Interview mit From Indian Lakes

Interview mit From Indian Lakes

From Indian Lakes haben spätestens mit ihrem aktuellen Album, „Absent Sounds“, die Aufmerksamkeit der Musikpresse auf sich gezogen. Die selbst ernannten Rocker aus Kalifornien waren jüngst auf Europa Tournee und bei ihrer letzten Show in Offenbach war es höchste Zeit, die Jungs genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir haben uns mit Sänger Joey Vannucchi (rechts) getroffen und ein bisschen geplaudert über deutsche und amerikanische Fans, seinen Schaffensprozess und Bombay Bicycle Club.

Freust du dich schon auf heute Abend?

Ohja. Ich bin wirklich aufgeregt, weil es das letzte Konzert der Tour und noch dazu eine wirklich coole Location ist. Es ist irgendwie nicht das, was ich erwartet habe in einer Location wie dieser. Sie haben es irgendwie heruntergespielt und dann geht man rein und es ist dieser wirklich schöne, professionelle, große Raum. Und wir dachten uns „Oh, das kann richtig entspannt werden“ und dann gehen wir in einen Raum, den irgendeine beliebte Band füllen könnte mit einer großen Rock Show. Also, es ist echt cool.

Wie war denn die Tour bisher? Wie hat das Publik das neue Album aufgenommen?

Wirklich gut. Ich glaube die meisten Fans sind erst vor Kurzem zu uns gestoßen. Also ist es cool wieder von vorne zu beginnen sozusagen, in verschiedene Länder zu reisen und kleinere Fangruppen zu haben als in Amerika. Und sie bevorzugen die neue Musik, das ist cool. Also es war ziemlich cool. Alle waren sehr nett, vor allem in Deutschland.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Publikum?

Ohja. Das amerikanische Publikum, steht immer etwas mehr im Vordergrund als ihnen bewusst ist. Es geht ihnen mehr um sie selbst als sie denken. Ich glaube das amerikanische Publikum kann ein bisschen fordernd sein. Sie rufen laut die Songtitel, die sie hören wollen, zwischen den einzelnen Songs.

Als Deutscher wäre das eher unhöflich.

Ja, Deutsche machen sowas nicht und das ist sehr erfrischend. Die Europäer im Allgemeinen machen so etwas nicht. Sie lassen die Künstler einfach das machen wofür sie auch gekommen sind. Aber die Amerikaner haben sich daran gewöhnt, dass sie bei Konzerten Crowd Surfing machen, verrückt spielen oder auch eben auch dazwischenrufen. Das ist schon cool, aber wenn du diese Art von Musik spielst und angefangen hast mit Konzerten im Keller eines Wohnhauses, dann gelangst du irgendwann an einen Punkt, an dem das Publikum die Räume füllt. Man hat guten Sound und gutes Licht und das ganze cool Zeug. Und für Amerikaner ist es ungewohnt sich während eines Konzertes so zu verhalten. Deutsche sind da ganz anders, sie sind auch viel gerader heraus. Da war ein Kerl, der meinte: „Tolle Show! Ich liebe diesen Song, du weißt schon, der eine, der so geht“ oder sowas und ich meinte dann „Oh okay“ und er sagte daraufhin: „Ihr habt aber nicht den einen Song gespielt, den ich mag und vor allem so viele ruhige Songs. Ich mag die lauteren lieber, aber trotzdem ein tolles Konzert!“ Viele Deutsche sagen einfach genau das, was sie denken, aber man kann deswegen eigentlich nicht beleidigt sein. Naja, wir haben nicht den Song gespielt, den diese Person hören wollte, aber er hatte trotzdem Spaß. Er sagt ja eigentlich nichts Unhöfliches. Amerikaner würden so etwas niemals persönlich sagen. Aber dann könnte man im Internet lesen, wie sie darüber lästern, dass wir eigentlich ihre Lieblingsband gewesen sind, aber dass wir nicht die Songs gespielt haben, die sie hören wollten, also war es die schlimmste Show, die sie jemals gesehen haben. Es ist einfach ein krasser Unterschied, der einem erst dann auffällt, wenn man schon ein paar Jahre tourt

Ist denn irgendetwas Komisches oder Verrücktes passiert während der Tour?

