Interview mit Adam Angst

Interview mit Adam Angst

Für Adam Angst laufen die Dinge aktuell richtig gut. Schließlich hat die Band gerade ihr neues Album „Neintology“ vorgestellt und die Karten für die Tour im November verkaufen sich blendend. Wir haben uns mit Sänger Felix Schönfuss und Gitarrist Roman Hartmann unter anderem über das neue Album, den technischen Fortschritt und die Tour im November unterhalten.

Zumindest für dich Felix ist „Neintology“ das erste zweite Album. Ist da der Druck größer?

Felix: Der Druck müsste eigentlich größer sein, so wirkt es ja auf jeden Fall. Jetzt trauen sich auch die Leute uns mehr zu kritisieren, bei einem Debüt wird ja meistens eh alles ein bisschen gefeiert und jetzt muss man sich halt daran messen lassen. Ich gehe da aber ganz anders mit um, weil ich keine Reviews lese. Ich lese eigentlich so gut wie gar nichts mehr über uns im Internet (lacht). Also habe ich angefangen, die Meinung von außen komplett auszuklammern.

Du hast in einem anderen Interview erzählt, dass du dir nach dem ersten Album Zeit nehmen musstest, weil du die ganzen Kommentare gelesen hast und das eine Belastung für dich war.

Felix: Ja genau. Wahrscheinlich bin ich dafür dann doch zu sensibel, weil ich das Internet und die ganzen Leute ernst nehme. Ich sehe diese Leute als Menschen. Viele sagen sich ja, gut ein Hater im Internet, was ist das schon. Das ist halt irgendein Profil, das keinen juckt. Aber jeder sieht das anders und ich habe das zu sehr an mich rangelassen und hatte deshalb keinen Bock mehr Musik zu machen. Und das hat gestört und uns bestimmt ein Jahr gekostet. Deswegen lese ich das nicht mehr.

Die Reaktionen sind bisher glaube ich aber ziemlich positiv.

Roman: Ja, ich lese auch die Reviews. Wir schwärzen sie dann immer für Felix (lacht).

Wir seid ihr auf den Albumtitel gekommen? Er hat ja was mit einer Sekte zu tun, aber warum ausgerechnet „Neintology“?

Felix: Die Geschichte des Albumtitels ist leider eine sehr langweilige (lacht). Wir brauchten einen Albumtitel und wie alles, was irgendwie um dieses Album herum passiert es, geschah das auf den letzten Drücker. Wir hatten dann eine lange Liste zusammen und „Neintology“  war der Titel, der allen sofort ins Auge stach und wo alle sagten, das ist irgendwas zwischen total scheiße und total genial. Deswegen wollten wir ihn nehmen. Und dieses Konzept, sage ich mal, diese ganze Geschichte um diese Sekte herum, haben wir dann quasi danach aufgebaut. Wir hatten eigentlich gar kein Konzept und man merkt ja auch, dass das Album nichts mit dieser Sekte zu tun hat (lacht). Es ist völlig losgelöst voneinander, aber wir spielen gerne mit visuellen Konzepten und denken uns lustige Sachen aus, wie das mit der Hotline. Das bringt halt Spaß, deswegen haben wir es gemacht.

Ihr seid beim Entstehungsprozess von „Neintology“ von Anfang an eine komplette Band gewesen, anders als noch beim ersten Album.

Roman: Ja genau. Das erste Album hat Felix selber geschrieben, aber wir waren auch schon mit im Studio und haben das mit ihm aufgenommen. Aber jetzt ist es auch mit der Außenwirkung, mit den Fotos und dem Cover, mehr eine gesamte Band.

Also habt ihr auch beim Songwriting mehr zusammengearbeitet?

Roman: Genau. Auch David hat Songs für das Album geschrieben. Wir durften unseren Senf dazugeben und im Studio unsere Ideen einbringen, das war ein Gesamtwerk. Vorher hatte Felix einfach die Platte fertig und hat sie uns präsentiert. Felix hat immer noch das meiste von diesem Album geschrieben und ist auch immer noch der Mastermind hinter dieser Band, aber jetzt durften wir auch was sagen.

