Interview mit Forkupines

Interview mit Forkupines

2011 gegründet, seit 2013 in der jetzigen Konstellation – und jetzt auch endlich das Debütalbum „Here, Away From“ in der Tasche. Hatte man Forkupines bis dato nicht auf dem Schirm, könnte man leicht denken, die drei Braunschweiger seien faul und motivationslos. Hat man ihren Weg allerdings ein wenig verfolgt und sich vielleicht auch mal von ihrer starken Live-Performance überzeugen können, weiß man, dass dem bestimmt nicht so ist und das Trio das Thema „Debütalbum“ garantiert nicht auf die leichte Schulter nimmt. Wir haben uns mit Sänger und Gitarrist Simon „Skotty“ Skott (links im Bild) über den langen Weg zum ersten Longplayer und die ausgiebige Releasetour unterhalten – die wir euch präsentieren dürfen.

In der jetzigen Konstellation gibt es euch inzwischen seit etwa viereinhalb Jahren. Warum hat es mit dem Debütalbum „Here, Away From“ so lange gedauert?

Nachdem Christian eingestiegen ist, haben wir die erste EP relativ schnell geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht – das war wirklich ein sehr kurzer Prozess. Die ersten Auftritte mit Christian hatten wir im April 2013, im Juni haben wir die Songs aufgenommen und im September kam das Ganze raus. Bei allem Anderen war uns besonders wichtig, viel zu spielen und viel rumzukommen, um uns genau das zu ermöglichen, was wir jetzt gerade haben: Um Kontakte zu knüpfen und weiterhin gute Touren spielen zu können. Um Erfahrung zu sammeln und auch als Band besser zu werden.

Ich glaube, dass wir alle an dem Thema „Album“ einen relativ hohen Anspruch haben, was das Gesamtkonzept angeht. Das bedeutet nicht, dass das Album selber ein Konzeptalbum sein muss, aber dass das Gesamte irgendwie stimmt. Dass die Songs mit dem Artwork stimmig sind und dass das Ganze möglichst auch auf Vinyl erscheinen kann, was es jetzt ja auch tut. Und das alles hat einfach seine Zeit gedauert – nicht nur, um die Songs zu schreiben und die Kontakte zu knüpfen, sondern letzten Endes auch innerhalb der Band die Zeit zu finden, das auch umsetzen zu können.

Du hast eben schon den Begriff „Konzeptalbum“ fallenlassen und dich mit eurem Album davon distanziert – aber findest du nicht, dass das Album etwas extrem Konzeptiges hat?

Ich glaube, das kommt darauf an, wie das jeder für sich definiert. Für mich ist es eines, wenn die Musik eine Sache ist und komplett ineinander übergeht und textlich auch eine Geschichte dahintersteckt.

Es ist keine Frage, dass es bei uns thematisch alles zusammenhängt. Das liegt aber zum Großteil auch daran, dass die Songs nicht über Jahre hinweg entstanden sind, sondern in einem bestimmten Lebensabschnitt, in dem bei mir bestimmte Themen extrem präsent waren. Das spiegelt sich dann in meinen Texten auch wider – kann es ja auch nur und soll es auch. Das heißt natürlich nicht, dass es in jedem Song immer um das Gleiche gehen muss.

Habt ihr beim Erstellen der Tracklist auf Dinge wie weiche Übergänge geachtet?

Auf dem Album haben wir keine direkten Übergänge, aber uns war sehr wichtig, dass das Ganze auch auf der Vinyl-Version mit A- und B-Seite einen gewissen Flow hat. Teilweise gibt es jetzt Songkopplungen, die wir so auch ins Live-Set übernehmen, weil wir sie auch bei einer Show beibehalten wollen. Bei anderen bricht es dagegen wieder auf, weil es bei der Platte zwar gut funktioniert, aber live vielleicht nicht. Die Tracklist stand auch bereits, bevor wir die Platte überhaupt aufgenommen haben. Und bis auf ein, zwei Ausbrüche sind die Songs auch in genau derselben Reihenfolge aufgenommen worden.

Ist euch beim Schreiben wichtig, dass die Songs für euch in genau der Art auch live machbar sind?

Beim Schreiben an sich ja, aber beim Aufnehmen oder auch schon in der Vorproduktion nicht. Wenn man den eigentlichen Vocalpart oder den eigentlichen Gitarrenpart durch Harmoniestimmen oder ähnliches noch ergänzt. Auf „Here, Away From“, sind mit Sicherheit Dinge dabei, die auf Platte zumindest in meinen Ohren am besten klingen, wir live aber nicht 1:1 machen können, weil wir eben nur zu dritt sind und nur eine Gitarre und zwei Gesänge haben. In dem Moment, wo ich ein Album aufnehme, ist mir aber wichtig, dass das Gesamtkonzept stimmt. Dass die Platte in sich stimmig ist und jeder Song so klingt, wie er am besten klingt. Live kann man auch viel über die Energie der Band und das allgemeine Live-Feeling reinkriegen – hoffe ich zumindest.

