Interview mit Foxing

Interview mit Foxing

Conor Murphy ist dankbar. Das soll man zu späterer Stunde beim Auftritt seiner Band Foxing im Wiesbadener Kesselhaus in jeder Silbe jeder Aussage merken. Dankbar dafür, in einer Band zu sein und auf Tour gehen zu können. Mit seinen gerade 21 Jahren kommt er erstaunlich aufgeräumt und doch zu jeder Zeit jugendlich enthusiastisch daher, wenn es um das geht, was er und Bassist Josh Coll so lieben: Die Musik. Foxing sind eine ehrliche Band, die auch vor den ganz großen Gefühlen nicht halt macht. Und zu sagen haben sie auch einiges.

Die Leute hier haben jahrelang darauf gewartet, dass Tigers Jaw endlich auf Tour kommen. Nach einigen Beinahe-Auflösungen, Pausen und der Reduzierung auf zwei feste Bandmitglieder sind sie jetzt tatsächlich hier und ihr begleitet sie. Wie reagiert die Meute?

Conor: Es kommt einem wirklich so vor als seien die Leute richtig dankbar, dass Tigers Jaw hier sind. Und ich glaube eine Menge dieser Dankbarkeit überträgt sich letztlich auch auf uns. Die sind ja schon viel länger dabei als wir, man hat also viel länger darauf gewartet, ihre Musik live hören zu können. Wir sind auch alle große Tigers Jaw-Fans. Die Vorstellung so lange darauf warten zu müssen sie live sehen zu können, dass sie dann endlich hier sind – großartig! Und wie gesagt, das überträgt sich dann auch ein bisschen auf uns, jede Show hier scheint wirklich heiß erwartet zu sein und das finden wir unglaublich cool! Vor allem da es unsere erste Tour außerhalb Nordamerikas ist.

Ihr garniert diesen typischen Indie-Emo Cocktail ja mit orchestralen Parts, was eure Musik sehr interessant und eigenständig erscheinen lässt. Hattet ihr das von Anfang an so geplant, oder eher über die Zeit so entwickelt?

Conor: Das ist recht witzig. Als Josh mir zum ersten mal davon erzählte, die Band starten zu wollen, beschrieb er die Musik die er machen wollte als „Folk-Rock mit Aphex Twin Drums“.

Josh: (lacht) Das klingt viel besser als wir letztendlich sind.

Conor: Ich hab mir immer gewünscht die Beschreibung würde tatsächlich zutreffen, das wäre was gewesen. (lacht) In den Bands in denen ich bisher war, habe ich immer Bass gespielt. Als ich also zur ersten Probe erschienen bin dachte ich, ich würde das auch hier machen. In unseren allerersten Songs gibt es also keine orchestralen Elemente. Keine Trompeten, keine Blech- oder Streichinstrumente. Ich spielte aber Trompete und an einem gewissen Punkt wurde uns bewusst, dass uns allen komplett orchestrale Musik einfach sehr gut gefällt. Für Acts wie Beirut oder Belle And Sebastian haben wir alle einen großen Platz in unseren Herzen. Als wir also die Möglichkeit bekamen, selbst solche Instrumente einzubauen und realisierten, dass das funktionieren könnte haben wir angefangen diese sukzessive einzubauen.

Euer aktuelles Album „The Albatross“ wurde vor kurzem neu gemastert und das scheint eurer Popularität nochmal einen großen Kick gegeben zu haben. Hättet ihr das gedacht, dass man mit Musik, die so schon längst auf dem Markt war nochmal so viel Aufmerksamkeit generieren kann?

Josh: Ich denke nicht, dass wir uns da so im Vorfeld Gedanken drüber gemacht haben oder dass das erwartbar gewesen wäre. Das Album war schon sechs oder sieben Monate draußen, bevor wir es dann neu mastern ließen. Wir haben das Label gewechselt und die haben vorgeschlagen, dass man das machen sollte, einfach um einen besseren Sound rauszubekommen. Das war der eigentliche Grund, warum wir es schließlich gemacht haben. Wir wollten jetzt nicht mehr Aufmerksamkeit erregen.