Euer Gitarrist David ist der Bassist von FJØRT. Machen sich dadurch verschiedene Einflüsse bemerkbar?

Felix: Gerade jetzt, wo wir dieses Album mehr oder weniger zusammen gemacht haben, gerade das Instrumentale zusammen entwickelt haben, merkt man das schon. Man merkt auch, dass wir jetzt mehr einen Bandsound haben und dass Riffs dazugekommen sind, die ich mir niemals hätte ausdenken können. Da merkt man dann auch schnell, was ein David-Song ist. Zwei Songs hat er instrumental komplett geschrieben: „D.I.N.N.“ und „Kriegsgebiet“, die ja sehr gitarrenlastig und riffig sind. Da merkt man schon, dass das gerade ein bisschen stilbildend ist.

Während sich „Altar“ auf dem letzten Album noch ins Gegenteil verkehrte, habt ihr mit „Damit ich schlafen kann“ jetzt ja wirklich ernst gemacht und eine Ballade aufs Album gepackt.

Felix: Jetzt trauen wir uns das halt und wir sind überrascht, dass es soweit ich weiß noch keinen negativen Kommentar dazu gab. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Leute sagen, dass wir einen auf Revolverheld machen oder sowas. Wir wollen solche Songs machen, um sie auch in Zukunft machen zu dürfen. Es gibt nichts langweiligeres als Bands, die immer dieselben Alben schreiben und es völlig egal ist, was du dir von denen anhörst. Es ist halt immer derselbe Scheiß und das wollen wir genau nicht. Das nächste Album wird auch wieder Songs enthalten, die so noch nicht von uns gehört worden sind. Das war eigentlich der Hauptgrund zu sage, komm scheiß drauf, wir machen auch mal eine Ballade.

Was ist euer Lieblingssong auf der neuen Platte?

Roman: Meiner ist „Alphatier“.

Felix: Oh das ist schwer, ich höre sie ja schon lange nicht mehr, weil ich sie schon nicht mehr hören kann. Aber wenn ich mir was anhöre, ist das meistens „Alle sprechen deutsch“ und „Immer noch“, weil da viel Abwechslung drin ist und das mag ich halt.

Gibt es Songs, auf die man schon keine Lust mehr hat, wenn man auf Tour geht?

Roman: Das ist schon passiert, bevor wir dieses Album veröffentlicht haben (lacht). Wir haben ja zwei Songs im Festivalsommer schon live gespielt. Und klar kennen wir die Platte jetzt schon lange, haben uns die viel draufgeschafft und dementsprechend auch viel gehört. Ich war am Release-Tag noch in einem Interview und wir wurden gefragt, ob wir ein feierliches Gefühl verspüren. Wir waren beide eher der Meinung, dass uns ein Stein vom Herzen fällt, dass das Ding einfach draußen ist, weil es halt so viel Arbeit gekostet hat.

Felix: Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass es Songs gibt, auf die wir so gar keinen Bock mehr haben.

Roman: Nee, auch die alten Songs, die wir schon seit Jahren spielen, spiele ich immer noch super gerne.

Felix: Es gibt halt immer Songs, die komplizierter auf die Bühne zu bringen sind oder bei denen man weiß, dass das Publikum nicht immer sofort darauf anspringt, weil der Song das gar nicht hergibt. Es gibt ein paar Songs, wie „Professoren“ oder „Splitter von Granaten“, da musst du nicht mehr viel tun und dann gibt’s wiederum Songs, wo man schon irgendwas einbauen muss, um das fürs Publikum auch wirklich interessant zu machen (lacht).

Mit „Alexa“ nehmt ihr ein bisschen den technischen Fortschritt auf die Schippe. Glaubt ihr stärker an das positive Potential dieses Fortschritts, wie zum Beispiel Arbeitszeitverkürzung, oder mehr an die Gefahren, etwa Überwachung wie in China?

