Interview mit AYS & Empowerment

Interview mit AYS & Empowerment

AYS und Empowerment gehen gemeinsam auf „Linke Spießer“-Tour. Wir sprachen mit beiden Bands über ihre langjährige Freundschaft, neue Platten, Spießertum und Trinkfestigkeit. Rede und Antwort standen uns Jogges & Chris (Empowerment) und Schommer (AYS).

 „Linke Spießer“-Tour – der Name ist vom entsprechenden Slime-Song abgeleitet nehme ich an. Erkennt ihr in eurem Umfeld (oder sogar bei euch selbst) erste Anzeichen des oft gescholtenen Spießertums?

Jogges: Da stellt sich ja irgendwie die Frage nach der Definition von spießig und Spießertum?! Eigentumswohnung? Häusle bauen? Kinder? Hund? Heiraten? Enge Hosen tragen? Hipsterbart? Tattoos weg lasern?
Beim Tattoos-Weglasern würde ich beispielsweise ansetzen. In meinem direkten Umfeld würde ich niemanden als Spießer bezeichnen – klar werden wir alle älter (holy shit ich werde die Tage 40 – in Zahlen vierzig) und somit gesetzter, aber ich finde wir tun es mit Würde, ganz viel Punk und Hardcore-consciousness im Herzen. Ich glaub es ist ganz wichtig, das Kind in sich am Leben zu erhalten und die Flamme niemals erlöschen zu lassen – dann klappt es auch mit Un-Spießer sein – dies sage ich nicht um mich selbst zu beschwichtigen, sondern weil ich es in der Tat so meine und überzeugt davon bin.

Chris: Du Arsch, ich trage Bart und enge Hosen. „Ihr seid Lehrer und Beamte“ – ja, ist in unseren Reihen vorhanden. „Sozialarbeiter und Studenten“ – ja klar, natürlich auch. Kinder des Mittelstands, die in ihrer Sozialisierung niemals nen Ausbruch wagten. Während bei anderen die Kapuzen hochgehen, gehen bei uns die Kragen der Polo-Shirts nach oben. „Linke Spießer“ ist der passendste aller Titel für diese Tour.

Schommer: Nein, definitiv nicht, wir waren vor kurzem noch auf Europa Tour mit Client und Warbrain und im Endeffekt hat sich nicht viel geändert wenn man das mit unserer ersten Europa Tour vergleicht. Wir schlafen immer noch auf dreckigen Fußböden und quetschen uns mit viel zu viel Gepäck in viel zu kleine Vans um dann bis zu 1000 km in der Nacht zurückzulegen. Das besondere an der Empowerment Tour ist das wir im Vorfeld Witze darüber gemacht haben was für ein Spaß es wäre mit einem überheblichen Nightliner auf Tour zu gehen und somit noch mehr Zeit mit den Stuttgarter Jungs zu verbringen. Aus dieser Laberei wurde dann letztendlich purer Ernst und um uns selber etwas aufs Korn zu nehmen haben wir die Tour „Linke Spießer“ genannt.

Empowerment, ihr covert auf der neuen Split einen Song gemeinsam mit Alex Kurth von Wizo. Wie kam die Zusammenarbeit zustande bzw. woher kennt ihr euch?

Jogges: Stuttgart ist ein großes Dorf und jeder kennt jeden. Unweigerlich kreuzen sich die Wege früher oder später. Axel, er heißt Axel und nicht Alex (Anmerkung d. Redaktion: Laut MP3-Datei der EP hieß er Alex Kurth) – kommt regelmäßig auf unsere Shows und dann haben wir ihn einfach gefragt, ob er Bock hat den WTZ Song mit uns zu trällern.  Super Typ der Kurth und für jeden Spaß zu haben. Bin gespannt auf die neue Wizo. Ich hoffe dein Alex Kurth liest das und schenkt mir dann eine.

Chris: Mensch, das hätte ich mir ja nie träumen lassen. Axel Kurth. Wahnsinns Typ. Mit 12 damals im Musikunterricht „Hey Thomas“ vorgesungen. Gab ne glatte 4.

AYS, ihr covert auf eurer neuen Split mit Empowerment einen Song der Toten Hosen. Wieso mussten es ausgerechnet die Hosen bzw. dieser Song sein?

