Interview mit Lygo

Interview mit Lygo

Auf den Straßen lernt sich eine Band erst richtig kennen – Streit ist da also vorprogrammiert. Lygo waren schon öfter auf Tour, doch bald startet ihre erste als Headliner. Zwischen den last-minute-Vorbereitungen haben wir Sänger und Bassist Jan Heidebrecht (Mitte) zum Interview erwischt und uns mit ihm unter anderem über die Streitpunkte unterhalten, die seine Band immer wieder beschäftigen. Unter anderem: Das nicht vorhandene Navigationssystem.

Nachdem ihr unter anderem schon FJØRT, Heisskalt und Adam Angst supportet habt, startet bald eure erste Headliner-Tour! Seid ihr deswegen bei den Vorbereitungen etwas gewissenhafter?

Für die letzten Touren mit FJØRT und Heisskalt haben wir uns auch schon ziemlich vorbereitet – aber das ist für uns auch eigentlich Grundsatz, dass wir das machen. Jetzt bei unserer ersten eigenen Tour ist das ganze Drumherum mit dem Booking, den anderen Bands und die Organisation viel mehr geworden. Das ist auf jeden Fall eine neue Erfahrung und etwas, wo wir nochmal mehr Zeit reinstecken. Abgesehen davon proben wir aber genauso wie für die anderen Konzerte.

Wie habt ihr euch die Supports rausgesucht? Habt ihr das selber gemacht, wurden euch Vorschläge gemacht, habt ihr einfach Freunde gefragt?

Das waren Wünsche von uns. Ein Gutes Pferd und Blut Hirn Schranke haben wir vor ein paar Jahren im Jugendzentrum in Kamen kennengelernt und beide Bands sind über die Jahre gute Freunde von uns geworden. Es war uns wichtig, mit einer Band, die wir kennen und mit der wir uns gut verstehen, auf Tour zu gehen. Zeitlich hat sich das dann so ergeben, dass wir beide Bands jeweils für die Hälfte mitnehmen.

Lirr. haben wir letztes Jahr kennengelernt, als wir mit denen und Heisskalt für deren Tour ein Feature gemacht haben. Und weil wir noch Support für Hamburg gesucht haben, hatten wir die Idee, das mit Lirr. zusammenzumachen, was glücklicherweise auch so funktioniert hat.

Die Show mit Lirr. ist ja sogar auch schon ausverkauft. Ihr fahrt die erste Headliner-Tour und schon ist eine Venue ausverkauft – hättet ihr das gedacht?

Nein, überhaupt nicht. Das ist für uns gar nicht so üblich, dass Konzerte ausverkauft sind. Man muss aber dazu sagen, dass Hamburg eine gute Stadt ist für die Musik, die wir machen. Aber dass das im Vorfeld schon ausverkauft ist, ist für uns auf jeden Fall eine schöne Erfahrung, das hätten wir nicht erwartet.

Nach den Titeln der Releases, „Sturzflug“ und „Misere“, ist „Winter überstanden“ als Tourname ungewohnt positiv. Soll das ein neues Kapitel von Lygo einläuten? Lässt sich da mehr hineininterpretieren, als dass es ein Songzitat ist?

Wir haben länger überlegt, ob wir der Tour überhaupt einen Namen geben und haben uns auch lange schwergetan, einen passenden Titel zu finden. Weil wir aber im März und April touren, fanden wir „Winter überstanden“ aber ganz passend. Ich würde aber nicht sagen, dass wir jetzt eine positivere Zeit einschlagen. Es ist eben eine Textzeile aus „Störche“, was auch ein bisschen der Aufhänger war. „Störche“ war unsere erste Single, die auch erstaunlicherweise gut ankam.

Auf Tour lernt man sich als Band erst richtig kennen – selbst wenn man schon öfter unterwegs war. Besteht da manchmal die Gefahr, dass Freundschaften bis aufs Äußerste ausgereizt werden oder vielleicht sogar zumindest zeitweise in die Brüche gehen?

Auf jeden Fall (lacht)! Gut ist, dass wir uns alle schon richtig lange kennen, noch aus der Schulzeit von früher. Das heißt, wir kennen sowohl unsere positiven, wie auch unsere negativen Seiten. Aber wenn man im Bandbus mit verkatertem Kopf im Stau steht, kann man sich schon gegenseitig auf die Nerven gehen – da kann man sich auch ziemlich hassen. Wir kriegen es aber eigentlich immer nach ein paar klärenden Worten hin, uns wieder zu vertragen, das geht dann schon einigermaßen. Es ist auf jeden Fall immer ein aufreibendes Spektakel!

Hat denn jeder im Bus seinen festen Platz? Habt ihr schon ausgemacht, wer Fahrer ist, wer Navigator und wer vielleicht der Entertainer?

Das Fahrer-Ding haben wir auf jeden Fall geklärt, weil Simon [Anmerkung der Redaktion: Simon Meier, Sänger und Gitarrist (rechts im Bild)] abends eigentlich nicht trinkt und deswegen dann oftmals der Fahrer zu den Unterkünften ist. Meistens ist er dann auch derjenige, der die Schicht am Morgen übernimmt, weil er nicht verkatert ist. Einen Pausenclown haben wir aber nicht. Das Navigationsthema ist bei uns auch immer so ein Streitpunkt, weil wir zu geizig sind, um uns mal ein Navigationssystem zu kaufen und immer mit unseren Smartphones navigieren. Das muss dann immer der Beifahrer übernehmen.

Ist dann aber ein bisschen schwierig, wenn gerade der Akku leer ist, oder?

Oder wenn kurz vor Ankunft das GPS-Signal ausfällt! Da gibt’s dann auch gerne wieder Streitpunkte.

Was auf Tour immer ein bisschen zu kurz kommt, ist das Sightseeing. Habt ihr euch da schon einen Plan gemacht, was ihr euch unbedingt in jeder Stadt anschauen wollt?

Vor ein, zwei Jahren hatten wir uns mal vorgenommen, uns in jeder Stadt – vor allem in denen, die wir vorher noch nicht kannten – ein paar Stunden Zeit zu nehmen und die berühmten Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Aber für diese Tour haben wir uns da noch nichts überlegt.

Euer Tourstart ist elf Tage vor „tatsächlichem“ Tourbeginn in Köln. Wollt ihr euch danach nochmal zusammensetzen und ganz genau gucken, welche Fehler noch ausgemerzt werden müssen?

Definitiv! Es war eine bewusste Entscheidung, dass das Konzert vor der Tour ist. Wir haben drei, vier Monate gar keine Konzerte gespielt und können so wieder in den Rhythmus reinkommen. Jetzt haben wir so auch noch die Zeit und die Möglichkeit, nochmal in den Proberaum zu gehen und Sachen zu ändern und zu verbessern.

Eine weitere wichtige Sache auf Tour ist die Playlist. Was wird bei euch laufen?

Die Playlist ist bei uns auch immer ein großes Streitthema! Auf jeden Fall laufen werden Frau Potz, ein, zwei Turbostaat-Lieder, ein bisschen Lady Gaga, This April Scenery, Neufundland und Von Wegen Lisbeth.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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