Interview mit Basement

Interview mit Basement

Major-Label sowie eine Tour mit Weezer und den Pixies – für Basement stehen die Sterne in diesem Jahr äußerst gut. Es könnte für die Band aus dem Süden Englands das bislang erfolgreichste ihrer Karriere werden. Wir haben uns mit Gitarrist Alex vor dem Konzert im Hamburger Logo im Tourvan zusammengesetzt und nicht nur über das neue Album, sondern auch über den steigenden Druck auf die Band gesprochen.

Wie war die erste Show gestern in Köln?

Wirklich gut! Die Location war komplett vollgepackt mit Menschen, die eine gute Zeit und eine Menge Energie hatten. Es war echt cool, alle waren sehr nett. Es war ja der erste Tag der Tour und es ist immer spannend, wenn man die anderen Bands und die Crew zum ersten Mal trifft.

Ich hatte im Vorfeld ja ein bisschen Angst, dass es eine große Tour wird, mit großen Locations und Barrieren vor der Bühne.

Es ist so ein Mix. Gestern hatten wir eine große Bühne, aber ohne Barriere, und die Leute hatten eine gute Zeit.

Aber die Venue heute ist sehr klein, oder?

Ja, das ist so ein typisches Basement-Ding. Wir spielen mal große Venues, mal kleine Venus und mischen das so ein bisschen.

Ihr seid auf Tour mit Culture Abuse und Muncie Girls. Habt ihr euch die beiden Bands als Support ausgesucht?

Ja. Wir versuchen uns immer verschiedene Arten von Leuten und Bands auszugucken und dann schauen wir, wer gerade Zeit hat. Die beiden haben Sinn gemacht und hatten eben auch Zeit, die Tour mit uns zu spielen. Ich mag aber auch „Bay Dream“, das Album von Culture Abuse, sehr gern. Von Muncie Girls hatte ich vorher noch nicht so wirklich was gehört, die Idee kam eigentlich von den anderen. Der Name ist gefallen, ich hab sie mir angehört und dachte „Oh, das wäre doch cool, wenn die mit uns auf Tour kommen würden.“ Und bis jetzt scheinen es auch sehr nette Menschen zu sein. Es gibt nichts schlimmeres, als mit Leuten auf Tour zu sein, die man nicht mag oder mit denen man sich nicht versteht. Das passiert selten, aber es kann passieren.

Wie fühlt es sich an, Headliner zu sein? Ich erinnere mich noch als ihr für More Than Life oder Your Demise Support wart, das ist ja schon einige Jahre her.

Mit Your Demise haben wir damals sogar in dieser Location hier in Hamburg gespielt. Es ist ganz cool, der Headliner zu sein, weil man viel Zeit hat. Man kann in Ruhe einen Soundcheck machen, alles ist organisierter und das macht das ganze Touren insgesamt etwas einfacher. Opener zu sein hat aber auch seine Vorteile, weil man weniger Druck hat. Man kann in Ruhe die Stadt erkunden und es ist praktisch egal, ob man in der Venue ist oder nicht, weil die Verantwortung nicht bei dir liegt.

Also ist Headliner zu sein eindeutig stressiger?

Ein bisschen, ja. Einfach weil man die erste Band sein muss, die an der Location ist. Man muss alles vorbereiten, die Backline und so, und wenn dann niemand zu dem Konzert kommt, ist es auch noch deine Schuld (lacht). Der Druck ist also eindeutig größer. Aber umso cooler ist es dann natürlich, wenn die Show ausverkauft ist und die Leute Tickets gekauft haben, um deine Band zu sehen. Das ist ein tolles Gefühl. Wir werden bald in den USA für Weezer und die Pixies Opener sein, dann ist das Ganze wieder umgekehrt und für uns entspannter als auf dieser Tour.

Wie war bis jetzt das Feedback zu „Beside Myself“? Ich habe oft gehört, dass viele das Album recht poppig finden. Allerdings muss das ja nichts schlechtes sein. Ich persönlich höre da einen starken Jimmy Eat World-Vibe raus.

