Interview mit The Story So Far

Interview mit The Story So Far

Es regnet – natürlich. Kelen Capener, Bassist der kalifornischen Pop-Punk-Band The Story So Far (rechts im Bild), macht das jedoch nicht viel aus, sie hätten auf ihrer Tour immerhin auch schon tagelang bei etwa 40°C spielen müssen. Es ist also eine willkommene Abwechslung, nun unter einer Treppe an der Außenfassade der Sputnikhalle in Münster zu stehen und über das neue Album und die immer wieder kritisierte Musik seiner Band im Allgemeinen zu sprechen. Nur wenige Stunden vor dem Konzert mit Wolf Down und Stick To Your Guns.

Hey Kelen, wie geht’s dir?

Ach ja, ganz gut.

Ich würde das Interview dieses Mal gerne ein bisschen anders beginnen und zwar mit einer Art Aufwärmübung.

Cool, wie unkonventionell. Lass uns anfangen!

Okay, sehr gut. Dann fasse doch bitte mal „the story so far“ von The Story So Far in einem Satz zusammen.

In einem Satz? Das ist schwierig. Ich bin echt nicht gut darin. Als ich unterschrieben hatte, hat mir auch niemand gesagt, dass ich dann so etwas machen müsste. Ich weiß es wirklich nicht. (lacht)

Dann machen wir das anders: Ihr wart alle noch sehr jung, als ihr die Band gegründet habt. Erinnerst du dich noch an die Zeit als ihr realisiert habt, dass TSSF nicht mehr nur ein Hobby ist?

Ich erinnere mich daran, als sei es erst gestern gewesen. Es war vor ungefähr vier Jahren, als wir unsere erste eigene Tour gemacht haben. Und als ich von der Uni abgegangen war, habe ich es dann vollends realisiert.

Vor allem in letzter Zeit spielt ihr viele Shows, auch in Deutschland. Macht es denn eigentlich überhaupt noch Spaß? Oder wird es immer mehr zur langweiligen Alltagsroutine?

Die Tour macht immer noch Spaß. Gerade wenn wir ein bisschen Zeit am Tag haben ist es toll, dann sehen wir auch mal was von der Stadt. Wir waren zum Beispiel in Prag, Luzern und auch Rothenburg. Sicher ist es anstrengend, aber so kommen wir endlich wieder dazu, in kleineren Clubs zu spielen. Außerdem: die Shows hier machen richtig Spaß. Die Leute sind einfach ein sehr lebendiges und lebhaftes Publikum. Die europäische Kultur ist ja auch ganz anders als die amerikanische, deswegen benehmen sich die Leute auch anders. Ich finde, hier wird sich noch mehr um die Band gekümmert.

Aber gerade weil ihr so viel tourt und – das darf man ja auch nicht vergessen – dazu noch sehr jung seid, ist es doch bestimmt schwierig, das Privatleben nicht zu vernachlässigen, oder? Weil man die Familie, Freunde und Freundinnen so lange nicht sieht.

Für mich nicht so sehr, weil ich schon sehr früh alleine gelebt habe. Aber ich kann jetzt wirklich nur für mich selber sprechen. Allgemein ist es für die meisten Menschen sehr schwierig. Das Reisen ist ohnehin sehr anstrengend und wenn man dann auch noch „richtig“ sesshaft ist, also Frau und Kinder hat, ist es natürlich noch härter, monatelang unterwegs zu sein. Aber wie du schon sagtest, wir sind alle noch sehr jung und deswegen denke ich, ist es für uns nicht ganz so schlimm, wenn wir so viel auf Tour sind. Obwohl wir gar nicht so viel touren, wie es scheint. Lange nicht so viel wie zum Beispiel die Bands, die uns beeinflusst haben.

Sehr gut, dass du die schon selber ansprichst. Welche Bands haben euch denn am meisten bei eurem Stil beeinflusst?

Ohje, das sind so viele, dass ich die gar nicht mehr aufzählen kann. Wir mögen viele lokale Bands, Killing The Dream zum Beispiel.

Der Grund, warum ich das wissen wollte ist der, dass euch ja im März eine andere Band mit dem Namen „The Story So Far“ beschuldigt hat, ihren Namen und ihre Songs zu benutzen, um eure eigene Band zu promoten. Damals wolltet ihr dazu keinen Kommentar abgeben, bist du denn jetzt vielleicht dazu bereit?

Nein, das ist einfach albern. Wir kannten diese Band auch gar nicht, als wir unsere gegründet haben. Also immer noch: Kein Kommentar.

    Dann lass uns jetzt über euer neues Album sprechen. Vor ein paar Monaten habt ihr in einem anderen Interview gesagt, ihr wolltet eins aufnehmen, das ganz genau nach euch klingt. Dazu passend habt ihr es auch gleich noch nach euch benannt. Heißt das denn auch, dass ihr bei eurer Musik keine Risiken eingehen wollt?

    Ich finde, wir gehen Risiken ein, wir werden auch noch weitere Risiken eingehen und wir sind auch schon immer welche eingegangen. Unsere Alben sind wie eine Trilogie, wir haben unseren eigenen Stil, musikalisch und textlich, und das ist genau das, was uns ausmacht. Wir haben eine Identität. Wenn du dir ein AC/DC-Album anhörst, klingt das auch ganz genau nach AC/DC. Du weißt, dass ein Song von AC/DC ist, wenn du ihn hörst. Und bei uns und dem neuen Album ist es genauso, denn: Überraschung, Überraschung, wir haben die Songs geschrieben. So klingt einfach unser Stil.