Erst bei dem Videorelease von „By The Sea“ habe ich realisiert, dass Anja von Rascal bei dem Song featured – vorher habe ich zwar bemerkt, dass da irgendwas anders ist, konnte es aber nicht genau identifizieren. Wolltet ihr unbedingt Gastvocals, die stimmlich zu Christian und dir passen?

Ja, das war allerdings kein langes Rumsuchen, sondern kam im Prozess des Songschreibens. Ich wusste schon früh, dass ich an dieser Stelle zwei Gesänge haben möchte, wir mussten deswegen nur noch überlegen, wie wir das umsetzen. Ob ich, wie so oft, beide Stimmen einsinge und Christian dann live mitsingt oder ob wir uns jemanden ranholen. Anja stand sehr weit oben auf der Liste, weil wir sie schon so lange kennen und wir alle ihre Stimme geil finden. Zu der Zeit, wo wir das Album aufgenommen haben, war sie aber gerade im Auslandssemester und in Neuseeland unterwegs, weshalb wir ihren Part schon drei Monate vor den restlichen Sachen aufnehmen mussten.

Ihr wart vor einem Jahr im Studio: Sind da jetzt schon Sachen, bei denen ihr denkt, ihr hättet sie anders machen sollen?

Solche Sachen gibt es bestimmt. Ob es jetzt ein bestimmter Vocalpart ist, irgendeine Gitarre oder irgendein Soundteil. Mit den EPs konnten wir uns in Sound- und Aufnahmetechnik ausprobieren und haben über die Jahre gelernt, wie einfach es ist, sich an einer Stelle aufzuhalten, weil man das Gefühl hat, dass irgendwas nicht richtig ist. Ich glaube, dass jede Band, jeder Produzent und jeder Engineer im Nachhinein sagen würde, man hätte dieses oder jenes anders machen sollen. Deadlines helfen aber sehr gut dabei, sich bewusst zu werden, dass man mit etwas auch abschließen muss.

Gehört ihr zu den Menschen, die bei einer gesetzten Deadline alles erst auf den letzten Drücker machen?

Alles nicht, aber vieles. Gerade das Album hat eine Menge Vorbereitung mit sich gebracht. Wir haben uns relativ früh mit Alex Sickel vom Tiny Pond Studio in Hannover zusammengesetzt, weil klar war, dass wir dort das Schlagzeug aufnehmen wollen und er die Platte mischen und mastern sollte. Wir haben mit ihm im Voraus einfach über Sound geredet. Darüber, wie die Platte klingen soll, damit wir uns über unsere Vorstellungen austauschen können. Damit klar ist, was wir beim Aufnehmen eventuell tun müssen, damit es für ihn am besten und der Sound so ist, wie wir ihn haben wollen.

Mit einem guten Freund von uns, Till Westphal, haben wir Gitarren, Bass und Vocals im Rattermoebel Studio in Lindwedel aufgenommen – quasi auf eigene Faust – und haben das Ganze dann einfach Alex übergeben. Deswegen war die viele Vorbereitung am Anfang auch so wichtig.

Machst du dir über die Leute Gedanken, die du in deinen Songs ansprichst? Was sie darüber denken oder wie sie reagieren könnten?

In dem Moment, wo ich die Songs schreibe, versuche ich mich da ganz stark von zu distanzieren und die Überlegungen nicht in den kreativen Prozess reinkommen zu lassen – das heißt aber natürlich nicht, dass das nicht schon vorgekommen ist. Langfristig sehe ich das aber nicht als Problem, weil ich mir sicher bin, dass die Texte live aus tontechnischer Sicht manchmal gar nicht verstanden werden können. Wenn es aber um die Aufnahmen geht und die Lyrics auch nochmal rausgeschrieben werden – dann ja, auf jeden Fall. Ich bin aber immer wieder erstaunt, was sich die Leute aus den Texten nehmen. Jeder hat da seine eigenen Interpretationen, seine eigene Sichtweise, obwohl die Ansätze dann doch schon ähnlich sind.

Einen Tag vor Albumveröffentlichung feiert ihr daheim in Braunschweig eure Releasetour, unter anderem mit euren Proberaummitbewohnern GR:MM als Support. Weitere Unterstützung kommt von den Deadnotes – wie ist es dazugekommen? Die sind schließlich selber fast non-stop unterwegs.

