Interview mit Shai Hulud

Interview mit Shai Hulud

Es sollte ein kurzes Interview vor Konzertbeginn im Hamburger Knust mit Matt Fox von Shai Hulud werden, als die Band als Support von Funeral For A Friend im März/April auf Tour war. Wer allerdings schon einmal mit Matt gesprochen hat, weiß, dass er sehr viel zu berichten hat aus den 20 Jahren Bandgeschichte. Und so wurde unsere Unterhaltung schließlich erst dann – und zwar zwangsweise beendet – als die erste Band des Abends schon fast ihr Set beendet hatte und er selbst auf die Bühne musste. In fast einer dreiviertel Stunde haben wir nicht nur über die Tour und die aktuelle Platte gesprochen sondern auch über die Besetzungswechsel, für die die Band leider bekannt ist, haben die Entwicklungseinflüsse von der ersten Platte bis zur aktuellen EP betrachtet und schlussendlich erfahren, warum Shai Hulud Songs ungefähr so viel mit einem Hate-Song gemein haben, wie “Dancing Queen” von Abba.

(Please scroll down for the English original version)

Klassische erste Frage zu Anfang: Wie läuft die Tour?

Soweit super. Wir kamen etwas krank in Europa an, es war ein echt langer Trip: Wir sind mit Turkish Airlines erstmal an Deutschland vorbei nach Istanbul geflogen, etwa 13 Stunden. Nach ein paar Stunden Aufenthalt ging es dann drei Stunden zurück nach Deutschland. Das war die längste Anreise nach Europa, die ich bisher hatte.

Die erste Show hat darunter etwas gelitten. Wir waren alle echt durch und ich war ehrlich gesagt überrascht, dass es schon am nächsten Abend deutlich besser lief. Sogar Essen war jetzt nicht wirklich schlecht, aber es war halt die erste Show einer Band nach einem langen Anreisetag.

Shai Hulud sind heute und die nächsten Wochen mal wieder Teil eines etwas ungewöhnlichen Line-Ups, als Support für Funeral For A Friend. Welche Reaktionen vom Publikum erwartest du?

Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Eine Menge Leute im Internet meinten, dass die Fanbase von uns und Funeral For A Friend so unterschiedlich ist, dass vermutlich viele von ihren Fans nichts mit uns anfangen können. Aber weißt du, alles was du dann tun kannst, ist einfach die beste Show zu liefern. Jedes Mal wenn ich jemanden sehe, der nicht interessiert aussieht, zeige ich auf ihn, schreie ihm ins Gesicht, und an irgendeinem Punkt im Set, wird das ein Lächeln auf sein Gesicht bringen.
Das ist das Beste, was ich tun kann. Ob er dann Merch kauft, uns online auscheckt oder sogar fünf Minuten, nachdem wir auf der Bühne waren, unseren Namen noch weiß, weiß ich nicht.

Ihr werdet jeden Club zwei Nächte hintereinander spielen. Funeral For A Friend werden ihre ersten beiden Alben jeweils einen Abend komplett spielen. Plant ihr etwas Ähnliches?

Theoretisch, ja. Wir hatten ja bekanntlich schon so viele Sänger. Als uns diese Tour letztes Jahr angeboten wurde, war Matt Mazzali in der Band, der auch auf “Misanthropy Pure” gesungen hat. Er ist auch auf unserer neuen EP “Just Can’t Hate Enough x2” wieder dabei. Und das war unser Plan: Wir wollten nicht unbedingt ein ganzes Album, aber schon zwei völlig unterschiedliche Sets spielen. Denn mit ihm in der Band hatten wir genug Songs drauf, um das zu realisieren. Er hat uns allerdings etwa sechs Wochen vor Abflug informiert, dass er die Tour nicht machen kann. Das war frustrierend, wie schon so oft. Wir mussten also einen passenden Ersatz finden. Sein Name ist Matt Carlock. Er ist ein Singer-Songwriter aus New Jersey. Er war früher mal in einer Hardcore Band und hat echt alles gegeben, so viele Songs wie möglich drauf zu bekommen. Mit ihm haben wir jetzt 11 Songs von der ersten Platte bis zur aktuellen EP.

Vor diesem Hintergrund werden wir zwar jeden Abend ein paar andere Songs spielen, aber ganz klar kein völlig unterschiedliches Set. Nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wäre die Person, die zugesagt hatte, die Tour zu machen, mit uns auf Tour gekommen, hätten wir ein völlig anderes Set gespielt, als wir es jetzt tun. Das ist einfach ein Fakt. Es ist echt schwer, sich auf Leute zu verlassen. Über die Jahre traust du den Versprechen anderer immer weniger, je öfter du so etwas erlebst.

Wer ist denn jetzt auf dieser Tour bei Shai Hulud dabei?

