Interview mit As It Is

Interview mit As It Is

Die Bühne haben sie sich bereits mit Sum 41, Real Friends und Against The Current geteilt, sie waren Teil der 2015er Vans Warped Tour, wurden in der Kategorie „Best International Band“ bei den Alternative Press Awards nominiert und sind dieser Tage bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in Europa unterwegs – und dabei hat alles nur als Hobby bei Youtube angefangen. Inzwischen gelten As It Is als einer der britischen Pop-Punk-Hoffnungsträger und haben nun ihr zweites Album „okay.“ im Hause stehen. Wir haben mit Leadsänger Patty Walters (Mitte) und Sänger und Gitarrist Benjamin Langford-Biss (links im Bild) die Bandgeschichte Revue passieren lassen und konnten außerdem herausfinden, warum die fünf jungen Männer momentan wunschlos zufrieden mit der Wirkung ihrer Musik sind.

Als ich zum ersten Mal mit eurer Band in Berührung gekommen bin, habe ich auf Youtube ganz viele Cover-Videos von dir gefunden, Patty. Wann hast du damit angefangen?

Patty: Als ich 17 war, das ist also inzwischen acht Jahre her. Das habe ich dann etwa fünf Jahre lang gemacht. Die letzten zwei Jahre gab es auch schon As It Is. Da haben wir als Band schon Musik geschrieben und Shows gespielt – aber keine guten Shows. Zum Ende hin haben wir mit dem Touren angefangen und dann kam auch schon Fearless ins Spiel.

Benjamin: Als es mit Fearless ernst wurde, haben wir alle mit dem aufgehört, was wir gemacht haben, um uns auf die Band zu konzentrieren. Patty mit Youtube und wir anderen mit unseren Jobs.

As It Is wurde gegründet, weil Patty eine Anzeige mit der Beschreibung, dass er nach Leuten suche, die Lust hätten, Musik zu machen, geschaltet hat. Gerade am Anfang muss es doch aber komisch sein, mit Fremden in einer Band zu spielen, oder?

Patty: Es war total komisch! Ich glaube, jede Band macht im Laufe ihres Bestehens ihre einzigartigen seltsamen Erfahrungen – unsere war, dass wir uns kaum kannten, als wir mit As It Is angefangen haben. Andy war ein Fremder, als ich ihn kennengelernt habe, Foley war ein Fremder, als er bei uns vorgespielt hat [Anmerkung der Redaktion: Andy Westhead, Leadgitarrist (rechts im Bild); Patrick Foley, Schlagzeuger (zweiter von rechts)]. Das hat aber positive, wie negative Seiten. Gut ist zum Beispiel, dass alle so unterschiedlich sind, dass wir als Team super funktionieren und auch was schaffen. Die Stärke von einem wirkt der Schwäche eines anderen entgegen.

Benjamin: Wir fünf haben alle ganz unterschiedliche musikalische Hintergründe, was total hilfreich dabei ist, für As It Is den richtigen Weg zu finden – vor allem jetzt beim neuen Album! Wir haben hier die individuellen Einflüsse von jedem einfließen lassen.

Glaubt ihr, dass der Anfang von As It Is verhältnismäßig leicht war, weil man Patty schon von Youtube kannte?

Patty: Ja und nein. Bis zu unserer ersten Tour wussten wir nicht, wie viele Fans wir überhaupt schon hatten und welche Gruppe am stärksten vertreten war. Zuvor hatten wir nur in 18+-Bars und-Clubs gespielt – wo aber kaum jemand hingekommen ist. Für die ersten ein, zwei Jahre war es für uns ganz normal, in einem kleinen Auto zu einer Venue zu fahren, nicht bezahlt zu werden, keine T-Shirts zu verkaufen, ein Minus zu machen und dann wieder nach Hause zu fahren. Im Zuge unserer ersten Tour sind wir bis nach Glasgow gefahren und haben vor etwa 70, 80 Leuten gespielt, was wir überhaupt nicht erwartet hatten und was für uns eine ganz neue Erfahrung war. Von diesem Zeitpunkt an, hat uns unser Social Media-Auftritt auch sehr weitergeholfen. Es ist nur immer noch total komisch, dass wir die ersten zwei Jahre nichts davon wussten.

Fearless Records habt ihr vorhin schon erwähnt. Hat es den Druck nochmal erhöht, zu wissen, dass man dort als erste UK-Band unterschreibt?

Patty: Ein bisschen schon, ja. Vor allem, weil Fearless uns alle in unseren Leben begleitet hat. Wir haben alle schon sehr früh sehr viele Bands von diesem Label gehört, wodurch es mir persönlich auch noch mehr bedeutet hat, dort gesignt zu werden. Aber sicher will man irgendwie dabei auch UK vertreten, jeden aus Großbritannien stolz machen und auch die Möglichkeiten für UK-Bands verbessern.