Hm. Nicht so viel wie man vielleicht denken würde. Die Tour war sehr entspannt. Wir waren ja auf Tour mit ein paar Bands. Und ein paar Leute mussten sich erholen, deswegen gab es einige strenge Regeln, wobei wir trotzdem jede Menge Spaß hatten. Wir haben aber nicht richtig Party gemacht und uns in diese komischen Situationen gebracht. Die Bands haben einfach die Zeit miteinander genossen und hatten viel Spaß bei den Konzerten und dann sind wir irgendwie alle einfach ins Bett gegangen. Nichts zu Verrücktes also. Wir haben auf einem Boot gespielt an einem Abend; das war verrückt, aber toll, nicht wirklich komisch. Es war die coolste Show überhaupt, kostenlos und voll mit diesen feiernden Menschen. Sie haben uns dann noch tatin angeboten, das französische Essen auf Brotstücken. In Amerika wäre sowas einfach nur super schräg gewesen.

Okay, lass uns über das neue Album sprechen. Wie würdest du es beschreiben? Also den Sound und die Themen, die es behandelt.

Es ist ein Rock Album, größtenteils.

Und was ist der Unterschied zu euren anderen zwei Alben?

Wenn ich in einen Plattenladen oder einen Starbucks oder sowas gehen würde und sie unsere Musik spielen würden, dann wäre ich mir nicht sicher, ob sie jemanden stören würde. Und mit dem neuen Album kommt es mir obendrein so vor, als würde es gut zu den Künstlern passen, die ich sehr gerne höre. Das ist echt cool, aber es hat viele Songs gebraucht um an diesen Punkt zu gelangen. Drew, der von Anfang an alles mit mir zusammen aufgenommen hat, wollte ein Studio eröffnen und dann habe ich angefangen, Songs zu schreiben und aufzunehmen. Ich würde gerne sagen, dieses Album ist besser als unser altes Material, aber ich will die Fans nicht verärgern, die die alten Songs besser finden. Aber ich denke, Nostalgie beiseite, es ist einfach besser, gut gemacht. Und es klingt fröhlicher, auch wenn thematisch die Inhalte viel dunkler sind. Es geht um den Tod und düstere Themen, es ist sehr interessant.

Habt ihr denn dieses Mal etwas anders gemacht mit dem neuen Album?

Im Hinblick auf die Aufnahmen? Ja, ich habe viel verrücktes Zeug gemacht. Viele Songs, die Drum Beats, die darin vorkommen, haben wir mit Hilfe eines Reverb Tanks und einem Verstärker erzeugt. Wir hatten einen Verstärker im Badezimmer und das Mikrofon ging direkt in den Reverb Tank. Und dann gibt das einen Sound wie in der Kirche. Da ist ein Tank am Boden des Verstärkers, der eine Art wiederhallenden Sound kreiert. Das Mikrofon ging da durch und wir haben alle Drum Beats da durchlaufen lassen. Es erzeugt diesen wirklich verrückten Sound, der aber total gut funktioniert. Wir hatten fertige Demos und wir haben sie irgendwie währenddessen aufgenommen. Normalerweise hätte ich einen Song komplett fertig mit Schlagzeug, Gitarre, Bass. Wir würden alles auf ein Demo packen und ab damit ins Studio. Das ist auch der Grund warum viele Songs am Ende besser waren, weil jemand eine gute Idee hatte. Ich habe nicht an den Songs gehangen, also ist es einfach irgendwie passiert, das war cool.

Habt ihr feste Rollen in der Band, wer für was zuständig ist oder wirkt jeder gleich viel mit? Kommt jemand zuerst mit einer Songidee oder wie funktioniert das?

Naja, die Jungs touren hauptsächlich. Wir sind eine Live-Band seit wir angefangen haben Musik zu machen. Anfangs war ich ja irgendwie allein und dann kamen wir dazu, wirklich live zu spielen. Ich bin mit diesen Jungs aufgewachsen, aber wenn es um die Aufnahmen und das alles geht, mache ich das Meiste immer noch selbst. Es ist auf diese Weise einfach weiter gelaufen und die Jungs hatten mehr Aufgaben was die Planung von Konzerten und den ganzen organisatorischen Kram angeht. Aber jetzt haben wir ein Label, einen Booking Agent und Manager, jetzt machen sie wieder andere Sachen in ihrem Leben wie zum Beispiel im Café arbeiten. Sie leben alle in Südkalifornien in der Gegend rund um LA und ich lebe in der Nähe von San Francisco. Das heißt als wir angefangen haben Musik zu machen, gab es viel mehr zu tun, aber jetzt läuft das alles über das Label, einen Anwalt und den Booking Agent. Es ist irgendwie verrückt.