Ich glaube, das Feedback war ganz gut bis jetzt. Die Leute haben sich denke ich einfach ein bisschen aggressivere Musik von uns gewünscht, falls aggressiv überhaupt das richtige Wort ist. Wir haben uns darauf konzentriert, möglichst eingängige Songs zu schreiben, die auch live gut ankommen. Wir haben die Songs von „Beside Myself“ jetzt schon ein paar Mal auf der Bühne gespielt und den Leuten scheint es zu gefallen. Ich glaube aber, dass es noch viel zu früh ist um zu sagen, ob das Album gut oder schlecht ankommt. Es ist ja gerade mal drei Monate draußen.

Wie hat sich der gesamte Produktionsprozess im Vergleich zu den Alben davor verändert? Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, hattet ihr gerade „Promise Everything“ aufgenommen und du hast mir erzählt, dass es sehr schwer war das Album zu schreiben, weil du zu der Zeit in den USA gelebt hast und der Rest der Band in England.

Für dieses Album hatten wir echt viel Zeit. Wir hatten viele Proben zusammen, mal in den USA, mal in England, haben uns in einen Raum zusammengesetzt und an den Songs geschrieben. Als es dann an das Aufnehmen ging, waren wir sehr gut vorbereitet. Wir hatten eine ziemlich genaue Idee davon, wie das Album am Ende sein sollte. Bei den vorherigen Veröffentlichungen war es immer so, dass wir die Songs im Studio noch mal umgeschrieben oder fertig geschrieben haben, dieses Mal war es einfach organisierter. Das lag aber auch an den Leuten, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Colin und Alex aus dem Studio in Los Angeles waren unglaublich nett. Auch das Studio selbst war toll. Das war definitiv eine der besten Erfahrungen, die ich je mit Basement gemacht habe. Jeden Tag waren alle sehr positiv und voller Energie, ein Album zu machen und hatten Spaß an der Sache.

2015 hast du mir erzählt, dass euer Ziel ist, irgendwann von der Musik, die ihr macht, zu leben. Habt ihr das mit dem neuen Album und dem Vertrag mit Fueled By Ramen erreicht?

Ich denke schon. Ich meine, ich kann meine Rechnungen bezahlen und bin nicht obdachlos, das ist gut (lacht). Aber weißt du, es ist schon ein bisschen schwierig, weil du nur Geld verdienst, wenn du auf Tour bist. Von Plattenverkäufen allein kann heute niemand mehr leben, das verstehen viele Leute nicht. Na klar bringt dir auch Streaming etwas Geld ein, aber damit kannst du kein Leben finanzieren. Das ist etwas stressig, weil das ja für uns heißt, dass wir möglichst viel touren müssen und das wiederum heißt ja, dass wir lange Zeit von Zuhause, unseren Freunden und Familien weg sind. Es ist auch krass, wenn Leute mich fragen, was ich beruflich mache und ich sage dann „Ich bin Musiker.“ Das ist ein komisches Gefühl und die Leuten fragen dann „Oh, und was für Musik machst du?“ „Rockmusik.“ Und dann kommt wiederum die Frage, wie wir klingen und ich sage einfach nur „So wie Green Day!“ (lacht) Insgesamt fühle ich mich aber gut damit zu sagen, dass mein Beruf Musiker ist. Es ist immer noch etwas seltsam, aber das ist einfach, was ich tue.

Worum dreht sich „Beside Myself“?

Als wir die Songs geschrieben haben, hat sich Andrew viele Gedanken um sich selbst gemacht. Man kann physisch gesehen ja nicht neben sich stehen, aber man kennt den Ausdruck ja aus dem Alltag. Für Andrew war es einfach so, dass er sich gedacht hat – gerade als wir die Entscheidung getroffen haben, die ganze Bandsache jetzt Vollzeit zu machen -, ob das nun der richtige Weg für ihn und die Band ist. Es ist jetzt eben kein Hobby mehr, auf der Bühne zu stehen, sondern wir verdienen damit unser Geld. Da ist einfach viel mehr Druck, der auf einem lastet. Und diese ganzen Fragen „Ist das wirklich das Leben, das ich führen möchte?“ oder „Wie sehen die Leute um mich herum mich und die Entscheidungen, die ich getroffen habe?“ finden sich in den Texten auf dem Album wieder.