Wie du sagst: Ihr seid von Count Your Lucky Stars zu Tripple Crown gewechselt. Das ist also auf deren Mist gewachsen? Normalerweise nehmen einen Labels ja meist im Vorfeld eines neuen Albums unter Vertrag.

Josh: Das grundsätzliche Problem mit der Platte war, dass Count Your Lucky Stars sich gerade von ihrer Presseagentur getrennt hatten, als das Album rauskam. Das ist eine längere Geschichte. Als das Album also released wurde, war das grade zwei Wochen her. Es wurde also im Prinzip überhaupt keine Werbung für das Album gemacht. Also haben wir das selbst in die Hand genommen, an Blogs geschickt, Leuten weitergegeben.

„Als Josh mir zum ersten mal davon erzählte, die Band starten zu wollen, beschrieb er die Musik die er machen wollte als „Folk-Rock mit Aphex Twin Drums“.“

In meinen Augen haben Tripple Crown das als verpasste Möglichkeit und noch viel Potential in dem Album gesehen. Indem man es dann neu gemixt und gemastert hat, konnte man es in den Kontext setzen, dass es – obwohl bereits bekannt – sehr frisch herüberkam. Abgesehen davon wollten wir das eigentlich sowieso irgendwann machen, wir waren nicht so sonderlich zufrieden mit dem Sound. Was einfach dran lag, dass wir das Album unterwegs fertig gemacht haben, während wir es ständig über Kopfhörer hören mussten. Am Ende war das also ein guter Deal für beide Seiten.
Was ist denn die Geschichte hinter dem Cover? Auf der einen Seite passt es wirklich zum Sound der Platte, auf der anderen tut man sich schwer, einen tieferen Sinn erkennen zu können.

Conor: Josh ist auf die Fotos gestoßen. Der Kerl, der die gemacht hat, heißt Kevin Russ und macht das alles mit seinem iPhone. Wir hatten ein paar andere grobe Ideen im Kopf, aber als Josh mit den Fotos ankam hat es einfach bei allen Klick gemacht. Dieses ganze Fotoset – Front und Backcover, die Einlage und das Label sind von ihm. Für mich war es genau die Umgebung, die ich im Kopf hatte, wann immer ich mir zuvor die Songs angehört habe. Das könnte ich natürlich jetzt auch nachträglich so assoziieren, wo das ganze nun schon lange so steht. Jedoch sprechen die Bilder genau die Sprache, die wir die Platte sprechen lassen wollten. Wäre es uns möglich, jemanden in jede Zeit und an jeden denkbaren Ort zu setzen um dieses Album zu hören – er wäre genau dort, genau vor diesen Hunden und Schafen.

Josh: Der Kerl verkauft Prints seiner Fotos und hat ein eigenes Set, dessen Bilder für Presse und ähnliches verwendet werden. Das Front-Cover war da gar nicht mal dabei, ich glaube ich bin über seinen Instagram Account darauf gestoßen. Er hatte es gerade gepostet und irgendwie wusste ich just in dem Moment, in dem ich es sah, dass es das Cover unserer Platte werden musste! Also habe ich ihn kontaktiert und gefragt ob wir die Bilder verwenden dürften. Er ist unglaublich viel auf Achse, also hat die Antwort eine ganze Zeit lang auf sich warten lassen. Wir haben uns also weiter umgesehen, bis es dann endlich Rückmeldung gab – und er meinte wir könnten das alles umsonst benutzen! Das war wirklich großartig von ihm. Diese Hunde auf dem Cover, ihre Gesichter strahlen einfach etwas aus. Sie sehen so abgehetzt und müde aus. Das ist natürlich komisch, dass wir da so etwas reininterpretieren – woher sollen wir wissen ob sie müde sind? (lacht) Er hat dieses Bild aufgenommen, als sich der Kopf des einen Hundes bewegt und vielleicht ist er danach einfach los gerannt und etwas hinterhergejagt. Aber in dieser exakten Sekunde strahlen diese Hunde einfach unglaublich viel Emotionen aus. Das wollte mir nicht aus dem Kopf.

