Interview mit Adam Angst & KMPFSPRT

Interview mit Adam Angst & KMPFSPRT

Gerüchten zufolge soll es keine stärkere Liebe geben als die zwischen Männern. Adam Angst und KMPFSPRT zeigen jedoch seit einigen Monaten, dass es noch etwas Intensiveres gibt: die Liebe zwischen zwei Bands. Doch wie bleibt die Beziehung zwischen Musikern, die sich sogar einen Proberaum teilen, auf Dauer interessant? Vor allem, wenn man dann sogar noch ständig zusammen auf Festivals spielt und nun sogar gemeinsam in einem Nightliner eingepfercht ist. Wenn aus Adam Angst und KMPFSPRT ANGSTSPRT wird. Vor ihrer Show im Gleis 22 in Münster mit Youth Man haben wir uns mit David KMPFSPRT, David Angst, Nico KMPFSPRT und Roman Angst (v.l.n.r.) über die Bestandteile einer guten Beziehung unterhalten.

Ihr habt eine recht moderne Beziehung, weil mit „Musikdienstverweigerer“ zuerst das Kind kam und dann erst mit dem gemeinsamen Proberaum das Zusammenziehen. Wird es irgendwann auch eine Hochzeit geben? Habt ihr vor, eine Köln-Bonn-Punkrock-Kollaboration zu gründen?

David KMPFSPRT: Also der Proberaum war ja nur ein Versuchsprojekt, um zu checken, ob das überhaupt funktionieren könnte. Und als wir gemerkt haben, dass es das tut, haben wir uns den Bus gebucht, in dem wir jetzt unsere Flitterwochen verbringen.

David Angst: Wir haben auch einfach das große Glück in dem Musikbereich, in dem wir spielen, immer relativ gut mit allen Bands auszukommen. Da gibt es echt wenig Rumgehaterei, wie in Fußballvereinen oder sonst was. Man freut sich einfach, gemeinsam Musik machen zu können. Und wenn man dann Leuten begegnet, die genauso trinkfest sind wie man selbst, beginnt da auch eine sehr gute Beziehung. Wie jetzt mit den KMPFSPRTlern (grinst).

Wo du schon Fußball angesprochen hast. Ich weiß zufällig, dass du David (KMPFSPRT) Schalker bist und mit Richard (Anm. d. Red.: Sänger/Gitarrist bei KMPFSPRT) mindestens ein Köln-Fan dabei ist. Das Spiel neulich war für dich ja dann nicht ganz so gut.

David KMPFSPRT: Viele wissen ja gar nicht, dass das nicht stattgefunden hat. Demnächst wird aber wohl Stefan Raab oder Jan Böhmermann noch bekannt geben, dass das gar nicht so passiert ist. Schalke hat ja 4:0 gewonnen.

Roman Angst: Ich habe da von der Köln-Seite etwas Anderes gehört. Und ich glaube, das war im Bus auch tatsächlich meine erste Frage an meinen zukünftigen Ehemann (lacht).

David KMPFSPRT: Jeden Morgen ist es die erste Frage, kein Witz (lacht). Und jeden Tag sage ich, dass das Spiel nicht stattgefunden hat. Inzwischen glaube ich das auch selber!

Ihr spielt oft auf demselben Festival. Seid ihr schon so unzertrennlich, dass es euch nur noch im Doppelpack gibt?

David Angst: Um Himmels Willen!

Roman Angst: Morgen noch und dann haben wir erst mal einen Tag Ruhe von allem. Der wird uns auch gut tun!

David KMPFSPRT: Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir abends alle zusammen in Köln weggehen (lacht). Man muss eben auch den Pegel halten. Ich glaube, wenn man jetzt einen Tag nicht trinken würde, wäre das für den Körper verheerend! So wie bei Lemmy. Wenn der nicht mehr trinkt, stirbt der ja auch!

Roman Angst: Man muss einfach irgendwo auf ein Konzert gehen. Oder generell irgendwohin, wo es laut ist. Wenn der Geräuschpegel nicht da ist, wird man wahnsinnig!

Wenn man so viel zusammen ist, bekommt man von den anderen ja wirklich alles mit. Sind euch schon irgendwelche Macken an den anderen aufgefallen, die ihr nur noch mit ganz viel Liebe übersehen könnt?

Nico KMPFSPRT: Also mir fällt da gerade nichts zu ein. Ich könnte über Leute sprechen, die gerade nicht hier sind, aber das will ich dann doch auch nicht.

David KMPFSPRT: Ich finde, wir sollten gerade über die Leute sprechen, die jetzt nicht hier sind (lacht)!

Roman Angst: Man muss sich auf jeden Fall merken, wer die Morgenmuffel sind und wem man dann nicht zu sehr auf den Sack gehen darf.

Wer wäre so jemand?

David KMPFSPRT: Auf jeden Fall ich! Ich hasse es einfach, dass, wenn ich aufwache, direkt neben mir schon wieder jemand schreit. Dann könnte ich gleich wieder ins Bett gehen und bis 17 Uhr durchschlafen. Das fuckt mich echt mega ab!

