Interview mit Drangsal

Interview mit Drangsal

Brachialpop mache er. Brachialpop, das ist so eine typisch Grubersche Wortkreation. Sperrig, unkonventionell, aber dann doch auch wieder ganz zahm. Weil Pop, das taugt ja jedem, irgendwie. Das sind sie, die zwei Seiten des Max Gruber: Der 22-jährige ist poetischer Feingeist und ehrlich-angepisster Rüpel in einem. Widersprüche und Abgründe faszinieren ihn. Anecken macht ihm sowieso diebische Freude. Aufdröseln lasse sich sein Schaffen übrigens am besten in Post-Punk, Indie-Pop und New Wave. Ein Erbe seiner Kindheit, einer Kindheit für die Pop-Kultur: Neue Deutsche Welle traf auf Marylin Manson und das im Pfalz-Dörfchen Herxheim (Hinterland, um es mit Casper zu sagen). Mittlerweile residiert Gruber in Berlin. Aber nicht in F-Hain oder Mitte, nein, im eher biederen Schöneberg: Das sei noch kein Laufsteg für die hippe Meute, viel angenehmer. Berlin gleicht für Gruber nicht dem Paradies auf Erden. Das daueraffektierte High-Life ohne Sinn & Verstand widert ihn ohnehin an. Schöner Musik gelte sein Augenmerk – gerne massentauglich, gerne weniger AnnenMayKantereit und sehr gerne auch untermalt von Kuss-Szenen mit Jenny Elvers.

Wie war’s denn so beim ECHO?
Unnötig, ich hätte es genauso gut auch lassen können. Deshalb war ich glaube ich auch der erste von den geladenen Gästen, der den Heimweg angetreten hat.

Was ist denn schlimmer da, die Musik oder das Drumherum?
Die Musik ist sowieso schlimm, das weiß man ja. Davon abgesehen aber natürlich auch das Publikum und wie sich verhalten wird. Alle sind besoffen und zugekokst und holen sich einen runter darauf, dass sie total wichtig im Musikbusiness sind. Davon wollte ich an dem Abend – und eigentlich auch sonst – kein Teil sein, deswegen hab’ ich mich um eins, halb zwei auf den Weg gemacht. Ich kenne ja dann doch auch nicht so viele Leute da.

Also warst du im Prinzip fehl am Platz?
Es war einfach fürchterlich unangenehm. Fehl am Platz würde ich nicht sagen, weil es ja eine Veranstaltung für deutsche Künstler ist. Das Eingeladen sein hängt natürlich auch immer daran, ob du ein Label im Rücken hast, das dir das 250-300 Euro-Ticket zahlt und da dache ich mir, ich mach mir wenigstens einen Spaß draus und mache dieses Eins-Live-Ding (ein kleiner Facebook-Live-Blog; hier nachzuverfolgen), was dann aber auch ständig zensiert wurde, weil ich irgendwie zu harsch war.

Die Sache, die durchkamen waren aber doch ganz lustig.
Ich hab’ irgendwann gar nichts mehr geschrieben, weil ich einfach nur angefressen war. Und dann hab’ ich noch Stress mit Philipp Styra, dem Booker von Razz gekriegt, weil ich seine Schützlinge immer beleidige. Gerade als ich mit H.P. Baxxter anbandeln wollte, ging das los. War irgendwie kein guter Abend. Aber ich hab das Foto mit H.P., das ist eigentlich mein einziges Lebensziel und das ist damit erreicht.

Du hattest ja bei Facebook auch mal eine kleine Tirade gepostet, wo’s generell um die Pop-Welt ging und nebenbei auch AnnenMayKantereit erwähnt. Die sind ja aktuell wahnsinnig erfolgreich, obwohl sie ziemlich harmlosen und langweiligen Pop machen…
Das sagen alle, aber irgendwie kauft es doch jeder! Ganz ehrlich: Die Band tourt in einem Zirkuszelt – in einem Zirkuszelt! Muss man da noch viel mehr drüber sagen? Ich find’s fürchterlich.