Ihr seid dafür bekannt, sehr ehrliche und persönliche Texte zu schreiben. Auf der Tripple Crown Website kann man über euch lesen, dass ihr meintet es gäbe nicht den Hauch einer Chance, dass die Menschen über die ihr geschrieben habt, dies nicht realisiert haben. Hat das zu der ein oder anderen unangenehmen Situation geführt? Oder fanden das alle total in Ordnung?

Conor: Da gab es definitiv unangenehme Momente. Ich spreche viel über solche Dinge mit meinen Eltern – auch wenn keiner der Songs jetzt von ihnen handelt – und habe eine sehr enge Bindung zu ihnen. Viele der Songs und vor allem auch viele Songs des neuen Albums behandeln Themen, über die ich nicht einmal mit ihnen spreche. Nur mit Josh habe ich darüber geredet, weil wir die Texte zusammen schreiben. Es ist schon komisch zu wissen, dass alle meine Freunde den Kram dann hören, vor allem die, von denen sie handeln. (lacht) Das ist bisweilen schon unangenehm.

In meinen Augen ist es das aber absolut wert. Wie schon gesagt, finden sich gerade auf dem neuen Album viele Themen, über die ich so mit niemandem spreche. Die Möglichkeit zu haben, diese also Leuten auf Shows ins Gesicht zu schreien, ist definitiv kathartisch. Ich fand schon immer, dass es Dinge gibt, über die du mit deinen Freunden redest, Dinge die du deiner Familie erzählst – aber eben auch Dinge bei denen es einfach nötig ist, sie vor einer Gruppe Unbekannter zu schreien. (lacht) Das ist definitiv eine gute Möglichkeit, Dampf abzulassen.

Ihr wart vor kurzem mit Brand New auf Tour. Wie hat sich das angefühlt?

Conor: Es war unglaublich! Das waren die mit Abstand größten Konzerte, die wir je gespielt haben. Jeder in der Band war super freundlich, wir sind gute Freunde geworden. Die Crew mit der sie touren sind zum Teil die großartigsten Menschen die wir bisher kennen lernen durften. Brand New hat eine unfassbar passionierte Fanbase. Auch von der Band sind wir alle Fans, wir dachten im Vorfeld niemand dort wird sich für uns interessieren. Wir fanden die Möglichkeit mit ihnen zu touren einfach nur super cool.

„Ich fand schon immer, dass es Dinge gibt, über die du mit deinen Freunden redest, Dinge die du deiner Familie erzählst – aber eben auch Dinge bei denen es einfach nötig ist, sie vor einer Gruppe Unbekannter zu schreien.“

Im Nachhinein war diese Tour das beste, was uns als Band überhaupt passieren konnte, wir haben unglaublich viele Fans gewonnen. Das war so überhaupt nicht zu erwarten. Und abgesehen davon: Nach diesen riesigen Shows fühlen sich kleinere Shows längst nicht mehr so angsteinflößend an. Die Show heute ist ja wirklich keine kleine, aber wenn man vor über 4800 Leuten gespielt hat, dann ist das einfach was anderes. Jetzt fühlen wir uns an solchen Abenden einfach viel wohler in unserer Haut.

Wir haben uns letztes Jahr mal mit dem Sänger von Balance & Composure unterhalten und der erzählte von ihrer Tour mit Coheed & Cambria, deren Fans sie einfach komplett ignorierten.
Conor: Unsere Freunde von Code Orange haben vor kurzem eine Tour mit Kilswitch Engage gespielt. Da haben sich die Fans bei deren Auftritt einfach rumgedreht. Ich habe mich mit Jamie, dem Drummer von Code Orange darüber unterhalten, gerade bevor wir auf diese Brand New Tour aufgebrochen sind. Er meinte sie sind dann einfach so sehr ausgerastet, dass die Leute sich zumindest rumdrehen und sie anerkennen mussten. (lacht) Also war mir klar: Auch wir mussten wirklich alles auf den Tisch legen, damit die Leute gar nicht darum herum kommen, sich mit uns zu beschäftigen. (lacht)

Wie du eben schon angeschnitten hast, habt ihr gerade ein neues Album aufgenommen, was im Herbst erscheinen soll. Auf was dürfen wir uns gefasst machen? Mehr von diesem emotionalen Indierock mit den Orchesterinstrumenten? Oder habt ihr Jungs versucht, neue Wege zu gehen?