    Denkst du denn, dass das Album „The Story So Far“ anders als die älteren klingt?

    Eigentlich schon, aber das ist schwierig zu sagen, wir sind immerhin diejenigen, die es geschrieben haben und nicht die Zuhörer. Alles was für uns zählt ist, was die Zuhörer und Fans dazu sagen, dass sie es gut finden und sich darüber freuen. Ich glaube, viele brauchen Zeit, um einen Unterschied zu bemerken, um vielleicht auch eine Entwicklung zu sehen. Ich kann das schlecht beurteilen, weil ich sie selber nur chronologisch sehen kann. Wir schreiben die Songs einfach so gut wir können. Wir wissen natürlich, dass wir eine gewisse Zuhörerschaft haben, aber wir schreiben deswegen nicht so, dass möglichst viele unsere Alben mögen. Kritiker gibt es immer. Genauso wie es Leute gibt, die sich an die alten Sachen klammern. Das sind einfach Dinge, die du nicht kontrollieren kannst. Wir als Band fokussieren uns auf die Dinge, die wichtig für uns sind, und nicht auf die, die wichtig für andere sind. Nicht auf die Meinungen anderer.

    Das ist natürlich eine gesunde Einstellung. Aber nicht wenige sagen ja auch, eure Alben klängen sehr ähnlich. Zum Beispiel, dass eure Themen immer Liebe und Verlust sind. Steckt hinter euren Songs denn noch mehr, was man als Hörer nicht mitbekommt?

    Wenn du jung bist und Musik hörst, identifizierst du dich schnell mit den Bands, die du hörst und mit den Sachen, die sie sagen. Aber irgendwann wächst du da raus, du kümmerst dich mehr um die Dinge, die in der eigenen Band passieren. Ich glaube, sehr oft übersehen die Leute einfach die Songs an sich.
    Es ist ganz normal, über seine Ängste, Freunde und die Dinge, die in deinem Leben passieren, reden zu wollen. Und irgendwann spricht man dann vielleicht auch über Musik und über das neue Album von The Story So Far. Und gerade wenn du jung bist, kann man dich in deiner Meinung noch sehr beeinflussen. Vielleicht, wenn du älter bist, hörst du dir die Alben irgendwann nochmal an und denkst dann ganz anders darüber.

    Am wichtigsten ist, was einem die Platten, die man hört, selber bedeuten und jeder, der versucht, andere in ihrer Meinung dabei zu beeinflussen, sollte sich einfach nur schämen. Wenn also Leute sagen, unsere Alben würden sich alle gleich anhören, dann ist es uns eigentlich recht egal. Es ist einfach so, dass wir es geschafft haben, unsere Identität in einem weiteren Album quasi einzufangen. Wie bei dem AC/DC-Beispiel: die mussten sich auch mit vielen Kritikern herumschlagen, die behaupteten, ihre Sachen würden sich alle gleich anhören. Das bedeutet schlicht und einfach nichts. Wir klingen wie wir klingen und entweder mögen es die Leute oder eben nicht. Vielleicht sollten unsere Kritiker einfach eine Gitarre nehmen und selber die Songs schreiben, die sie hören wollen. Das ist, was wir getan haben und was auch schon andere Bands vor uns getan haben.

    Gibt es denn trotzdem etwas, dass das Album „The Story So Far“ einzigartig macht?

    Ich glaube, unsere Texte sind darauf echt gut. Und es gibt sehr viel wirklich gute Musik. Es gibt nichts, was im Nachhinein nicht drauf sein sollte und wenn man gerne The Story So Far hört, dann wird man auch gerne das neue Album hören.

    So soll es sein. Wisst ihr denn schon, wohin die Reise gehen soll? Habt ihr Pläne für die Zukunft?

    Ach, an einem gewissen Punkt geht es auch bei einer Band immer mehr um das wirkliche Leben. Wir werden aber da weitermachen, wo wir jetzt sind. Wir hoffen, dass das noch lange so geht, gerade bei der Musik muss das ja nicht immer so sein. Momentan sind wir an dem Punkt in unserer Karriere, an wem wir versuchen, an die Orte in der Welt zu kommen, wo wir noch nicht waren. Natürlich werden wir immer schreiben. Wir lieben noch immer, was wir tun, die Musik, das Reisen, neue Orte zu sehen und zu schreiben. Wir schreiben immer, jeder für sich. Aber noch sind wir zum Beispiel nicht an dem Punkt angelangt, bei dem wir sagen, wir schreiben jetzt explizit für das vierte Album Songs.

    Dann wünsche ich euch viel Spaß auf der Bühne nachher und noch auf der weiteren Tour. Vielen Dank für’s Interview!

    Danke dir! Und danke Deutschland und allen Leuten und Orten, an denen wir spielen durften und die uns unterstützt haben!

    Einen ausführlichen Bericht mit Bildergalerie von der Show in Münster mit Wolf Down und Stick To Your Guns gibt es hier: www.stageload.org/berichte/stick-to-your-guns-the-story-so-far-wolf-down-17-08-15-sputnikhalle-muenster-mit-bildergalerie

    Ein Review zum selbstbetitelten, dritten Album von The Story So Far gibt es hier: www.stageload.org/reviews/the-story-so-far-st

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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