„Ich war der Dorf-Weirdo!“

Warum glaubst du, ist so was denn erfolgreich?
Weil die meisten Leute keine Lust haben Musik mit Gehalt zu hören. Dafür müssten sie sich ja anstrengen und sich damit beschäftigen, wo die Musik herkommt. Und eventuell würden sie an einen Punkt gelangen, wo man einen gewissen Verstand braucht, eine gewisse Bandbreite und eine gewisse innerliche Größe, um über den Tellerrand zu blicken.

Die Leute haben immer Lust auf die einfachste Kost – und momentan ist die einfachste Kost halt AnnenMayKantereit, weil es so anbiedernd-stumpfe leeres Blatt Papier-eske Studentenmusik ist. Ich verstehe, warum es ankommt und ich finde „Oft gefragt“ ist ein wunderschöner Song. Den hätte ich auch gern geschrieben und irgendwie geht er mir auch ans Herz, aber der Rest wurde dann einfach so lieblos dahingerotzt und nachgeschossen.

Da sind wir uns im Prinzip einig. Aber was ist deine Vorstellung von Musik als Kunst, die du dem entgegenhalten willst?
Wertigkeit in der Musik muss jeder für sich selbst definieren. Aber ich persönlich mag Musik, die mich auf andere Musik bringt. Wo ich was erfahren kann über die Künstler. Musik, die wie ein Haus ist, in das man reingehen kann, aber nicht muss – und wenn man reingeht, kann man sich jedes Detail in jedem Zimmer anschauen, jede Schublade aufmachen. Bei AnnenMayKantereit, da ist die Tür einfach verschlossen.

Ich finde, meine Musik ist trotzdem Pop-Musik und das möchte ich auch ganz klar machen. Aber dahinter liegt noch mehr und ich weiß nicht von welcher Gruppe ich auf AnnenMayKantereit schließen könnte, wenn ich wollte – auf Milky Chance? Ich würde den Leuten gerne zeigen, dass da noch viel mehr ist. Dass ich von Prefab Sprout beeinflusst bin und dass vielleicht in ein paar Jahren, wenn ich schon längst vergessen bin, in irgendeiner Ein-Euro-Kiste meine Schallplatte liegt und die dann für irgendein Kid das ist, was für mich damals Hubert Kah war.

Das ist eigentlich der einzige Anspruch, den ich habe.

Im Interview mit der Vice hast du gesagt: „Marilyn Manson hat mein Leben verändert.“ Was genau hat das mit dir gemacht, als kleiner Junge, der in einem Kaff in der Pfalz wohnte?
Ich durfte schon als ich ganz klein war immer viel Fernsehen gucken und meine Eltern waren auch Popkultur-affin. Zwar nicht so begeistert wie ich es einmal werden würde, aber auf jeden Fall wussten sie, was gerade passierte und haben mich auch nicht davon ferngehalten. Irgendwann hab‘ ich dann das Video zu „The Dope Show“ vom Album „Mechanical Animals“ gesehen. Das dürfte 1998 gewesen sein, da war ich fünf.

Ich war erst einmal total verwirrt, weil ich bis dato noch nie einen Menschen gesehen hatte, der so aussah. In dem Video tritt Manson ja als „Omega“ auf, das Wesen, was er für das Album erschaffen hat. Androgyn, mit Brüsten, aber ohne Nippel und er hat einen Schritt, aber keine Genitalien. Das hat mich total schockiert und gleichzeitig begeistert und bis heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Marilyn Manson ist für mich nicht das Beste was es gibt, aber er hat sehr nachdrücklich auf mich eingewirkt. Seitdem wusste ich, Männer können lange rote Haare haben, geschminkt sein und Kontaktlinsen tragen – Schocken als Form des Ausdrucks. Das hat ganz viel mit mir angestellt.

Und du hast das dann für dich vom Äußeren und vom Verhalten her übernommen?
Ich würde sagen, dass mir ein Hang zur Provokation einfach inne wohnt und von dem getriggert wurde. Da spielten noch andere Sachen mit rein, The Prodigy oder später dann The Residence. Alles was irgendwie wicked, anders und dagegen war, fand ich spitze. Das war früher mein einziger Anspruch, was gute Musik sein muss. Später hat sich das geändert.