Felix: Das ist ein ganz schmaler Grat. Ich glaube grundsätzlich, dass der technische Fortschritt schon wichtig ist und sehe ihn eher positiv, weil er eben das Potential hat, uns aus einer Menge Scheiße rauszuholen. Ob es die Umweltzerstörung ist, ob es regenerative Energien sind oder die Möglichkeit, uns sinnlose Jobs abzunehmen, die uns nur beschäftigen. Man könnte ja auch irgendetwas machen, was uns einfach mehr bringt und mehr der Gemeinschaft und Bevölkerung dient. Ich glaube, dabei hilft der technische Fortschritt total. Aber es kommt darauf an, wie wir damit umgehen, wer es ist und welche Ziele man damit vorhat. Deswegen kann ich das gar nicht so richtig sagen. Ich glaube wir sagen mit diesem Song nicht, dass man sich bloß keine Alexa kaufen sollte, weil alle abgehört werden. Das ist halt auch Bullshit. So ist nun mal die Entwicklung und wir alle müssen immer ein bisschen entscheiden, welche Richtung wir einschlagen und was wir uns damit eventuell antun. Aber eine Antwort auf die Frage habe ich auch nicht. Ich kaufe keine Alexa, weil ich sie nicht brauche. Für mich ist das ein komisches Luxusprodukt, was andere halt geil finden. Aber ich sage auch nicht, kauft das bloß nicht. Gute Frage, keine Antwort (lacht).

Seid ihr generell eher Optimisten oder Pessimisten?

Felix: Ich bin Pessimist.

Roman: Ich würde auch behaupten, dass ich Pessimist bin. Optimistischer Pessimist (lacht).

Felix: Wir versuchen bloß keine Antwort zu geben (lacht). Ich bin auf jeden Fall eher Pessimist, aber es ist dann auch immer um so schöner, wenn man vom Gegenteil überzeugt wird.

Wer hatte die Idee Ronny Schäfer bei „Kriegsgebiet“ einzubauen?

Roman: Das war Felix Idee. Eine Sache, die er zu dem Album beigesteuert hat.

Felix: Ja sieh einer an, die einzige Sache, die ich… (lacht). Wir haben einen Refrain gebraucht. Ich weiß nicht mehr wie ich drauf gekommen bin, aber wir finden den halt super und es passt einfach so wunderbar zu diesem ganzen Song. Es geht ja eigentlich nur darum, dass auch kleine Dinge in Masse dazu führen können, dass man einfach durchdreht. Ich habe das bei YouTube rausgeschnitten und mal über den Song gelegt. Dann habe ich es den anderen geschickt und wir fanden es halt alle total lustig. Irgendwie haben wir auch keinen Refrain mehr dafür geschrieben (lacht). Deshalb haben wir das einfach mal so gemacht. Es gibt auch eine Ronny Schäfer-App, insofern ist das rechtlich glaube ich kein Problem.

Was glaubt ihr denn, warum wir Menschen heutzutage so aggressiv und ständig kurz vor dem Durchdrehen sind?

Roman: Ich glaube, dass Gewalt immer präsenter wird. Auch wenn du dir in der Musik Sachen anguckst oder so, wo viele Gewalttexte verherrlicht werden und das akzeptiert wird. Durch das Internet auch wahrscheinlich viel Scheiße die Runde macht und die Leute viel schneller bereit sind, Gewalt anzuwenden.

Felix: Ich glaube auch, dass das Internet schon viel mit uns macht und einen großen Teil unseres Lebens eingenommen hat. Die Zeit zwischen Aktion und Reaktion wurde einfach komplett verkürzt. Man reagiert ja heutzutage super schnell auf alles in irgendeiner Art und Weise, meist in schwarz oder weiß. Das hat auf jeden Fall dazu geführt. Aber es gibt bestimmt viele Gründe, allein die politische Lage. Das hat glaube ich auch ein bisschen mit dieser misslungenen Information zu tun, die gerade im Internet abgeht. Ich meine, die meisten Leute wenden sich der AfD zu, weil sie halt einfach wirklich glauben, dass Flüchtlinge ein Problem sind. Da haben Leute in Sachen Marketing und Internet und so weiter eine Menge Arbeit geleistet, dass das so ist.

