Interview mit Bane

Interview mit Bane

Im Mai diesen Jahres haben Bane mit „Don’t Wait Up“ ihr Abschiedsalbum veröffentlicht. Im Anschluss ging es für die Band aus Worcester, MA auf eine ausgedehnte US-Tour und einen Monat später zu uns nach Europa. Wir hatten Gelegenheit auf dem Ieperfest, dem letzten Termin der Tour, ein wenig mit Sänger Aaron Bedard zu sprechen, und er hat uns einiges über die Tour, das aktuelle Album Don’t Wait Up und die angekündigte Auflösung von Bane erzählt.

Du hast es bereits auf der Bühne gesagt, trotzdem noch einmal als allererste Frage: Ist dies das letzte Interview mit Bane auf europäischen Boden?

Ganz bestimmt nicht! Dies ist die letzte Show dieser Eurotour; es ist also wohl das letzte Interview DIESER Tour, aber bestimmt nicht das letzte überhaupt. Wir planen noch zwei Mal nach Europa zu kommen: einmal auf einer Support-Tour und dann noch einmal auf eine ausgedehnte Headliner Tour, um uns zu verabschieden.
Ich weiß nicht genau, wie dieses Gerücht entstanden ist, wahrscheinlich als wir angekündigt haben, dass Don’t Wait Up unser Abschiedsalbum ist und wir kurz darauf auf Tour kommen. Wir haben aber immer gesagt, dass wir weiter als Band bis Ende nächsten Jahres touren wollen, hierzu aber einfach neues Material brauchten.

Ihr wart in den letzten drei Monaten erst in den Staaten und jetzt hier auf Tour. Wie war’s? Waren die Publikumsreaktionen anders nach der Ankündigung, dass Don’t Wait Up euer letztes Album sein wird?

Die Reaktionen waren wirklich richtig gut, viel besser als auf den letzten Headliner Touren, die wir gespielt haben. Es scheint so, als ob mit dem Release von Don’t Wait Up und der Ankündigung, dass wir uns bald auflösen werden, wieder deutlich mehr Begeisterung für die Band herrscht. Diese Tour war definitiv eine der besten, die wir hier gespielt haben.

Du hast einmal in einem Interview gesagt, dass du eher gemischte Gefühle hast, was Festivals angeht, und eher Clubshows mit vier Bands an einem Abend bevorzugst. Ihr spielt jetzt zum dritten Mal auf dem Ieperfest. Was denkst du speziell über dieses Festival?

Es ging mir nicht darum, Festivals generell zu diskreditieren; ich mag einfach die Intimität von Clubshows mehr. Du spielst diese riesigen Bühnen vor tausenden Leuten; ich meine, es ist bestimmt großartig für die Jungs, man fühlt sich ein bisschen wie Metallica. Aber meistens passen wir da einfach nicht so richtig rein.
Das Ieperfest ist da anders: ein großartiges Festival, komplett DIY, veganes Essen, viele Straight Edge Kids… Was Festivals angeht, ist dies eins, wo wir wirklich reinpassen.

Lass uns ein wenig über Don’t Wait Up sprechen!Was bedeutet der Titel? “Du brauchst nicht aufbleiben, ich bin um Mitternacht zu hause”? oder “Warte nicht auf mich, ich komme nicht zurück”?

Genau. Wartet nicht darauf, dass wir zurückkommen. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Wir werden als Band nicht nach zwei Jahren Pause weitermachen oder so.

Das Album ist ein typisches Bane Album geworden. Zwei Songs stechen allerdings heraus: Auf Calling Hours gibt es prominente Guest Vocals von Pat Flynn, Walter Delgado, David Wood und Reba Meyers. Wie habt ihr die Musik und den Text geschrieben? Waren die vier auch in den Prozess involviert?

Dieser Song hat am längsten gedauert, bis er fertig war. Wir wussten von Anfang an, wen wir bei diesem Song dabei haben wollten und für welchen Part. Alle vier ins Studio zu bekommen, war aber echt eine Herausforderung. Pat war intensiv in das Songwriting involviert. Er lebt nur einen Block entfernt vom Studio, wo wir aufgenommen haben. Er ist ein großartiger Songwriter und wir haben viel über den Text und was ich mit dem Song sagen möchte gesprochen.
Der Song ist erst drei Wochen nach dem Rest des Albums fertig geworden. Reba war die letzte, die ihren Teil aufgenommen hat. Es war immer die Frage ob sie es ins Studio schaffen würde. Mit dem Ergebnis, als alles dann im Kasten war, sind wir echt zufrieden.

Wrong Planet ist auf dem ersten Blick ein Song, mit dem sich viele identifizieren können: in der Hardcore Szene und Musik einen Platz zu finden, um mit einer Menge Dinge aus dem Leben fertig zu werden. Die Liner Notes aber ergänzen den Hintergrund um eine sehr persönliche, schreckliche Erfahrung aus deinem Leben. Wie war es für dich, das alles von dir auf einer Platte preiszugeben? War es dir wichtig, dies auf dem letzten Album noch zu machen?