Looktechnisch habe ich mich aber nie wirklich angepasst. Ich hatte mal lange, schwarz gefärbte Haare und auch sonst jede bescheuerte Frisur, die man haben kann. Auch geschminkt hab‘ ich mich immer mal aus Langeweile, aber ich bin nie im kompletten Manson-Look vor die Tür getreten, nicht mal als ich auf seinen Konzerten war. Dreimal hab’ ich Marilyn Manson live gesehen und beim ersten Mal hatte ich einen Fubu-Pulli an.

„Berlin war für mich immer nur ein Mittel zum Zweck.“

War es dann so wie man sich das vorstellt: Ein Junge, der in einem kleinen Kaff in der Pfalz wohnt und Marylin Mansons Sachen geil findet, ist man dann automatisch der Weirdo vor dem Herrn?
Das lag nicht daran, dass ich Marilyn Manson gehört habe. Es war wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Man fängt an sich mit weirdem Zeug zu beschäftigen, wird deshalb weirder, andere Leute finden einen dann auch ein bisschen weird, dadurch wird man dann noch weirder – das funktioniert wie ein Strudel, der einen immer tiefer reinzieht.

Ich hatte schon immer Lust die Leute vor den Kopf zu stoßen und hab’s dann auch einfach gemacht. Marylin Manson ist da mehr musikalisch ein Teil davon als persönlich. Aber ich war auf jeden Fall der Dorf-Weirdo. Ich hatte lackierte Fingernägel, grüne Doc Martens mit roten Schnürsenkeln, karierte Hosen und ein Rob Zombie-Shirt. Einmal bin ich wegen einem Cradle of Filth-Shirt aus dem Religionsunterricht geflogen. Da gab’s so einige Geschichten.

Du bist ja dann auch relativ früh nach Berlin gezogen. Einmal habe ich gelesen vor vier, einmal vor fünf Jahren.
Ja, das ist das Problem am Internet, die Leute schreiben einfach was sie wollen. Ich kann dir genau sagen, wie das war, vielleicht tragen wir dazu bei, dass es in Zukunft irgendwo richtig steht (lacht):

Ich bin mit 18 von Herxheim nach Berlin gezogen, nach einem Jahr dann nach Leipzig und wieder nach einem Jahr zurück nach Berlin.

Warum bist du denn ursprünglich erst mal weg aus Herxheim?
Weil es da für mich nichts zu tun gab. Ich wollte ursprünglich nach Heidelberg und da irgendwas mit Musik machen, ein freiwilliges kulturelles Jahr. Das hat nicht funktioniert und dann hab’ ich über eine glückliche Schicksalswendung einen Job in Berlin gekriegt, bei Domino und Mute Records. Ich war vorher erst einmal in Berlin zum Vorstellungsgespräch und hab’ die Stadt da nur aus dem Taxi-Fenster gesehen. Nach der Zusage bin ich dann schnurstracks hingezogen.

Es wurde halt Berlin, weil es da den Job gab. Hätte es den in Ulm gegeben, wäre ich wohl nach Ulm gezogen. Ich finde, man kann ja jede Stadt mehr oder minder ein bisschen lieben lernen. Später bin ich ja dann auch zusammen mit Fabian (Anmerkung der Redaktion: Altstötter), dem Sänger von Sizarr, nach Leipzig gezogen. Es geht nur darum, rauszukommen und was anderes zu sehen

Alle Leute, die sich künstlerisch begeistert haben und für die es mehr gab, als in der Kneipe sitzen, zu saufen und AfD zu wählen, die sind glaub‘ ich alle weg aus Herxheim.

Wo du jetzt aber schon eine Weile in Berlin bist, nimmst du es als eine Stadt wahr, wo dich als Künstler gut aufgehoben fühlst?
Berlin war für mich immer nur ein Mittel zum Zweck. Früher habe ich mich hier nicht wohlgefühlt, weil meine Freunde nicht da waren. Mittlerweile sind sie alle hier und spielen teilweise auch in meiner Band, deswegen hab’ ich kein Problem mehr. Markus, (Anmerkung der Redaktion: Ganter) der das Album produziert hat, wohnt ja auch in Berlin, man kann hier gut auftreten, Konzerte sehen und so. Aber ich habe keine innige Beziehung zu der Stadt. Ich habe mich mittlerweile bloß daran gewöhnt hier zu sein und an den Luxus, den Berlin mit sich bringt.