Seid ihr denn selbst ruhige Menschen, oder kann man euch mit manchen Sachen schnell aus der Fassung bringen?

Roman: Ich habe glaube ich schon eine ziemlich kurze Zündschnur bei vielen Sachen (lacht), aber ich würde jetzt nicht Gewalt anwenden.

Felix: Meinst du innerlich, oder dass man wirklich durchdreht? Das tue ich nämlich nie.

Roman: Das würde auch keiner aus der Band tun, da kann ich für alle sprechen, aber streiten tun wir uns schon.

Felix: Mich können ganz viele Dinge aufregen, aber das bleibt in mir drin. Musik ist ja meistens das Ventil, wo man ein bisschen abdrehen kann. Insofern drehe ich im Alltagsleben gar nicht durch.

Auch im Straßenverkehr nicht?

Roman: Ich fluche schon viel hinterm Steuer (lacht).

Felix: Ja doch, verbal. Aber dafür ist das Auto ja da. Ich meine in der Bahn dreht auch keiner durch, oder die meisten nicht (lacht).

Roman: Kommt auf die Uhrzeit an (lacht).

Ihr geht im November auf Tour. Habt ihr eure Fangemeinde unterschätzt, schließlich wurden bereits einige Shows hochverlegt bzw. sind mittlerweile ausverkauft?

Roman: Wir waren auf jeden Fall geschockt, wie schnell die Veranstalter sagten, dass wir in einen größeren Laden gehen müssen. Das hat uns alle wahnsinnig glücklich gemacht, dass das so angenommen wird. Gerade auch dadurch, dass wir uns so lange Zeit genommen haben und die Platte noch gar nicht draußen war. Trotzdem war Köln schon ohne das neue Album ausverkauft und wir mussten hochverlegen. Aber man kann ja nicht direkt in den großen Laden gehen und am Ende spielst du vor wenig Leuten. Das ist ja auch eine Kostenfrage, die du decken musst. Deswegen sind wir erstmal auf Nummer sicher gegangen und glücklicherweise waren diese Läden noch frei, so dass man hochverlegen konnte. In Wiesbaden ist das beispielsweise nicht der Fall, deswegen müssen wir im Kesselhaus bleiben.

Felix: Wir sind ja früh mit der Tour rausgegangen. Da wir noch nichts so richtig veröffentlicht hatten, dachten wir, dass alles ganz langsam anlaufen wird und es dann später, wenn etwas rauskommt, funktioniert. Aber dass die Leute so schnell Karten kaufen, bestätigt uns ja ein bisschen, dass wir live jetzt nicht so scheiße sein können (lacht), dass die Leute auf jeden Fall Bock haben, egal was kommt. Das ist cool, weil am Ende willst du da ja auch irgendwie hin als Band. Du willst ja nicht abhängig sein von irgendwelchen Social-Media-Kanälen, sondern willst dir einfach Live-Publikum erspielen, das dann auch bleibt. Das ist ja auch das, was die großen Plattenfirmen heutzutage suchen und glauben, sie hauen ganz viel Geld raus in irgendwelche jungen Bands und glauben dann, dass das dann die nächsten Beatsteaks sind und zwar innerhalb von einem Jahr bitteschön. Das funktioniert halt nicht, du musst dir es erspielen, nur so funktioniert es. Das ist ein bisschen der Beweis dafür, dass es bei uns irgendwann auch so sein könnte.

Bei euch kommt ja erschwerend hinzu, dass ihr alle berufstätig seid.