Und wie kommst du auf neue Songideen? Gibt es bestimmte Sachen, die dich inspirieren?

Ich glaube, ich bekomme einfach irgendwie ein Gefühl bei einem Sound. Ich glaube nicht an einen Prozess. Ich glaube die Leute, die Prozesse haben, klingen am Ende auch danach. Das ist der Grund warum viele Songs sehr unterschiedlich klingen in einer Art und Weise, die manchen Leuten nicht gefällt. Ich glaube so funktioniert Kunst einfach. Aber ich könnte anfangen mit einem Gedicht oder einer Klangfolge auf dem Klavier oder einem Drum Beat, den ich sehr gerne mag und von dem ich glaube, er sollte zu einem Song gemacht werden. Bei dem Song „Sleeping Limbs“ mochte ich den Drum Beat sehr gern und irgendwie hatte ich eineGitarre dabei und von da an hat es irgendwie funktioniert und ich dachte: „Wow, das ist so einfach, es ist zwar redundant, aber es hat so viel mehr Tiefe als viele andere Songs“.

Gibt es Künstler oder Bands, die deinen Sound beeinflussen? Welche sind deine Lieblingskünstler oder Lieblingsbands?

MEW ist diese unglaublich tolle Band und ich bekomme sehr viel Inspiration von ihnen. Und von Radiohead. Es ist eine dieser Sachen heute, wenn Leute früher gesagt haben, dass sie die Beatles lieben, kam dann: „Wer liebt die Beatles nicht?“. Genau so ist es mit Radiohead – „Wer liebt Radiohead nicht?“ Sie werden zu unserer Generation Beatles. „In Rainbows“ ist mein Lieblingsalbum, es ist so gut. Und ich liebe Bombay Bicycle Club. Ich höre wirklich gerne Popmusik. Aber nicht Popmusik, wie Popmusik im Radio. Ich höre viel Klaviermusik oder sehr einfache Sachen. Mir fällt es schwer Bands zu hören und in ihre Musik reinzukommen, meistens höre ich Solokünstler mit sehr einfachen Ideen.

Kennst du Lucy Rose?

Von Bombay? Ja klar, ich liebe Lucy Rose. Sie ist sehr beliebt geworden. Es kommt einem so vor als wenn jeder, der mit ihnen singt, berühmt wird und sie jemand Neues finden müssen. Wie bei dem neuen Mädchen, Rae Morris, jetzt wird sie groß, also musste Bombay jemand anderen finden, Liz Lawrence. Ich habe sie live gesehen, sie sind einfach die Besten. Und ich fand es wirklich toll, dass es eine Rock Show war, es war wie eine riesige Rock Show, auch wenn sie eigentlich Popmusik machen. Viele Radiosender spielen ihre Musik haufenweise in Großbritannien, aber überraschenderweise in Amerika auch. Ich glaube, sie haben die Aufmerksamkeit der Amerikaner deshalb bekommen, weil ihr Album in Großbritannien auf die Eins ging. Das sind Dinge, die die amerikanische Musikindustrie interessiert. Danach haben sie angefangen ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe sie in San Francisco im Filmore gesehen mit tausenden von anderen Leuten bei einer ausverkauften Show, das war total verrückt. 2010 habe ich sie in London gesehen in diesem einen Pub, in dem sie eine Zeit lang waren und es hat niemanden interessiert.

Ich habe gelesen, dass dein Sound verglichen wurde mit dem von Modest Mouse. Was sagst du dazu?

Ich mag Modest Mouse, aber ich glaube es ist ein komischer Vergleich. Ihr Sound ist so chaotisch auch wenn er sehr gerade heraus ist. Ich muss versuchen nicht beleidigt zu sein, wenn Leute mich mit etwas vergleichen, was sie auf dieselbe Playlist packen würden. Ich dagegen bin sehr fokussiert auf meinen Gesang. Bei den ganzen verschiedenen Sounds, die wir haben, werden wir verglichen mit Bands, die Punkmusik machen. Wir sagen dann einfach „Was?“. Nur weil diese Person einen Song gehört hat, der etwas lauter war oder so.