„Selbst wenn ich versuche einen Hardcore-Punk-Song zu schreiben, am Ende kommt doch immer Münchener Freiheit dabei raus.“

Dein Album hast du aber trotzdem ganz bewusst nach deiner Heimat benannt. Ist das was Nostalgisches, eine Hommage oder doch eher Sehnsucht?
Es ist eine Mischung aus allen: sowohl eine Hommage, als auch Sehnsucht, als auch Abscheu (lacht). Und ich habe ja immer noch den größeren Teil meines Lebens in Herxheim verbracht.

Du hast jetzt schon Markus Ganter erwähnt. Ihr habt „Harieschaim“ ja quasi zwischen drei anderen Alben (Anmerkung der Redaktion: Ganter produzierte auch Caspers „Hinterland“, Sizarrs „Nurture“ und die neue Get Well Soon) produziert. Wie kann man sich so eine Art On-Off-Beziehung vorstellen?
Das war ganz gut so, finde ich. Wenn man vier Tage durchgehend an einem Song arbeitet und nur diesen Song hört, dann hört man irgendwann nicht mehr, ob etwas gut oder schlecht ist. Das war dann immer ganz geil, ein, zwei, drei Monate dazwischen zu haben. Dann hat man einen ganz anderen Bezug zu den Songs und merkt irgendwann: „Ey, ich hab das jetzt die letzten drei Monate gehört, vielleicht ist das und das doch nicht so spitze.“

Außerdem war ich ja froh, dass Markus überhaupt mit mir gearbeitet hat. Hätte er ein halbes Jahr dazwischen Pause machen müssen – ich hätte trotzdem gewartet. Einfach, weil er der Einzige ist, mit dem ich gerne zusammenarbeite. Nagut, einer von zweien (lacht).

Der Sound, 80er-affiner „Brachialpop“, hat dir so aber ohnehin schon immer vorgeschwebt? Manche schreiben von The Cure als Referenz, andere The Smiths.
Ich habe nie wirklich The Cure gehört, das ist das Problem. Ich weiß, dass mir manche wiederum jetzt vorhalten, dass ich das sage, aber es stimmt. „Three Imaginary Boys“ ist ´ne okaye Platte und ich hab’ auch „Pornography“ mal gehört, aber The Cure haben mich überhaupt nicht beeinflusst. Mir war auch gar nicht bewusst, wie berühmt die eigentlich sind, bis mich jetzt auf einmal jeder damit verglichen hat

Ich hab mir nie vorgenommen, diesen Sound zu kreieren. Ich habe einfach nur gemerkt, dass es sich natürlich in die Richtung entwickelt und dann angefangen mich mit Produktionsmethoden und der Art wie damals aufgenommen wurde zu beschäftigen und bin dem irgendwie verfallen. Mittlerweile ist es eine von vielen Richtungen, für die ich mich begeistern kann. Ich find‘ auch Surrogat, die erste Band von Patrick Wagner megakrass, obwohl das ´ne ganz andere Richtung ist. Aber wenn ich mir jetzt vornehme Musik, machen zu wollen wie Surrogate, dann ist es nicht mehr echt.

Früher habe ich immer versucht wie eine bestimmte Band zu klingen. Mal wollte ich Noise-Musik machen, dann Industrial und irgendwann hab’ ich gemerkt, dass das alles verfälscht ist, weil ich eben nicht einfach ´ne Gitarre in die Hand nehme und versuche was zu singen und das danach in eine Richtung zu formen. Mir ist einfach klar geworden, dass es das Gesündeste für mich ist, wenn ich mir nichts vornehme und einfach mache. Die Sachen auf „Hariechaim“ sind größtenteils ja auch zwei bis drei Jahre alt. Was ich jetzt gerade aufnehme, ist schon wieder ganz wo anders verankert.

Aber egal was ich probiere, selbst wenn ich versuche einen Hardcore-Punk-Song zu schreiben, am Ende kommt doch immer Münchener Freiheit dabei raus. Da kann ich echt nichts dagegen tun.

