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Interviews
Interview mit City Light Thief
02.06.2009 | Autor: Jannik Holdt | Schreibe einen Kommentar | 46 Klicks

Interview mit City Light ThiefInterview mit City Light Thief + kostenlosen Download des Songs “Domino Sparrow” von der aktuellen Demoplatte!

Stellt euch bitte einmal vor. Was macht ihr beruflich neben der Band? Wer sind die Mitglieder von City Light Thief?

Wir sind zu fünft. Robert spielt Schlagzeug, Bringo ist am Bass. Die beiden studieren in Köln. Roman und Tobi spielen Gitarre, Roman ist gerade mit seiner Ausbildung fertig und Tobi steht kurz vor einem Studium. Benni singt und arbeitet für mehrere Firmen in der bösen Musikindustrie.

Aus Whisk?! wurde ja Ende letzten Jahres City Light Thief. Was hat sich seit den Anfängen der Band verändert, sowohl musikalisch als auch bei euch persönlich?

Ja, das war schon eine komische Sache. Es gab mehrere Gründe dafür, uns umzubenennen. Alle haben gesagt, wir wären total dämlich, jetzt unseren Namen zu ändern. Schließlich hatten wir gerade bei Rock Am Ring 2008 gespielt und auch sonst ein relativ “erfolgreiches” Jahr hinter uns gebracht. Als Tobi, Roman und Benni die Band 2003 gegründet haben, damals noch mit anderem Bassisten und Schlagzeuger, waren wir alle noch total saujung. Mit 14-15 Jahren ist man anders drauf, als heute, wo manche Mitglieder schon 25 Jahre alt sind. Der Name Whisk?! hat einfach nicht mehr zu uns gepasst, wir waren da irgendwie… rausgewachsen. Der neue Name, City Light Thief, passt zu uns und wir sind sehr glücklich damit. Mit Whisk?! war nach 2008 irgendwie das Maximum erreicht. Das letzte Konzert als Whisk?! war ein totaler Höhepunkt, und wir glauben, dass wir das alles ganz gut hinbekommen haben.

Persönlich hat sich neben dem Besetzungswechsel Mitte 2007 nicht viel getan. Außer dass wir das Musikmachen inzwischen viel viel ernster sehen als vor 2 Jahren. Für uns sind die Bandproben inzwischen auch zu Arbeit geworden, weil wir mehr als nur normale Rocksongs machen wollen. Wir beschweren uns aber nicht, es gibt eigentlich nichts Besseres, als an der eigenen Musik zu arbeiten.

Wenn ihr einen neuen Song macht, wie läuft das bei euch ab?

Tobi und Bringo sind die Hauptsongwriter. Die nehmen zu Hause kleine Demos auf, die wir uns dann im Proberaum zusammen anhören. Dann schauen wir, was uns allen gefällt, und  fangen an, drauf los zu spielen. Was am Ende dabei rauskommt, klingt meistens ganz anders als die Idee, um die es am Anfang ging. Es ist immer sehr wichtig, dass alle einen Song mögen und ihn verstehen. Weil wir da relativ demokratisch umgehen schreiben wir auch unglaublich langsam neue Songs. Aber wir arbeiten daran! Ein Album will ja auch erstmal geschrieben werden.

Bald erscheint eure neue EP. Was hat sich im Gegensatz zu eurer letzen Platte “Goodbye, Good Will”  verändert?

Wir sind seit ein paar Tagen endlich fertig mit den Aufnahmen. Wir haben eine neue kleine 3-Song Demo aufgenommen, um zu zeigen, inwiefern sich unser Sound geändert hat. Wir haben ein großes Problem, unsere Musik zu kategorisieren, aber wenn über uns geschrieben wird, steht da meistens “Punkrock mit (Post-)Hardcore Einflüßen”. Wenn man die neuen Songs mit der letzten EP vergleicht, wird man denke ich auf jeden Fall feststellen, dass unsere Songs viel detaillierter geworden sind. Wir haben uns seitdem es die Band gibt immer vorgenommen, uns nicht auf ein Genre zu beschränken. Die drei neuen Songs sind sehr viel eigenständiger geworden. Obwohl wir immer noch auf der Suche nach “unserem Sound” sind, machen wir jetzt einen großen Schritt nach vorne. Die Songs der alten EP könnten von “jeder anderen” Punkrockband geschrieben sein, die gern mal was experimentiert. Die neue Demo aber klingt viel eher nach uns. Wir sind mal total gespannt, wie unsere nächsten Lieder klingen werden.

Wie verliefen die Aufnahmen?