Nicht zwangsweise auf der letzten Platte. Aber mir war aber klar, dass dies vielleicht das letzte Mal ist, dass mir so viele Menschen zuhören. Wenn dies alles zu Ende ist, dann wird sich kaum noch einer dafür interessieren, was ich zu sagen habe.
Ich habe diese Erfahrung quasi mein ganzes Leben mit herumgetragen; ich wurde als Kind missbraucht. Kaum einer wusste davon, auch nicht die anderen Jungs in der Band.
Es war nicht einfach, dies alles zu schreiben. Ich habe viel mit einer Ex-Freundin darüber gesprochen, die wusste, was ich durchgemacht habe. Sie war diejenige, die mich ermutigt hat, diesen Song zu schreiben; für mich, und weniger für irgendjemand anderen.
Es war ganz schön gewaltig für mich, mich all dem zu stellen und auf sehr reale Weise damit auseinanderzusetzen. Und als ich damit fertig war und das Ergebnis gesehen habe, war mir klar, dass ich bereit bin, darüber zu sprechen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass sich so vielleicht einige Kids da draußen weniger scheiße und alleingelassen mit ihren eigenen Dämonen fühlen.
Jetzt am Ende bin ich wirklich froh darüber, dass ich den ganzen Weg da durch gegangen bin.

Equal Vision Records war eigentlich gesetzt für die Veröffentlichung der Platte, immerhin kamen hier ja auch alle eure anderen Alben raus. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit End Hits Records in Europa?

Wir waren letztes Jahr mit Boysetsfire eine Monat auf Tour und Oise (Anm.: von End Hits Records) war mit uns unterwegs. Wir sind schnell Freunde geworden und haben darüber gesprochen, vielleicht zusammenzuarbeiten.
Er ist echt ein großartiger Typ, der sich den Arsch abarbeitet. Insbesondere tritt er uns in den Hintern, Dinge fertigzukriegen! Ich meine, wir sind ersteinmal faule Typen; und plötzlich haben wir hier ein Promovideo zur neuen Platte und so.
Er hat echt viel dafür getan, uns hier bekannter zu machen.

Ihr seid jetzt sein fast 20 Jahren eine Hardcore Band. Trends und Bands kommen und gehen in dieser Zeit, aber Bane war immer eine Konstante; nicht stagnierend, sondern sich langsam weiterentwickelnd. Ich hab euch auf Shows mit sehr ähnlichen Bands wie Comeback Kid oder Have Heart gesehen, aber auch zusammen mit Unearth oder Nasty, was ersteinmal nicht so naheliegend ist. Wie ist es für dich, so lange Teil einer Szene zu sein, die sich manchmal so unglaublich schnell verändert und entwickelt?

Das ist einfach die Natur dieser Szene. Die Hardcore Szene besteht hauptsächlich aus jungen Leuten. Menschen verändern sich, Ideen und Überzeugungen ändern sich, Menschen wachsen und entwickeln sich und lassen Dinge hinter sich. Bands können unglaublich schnell groß werden und sind dann von einem Tag auf den anderen wieder weg. Das ist einfach die Natur der Dinge und man sollte nicht zu viel Zeit darauf verschwenden, darüber nachzugrübeln oder das analysieren zu wollen.
Wir haben einfach immer versucht, das zu machen, was für uns Sinn machte; ohne einem Trend hinterherzulaufen oder die Erwartungen von irgendjemandem erfüllen zu wollen.

Wie sehr fühlst du dich definiert durch Bane?

Quasi vollständig. Und es ist echt beängstigend, dass dies alles bald nicht mehr da sein wird.

Was habt ihr alle nach der Auflösung von Bane vor? Gibt es schon Pläne?

Wir werden wahrscheinlich alle was anderes machen. Ich denke, James (Anm.: Siboni, Bass) und Zach (Anm.: Jordan, Gitarre) werden weiter Musik machen und touren. Die beiden lieben es immer noch, in einer Band zu sein und haben keinen Bock, irgendwas anderes zu machen. Dalbec (Anm.: Aaron, Gitarre) wird demnächst zum ersten Mal Vater. Bobby (Anm.: Mahony, Drums) hat bereits zwei Kinder und wird langsam alt. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich echt darauf freut, mehr zu Hause zu sein für all die Dinge, die jetzt passieren.
Und ich? Ich bin mir nicht sicher, was ich machen werde und was wohl aus mir wird. Ich mag Drum&Bass, vielleicht lege ich zukünftig ein bisschen mehr auf…

Was ist der erinnerungswürdigeste Moment, den du mit Bane verbindest? Was war am beeindruckensten?

Puh, das ist echt eine schwierige Frage… Vielleicht, vielleicht damals 1997 als wir unsere erste Westcoast Tour gespielt haben. Die erste Show war in Portland, Oregon. Ich habe auf der Fahrt im Bus geschlafen und als ich aufwachte blickte ich auf den Pazifik. Ich meine, ich komme aus einer Familie aus ärmlichen Verhältnissen. Wir sind nie viel gereist oder so. Das ganze wurde dann natürlich kurze Zeit später weit übertroffen, als wir uns im Flugzeug auf dem Weg zu unserer ersten Europa Tour wiederfanden.
Was Shows angeht, vielleicht das Fluff Fest 2008; 3000 Leute und alle gingen total ab…

Wie stellst du dir den letzten Moment der Band vor? Wie ist das letzte Bild, das du von Bane im Kopf behalten möchtest?

Noch so eine Frage… Ich habe viel darüber nachgedacht und, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und es wird echt hart für mich, wenn das alles zu Ende geht. Es ist eine Sache, darüber so abstrakt nachzudenken, wenn alles noch ein Jahr in der Zukunft liegt. Wenn das Ende dann aber tatsächlich kommt, wird es wirklich traurig für mich. Es wird viele Tränen und Umarmungen geben. Aber ich freue mich ganz und gar nicht darauf.
Ich weiß nicht, wie es tatsächlich wird. I just won’t be that kid in Bane anymore…

Unser Review und Bilder von der Bane Show auf dem Ieperfest 2014 findet ihr hier: http://www.stageload.org/berichte/ieperfest-2014-tag-3

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
Die besten Konzerterlebnisse Hellfest 2003 - Syracuse, NY; Have Heart, Edge Day 2009 - Boston, MA

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