Interview mit Bullet For My Valentine

Interview mit Bullet For My Valentine

Wie, die gibt’s noch? Ja, Bullet For My Valentine feiern in diesem Jahr sogar ihr 15-jähriges Jubiläum und haben passend dazu ihr sechstes Album „Gravity“ am Start. Wir haben mit Frontmann und Sänger Matthew „Matt“ Tuck über ihren bislang emotionalsten Longplayer, den neuen Mann am Schlagzeug und die Jugend im Metalcore gesprochen.

„Gravity“ ist das erste Album mit Jason Bowld an den Drums. Wie ist das Songwriting mit ihm, inwiefern ist er anders als Michael Thomas?

Es ist unfassbar gut! Seine Erfahrungen, die er bereits mit anderen Bands gemacht hat, kommt uns zugute und bereichert den Sound. Jason ist unglaublich, er hat Geschmack, einen tollen Stil und ist im Studio hilfreich, inspirierend und durchweg positiv. Es ist großartig, dass sein Können nun Teil der Band ist. Ich habe nun einen Partner, den ich beim Songwriting so bisher nicht hatte. Er hat gefühlt schon jeden Stil gespielt – Percussion, klassisch, Metal, Jazz, Funk. Er ist unheimlich technisch und weiß ganz genau, was er macht. Er bringt viel mehr Abwechslung und Farbe in die Band als wir vorher hatten.

Vor zwei Jahren habt ihr „Don’t Need You“ als Single veröffentlicht, nun ist der Song außerdem noch Teil des Albums geworden – warum?

Das war die Idee von Spinefarm. Die Leute dort mögen den Song total gerne und meinten, er verdiene es, auch auf „Gravity“ zu sein. Und weil er auch thematisch gut zum Album passt, waren wir direkt dabei.

Beim Hören des Albums ist mir aufgefallen, dass es im Allgemeinen weniger aggressiv und dafür emotionaler klingt. Liegt dies an Jasons Einfluss oder habt ihr etwas anders gemacht?

Wir haben alles anders gemacht! Wir haben mit „Gravity“ ein Album geschrieben, welches wir so noch nie gemacht haben. Ich denke dabei an die Texte, aber auch an die Vocalperformances. Wir haben uns nicht auf super technische Gitarren oder Drums konzentriert, sondern wollten vielmehr riesengroße, dunkle, epische Songs schreiben. Wir wollten mit Bullet For My Valentine nicht in der Vergangenheit feststecken, sondern die Band in die Zukunft tragen – gerade auch wegen des neuen Line-Ups, weil Jason nun an Bord ist. Wir wussten, dass die Zeit für mehr Kreativität gekommen war.

Hast du das Gefühl, dein Songwriting beziehungsweise dein Stil habe sich in den letzten Jahren verändert?

Ich denke schon, ja. Das sieht man auch schon daran, dass „Venom“ und „Gravity“ zwei vollkommen unterschiedliche Alben geworden sind – im Stil, im Sound und auch lyrisch. Wir haben aber immer die Songs geschrieben, die sich für die jeweilige Zeit richtig angefühlt haben und die auch auf dem jeweiligen emotionalen Level waren. Wir versuchen nicht, wie etwas Fremdes zu klingen, sondern den Sound der Band natürlich entwickeln zu lassen. Jedes Album ist eine Zeitkapsel und gehört zu einem ganz bestimmten Moment und Zeitraum und bei „Gravitiy“ ist das nicht anders.

Ist dir jemals beim Schreiben eines Songtextes aufgefallen, dass du über ebendieses Thema bereits einen Song geschrieben hast, wodurch du mittendrin abbrechen und dir etwas Neues überlegen musstest?

Ich glaube, es kommt oft vor, dass man mehrmals über ein Thema schreibt. Solange die Worte anders sind und die Musik gut und interessant, sehe ich darin auch kein Problem. Natürlich ist es immer wichtig, seinen Pool zu erweitern und Songs einzigartig zu gestalten und sich nicht an welche zu orientieren, die man bereits geschrieben hat, aber solange du etwas zu sagen hast und der Song stark ist, ist das in Ordnung. Es wäre falsch einen Song nicht zu schreiben, nur weil man über dasselbe oder ein ähnliches Thema bereits gesprochen hat – zumal es unmöglich ist, jedes einzelne Lied lyrisch einzigartig zu machen.

Gibt es auf „Gravity“ ein thematisches Oberthema?

Ich glaube schon, ja. Es geht vor allem um mich und was ich in den letzten Jahren er- und durchlebt habe. Hinter den Kulissen hatte ich eine schlimme Zeit; meine Ehe ist in die Brüche gegangen, wodurch ich Depressionen und Angstzustände bekommen habe. Es sind keine schönen Themen, aber ich musste darüber schreiben und habe sie zum Thema des Albums gemacht. Auf „Gravity“ zeige ich eine Seite von mir, die ich noch nie gezeigt habe. Ich glaube, dadurch gewinnt das Album an Stärke.

Fühlt es sich dadurch für dich wie ein Seelen-Striptease an?

Ich war schon immer der Meinung, dass sich persönliche und emotionale Songs am besten dafür eignen, um eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. Als Songschreiber möchtest du immer, dass die Leute etwas beim Hören fühlen und etwas damit verbinden können und solange die Songs persönlich und ehrlich sind, wird das auch passieren. Die Themen sind jetzt nicht positiv und oftmals geht es um psychische Gesundheit, aber genau das sind Dinge, die viele durchmachen müssen. Es ist wichtig zu zeigen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist – dass es viele Leute gibt, die ähnliches erleben. Es ist nicht schön, aber es ist positiv, darüber zu sprechen.

In den letzten Jahren ist mir immer wieder aufgefallen, dass es vielen Metal-, Metalcore- und Hardcore-Bands ihr Aussehen wichtiger zu sein scheint als ihre Musik. Siehst du das ähnlich?

Ich hoffe noch immer, dass es gerade jungen Leuten am wichtigsten ist, mit ihrer Band live zu spielen, Songs zu schreiben und daran Spaß zu haben. Als wir mit der Band angefangen haben, haben wir uns direkt auf die Musik konzentriert, aber heutzutage ist es wahrscheinlich schon wichtig, wie man aussieht – vor allem, wenn das erste, was ein potenzieller Hörer von der Band mitbekommt, ein Bild bei Instagram ist. Auf langer Sicht ist das aber natürlich absolut irrelevant, weil es dir als Musiker und Band nichts bringt, wenn du zwar wunderschön aussiehst, aber deine Songs scheiße klingen. Meiner Meinung nach sollte man sich auch heute und trotz der sozialen Medien als Band auf Songs und Konzerte konzentrieren und nicht all seine Zeit in sein Aussehen investieren.

Gibt es einen Song, den du gerne selber geschrieben hättest?

Auf jeden Fall! Ich könnte dir gleich 20 Songs von Bruce Springsteen nennen (lacht). Bruce Springsteen hat die Kunst des Songwritings und des musikalischen Storytellings gemeistert. Er ist der beste Songschreiber dieser Zeit!

Foto: Ville Juurikkala

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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