Aber es ist auch schwer euren Sound einem bestimmten Genre zuzuordnen.

Auf jeden Fall.

Also wie würdest du euren Sound beschreiben?

Normalerweise sage ich den Leuten, dass es Rockmusik ist, aber im klassischen Sinne, wie zum Beispiel bei den Eagles oder der Steve Miller Band. Alle Bands, die diese unterschiedlichen Songs rausgebracht haben, während heutzutage jeder nur einen einzigen Sound hat und das bei jedem Song, immer und immer wieder, was ziemlich schräg ist. Und wenn du das nicht so machst, dann sagen die Leute „Du bist nicht kohäsiv“ oder „Du findest deinen eigenen Sound nicht“. Und ich denke dann „Das ist das Bescheuertste überhaupt“. Es ist Rockmusik, also was soll‘s?

Arbeitest du schon an neuer Musik?

Ohja, ich war zu Hause und eigentlich schreibe ich jeden Tag einen Song, was nicht unbedingt heißt, dass er gut ist. Momentan habe ich ungefähr 30 Songs, die mir sehr gut gefallen und ich will wirklich anfangen sie aufzunehmen. Aber ich glaube nicht, dass es From Indian Lakes-Songs sind.

Dann machst du es einfach so wie Brandon Flowers und bringst ein Soloalbum raus.

Ja genau. Er hat damals gesagt, dass der Rest der Band kein neues Album machen wollte, also hat er einfach alle Songs genommen, die für die Killers gedacht waren. Aber das wird eher nicht so bei mir. Diese Songs gehen eher in die Musikrichtung, die ich gerne mag. Wie gesagt, ich mag Popmusik sehr gerne, aber nicht Pop wie im Radio, eher wie Washed Out, das ist Popmusik für mich. Oder M83.

Hast du denn schon Pläne für nach der Tour?

Ich habe heute ein paar Tourangebote in meinen Emails gesehen, die sahen ziemlich cool aus.

Also einfach immer weiter touren.

Naja, ich muss erst mal nach Hause um darauf zu antworten, aber wenn man 13 oder 14 Wochen auf Tour war ist es schwer sich vorzustellen Tourangebote anzunehmen, wenn man immer noch auf Tour ist. Also mal sehen. Vielleicht sind wir im November, Dezember wieder unterwegs. Bis dahin haben wir ein paar Festivals in Amerika auf denen wir spielen.

Auf welchen Festivals seid ihr unterwegs?

Da ist eins in Chicago auf dem wir spielen. Wir sind die Headliner an einem Abend. Es ist ein sehr bekanntes Festival, aber es hat einen komischen Namen, Sausage Festival oder sowas. Aber es ist ein echt cooles Festival. Und dann headlinen wir ein Festival in Sacramento, Kalifornien. Die USA sind ein bisschen überfüllt mit Festivals im Moment, aber das ist cool für Leute wie uns, weil wir jetzt erst anfangen auf Festivals zu spielen. Festivals sind super, weil sie viel bezahlen und man nicht auf Tour muss für drei oder vier Monate. Du kannst auf zehn Festivals spielen und das gleiche verdienen und kannst dir andere Bands anschauen. Ich komme leider nicht so oft dazu, weil ich zu dem Zeitpunkt immer viel Presse machen muss und das macht echt keinen Spaß. Die Presse auf Festivals ist furchtbar. Man steht nur rum und es kommt einer nach dem anderen, immer weiter. Und manchen von denen sagen dann sowas wie „Also, wie war dein Name nochmal?“ Aber es wird besser. Seitdem es das Internet gibt, gibt es wirklich keine Ausrede mehr nicht zu wissen, wen du interviewst. Manche Bands wie Young The Giant, sagen wenn sie etwas Dämliches in einem Interview gefragt werden: „Googelt es einfach“ Das könnte ich niemals machen, da entsteht eine unangenehme Atmosphäre.

Was sind eure Pläne als Band und für dich selbst in den nächsten Jahren? Welche Ziele willst du noch erreichen?

Ich glaube, an einem neuen Album arbeiten, auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt echt verrückt klingt. Denn es ist wirklich schwer ein Album zu machen. Weiter touren, hoffentlich wieder hierher kommen. Es ist toll hier zu sein.

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