monoton und langweilig wurde. Es war zwar faszinierend, zu beobachten, welche Akrobatik der zwei Meter große Sänger mit dem Mikrofonständer fabrizierte, insgesamt war das aber Grindcore/Hardcore von der ganz langweiligen Sorte. Laut der Konzertbeschreibung des Veranstalters stechen Gaza aus „der Masse der öden, gut aussehenden Myspace-Bands wohltuend“ heraus – aus der gutaussehenden Masse vielleicht, doch sonst dürften sie unauffällig im Einheitsbrei verschwinden…
Ganz und gar nicht normal war dagegen der dritte und letzte Support: Kylesa. Mit zwei Schlagzeugen und weiblich-männlichen Doppelvocals versuchten sie die Besucher zu begeistern – Mit Erfolg. Viel geredet wurde hier zwar auch wieder nicht und mein Fall waren sie ebenfalls nicht, dafür kam das Publikum aber endlich in Bewegung und feierte den psychodelisch angehauchten Metal der Band aus Georgia, USA. Auf der myspace-Seite der Band kann man sich übrigens zwei Songs gratis und völlig legal herunterladen, löblich!
Um kurz nach 11 durften dann aber endlich die Headliner die Bühne betreten und während Jacob Bannon munter „Aufwärmgymnastik“ betrieb, füllte sich der Raum vor der Stage bis zum letzten Loch. Als die Kultband aus Boston die ersten Töne von „Concubine“ anstimmte, rasteten alle aus und so sollte es auch noch für eine gute Stunde bleiben. Natürlich sind Converge nicht die klassische „Tanz und Gesang“-Band, die Menge drängte aber trotzdem unaufhörlich Richtung Mikro und es gab die ersten Crowdsurfer des Abends. Jacob Bannon bedankte sich immer und immer wieder für das Kommen der Leute (was auch die anderen Bands schon zur Genüge getan hatten) und war sogar zwischendurch zu kleinen Scherzen aufgelegt. Er konnte aber leider nicht darüber hinwegtrösten, dass die Setlist doch SEHR „Axe To Fall“-lastig war. Na klar, das ist die neue, zu promotende Platte und die neuen Songs wurden auch an diesem Abend super aufgenommen, trotzdem möchte man doch gerne das ein oder andere Lieblingsstück der letzten Jahre hören. In meinem Fall wären das „Jane Doe“, „Thaw“, „You fail me“ und „Black Rose/Grim Heart“, die alle nicht gespielt wurden, aber was soll’s zumindest der lautstark verlangte Zugabenblock holte noch einmal alles raus: Bei „First Light/Last Light“, „Eagles Become Vultures“ und „The Broken Vow“ gaben schrie sich Bannon die Seele aus dem Leib. Und wenn man ehrlich ist, war der ganze Auftritt auch einfach SO überzeugend, dass man über die Setlist fast hinweg sehen kann. Aber auch nur fast.


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