Schommer: Empowerment macht ja eine Split Reihe mit vier deutschen Hardcore/Punk Bands (u.a. Abfukk) und der Plan war, dass jede Band einen eigenen Song aufnimmt und dann noch ein Deutschpunk Coversong von einer Band, die aus der jeweiligen Heimatstadt stammt. Um ehrlich zu sein, die meisten von uns haben nie so richtig die Deutschpunk-Phase mitgemacht, klar gab es ein paar ausnahmen wie Toxoplasma und Slime aber so richtig waren wir nie in der Materie. Wir haben eher den ganzen 80iger Hardcore Punk-Kram aus den Staaten gefeiert. Da ein Großteil der Band mittlerweile in Düsseldorf wohnt, haben wir uns dann auf die Toten Hosen geeinigt. Etwas ungewöhnlich da die meisten sicher was anderes erwartet hätten aber wenn man in der Stadt wohnt, kommt man an dieser Band einfach nicht vorbei. Zugegeben die ganzen letzten Veröffentlichungen sind eher schlechter Stadionrock aber die Hosen haben früher definitiv einige gute Platten raus gehauen und man sieht den ein oder anderen von ihnen auch noch auf Shows in Düsseldorf.

Erinnert ihr euch noch an die erste Begegnung von AYS / Empowerment? Und wenn ja, wie lief diese damals ab?

Jogges: Kein Plan um ehrlich zu sein. Kleefisch kenne ich noch aus Black Friday Zeiten und fand ihn immer zu schön, um mich länger mit ihm zu unterhalten. Jetzt wo ich jedoch mit dem schönen Jan in ’ner Band spiele, habe ich Zugang zu schönen Männern bekommen und weiß wie sie ticken. Die kochen auch nur mit Wasser und trinken auch gerne Bier. Nun kann ich dem Klofisch bedingungslos und grenzenlos begegnen und kann frei sagen – ich bin bekennender Kleefisch-Fan. Das Schlüsselereignis mit AYS liegt jedoch noch gar nicht so lange zurück. Es war an diesem Weekender letztens und seitdem hab ich die Buben ins Herz geschlossen und glaube den anderen geht es auch so. Wir sind auf der selben Wellenlänge – same wavelength wie der Ami sagt. An der Stelle shout outs to my man EZEC.

Schommer: Ja, das war auf vor ein paar Jahren auf dem Cobra Records Showcase in Münster. Unser damaliger Gitarrist Felix hat alte Shirts auf der Show verkauft, die ihm nicht mehr passten. Die Empowerment-Jungs hatten schon einiges getankt und als Jogges die Kiste voll mit Shirts entdeckte, kam er auf die Idee alle Shirts übereinander anzuziehen und damit dann für den restlichen Abend rumzulaufen.
Empowerment und AYS haben sich auch erst relativ spät kennengelernt aber wir haben schnell gemerkt, dass man absolut auf einem Nenner ist. Empowerment hat mich von Tag eins an total umgehauen, besonders live gibt es zurzeit in Deutschland nichts was an diese Band rankommt.

Welche Band ist trinkfester – AYS oder Empowerment?

Jogges: Wir, cuz Wir have Jan. Jan aka Janlan aka lebende Bierkralle aka schönster Mann im Hardcore sagt niemals nein zu einer Molle und kann die nicht nur zu allen Tages- und Nachtzeiten trinken, sondern auch in jeder Lebenslage und in jeder anderen Situation. Der Bier Terminator. Amphibisches Bier Faktotum.

Chris: Schön. Ich gehe davon aus, dass nach dieser Tour Bandbeschreibung auf Flyern bei uns so klingen wird: Empowerment NYBeer, Beercore, oder ganz lustig Beer edge. Als nächstes bringen wir noch ein eigenes Bier raus, wie bescheuert das wäre. Ach, moment…

Schommer: AYS.

Welche Veröffentlichungen plant ihr nach Erscheinen der Split-EP?

Jogges: Noch zwei Split 7″.

Schommer: Wir sind aktuell dabei eine neue LP zu schreiben, allerdings haben wir noch keinen genauen Zeitplan, wann die erscheinen wird. Wir haben uns vorgenommen, uns genug Zeit für diese Platte zu nehmen, da wir nochmal eine Schippe drauflegen wollen. Grober Release-Zeitraum ist aber Sommer 2015.

Welche Stadt ist schöner – Düsseldorf oder Stuttgart?

Jogges: New York.