Conor: Wir haben mehr versucht unseren Sound erwachsener klingen zu lassen, als ihn großartig zu verändern. Es wird weiterhin Streich- und Blasinstrumente geben. Dazu haben wir auch mit Hörnern gearbeitet, was es so auf „The Albatross“ nicht gab. Weiter haben wir Synthesizer verwendet, auch die gab es vorher nicht. Insgesamt haben wir versucht die Balance zu verbessern, die Dinge ruhig anzugehen, wo wir es für nötig halten und die Soundlandschaft, die wir schon auf „The Albatross“ kreiert haben, viel ernsthafter klingen zu lassen. Ich spreche die ganze Zeit schon von „erwachsener“ und das war instrumentell gesehen einfach wirklich unser gesetztes Hauptziel. Wir wollten uns aber nicht grundlegend musikalisch neu erfinden.
Ihr kommt aus St. Louis. Das liegt in Missouri und ist gerade mal ein paar Kilometer von Ferguson entfernt. Die Gegend ist gerade wieder in den Medien. Wie fühlt sich das an, seine Heimat ständig mit solchen Vorkommnissen assoziiert zu sehen?

Conor: Das ist definitiv schrecklich. Da kommen wir her und es geschieht – ja nicht direkt in unserem Hinterhof, weil wir nicht direkt aus Ferguson kommen…

Josh: Das ist circa fünf Minuten vom Haus meiner Freundin entfernt.

Conor: Also deshalb ist es zum einen schrecklich. Die gute Seite daran ist aber, dass es aufgedeckt wird. In St. Louis, in Missouri, in Amerika und eigentlich auf der ganzen Welt gibt es einfach ein riesiges Problem mit Rassismus. St. Louis selbst hat eine sehr lange Geschichte institutionalisierten Rassismus vorzuweisen. Das wurde bisher immer alles unter den Tisch gekehrt. Jetzt aber berichtet jeder Nachrichtendienst auf der Welt von den Vorkommnissen in Ferguson und über Mike Brown. Dass dies in diesem Ausmaß geschieht und somit endlich der Fokus darauf gelegt wird, ist die gute Seite an der Sache. Schreckliche Dinge sind geschehen, waren aber anscheinend nötig um auf noch viel schrecklichere Dinge aufmerksam zu machen.

Josh: Es ist wirklich erschreckend. Wie Connor schon gesagt hat, es ist schrecklich wenn solche Dinge vor deiner Haustür geschehen. Durch meine Freundin habe ich da wie gesagt eine noch besonderere Bindung. Ihre Nachbarschaft ist quasi Ground Zero für viel was in der ganzen Gegend gerade abgeht. Aber es ist notwendig, dass jetzt etwas passiert. Ich bin sehr stolz auf die Leute in unserer Stadt. Indem dort die Dinge jetzt beleuchtet werden, erlaubt das auch das große Ganze endlich gebührend unter die Lupe zu nehmen. Die Reaktionen in Ferguson haben etwas ausgelöst, das schon vor langer Zeit hätte geschehen sollen.

Es ist schwer, da die richtigen Worte zu finden, denn ich bin keiner schwarzer Mann in Amerika. Bis zu einem gewissen Punkt ist es nicht mein Kampf, da ich davon nicht negativ betroffen bin. Aber als Band und als Menschen sind unsere Herzen definitiv bei jedem in der Stadt. Es ist frustrierend: Wir waren auf Tour, als es den ersten großen Knall gab und wir sind jetzt wieder auf Tour, wo die Sache wieder hochkocht. Nie sind wir da, während unsere Stadt sich solch düsteren Zeiten gegenüber sieht.