Was mich interessiert ist, welche Idee hinter diesen ganzen Hidden Tracks auf euren Platten steckt? Mir ist das zum ersten Mal bei der „Further Sky“ 7“ aufgefallen und auch auf der Vinylversion von „Beside Myself“ ist am Ende ja ein versteckter Song zu finden.

Als wir jünger waren, haben die Alben von unseren Lieblingsbands auch immer Hidden Tracks am Ende gehabt. Wenn wir ein neues Album aufnehmen, dann nehmen wir meistens mehr Songs auf, als dann auf das fertige Album kommen. Bei einigen denken wir uns „Okay, ist ganz nett, aber passt irgendwie nicht so recht zum Rest.“ und dann nehmen wir den als Secret Track für die Vinylversion. Sozusagen als Bonus für diejenigen, die die Platte auch wirklich kaufen. Wir haben neben dem Hidden Track auf „Beside Myself“ noch einen weiteren Song aufgenommen, den wir im Laufe des Jahres zu einem besonderen Anlass veröffentlichen werden.

Was steht als Nächstes an? Ihr habt schon in Großbritannien getourt, jetzt bald mit Weezer in den USA und mit The Story So Far in Australien. Habt ihr noch andere Pläne?

Erstmal nicht. Die beiden Touren mit Weezer und The Story So Far gehen ineinander über. Wir sind am Ende also gut sieben Wochen am Stück unterwegs. Nach dieser Tour jetzt fliegen wir in die USA und spielen die Tour mit Weezer und den Pixies, die verdammt krass wird. Meine Mutter fliegt extra nach New York, um sich unser Konzert im Madison Square Garden anzugucken. Sie sagt schon die ganze Zeit „Wann habe ich nochmal die Gelegenheit, meinen Sohn im Madison Square Garden spielen zu sehen“? (lacht) Es fühlt sich einfach so surreal an. Wir hätten niemals gedacht, dass wir so große Touren spielen können. Klar, wir waren schon mit Brand New und Bring Me The Horizon unterwegs, auch große Bands, aber die Pixies und Weezer – das ist noch mal eine Schippe oben drauf! Nach der Tour haben wir dann ganze zwei Tage frei, bevor unsere Flüge nach Australien gehen.

Dort wart ihr ja schon einige Male, oder?

Es ist unser viertes Mal. Ich bin echt aufgeregt, wieder dort zu spielen. Wir haben auch viele Freunde in Australien, aber ich glaube, nach den sieben Wochen unterwegs werde ich ganz schön ausgelaugt sein.

Hast du coole Musik, die du empfehlen kannst? Was hört ihr gerade so im Tourvan?

Normalerweise hören wir im Van nicht zusammen Musik. Das ist eher selten und wenn, dann nur so witziges Kram, nichts besonders ernstes. Ich höre momentan aber eine Band ganz gerne, die The Beths heißt. Die kommen aus Neuseeland und machen Rock mit sehr vielen catchy Parts. Ich finde, dass jeder Song auf deren Album ein Hit ist. Außerdem höre ich noch sehr viel von Mark Kozeleks Sachen, also Sun Kil Moon oder seine Soloalben. Das ist sehr gute Musik, wenn man unterwegs ist, besonders an verregneten Tagen wie heute. Außerdem gibt es da noch eine neue Hardcore-Band, die ich mag. Ekulu heißt die.

Da spielen doch auch Leute von Glory mit, oder?

Ja genau. Eigentlich aus vielen anderen Bands. Die spielen so eine Art von New York-Hardcore und ich finde die großartig! Ich habe die erst vor kurzem live gesehen und war begeistert. Also, die drei Bands, The Beths, Sun Kil Moon und Ekulu kann ich nur empfehlen.

Foto: Mitchell Wojcik

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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