Interview mit Propagandhi

Interview mit Propagandhi

Propagandhi sind seit über 30 Jahren eine Band, die es auf den Punkt bringt. Mit neuem Material, neuem Mitglied und alter Attitüde wird 2017 unter anderem auch ein weiteres Jahr der langen Geschichte dieser einmaligen Band. Nach einer langen Wartezeit von fünf Jahren hauen die kanadischen Politpunks endlich ihr neues Album „Victory Lap“ raus. Im Zuge dessen haben wir die Gelegenheit genutzt mit Frontmann Chris Hannah ein paar Dinge zu besprechen, die sich über die letzten Jahre so ereignet haben.

Chris, du bist 2007 bei der vom „Beaver“ abgehaltenen Wahl zum schlechtesten Kanadier aller Zeiten, „nur“ auf dem Zweiten gelandet. Wie hast du das erlebt und aufgefasst?

Ich wurde darauf hingewiesen, meinen Namen in dieser Umfrage zu sehen, war aber mit den Ergebnissen unzufrieden. Ich hab sogar eine Neuzählung gefordert, aber die wurde abgelehnt. Ich finde es schon unfair, dass ein toter Mann mir den ersten Platz geklaut hat. Aber der schlechteste lebende Kanadier zu sein hat ja auch was.

Sulynn ist das neueste Mitglied von Euch. Wie habt ihr sie gecastet?

Wir hatten über 400 Gitarreros da, und es waren viele wirklich super. Aber Sulynn stach heraus und es war irgendwie eine spirituelle Verbindung da.

Euer neues Album hat fünf Jahre gebraucht, um geboren zu werden. Das ist selbst für eure Verhältnisse lange. Wieso?

Naja, wie das Bild auf dem Cover von „Victory Lap“ waren auch unsere letzten fünf Jahre wie eine Achterbahn. Beave hat aufgehört, wir mussten Sulynn finden. Jord hatte die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit. Todd und Jords Väter starben. Ich hab mein zweites Kind bekommen und wir haben zwei Proberäume verloren. Wenn man das alles so betrachtet haben wir ja fast ’nen Rekord aufgestellt.

In „Lower Order“ singst du über deinen ersten Jagdausflug. Der Song ist ein gutes Beispiel dafür, wie viele verschiedene Themen du in deinen Lieder aufgreifst und verarbeitest. Ist so ein Song eine Erzählung aus deiner Kindheit oder ist das metaphorisch zu sehen?

Solche Lieder sind tatsächlich wirkliche Erzählungen. Ich bin im hintersten Kanada aufgewachsen, mit Jägern und Fallenstellern. Also ist meine Mensch/Tier-Beziehung relativ früh schon in meinem Kopf gewesen.

Propagandhi gibt es jetzt seit gut 31 Jahren. Ich hab Euch vor kurzem beim Punk Rock Holiday gesehen und das war beeindruckend. Woher nehmt ihr immer noch die Energie?

Das Publikum ist der Toast, wir sind die Erdnussbutter und die Musik ist das Messer.

Eure Lieder haben nie an Aktualität eingebüßt. Die Menschen ändern sich nicht und Personen wie Trump, Erdogan, Putin oder die AfD und Pegida finden immer mehr Zuspruch und bekommen Macht. Was denkst du sind die Gründe für diese Entwicklung?

Es sind Ebbe und Flut der menschlichen Gebrechlichkeit in dem Zustand, den wir Zivilisation nennen. Letzten Endes müssen wir Menschen wohl immer wieder zu einem Punkt der Zivilisation zurückkehren, der uns mit dem Planeten neu verbindet. Bis das geschieht sollten wir alle Nazis zerschlagen.

youtu.be/CqWsreZl_dw

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
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