Roman: Einerseits ist es gut, andererseits ist es nicht so gut. Wir arbeiten und müssen uns Urlaub nehmen und dann muss bei allen Leuten, die was mit dieser Tour zu tun haben, der Urlaub gleich genehmigt werden. Wenn der Ton-Mann nicht mitkommen kann, haben wir ein Problem. Auf der anderen Seite sind wir aber finanziell nicht abhängig von Adam Angst und können uns so viel Zeit nehmen, wie wir brauchen. Wir sind nicht darauf angewiesen Songs oder Alben abzuliefern, wenn es dir eine Plattenfirma vorschreibt und du am Ende des Tages etwas abgeben musst, womit du nicht hundertprozentig zufrieden bist.

Ist es leicht, eine Chefin oder einen Chef davon zu überzeugen, dass ihr jetzt mal kurz zwei Monate auf Tour geht?

Roman: Auf gar keinen Fall. Ich bin sehr dankbar, dass mir mein Arbeitgeber so viel Zeit gibt und das unterstützt. Ich arbeite in der Konzertbranche. Würde ich bei der Bank arbeiten, hätten die mir das glaube ich niemals genehmigt. Du bist ja auch im Sommer jedes Wochenende weg, oft auch freitags, weil du auf Festivals bist. Da gucken natürlich auch die Kollegen manchmal rüber und denken, dass sie auch gerne jeden Freitag frei hätten. Da muss man sehr dankbar sein, dass das funktioniert.

Felix: Funktioniert bei mir auch, aber ich nehme halt Urlaub. Das ist dann fest eingeplant und da muss man auch klar sagen, dass du nicht jeden Scheiß mit der Band machen kannst, weil die Urlaubstage nicht reichen und man ehrlich gesagt auch mal verreisen möchte.

Kriegt ihr richtigen Urlaub also auch noch untergebracht?

Felix: Ja, das geht auch noch einigermaßen. Vieles spielt sich am Wochenende ab und für Touren nimmt man die eine Hälfte des Urlaubs und die andere Hälfte fährt man auch mal weg. Das funktioniert dann schon ganz gut, aber ich arbeite halt auch für eine Firma, in der die wichtigen Personen, die das entscheiden, die Band kennen und das unterstützen. Bei Roman ist es ja zumindest so, dass man einigermaßen in derselben Branche ist.

Roman: Bei uns ist das Problem eher, dass wir in der Hochsaison mit Adam Angst auf Tour sind. Ich bin dann immer weg, wenn hier richtig was los ist.

Felix: Bei mir ist es dann irgendwie so, dass Arbeitskollegen schon zum dritten Mal fragen, ob wir denn auch so richtig eigene Songs spielen, oder ob wir nur covern. Weißt du, diese Frage kam schon zum dritten Mal von derselben Person und da weiß ich halt, da muss ich auch nicht viel darüber erzählen, was ich da so mache. Ist ja auch egal. Solange man mir diese Freiheiten lässt, das nebenbei zu machen, ist das super.

In Köln habt ihr die Venue gewechselt, nachdem bekannt geworden war, dass im Bürgerhaus Stollwerck eine AfD-Veranstaltung stattgefunden hat. Hat sich die Angelegenheit noch geklärt?

Felix: Nee, geklärt hat sich das eigentlich nicht. Sagen wir mal so: Es war uns von vorneherein klar, dass das legal ist. Die AfD ist nun mal leider eine demokratisch gewählte Partei und dementsprechend hatte das Bürgerhaus Stollwerck glaube ich keine rechtlichen Gründe die abzulehnen. Womit wir ein Problem haben ist, dass das Bürgerhaus Stollwerck einfach eine linke Vergangenheit hat und man sich in Köln bisher immer mit Händen und Füßen gewehrt hat, wenn die AfD etwas mieten wollte. Dann hat man gesagt, dass man kein Personal hat oder macht dies und jenes und hat das auch öffentlich gemacht, hat versucht dagegen anzukämpfen, dass die diesen Raum eben nicht bekommen. Beim Bürgerhaus Stollwerck war das nicht der Fall und wir haben genau danach gefragt: Wo war denn der Widerstand? Warum müssen wir das am Tag, nachdem es abgelaufen ist, erfahren? Warum sagt denn niemand irgendetwas, dass wir alles versucht haben? Darauf hat das Bürgerhaus Stollwerck nie eine Antwort gegeben und deswegen haben wir uns klar dafür entschieden, dort nicht zu spielen. Da sind wir dann halt konsequent. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir sagen, dass alle das Bürgerhaus Stollwerck boykottieren müssen. Man muss natürlich schon sehen, dass dieses Haus weiterhin ein Raum gegen Rassismus und Faschismus bleibt, aber wir in unserem Fall, wollten einfach schnell und konsequent handeln.