Roman Angst: Gestern habe ich zum ersten Mal meine mitgebrachte Partytröte ausgepackt und jetzt will ich den Leuten damit morgens so ein bisschen auf die Nerven gehen. Ich weiß auch schon, wer morgen als erstes in seiner Koje den Stress an die Backen kriegt (lacht)!

David KMPFSPRT: Du bist morgen so verkatert, dass du vor 6 Uhr abends gar nicht aufstehen kannst.

Roman Angst: Aber tröten werde ich noch können!

David KMPFSPRT: Genau, einmal im Schlaf in meine Koje rein (lacht).

Dadurch versaut man sich die Beziehung aber auch irgendwann, oder?

David Angst: Man lernt ja dann irgendwann die Macken der anderen kennen. Das ist genau wie in einer normalen Beziehung. Man lernt die Macken des anderen kennen.

David KMPFSPRT: Und irgendwann ist halt Schluss!

David Angst: Ja. Man lernt, sie zu akzeptieren und dann macht man Schluss, genau (lacht)!

David KMPFSPRT: 50% aller Ehen werden nun mal geschieden.

Und wie schafft ihr es trotzdem, euch den ganzen Tag zu ertragen? Braucht man viel Humor?

Alle: Bier!

David KMPFSPRT: Wie in einer normalen Beziehung.

Roman Angst: Man muss einfach eine Menge trinken.

Aber es gibt auch, wie gesagt, nicht nur rosige Zeiten. Streitet ihr euch?

David Angst: Nein. Ich glaube, das gibt es so auch überhaupt nicht, weil du immer die Möglichkeit hast, dir deinen eigenen Raum zu suchen. Wir haben ja auch einen super geregelten Tagesablauf. Du kommst irgendwo an, dann lädst du ein, hast Soundcheck und futterst. Wenn jemand noch die Zeit hat, dann kann er durch’s Städtchen gehen. Ich glaube auch, dass Zickereien untereinander nie passieren werden.

David KMPFSPRT: Wenn, dann unter der Band.

David Angst: Ja, innerhalb der Band geht es ja meist auch um ganz andere Sachen. Dann findet man es scheiße, wie der eine gespielt hat oder dass der andere zu viel gesoffen hat und nicht mehr aus dem Bett kommt.

Roman Angst: Wir kannten uns ja auch schon viel früher, lange vor dieser Tour. Wir kannten also auch schon den Humor der Anderen. David (KMPFSPRT) und ich gehen in Köln als „Team Maßlos“ auch viel zusammen weg. Man wusste dann schon, dass man mit gewissen Dingen nicht irgendwo aneckt.

David KMPFSPRT: Das ist wahr. Also politische Korrektheit wurde nach den ersten drei Minuten über Bord geworfen und der Rest ist nur noch Saufen.

Kam die politische Korrektheit auch bis heute nicht wieder?

David KMPFSPRT: Wir haben ja jetzt bald einen Off-Day, dann kommt die wieder. Wir haben heute auch alle mit großen Wohlwollen gesehen, dass 150.000 gegen TTIP demonstriert haben. Das war eine Minute bevor es zum Saufen ging, ganz kurz das Thema (lacht).

Gibt es bei euch denn ein absolutes No-Go?

David KMPFSPRT: Der Busfahrer sagt, wir dürfen im Bus nicht kotzen.

Roman Angst: Und wenn der Vorhang von der Koje zu ist, dann bleibt er auch zu. Den darf kein Anderer aufmachen.

David KMPFSPRT: Ohne Scheiß! Was hinter dem Vorhang passiert, bleibt hinter dem Vorhang (lacht)!

David Angst: Auch zum Schutze desjenigen, der gerade versucht, den Vorhang aufzumachen (lacht).

David KMPFSPRT: Aber sonst haben wir echt keine anderen No-Gos. Das ist bei uns alles sehr libertär.

Also alles, was auf Tour passiert, bleibt auch da?

David Angst: Ich glaube, das wirkt auf Außenstehende immer wie Karneval. Aber es schon so, dass sich einige Leute schon immer super früh zurückziehen und pennen wollen, weil sie am nächsten Tag fit sein müssen. Wir müssen ja schließlich auch irgendwann wieder spielen. Das ist dann am Abend, dass man dann zwei, drei, vier, fünf, sechs Bier und einen Gin-Tonic trinkt. Aber das ist nicht so, dass nachher die Diskobeleuchtung angeht und man bis morgens um 8 Uhr durchfeiert. Da hat überhaupt niemand Bock drauf.

David KMPFSPRT: Aber genau das ist auch einfach ganz geil. Wenn du Party machen willst, gehst du einfach noch in irgendeine Kneipe und die, die pennen wollen, können in den Bus gehen und werden da auch in Ruhe gelassen. Wir haben ja auch zwei Straight-Edger dabei. Es gibt also auch Leute, die nicht Bock haben, immer zu eskalieren und auf die muss man dann eben auch Rücksicht nehmen.