Einerseits: total geil, weil wir im Studio noch kreativ waren. Die Atmosphäre war, ja, inspirierend. Wir haben während der Aufnahmen ein paar Experimente gemacht. Aufgenommen haben wir bei unserem Freund Amadeus Sektas, der gerade in ein großes neues Studio gezogen ist. Checkt ihn unbedingt, seine Seite findet ihr unter www.another-level.de. Das “Problem” war viel eher, dass Amadeus langsam einen total guten Ruf als Produzenten hat, und seit kurzem, und das ist ernst gemeint, sehr erfolgreich Hip Hop produziert. Im Moment produziert er z.B. mit US-Größen wie Mario Winans oder den Ying Yang Twins. Diese Produktionen kosten Amadeus viel Zeit, weshalb wir immer nur mit einigen Tagen Abstand aufnehmen konnten. Das war ein wenig nervig, aber wir haben da total Verständnis für, immerhin arbeitet Amadeus da mit Leuten zusammen, die schon mehrmals in den Top10 der amerikanischen Charts waren. Das muss man sich erstmal reintun! Wahnsinn. Aber nachdem dann alles aufgenommen war, wir haben diesmal ja auch kleine Piano-Parts, Groupshouts, Handclaps und so weiter am Start, hat Bastian Hartmann von The Tourist den Mix gemacht. Das ging dann alles total schnell. Mit ein bisschen mehr Zeit war das schon die perfekte Konstellation!

Habt ihr einen persönlichen Lieblingssong auf der EP?

Das ist ein bisschen schwierig zu beantworten, da alle drei Songs vollkommen unterschiedlich klingen. Unseren momentanen Sound umreißt wohl Domino Sparrow am besten. Der Song macht in knappen 3 Minuten klar, worum es bei uns geht. Energie, Melodie, Musikalität. Oder so. Diesen Song könnt ihr übrigens gratis für 7 Tage bei stageload.de herunterladen. Also: Machen & weitergeben! Aber natürlich finden wir alle drei Songs toll, sonst hätten wir sie nicht aufgenommen. Die Demo soll einfach zeigen, wie unterschiedlich wir klingen können – und wollen.

Wovon handeln die Texte auf der EP?

Über alle Lyrics zu sprechen, würde den Rahmen etwas sprengen. Die Texte sind uns in den Songs sehr wichtig, es gibt nichts Schlimmeres als “Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Reime” auf Schüler-Englisch. Die Texte schreiben Bringo und Benni, das wechselt sich immer mal wieder ab. In den Texten geht es meistens um “uns”, also nicht über Politik oder Sozialkritik. Domino Sparrow ist da ein ganz gutes Beispiel. Ich habe einen Artikel über einen Spatz gelesen, der beim Domino Day, das ist so eine dubiose Geld-Verbrenner-Show auf RTL, durch ein Fenster in die Domino Halle geflogen ist. Der Vogel wusste natürlich gar nicht was abgeht, und hat beim rumfliegen ein paar Zehntausend Domino Steine umgekippt, kurz vor der Fernsehübertragung. Um mehr Schaden zu verhindern, haben die Leute von RTL einfach einen Jäger bestellt und den Vogel erschießen lassen. Ganz schön asozial. Dieser Spatz ist jetzt als Domino Sparrow in Holland in einem Museum ausgestellt. Ich habe diesen Vorfall dann irgendwie als Sinnbild genommen – Es passiert ja schon ab und an mal, dass man für etwas verantwortlich gemacht wird, vielleicht sogar bestraft, obwohl man gar nicht weiß, oder gar nicht wissen kann, was man eigentlich verbrochen haben soll. Und wenn einem alle sagen “Du hast Scheiße gebaut!” glaubt man diesen Leuten vielleicht sogar. Und dann zweifelt man an sich selbst. Ein Teufelskreis irgendwie, und darum gehts in diesem Song. War das verständlich?

Was versucht ihr den Zuhörern/Zuschauern zu vermitteln? Wollt ihr auch eine Art Botschaft mit euren Texten loswerden?

Wie schon gesagt, wir sind keine politische Band, die irgendwas anprangern will. Natürlich haben wir eine politische Meinung und Überzeugung, aber oft wird es kritisch, wenn Bands versuchen, ihr Publikum zu einer politischen Meinung “zu zwingen”. Als zB Bush noch an der Macht in den USA war, gab es endlos viele Bands, die “FUCK BUSH!” Ansagen gebracht haben, selbst wenn sie nicht mal aus Amerika kamen. Natürlich sind und waren wir auch vollkommen gegen diese Regierung, aber wir hätten es für vollkommen abwägig gehalten, unser Publikum da zu einer Meinung zu zwingen. Unsere Texte behandeln eher das Individuum. Herje, das klingt hochgestochen. Aber, um es ganz eindeutig zu machen: Wenn wir einen Text machen, in dem es darum geht, wie scheiße es ist, wenn man merkt dass man die Verbindung zu einem ehemals guten Freund verliert, dann können das sicherlich einige Zuhörer nachvollziehen. So Zeug passiert halt dir und mir, jedem halt. Wenn man bei uns eine “Botschaft” sucht, ist es am ehesten die, dass die Texte nicht damit enden, dass “Alles total scheiße ist” und es sowieso keinen Ausweg gibt, sondern dass es weitergehen muss. Also, wir sagen: Kopf Hoch!

Von welchen 5 Bands lasst ihr euch beeinflussen?

Das ist auch eine sehr komplizierte Frage, weil wir da alle Fünf relativ unterschiedlich sind. Richtige Vorbilder haben wir nicht, aber wenn wir uns auf ein paar Namen festlegen müssten, würden wir uns wohl für Bands wie Captain Planet, Refused, At The Drive-In, Alexisonfire und Escapado entscheiden. Und halt alles was dazwischen liegt. Wir sind alle ziemliche Musiknerds und hören / konsumieren total viel Musik. Da kommt einiges zusammen!

Vielen Dank für das Interview!


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