Eine Sache, die ja gefühlt jeder angesprochen hat: Das Video zu „Allan Align“. Du hattest ja ganz bewusst Jenny Elvers als Protagonistin ausgewählt. Das war doch so kalkuliert, dass man den Leuten schön vor den Kopf stößt und damit ein PR-Coup landet oder?
Nein, das war kein PR-Coup, weil man seit dreieinhalb Jahren nichts mehr von Jenny Elvers gehört hatte. Sie war eine von vielen, die wir in unserer engeren Auswahl hatten, als Leute, die wir gerne als gefallenen Stern ins Video integrieren wollten. Es wäre doch viel einfacher gewesen, hätte ich mir irgendeine 19-jährige schöne Tussi von irgendeiner Agentur in Berlin eingeladen und die im Video geknutscht. Aber das hätte halt nichts mit den Leuten gemacht.

Falko hat mal gesagt: „Ich bin lieber extrem geil oder extrem scheiße. Dazwischen möchte ich gar nicht stattfinden.“ Und ich wusste, dass Jenny Elvers ein Motor dafür ist.

„Kontroverse und trotzdem gute Musik machen, das findet man hier nur okay, wenn es Oasis ist.“


Als Schlingensief sie als Lady Diana in der Volksbühne in Berlin gecastet hat, waren die Leute auch total verärgert. Das ist genau dasselbe. Jemanden, der irgendwo nicht hingehört, einfach hineinzuwerfen. Ihn zu verkünsteln, nicht anbiedernd zu sein, wie in einem typischen Pop-Video mit einem schönen, jungen Mädel, sondern die 44-jährige Jenny Elvers. Alleine weil das so abstrus ist, musste ich es tun!

Dass sie ins Dschungelcamp gehen würde, haben wir übrigens genau dann erfahren, als sie vor der Tür stand. Der Termin für den Video-dreh war nämlich fix, der Termin für’s Release auch und dazwischen lagen zwei oder drei Wochen für das Editing. Das Video kam raus – und auf einmal war Jenny Elvers im Dschungelcamp.

Ich wusste natürlich, dass es definitiv anderes Medieninteresse geben würde, fern von der Standard-Musikpresse. Dass das Ganze dann aber zu einem PR-Coup geworden ist, möchte ich mir nur so halb auf die Fahne schreiben, weil ich es nicht erwartet habe. Allerdings bin froh, dass es nun so gekommen ist, weil ich will Pop-Musik machen. Musik, die allgemeingültig ist. Und wenn ich es dann schaffe, dass Leute mit der Musik konfrontiert werden, die es sonst nie würden, nur weil Jenny Elvers im Video ist, dann ist mir das als Mittel zum Zweck gerade recht.

Auf jeden Fall hat es funktioniert. Du gefällst dir in der Rolle ja offensichtlich, einerseits den Provokateur zu geben und anderseits zu wollen, dass deine Musik nicht nur von den Leuten gehört wird, die so was schon immer geil fanden.
Voll! Und ich finde, man kann auch beides sein. Es gibt genug Beispiele, wo das funktioniert hat. Nur in Deutschland sind alle immer so Stock im Arsch. Kontroverse und trotzdem gute Musik machen, das findet man hier nur okay, wenn es Oasis ist.

Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sich die Leute vor den Kopf stoßen lassen. Es ist wirklich sehr leicht offensive zu sein, weil es einfach niemand hier ist.

Die klassische Feuilleton-Frage zum Abschluss: Wie viel Kunstfigur ist Drangsal?
Überhaupt keine. Ich habe 22 Jahre meines Lebens hinter verschlossenen Türen verbracht, in der Hoffnung, dass sich jemand dafür interessiert, was ich zu sagen und zu singen habe. Jetzt, wo es soweit ist, bin ich einfach nur happy, dass ich genau so sein darf, wie ich es immer wollte und die Leute das auch noch schön finden. Ich will niemanden darstellen oder mir reinreden lassen, ich bin tatsächlich einfach wirklich so.

Das Drangsal-Debütalbum, „Harieschaim“, erscheint am 22.4. via Caroline.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Redigatur
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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