Als deutschsprachige Band sind Touren im Ausland eher schwierig, von Österreich und der Schweiz vielleicht mal abgesehen. Ärgert euch das manchmal?

Roman: Nicht so wirklich. Wir spielen hier ja immer noch genug. Ich wüsste gar nicht, wie ich das machen sollte, wenn wir noch mehr spielen müssten. Natürlich reizt es einen eine Show dort zu spielen und zu gucken war passiert, aber da Adam Angst auch sehr viel mit den Texten funktioniert, ist es für jemanden, der kein deutsch sprechen kann, wahrscheinlich nicht so lustig.

Felix: Wäre bestimmt mal reizvoll, aber wie Roman schon sagte: Wir können das zeitlich ja gar nicht. Dann müssten wir die Entscheidung treffen, dass wir es komplett beruflich machen. Es stimmt schon, du merkst ja auch an anderen Bands, dass du dich schnell totspielst. Wenn du ein Album drei Jahre lang bespielst, hast du es schon im dritten Jahr schwer noch irgendwelche Läden in Deutschland richtig voll zu kriegen. Das ist ganz normal. Deswegen wird es immer gedeckelt sein, wenn man deutschsprachig ist.

Roman: Der David reist ja mit FJØRT rum. Der kann uns dann erzählen, wie es war.

Felix: Stimmt. Bei dem geht das, da versteht man das ja auch nicht bei dem Gebrüll (lacht).

Roman: Da sind die Texte ja auch egal (lacht).

Darf man mit einem dritten Album rechnen?

Roman: Kein Kommentar (lacht).

Felix: Ja, davon gehe ich aus, weil wir jetzt einen Grundstein gelegt haben. Alles was als gut und alles was als scheiße befunden werden kann, wurde schon gesagt. Ich glaube, wir können jetzt wieder musikalisch frei an ein Album rangehen. Deswegen glaube ich, wird das einfacher als das Zweite.

Möchtet ihr zum Schluss noch was loswerden?

Roman: Möchtest du das mit den Warentrennern im Supermarkt noch erzählen?

Felix: Das habe ich schon in einem anderen Interview gesagt, aber ich denke, dass sollte jetzt auch klar sein (lacht): Dass man Warentrenner bitte immer hinter seine Waren aufs Band legt. Ich finde das egoistisch, wenn Leute sich sagen, dass man selbst nach dem Warentrenner greifen soll. Das sind diese ganz kleinen Situationen, auch im Flugzeug: Wir sind letztens geflogen und ich musste in der Mitte sitzen. Neben mir war ein Typ, der die ganze Zeit nur breitbeinig sitzen konnte. Hat auch die Lehne und alles für sich beansprucht. Ich finde immer, wenn man mit anderen Leuten auskommen muss, sollte man immer ein bisschen Rücksicht nehmen. Aber es gibt Leute, die machen sich diese Gedanken einfach null und das finde ich immer schade. Das ist zwar eine völlig banale Situation, aber ich finde das gar nicht so unwichtig.

Im Zug hat man ja auch ständig die Situation, dass der Zug eigentlich nur halbvoll ist, aber alle Plätze mit irgendwelchen Sachen belegt sind.

Felix: Genau, solche Sachen halt. Es gibt so viele Situationen. Auch auf dem Bürgersteig, dass Leute irgendwie nur nebeneinander rumlatschen können und den kompletten Bürgersteig blockieren. Das ist denen scheiß egal. Das nervt mich, wollte ich nur mal sagen (lacht).

Photo-Credit: Markus Hauschild

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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