Benjamin: Ich glaube, Neck Deep waren eine der ersten Bands, die bei Hopeless unterschrieben haben. Davor hatte Großbritannien zwar auch schon eine Pop-Punk-Szene, die es allerdings nie wirklich über die Landesgrenze hinausgeschafft hat – vor allem nicht bis nach Amerika. Es ist cool, eine der ersten UK-Pop-Punk-Bands zu sein, die auch international gehandelt werden, aber klar, ein bisschen Druck macht das schon.

Anfang des Jahres habt ihr euer zweites Album „okay.“ veröffentlicht, auf dem ihr immer noch wie ihr selbst klingt, mit dem ihr euren Sound also nicht großartig verändert habt. Denkt ihr beim Schreiben darüber nach, dass es sehr viele Bands gibt, die generischen Pop-Punk machen, und es deswegen vielleicht ein bisschen schwierig ist, einzigartig zu klingen?

Patty: Bei diesem Album haben wir nichts gefiltert oder beschlossen, dass wir einen bestimmten Sound haben wollen. Bei manchen EPs und Alben, die wir bisher gemacht haben, haben wir Sachen geschrieben oder gejamt, die total komisch waren und die wir nicht mit dem As It Is-Sound assoziieren konnten. Dieses Mal war uns das einfach egal und wir haben absichtlich Sachen geschrieben, die vielleicht nicht passen. Wir haben mehr experimentiert. Vielleicht klingt „okay.“ deswegen ein bisschen ehrlicher. Wir haben uns nicht vor Dinge gescheut, die anders waren – wir haben uns aber auch vor nichts gescheut, das dem vorherigen Album sehr ähnlich war. Wir haben gesagt, dass alles, was irgendwie natürlich und ungezwungen kommt, das ist, wonach wir klingen sollten, was As It Is sein sollte.

Mit Zuge eures Debütalbums „Never Happy Ever After” habt ihr auch ein Fearless Records Family Gathering veranstaltet, wo ihr ein paar Songs akustisch gespielt habt und von „Pretty Little Distance“ und „okay“ vom neuen Album habt ihr außerdem Akustikvideos veröffentlicht. Macht ihr das, damit sich die Hörerschaft nicht nur mit der Musik auseinandersetzt, sondern ganz besonders auch mit den Texten?

Benjamin: Interessant, ich habe das tatsächlich nie so gesehen. Uns ist dabei wichtig, dass wir nicht nur genau dasselbe nur auf Akustikgitarren machen. Wir verändern dann lieber immer noch ein bisschen was. Ich glaube, es ist einfach eine andere Version des Songs, eine andere Interpretation. Ich möchte eine Akustikversion niemals nur aus dem Grund machen, damit es dann eine Akustikversion des Songs gibt. Ich möchte, dass es etwas Cooles und Besonderes wird!

Patty: Die Songs sind sehr poppig, sozusagen Bubblegum-Punk, unsere Texte aber normalerweise eher düster. Wenn man den Song dann auf das Nötigste herunterschraubt und ihn verletzbar macht, verleiht es den Lyrics nochmal etwas Ehrlicheres.

Der Tenor eures neuen Albums ist, dass es okay ist, wenn es einem nicht gut geht – it’s okay not to be okay. Vor wenigen Monaten haben Modern Baseball wegen ihrer psychischen Gesundheit eine Pause verkündet und Apologies, I Have None haben sogar ein ganzes Album über die Düsternis der eigenen Psyche geschrieben. Wie geht ihr in der Band mit dem Thema um? Sprecht ihr miteinander?

Patty: Früher habe ich das nicht gemacht und das war der Grund, warum ich mit so vielen Problemen zu kämpfen hatte. Ich habe mich den Menschen in meiner Band nicht geöffnet, ich habe mich niemandem in meinem Leben geöffnet. Ich war unsicher und hatte das Gefühl, undankbar für das Leben zu sein, was ich immer wollte und nun leben darf – und dafür habe ich mich geschämt. Als ich dann an den Punkt gelangt bin, wo ich Hilfe in Anspruch genommen habe, habe ich auch nach und nach immer mehr mit den Jungs in der Band gesprochen. Über die Dinge, die ich durchmache, über mich selbst, über mein Leben, meine Familie, meine Beziehungen – dadurch wurde mir eine unglaubliche Last von den Schultern genommen! Mit dem Album möchten wir nun jeden dazu ermutigen, sich zu öffnen. Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste! Das ist etwas, womit wir fünf uns auseinandersetzen müssen, und womit sich jeder auseinandersetzen muss. Wir sind in dem Thema alle keine Profis. Wir wollen keine Ratschläge geben, wir dokumentieren mit unserer Musik nur uns selbst.

Benjamin: Die meisten Leute wollen ehrliche Musik hören und wir haben von Anfang an versucht, so ehrlich wie möglich zu sein. Wenn es jetzt Menschen gibt, die sich mit unserer Musik verbunden fühlen und sich darin wiederfinden, ist das großartig. Wir könnten uns nicht mehr wünschen.

Unser Review zu „okay.“ findet ihr hier: http://www.stageload.org/reviews/as-it-is-okay

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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