Interview mit Montreal

Interview mit Montreal

Bereits im Sommer haben Montreal ihr mittlerweile sechstes Studioalbum „Schackilacki“ veröffentlicht. Einige Monate später sind sie damit nun auf Tour quer durch die Republik. Wir haben mit Sänger und Bassist „Hirsch“ (links im Bild) die vergangenen Jahre mit unzähligen Touren Revue passieren lassen. Über unlogische Routen, Missverständnisse beim Parken und den großen Helden und Bandretter – das Navi.

Ihr habt schon einige Touren hinter euch – seid ihr trotzdem immer noch nervös, dass etwas schiefgehen könnte?

Ja! Obwohl, eigentlich geht nie so viel schief und nervös sind wir eigentlich auch nicht – dafür sind wir einfach schon zu sehr in einer gewissen Routine angelangt. Diese Tour ist allerdings doch schon was Besonderes, weil so viele Konzerte im Vorfeld ausverkauft sind und es die größte eigene Tour von uns ist. Wir sind sehr gespannt, was das für Auswirkungen auf uns, das Publikum und die Konzerte an sich haben wird.

Osnabrück gehört auch zu den ausverkauften Städten. Habt ihr ein bisschen Angst, wie das Publikum auf euch reagiert, weil ihr das Video zu dem Song „Osnabrück“ in Münster gedreht habt?

Osnabrück war absurderweise immer eine sehr schlecht laufende Stadt für uns und deswegen gibt’s das Lied auch überhaupt. Dieses Mal war Osnabrück als erste Stadt schon Monate vor dem Konzert ausverkauft – ich glaube, es hat mit dem Lied zu tun. Ich habe die Vermutung, dass die Osnabrücker das Lied für bare Münze nehmen und wirklich glauben, wir mögen ihre Stadt (lacht).

Gibt es eine Show, auf die du dich besonders freust?

Berlin und Hamburg kommen ein bisschen später, erst an Weihnachten, aber Köln ist immer ein Highlight! Das Konzert wurde sogar in die Live Music Hall hochverlegt, das ist eine ganz andere Kragenweite. Und die Kölner sind als ein sehr feierfreudiges Völkchen bekannt. 50 Kölner machen mehr Party als 400 Bayern – da bin ich sehr gespannt, was bei 700 Kölnern passiert! (lacht)

Habt ihr euch gerade mit Bezug auf den Ausgang der Bundestagswahl schon Gedanken über die Ansagen zwischen den Songs gemacht? Wollt ihr darauf eingehen?

Wir haben auf dem neuen Album „Schackilacki“ mit „Einfach nur verstehen“ und „Idioten der Saison“ zwei Lieder, mit denen eigentlich schon alles gesagt ist. Wir werden wahrscheinlich nicht in politische Monologe verfallen und ich denke auch nicht, dass wir bei unseren Konzerten gegen die AfD reden müssen. Ich gehe nicht davon aus, dass große AfD-Wählerschaften bei unseren Konzerten sein werden. Das Publikum ist ja doch eher alternativ. Das müssten wir wahrscheinlich eher auf Parkplätzen irgendwo in Sachsen machen (lacht).

Wenn wir einmal ein bisschen zurückdenken: Kannst du dich an die schlimmste oder unlogischste Route erinnern, die ihr jemals gefahren seid?

Da gibt es zwei, die mir sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Die eine war von Meran in Südtirol nach Meppen und von da aus dann nach Bukarest in Rumänien – das war vielleicht nicht unlogisch, aber doch schon sportlich ambitioniert. Es wäre nicht zu schaffen gewesen, wäre der Tag zwischen Meppen und Bukarest kein Off Day gewesen. Die andere, auch legendär-blöde Route war Konzert im Ruhrgebiet, Konzert in Potsdam, Konzert im Ruhrgebiet – an aufeinanderfolgenden Tagen. Das war unangenehm.

Habt ihr irgendwelche Rituale im Auto?

Wir haben ganze vier CDs dabei und hören die rauf und runter und sonst wird sich auch einfach recht viel unterhalten – ganz klassisch. Wir haben hinten aber auch noch eine Bank, wo meistens einer schläft. Touren sind bei uns, als würde man mit Freunden in den Urlaub fahren.

Kannst du dich noch an das Nervigste erinnern, was euch jemals auf Tour passiert ist?

Das sind leider immer irgendwelche KfZ-Geschichten. Pannen, dass man liegenbleibt, ADAC – das bringt einen gleich aus dem ganzen Tag raus. Einmal dachten wir, wir könnten unser Fahrzeug hinter dem Club parken, sind ins Hotel, kommen am nächsten Tag wieder und da ist das Tor zu und du bekommst an einem Sonntag nicht so schnell jemanden zu fassen, der dir das aufschließen kann. Wir haben sieben Stunden in Kassel festgesessen – am Ende einer dreiwöchigen Tour mit Sondaschule und Das Pack, bei der wir dann auch noch fünf Stunden nach Hause fahren durften. Es war zermürbend, aber wir konnten schon am selben Tag drüber lachen (lacht).

Hat jeder auf Tour seine bestimmte Aufgabe?

Abgemacht nicht, aber unausgesprochen kümmert sich jeder um eigene Sachen. Der Herr Schlagzeuger sorgt zum Beispiel sehr akribisch dafür, dass auf der Bühne alle mit Handtücher versorgt sind. Das ist ihm sehr wichtig, weil er auch am meisten schwitzt, klar. Falls sich niemand von unseren Freunden drum kümmert, bin ich der Getränkewart. Und Yonas – was macht der überhaupt? Der packt nach einem Konzert sehr schnell die Sachen in den Kofferraum. Während wir am T-Shirt-Stand noch Hallo sagen, hat er schon alles zusammengepackt.

Was muss der Beifahrer bei euch machen? Ist er das Navi?

Nein, da haben wir ein technisches Gerät für. Der Beifahrer muss den Fahrer unterhalten und wachhalten. Du darfst als Beifahrer niemals einschlafen, das geht überhaupt nicht klar! Für die musikalische Untermalung und die Getränkereichung ist er auch noch prädestiniert.

Was dürft ihr auf keinen Fall vergessen, wenn ihr auf Tour geht?

Ohne das Navi wird es sicherlich schwierig. Bevor wir uns das erste angeschafft haben, sind wir nach Straßenkarte gefahren und jedes Mal, wenn wir einen Club angesteuert haben, war die Band kurz vor der Auflösung, weil natürlich gleich der ganze Bus mitdiskutiert hat, ob man denn nun links oder rechts fahren müsste. Jetzt würden wir die meisten Clubs bestimmt auch schon von der Autobahn aus so finden, aber gerade am Anfang kannten wir uns ja überhaupt nicht aus. Das Navi hat auf jeden Fall für Entspannung in der Reisegruppe gesorgt.

Unser Review zu „Schackilacki“ findet ihr hier: http://www.stageload.org/reviews/montreal-schackilacki

Foto: Max Threlfall

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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