Es ist schon komisch, dass das gerade in unserer Gegend passiert ist. St. Louis ist bekannt dafür sich nicht zu erheben, das zieht sich durch das komplette Civil Rights Movement und viele andere Dinge. St. Louis hat sich nie beteiligt und ist, wie Missouri generell, eine ziemlich schlafmützige Ecke, kein politischer Hotspot. Ich denke aber einfach, dass es der berühmte Tropfen war, der das Fass zum überlaufen gebracht hat, die Leute hatten die Schnauze voll. Unser größter Respekt gilt den Leuten, die vor Ort sind, ihre Stimme erheben und demonstrieren. Das meiste, was wir in unserer Situation tun können, ist in Gedanken bei ihnen zu sein. Auf der einen Seite muss man sich mit ihnen solidarisieren, auf der anderen Seite Platz machen. Ich will mich da nicht einmischen, alles was wir gerade tun können, ist unseren uneingeschränkten Support auszusprechen.

Als wir uns mit Jeffrey von Modern Life Is War unterhalten haben ist uns aufgefallen, dass es immer wieder schwierig ist, sich von hier aus ein Bild über Rassismus und Polizeigewalt in Amerika zu machen.

Conor: Kann ich mir vorstellen. Es ist schon ganz witzig – nein eigentlich überhaupt nicht – lass uns sagen, es ist komisch. Gerade in St. Louis und noch viel mehr in Ferguson war es einfach schon immer genau so. Ich weiß nicht ob du Artikel gesehen hast, in denen Dinge aus den Sechzigern enthüllt und Transkripte der Polizei aus Ferguson veröffentlicht wurden? Du kannst das alles einsehen, wie die sich da unterhalten – das ist größtenteils einfach abscheulich. Wirklich abartiges Zeug, was die dort von sich geben. Und das ist an der Tagesordnung! Sowas bekommen wir ständig zu sehen. Das ist einfach nur ekelhaft und verachtenswert, aber wie ich schon sagte: Endlich liegt der Fokus auf diesen Dingen und es tut sich was. Das ist viel Wert.

Josh: Es ist auch unglaublich, wie die Polizei auf diese ganzen Geschehnisse reagiert. Da haben wir vor kurzem noch untereinander drüber diskutiert. Jetzt, wo die Gegend und die Arbeit der Polizei mit Argusaugen beobachtet wird, scheint es so dass sie sich noch viel mehr reinsteigern.

Conor: Es wird echt immer schlimmer.

„Endlich liegt der Fokus auf diesen Dingen und es tut sich was. Das ist viel Wert.“

Josh: Oder vielleicht nicht direkt schlimmer, aber es kommt mehr und mehr ans Tageslicht. Das könnte ich mir auch vorstellen. Wahrscheinlich merken wir jetzt erst, wie schlimm die Situation tatsächlich ist, weil der Fokus der Medien darauf liegt, was deshalb zumindest ein stückweit positiv ist. Manche Leute haben sicherlich keinen Bock mehr auf die Berichterstattung, aber wenn du tagtäglich mit Nachrichten über solche Fehltritte der Polizei informiert wirst, dann kannst du es einfach nicht mehr ignorieren!

Dann lasst uns doch nochmal über die Band reden. Ihr seid wie du sagtest zum ersten mal als Band in Europa. Wie fühlt sich das so an im Vergleich?

Conor: Auf jeden Fall anders würde ich sagen. Vieles spielt sich natürlich gleich ab, keine Frage. Für uns auffällig ist aber, dass das Publikum hier ganz anders ist. Hier wird einem viel mehr Respekt entgegen gebracht. In Amerika reden die Leute die ganze Zeit zwischen deinen Songs, das geschieht hier so einfach nicht. Vor allem in Deutschland, ich finde das Land ist bisher das mit den respektvollsten Fans, denen wir uns je gegenüber gesehen haben und das jeden Abend. Das wird jetzt unsere vierte Show und ich gehe einfach mal davon aus, dass es hier genauso sein wird.

Abschließend: Was läuft bei euch im Tourbus so?

Josh: (lacht) Komische Sache. Ich finde es super schwierig Musik zu hören, wenn du auf Tour bist. Eigentlich ist es natürlich total einfach, aber du hast einfach nicht so sonderlich Lust, mal überlegen. Gestern beim Fahren liefen auf jeden Fall This Will Destroy You, die aktuelle Platte.