Chris: Da wird Kacke mit Scheiße verglichen. Bau ne Stadt aus Scheiße, sie wird immer scheiße bleiben.

Schommer: Wegberg.

Zurück zum Thema „Linke Spießer“: Ihr seid jetzt schon ziemlich lange in der Hardcore-Szene unterwegs – was nervt euch da momentan so richtig?

Jogges: Bin ja so ein PMA Typ und Sozialfuzzi, deshalb hat bei mir sehr viel Raum und alles seinen Platz. Jedoch kotzen mich diese Hipster Hardcore Kids an. Sich innerhalb von zwei Jahren – also im Zeitraum zwischen 18 und 20  – von Kopf bis Fuß zu ballern lassen und dann so tun als wären sie schon immer dabei und können einem erzählen wie die Subkultur läuft. Direkt hat es bei mir ja noch keiner gemacht, aber ich hab’s in diesem Internet gelesen – nächstes Thema – Internet Hooligans. Alles Großfressen im Netz, aber auf der Strasse die Fresse nicht aufbekommen. Fuckin toys. Ebenso habe ich das Gefühl dass sich sehr viel um Konsum dreht, egal ob Sneakers, Platten oder eben die besagten Tattoos. Zuviel Plastikwelt und zu wenig real world.

Chris: „How is this time different from the last time if the last time was different from that time before?“ recht cleverer Satz von As Friends Rust, der diese Thematik eigentlich gut beschreibt. Vor ein paar Jahren regten sich „Ältere“ über „Jüngere“ auf, die Hardcore auf ihre Weise interpretierten. Das ging natürlich in keinster Weise konform mit den Vorstellungen und dem Reglement eines „Älteren“ der oder die das von den 80ern her schon kennt und also wirklich real ist. So ein Quatsch. Es gibt da auch eigentlich nix, was nicht irgendwie wieder pauschalisiert werden würde und demnach fällt es mir schwer, mich an irgendwas festzuklammern und zu sagen das oder das ist scheiße. Wenn es für jemanden „Hardcore“ ist möglichst viele Follower bei Instagram zu haben, bitte, wenn es für jemand „Hardcore“ ist möglichst viele schöne Schuhe zu haben, bitte. Wenn es für jemand „Hardcore“ ist seinen Heterosexismus auszuleben, verpiss dich bitte.

Schommer: Ach, über die ganzen letzten Jahre haben wir denk ich eine ziemlich dicke Haut bekommen, natürlich gibt es sämtliche Eigenschaften der sogenannten Szene, die uns nerven aber damit beschäftigen wir uns gar nicht groß, wir machen einfach unser Ding und gehen mit Bands auf Tour die uns gefallen und denen wir nahe stehen, wie zuletzt zum Beispiel Client und Warbrain und jetzt bald mit Empowerment.

Wodurch lassen sich AYS auf Tour so richtig aus der Ruhe bringen?

Jogges: Durch unsere bloße Anwesenheit.

Chris: Die Frage solltest du am besten nach der Tour stellen. Ich denke in den ersten Tagen werden Grenzen ausgelotet und es wird dann bei möglichst jeder Gelegenheit mit Spitzfindigkeiten darauf rumgeritten.

Wodurch lassen sich Empowerment auf Tour so richtig aus der Ruhe bringen ?

Schommer: Frag mich das lieber nochmal nach der Tour.

 Zum Abschluss: Ihr könntet ein Bandmitglied eurer Band mit einem der anderen Band austauschen – wer müsste gehen & und wer darf ab sofort bei euren Kollegen spielen? 

Jogges: Kleefisch. Einfach weil er Kleefisch ist. Der Präsident und heimlicher König Mallorca. Er kann als zweiter Basser einsteigen. Gehen würde ich jedoch niemand lassen, weil ich meine EPM Brüder liebe.

Schommer: Wir geben keinen ab und nehmen dafür den Khebel in unser Boot. Der kommt ja eh aus unserer Region und hatte damals schon wilde Bands wie True Blue und Iron Skull. Dann spielen wir einfach mit zwei Bassisten und dann geht die Post ab.

AYS & Empowerment auf Tour

Autor Jannik Holdt
Wohnort Mönchengladbach
Beruf Student
Dabei seit 2008
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, Präsentationen, Gewinnspiele
Top-Alben Have Heart - The Things We Carry / The Chariot - Long Live / Rise Against - Siren Song Of The Counter Culture / Another Breath - Mill City
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