Ich hatte relativ früh das Release-Date der Platte mit Tim von Midsummer Records festgelegt – und zwar so, dass wir direkt auch die Möglichkeit haben, auf Tour zu gehen. Dann stand auch schon fest, dass die Releaseshow in der Klaue in Braunschweig stattfinden wird. Darius von den Deadnotes hatte ich auch schon im Januar oder Februar gefragt, ob sie mit dabei sein wollen – sie standen sehr weit oben auf der Liste von Bands, die wir fragen wollten – und weil sie ohnehin auch in diesem Zeitraum touren wollten, passte das. Ein bisschen Glück war also dabei – und Vitamin B, wir kennen uns ja schon seit Jahren.

Bereitet ihr euch auf die Releasetour anders vor als sonst? Ist das mehr Druck?

Gerade so eine Tour fühlt sich immer ein bisschen anders an, als wenn man „nur“ ein oder zwei Wochenenden vor sich hätte – klar – aber anders sind die Vorbereitungen, zumindest was unsere Proben angeht, tatsächlich nicht. Man macht sich eher über das Drumherum Gedanken: Was man für den Merch aufbereitet, welches passend zur Platte kommen soll, zum Beispiel. Wir mieten jetzt noch einen Van, was wir bei einzelnen Auftritten nicht tun würden. Organisatorisch ist es aufwändiger, bandtechnisch nicht – Setlistmachen läuft.

Variiert ihr die Setlist von Abend zu Abend?

Wir haben eine „große“ mit der maximalen Anzahl an Songs, die wir mitnehmen wollen. Wenn wir aber Teil eines Festivals oder irgendwo Opener sind und die Setzeit dementsprechend gekürzt werden muss, streichen wir Songs raus.

Habt ihr denn eine eventuelle Zugabe eingeplant?

Ja.

Immer dieselbe?

Ja. Wir arbeiten allerdings gerade auch noch daran, einen der Songs, die noch nach dem Album entstanden sind, so gut hinzubekommen, dass der zugabefähig ist. Wir wollen uns nur nicht jeden Abend blamieren.

Habt ihr euch bewusst dazu entschieden, dieses Mal keinen festen Support mitzunehmen, sondern alleine rumzureisen?

Die Überlegung war da, weil wir es gerade bei Wochenenden auch schon öfter so gemacht haben, allerdings wäre es sehr schwierig geworden, eine Band zu finden, die schlicht und ergreifend definitiv Zeit hat. Außerdem haben wir so nun die Möglichkeit zum Beispiel auf dem Salz Fest in Osnabrück zu spielen, was mit einem festen Support eher schwierig geworden wäre – also bei einem bestehenden Line-Up aufzuspringen oder selber Support zu sein. Und bei Venues, wo unter der Woche wegen der Sperrstunde nur zwei Bands spielen können, hatten wir so noch die Möglichkeit, irgendwo dazu gebucht zu werden, wodurch man natürlich auch wieder viele großartige Bands und Menschen kennenlernt.

Auf welche Show freut ihr euch besonders?

Abgesehen von der Releaseshow – ich glaube, das erklärt sich von selbst – würde ich mich auf Tour ganz arg schwer tun, weil es zwei großartige Festivals gibt: Zum einen in Osnabrück das Salz Fest und zum anderen in Berlin das Dreamdive Fest im Werk9.

Von den Shows, wo wir „Headliner“ sind, ist es vermutlich Münster. Münster hat viele gute Menschen und wir sind da nicht zum ersten Mal. Mit zwei so starken Supports wie Goodbye Fairground und und Snareset im Gleis 22 zu spielen, ist super. Es fühlt sich auch immer noch ein bisschen merkwürdig an, in der Venue zu spielen zu dürfen (lacht).

Habt ihr euch schon Gedanken über eine Tour-Playlist fürs Auto gemacht?

Klar, schau mal:

„Here, Away From“-Releasetour:
28.09. – Braunschweig – Klaue
30.09. – Iserlohn – Rad Room Rehearsals
01.10. – Bonn – BLA
02.10. – Osnabrück – Kleine Freiheit (Salz Fest #1)
03.10. – Münster – Gleis 22
05.10. – Illingen – JuZ Illingen
06.10. – Freiburg – White Rabbit Club
07.10. – München – tba.
10.10. – Leipzig – tba.
11.10. – Göttingen – Dots
12.10. – Hamburg – Bar 227
13.10. – Kiel – Die Kieler Schaubude
14.10. – Berlin – Werk9 (Dreamdive Fest)

„Here, Away From“ erscheint am 29. September via Midsummer Records.
Unser Review findet ihr hier: http://www.stageload.org/reviews/forkupines-here-away-from

Foto: Frank Tobian

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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