Conor: So wirklich viel haben wir nicht gehört. Ich lese auf Tour immer nur Comicbücher. Das ist jetzt das erste Mal, dass ich versuche ein „echtes“ Buch zu lesen. (lacht) Das ist ein bisschen komisch für mich, weil schon länger her. Ich lese also gerade „Galapagos“ von Kurt Vonnegut und das ist echt super, aber ich habe echt so meine Probleme zu lesen, wenn um mich herum alles laut ist. Unser Tourmanager hört die ganze Zeit Carly Rae Jepsen und ich versuche dabei diesen unglaublich ernsten Scheiß zu lesen. (lacht)

Ich hab also für mich selbst viel Ambient und Instrumentalkram gehört, während ich gelesen habe. Das habe ich so vorher noch nie gemacht. A Silver Mt. Zion zum Beispiel oder „My Father Will Guide Me Up A Rope Into The Sky“ von den Swans, dazu auch This Will Destroy You, Mogwai, alles instrumental. Habe ich wie gesagt noch nie gemacht, aber es macht das Buch so viel cooler! Gerade Swans zu hören, diese düstere, angsteinflößende Musik, während ich diesen Survival Of The Fittest Kram lese, das ist einfach total abgefahren! (lacht) Und du so Josh?

Josh: Wir sind gerade dabei ein Musikvideo für einen Song auf dem neuen Album auf die Beine zu stellen. Also hab ich verdammt viel unser neues Album und den Song im Speziellen gehört. Ich bin viel durch die Gegend gelaufen hier in Deutschland, in Berlin beispielsweise siebzehn Meilen. Einfach gelaufen und den Song immer und immer wieder gehört. Dabei versuche ich dann halt Ideen in meinem Kopf zu kreieren. Dann höre ich unterwegs noch viel Boards Of Canada und Burial. Letzte Nacht war es Pedro The Lion, eingeschlafen bin ich aber zu Manchester Orchestra. Die höre ich eigentlich kaum, aber die haben einen Song den der Tourmanager von Tigers Jaw immer als Soundtest laufen lässt. Den hab ich dann auf Dauerschleife gehört. Ein wahnsinnig schöner Song, absolut herzzerreißend. Ich glaube auf Tour geht dir laute, anstrengende Musik auf Dauer ziemlich auf die Nerven.

Conor: Man kann da echt nichts anderes hören, als süße, ruhige Melodien. (lacht)

Und Carly Rae Jepsen.

Josh: Die ist aber auch der Wahnsinn. Letzte Nacht habe ich da ziemlich betrunken irgendwas getwittert. Ich weiß es gar nicht mehr, müsste aber „I have no qualms with Carly Rae Jepsen“ gewesen sein. (lacht)

Conor: Sie hat gerade ein neues Album rausgebracht, das unser Manager wie gesagt rauf und runter hört. Und das ist schon ziemlich gut.

Guilty Pleasure?

Josh: Ich fühle mich definitiv nicht schuldig!

Conor: Auch da haben wir vor kurzem drüber geredet, diese heimlichen Vergnügen gibt es doch gar nicht mehr, weil sich heute alles unter dem Deckmantel der Ironie abtun lässt. (lacht) Das mit Carly ist bei mir jetzt aber das erste mal seit langer Zeit, dass ich mich wirklich schuldig dafür fühle, einen Song zu mögen. Ich habe das Gefühl, dass ich dafür ein paar auf die Fresse verdient hätte. (lacht)
Habt ihr abschließend noch etwas anzumerken?

Conor: Eine Sache habe ich! Das ist tatsächlich das erste mal dass ich noch etwas loswerden will. Ein paar unserer besten Freunde haben vor kurzem eine Platte rausgebracht, die Band heißt Lithuania und die Platte „Hardcore Friends“. Die ist der Wahnsinn! Das war’s von meiner Seite.

Josh: Mir fällt nichts ein. Aber Danke für’s Nachfragen! (lacht)

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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