Roman Angst: Und man muss ja eben auch die ganze Backline schleppen. Es ist ja echt nicht so, dass man nur zum Gitarrespielen hier ist und sonst mit nichts zu tun hat. Das ist dann eben auch nochmal körperliche Arbeit.

Nico KMPFSPRT: Und das kommt gerne mal als allererstes. So 12 Uhr morgens kommen wir an und dann ist auch erst mal Load-In. Das heißt, du hast fünf Minuten vorher noch gepennt und musst dann sofort den Scheiß schleppen. Und wenn du dann verkatert bist, wird es echt anstrengend.

David KMPFSPRT: Aber um 12 Uhr seinen Arbeitstag zu beginnen, ist schon geil (lacht)! Aber dafür endet er auch erst um 12 Uhr. Und dann gibt’s ja auch noch den Load-Out. Das heißt, wir dürfen mit besoffenem Kopf nach der Show noch die schweren Teile schleppen. Über nasse Treppen am besten. Wir sind quasi in ständiger Lebensgefahr!

Ihr seid also mit Nightliner unterwegs, habt aber keine Helfer dabei?

David Angst: Es ist ja schon übertrieben, dass wir überhaupt mit einem Nightliner unterwegs sind (lacht)! Auch mit 15 Leuten. Es ist einfach ein Luxus, der möglich war, weil wir sonst zwei Vans gebraucht hätten. Mit Spritkosten, Hotelzimmer, Unterkunftskosten und so wird es dann auch teuer.

Nico KMPFSPRT: Und außerdem haben wir ja schon Leute dabei, die helfen. Aber das heißt ja nicht, dass wir dann selber nichts machen. Dass jemand einfach rumsteht und nicht mithilft, wäre ein No-Go. Das ist aber auch unausgesprochen, weil es einfach ganz klar ist, dass alle mitanpacken.

Welche Band hat denn eigentlich in eurer Beziehung die Hosen an?

David Angst und Roman Angst: Adam Angst!

Auch er selber – also Felix? Oder alle?

Roman Angst: Der Rest der Band nimmt sich das raus (lacht). Der Felix wollte auch sehr gerne zum Interview kommen, aber wir haben ihn nicht gelassen.

David KMPFSPRT: Es ist auch sinnlos, Felix Interviews geben zu lassen. Der labert nur Müll! Der muss gerade im Bus Liegestütze machen, damit er für die Fans gut aussieht.

Roman Angst: Der schleppt gerade die Backline (lacht)!

Habt ihr ein Geheimnis, damit eure Beziehung interessant bleibt?

David Angst und Roman Angst: Bier!

David KMPFSPRT: Morgens lange schlafen und Bier!

Einen Dauerpegel muss es also schon geben?

David KMPFSPRT: Eigentlich schon, ja. Es ist ja auch oft sehr langweilig.

Roman Angst: Man hat ja auch nie mal drei, vier Stunden Zeit, um etwas zu machen.

David Angst: Wir hatten heute zum Beispiel den ganzen Tag geplant, zum Green Hell Plattenladen zu gehen, aber wir haben es einfach nicht gepackt. Erst war Load-In, dann Frühstück, dann Soundcheck. Es wäre halt geiler, wenn du einmal wirklich Zeit für die Stadt hättest und nicht immer die Unterbrechungen dazwischen wären.

Roman Angst: Dann hat man vielleicht nur anderthalb Stunden und dann kannst du auch nicht mehr wirklich was machen.

Wenn ihr der jeweils anderen Band einen Liebesbrief schreiben würdet, was stünde darin?

Roman Angst: Ich glaube, der würde schon emotional werden.

David KMPFSPRT: Der würde mega emotional werden! Man müsste man dann echt schon weinen, wenn man den liest.

Roman Angst: Das sind eben echt nicht die Leute, die man am ersten Tourtag kennenlernt. Man muss nicht erst miteinander warm werden.

David Angst: Die Story ging ja schon los, als Dennis und Richard bei Fire In The Attic gespielt haben. Da war ich als Fan auf Shows. Ich bin durch ganz NRW gefahren, um die Band irgendwie sehen zu können. Und die beiden sind ja auch mit dabei. Dass du mit deinen Vorbildern aus Jugendzeiten unterwegs sein kannst, schweißt eben auch zusammen. Das ist natürlich eine krasse Geschichte, die du so ein Stück mitgehen kannst.

David KMPFSPRT: Wir kannten Felix ja auch bevor es Adam Angst gab. Der hat auf unserer Platte ja noch als Frau Potz gesungen. Roman und ich machen in Köln viel zusammen. Dann sind Nico und Richard mit dabei. Wenn David mal da ist, ist er auch dabei. Eigentlich ist der einzige Unterschied, dass wir jetzt auch noch ab und zu Musik spielen. Dass es quasi einen Rahmen gibt, in dem wir das machen, was wir eh immer tun (lacht).

Foto: Christoph Steinweg

Den Bericht zur Show im Gleis 22 zusammen mit einer Bildergalerie gibt es hier.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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