Interview mit Cold Reading

Interview mit Cold Reading

Das Freiburger Punk-/Indie-Trio The Deadnotes war schon mit etlichen Bands unterwegs und hat auch in Cold Reading neue Freunde gefunden. Wir haben die Schweizer Emo-Band zum Interview getroffen – allerdings ohne ihnen vorher mitzuteilen, dass die Fragen nicht von einem Stageload-Redakteur stammen, sondern von den Deadnotes themselves. Wir dürfen präsentieren: Das etwas andere Interview! Von Schülerbands, einem Wochenende in einer Hütte irgendwo im Nirgendwo und der ewigen Namensfrage.

Ihr wart früher schon in anderen Bands wie Face The Front, Tea Time, A River Crossing oder Couch Potatoes aktiv – wie kam es zur Gründung von Cold Reading?

Arthur: Chris und ich haben zusammen bei Face The Front gespielt, wo der Sänger dann allerdings nach London gezogen ist und wir nach was Neuem schauen mussten. Ein paar Monate vorher hatten wir Marc auf einer Show von Funeral For A Friend kennengelernt, den wir dann mit ins Boot geholt haben. Mike ein bisschen später ebenfalls.

Michael: Zu dieser Zeit war ich noch bei A River Crossing, wo aber auch quasi Pause war – wir wussten nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Ich hatte mich dann dazu entschieden, A River Crossing zu verlassen und bei Cold Reading einzusteigen.

Chris: Mike hat auch immer schon bei Face The Front gesungen, wenn der Sänger mal wieder eine Kehlkopfentzündung hatte. Wir kommen sowieso fast alle aus Luzern, man kennt sich also auch irgendwie.

Euer Debütalbum „Fractures & Fragments“ ist 2015 erschienen. Um an dem Nachfolger zu arbeiten wart ihr vor Kurzem zum Songschreiben in einer Hütte in den Bergen – wie erfolgreich war das?

Chris: Wir haben einen Song geschrieben (lacht)!

Arthur: Und einen gecovert.

Michael: Wir waren nur ein Wochenende da, von daher finde ich das eine gute Leistung.

War es hilfreich, sich so von der Außenwelt abzuschotten?

Arthur: Ich finde schon, ja. Mal kein Netz und kein Handy zu haben, einfach abzuschalten.

Marc: Es war auch ein kleines Experiment. Wir haben keine Ideen mit in die Hütte genommen, sondern haben einfach Sachen ausprobiert, woraus eben tatsächlich auch ein Song entstanden ist.

Chris: Wir wollten das schon länger machen. Die Hütte gehört meinen Eltern, wir können das also immer wieder machen. Wir hatten uns aber überlegt, das erstmal nur für ein Wochenende zu machen und dann im Sommer wahrscheinlich nochmal ein bisschen länger.

Als Kontrast dazu wart ihr außerdem in Freiburg im Proudly Ugly Studio. Wie war es, mit einem Produzenten wie Tiago Fernandes zu arbeiten, der dafür bekannt ist, dass er die Songs der Bands noch ein wenig verändert?

Marc: Das war ebenfalls ein Experiment, wieder eine neue Erfahrung. Beim ersten Album wurde an den Songs ja nichts verändert – aber der Produzent war auch kein wirklicher Produzent, sondern der Recording Engineer, der hat nur auf einen Knopf gedrückt. Mit Tiago haben wir uns die Songs wirklich angeschaut. Bei einem der vier Songs der neuen EP haben wir noch ziemlich umgeschrieben, das stimmt schon, aber ich glaube, wir fanden das alle sehr hilfreich.

Chris: Aber es hat sich auch nichts richtig krass verändert. Einen Song haben wir angepasst, aber schlussendlich ist ziemlich viel von dem geblieben, was die ursprüngliche Idee war.

Euer Debütalbum wurde auch in Deutschland von mehreren Online-Magazinen rezensiert, wo ein Review sehr negativ ausgefallen ist. Wie geht ihr mit negativer Kritik um?

Chris: Wir posten sie auf Facebook (alle lachen).

Arthur: Gute Kritik nehmen wir uns zu Herzen, aber wenn es jemandem nicht gefällt, dann ist das halt so. Das ist ja auch stückweit Geschmackssache.

Michael: Aber dieses Review war schon so extrem, das konnten wir sehr gut mit einem Schmunzeln verarbeiten (lacht).

Letztes Jahr seid ihr auch durch Großbritannien getourt, kam es dort wegen eures Bandnamens zu Verwechslungen mit der Stadt Reading?

Alle: Ja!

Marc: Ich finde es eigentlich auch ganz cool – wir haben aber nur keinen Bezug zu Reading (lacht).

Musstet ihr dort dann euren Namen öfters erklären?

Marc: Bei der letzten Show hat mich die Promoterin angesprochen, warum wir Cold Reading heißen. Ich musste ihr dann erklären, dass das anders ausgesprochen wird und eben nichts mit der Stadt zu tun hat.

Michael: Aber es ist auch schon erklärungsbedürftig. Wenn ich es nicht gegoogelt hätte, wüsste ich auch nicht, was „Cold Reading“ bedeutet (lacht). Ursprünglich war der Name ein Teil eines Songs von Face The Front, was total cool ist. Ich habe dann erst später herausgefunden, was es überhaupt bedeutet (alle lachen).

Ihr veranstaltet in Luzern mit Hundredandone auch selber Konzerte – wie seid ihr dazu gekommen?

Arthur: Alain Schurter, der Sänger von Face The Front, hat früher im Treibhaus in Luzern Shows gemacht. Als er dann nach England gezogen ist, hat er mir sozusagen das Ganze übergeben. Ich habe die Kontakte bekommen und so weitergemacht und wenn was zu haben ist, dann machen wir eine Show.

Wie ist die Szene in Luzern? Habt ihr lokale Bands, die Support machen können?

Arthur: Das ist ein bisschen traurig, Emomäßiges gibt es da nicht viel. Wir haben im Notfall auch schon selber gespielt.

Chris: Das können wir ja nur auch nicht immer machen (lacht).

Wir haben eben schon über eure Englandtour gesprochen, was dient euch denn bei langen Fahrten neben der Musik als Unterhaltung?

Arthur: Chris spielt gerne Games auf dem Handy, ich schlafe gerne, der Mike liest gerne und der Marc fährt gerne.

Marc: Ich fahre wirklich am liebsten – das ist einfach spannender.

Letzte Frage: Was sagt ihr dazu, dass nicht ich mir die Fragen ausgedacht habe, sondern die Deadnotes?

(alle lachen)

Chris: Das erklärt einiges. Aber sie haben das gut gemacht. Liebe Grüße an dieser Stelle! Sie sind gar nicht so schlimm.

Marc: Also als Musiker (alle lachen).

Am 22. September werden Cold Reading ihre neue EP „Sojourner“ via KROD Records veröffentlichen.

Foto: Herbert Zimmermann

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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