Erstmal ist das der Opa, also ich. Mein Name ist Matt Fox und ich spiele seit 1995 Gitarre. Als Sänger, wie gesagt, Matt Carlock. Er ist kein festes Bandmitglied, hilft nur aus. Aber er macht einen super Job und ich glaube, jeder, der ihn sieht, kann das bestätigen. Ich bin echt dankbar dafür. Der Bass ist eine interessante Geschichte. Seit langem ist Matt Fletcher, den du wahrscheinlich auch kennst, unser Bassist. Er ist immer noch in der Band. Wir haben zusammen die EP geschrieben, die wir gerade veröffentlicht haben, und arbeiten bereits zusammen am nächsten Album. Für ihn gab es aber einfach irgendwann einen Punkt in seinem Leben, an dem er es sich nicht mehr leisten konnte, alles mitzumachen. Er hat einen Vollzeitjob, hat eine Frau. Für ihn ist es einfach unmöglich, so viel zu touren. An seiner Stelle haben wir Justin Albright, der sonst in einer Death Metal-Band namens Diskreet gespielt hat. Er ist seit letztem Sommer dabei.

Dann ist da mein Freund Stefan Hojnacki, der nur zwei Blocks von mir entfernt wohnt. Er arbeitet in einem Musikladen. Ich habe einen Freund fragt, ob er nicht jemanden kenne, da wir für die Tour einen Gitarristen brauchten. Stefan ist auch kein Bandmitglied, hat die Songs aber schnell gelernt. Er war noch nie in Europa, deshalb wollte er mit uns die Tour machen. Unseren Schlagzeuger haben wir jetzt auch etwa seit einem Jahr. Sein Name ist Moe Watson und er ist echt ein Tier. Hoffentlich wird er lange bleiben. In das Songwriting fürs nächste Album ist er jedenfalls schon involviert.

Wer gerade bei Shai Hulud dabei ist, ist quasi eine unendliche Geschichte. Hast Du eine Ahnung, wie viele Bandmitglieder jemals mit Shai Hulud in Verbindung gebracht wurden?

Nein, kein Plan. Ich weiß, da gibt’s eine Wikipedia Seite…

…die in Summe 44 aktuelle und ehemalige Bandmitglieder oder Tourmusiker listet. Wahrscheinlich fehlt auch der ein oder andere.

Das ist echt so eine saublöde Sache. Ich hab die Seite mal gesehen, aber ich guck mir die nicht regelmäßig an. Da stehen aich Mitglieder anderer Bands drauf, die uns mal für eine Show ausgeholfen haben. Wir hatten damals einen Schlagzeuger und warum auch immer konnte er diese eine Show nicht machen und dafür ist jemand eingesprungen. Dass der dort gelistet ist, macht keinen Sinn. Ich würde jemanden als Bandmitglied bezeichnen, wenn er zu einer Platte beigetragen hat und darauf gespielt hat. Wir hatten also weit weniger als 44, weniger als die Hälfte. Ich meine, zählt Black Sabbath Rob Halford als ehemaliges Mitglied, weil er mal ein paar Shows ausgeholfen hat, als Ozzy krank war? Nein.

Ich vermute mal, der Hauptanteil am Songwriting kommt von dir, aber wie sieht’s aus mit zweiten Gitarren, Bass und vor allem Schlagzeug? Wie geht ihr das Songwriting an, mit all den Änderungen in der Besetzung?

Für mich ist das überhaupt nicht schwierig. Den ersten Entwurf eines Songs schreibe ich meistens selbst. Ich baue den Song zusammen und spiele ihn dann anderen vor. Was manche nicht wissen ist, dass ich sehr gerne mit anderen zusammenarbeite. Eines meiner Probleme beim Songschreiben ist, dass ich eigentlich immer zu viele Ideen habe. Ich mag es, mit einem Sparingspartner zu schreiben, der meine Ideen aufgreift und seinen Input dazu gibt. So komme ich viel schneller zum Endergebnis. Wenn ich alleine bin, habe ich fünf verschiedene Ideen für jeden Part und das wird meistens zu viel.

Ich vermute mal in “That Within Blood Ill-Tempered” steckt also sehr viel von Dir und für “Reach Beyond the Sun” mehr Input von anderen? Das Album ist deutlich geradliniger.

Nein, ich meine, wir können darüber gerne gleich sprechen, aber was die verschiedenen Bandmitglieder angeht. Im Grunde genommen, ich weiß nicht genau, wie ich es sagen soll, es klingt so, als wäre ich der Regisseur eines Films, aber vermutlich ist es genau das. Jeder ist willkommen, seine Ideen mit einzuwerfen; gerade wenn es jemand Neues mit einer anderen Herangehensweise ist. Zum Beispiel unser neuer Sänger, Matt. Er singt und schreibt seine eigenen Songs, eher so Singer-Songwriter Folk-Kram. Er und ich haben an einem Song gearbeitet, der wohl der erste Song auf unserer nächsten Platte wird. Und er hatte eine sehr coole Idee für einen Teil, den ich geschrieben hatte. Ich frage im Prinzip jeden, wenn ich Songs schreibe. Ich frage meine Freunde, ich würde dich fragen. All das gibt meinen Ideen eine neue Nuance, was immer gut ist. Soll ich noch was zu “Blood Ill-Tempered” und “Reach Beyond the Sun” sagen?

Nur zu!

“That Within Blood Ill-Tempered” war eine interessante Erfahrung für Fletcher und mich. Eine Band wird bekannter, erarbeitet sich eine Fanbase, einige Leute mögen das Zeug, und plötzlich sind die Typen “brilliant”. In der Regel stimmt das nicht und es war ganz bestimmt bei uns nicht so. Wir waren niemals “brilliant”. Ich denke, “Hearts Once Nourished with Hope and Compassion” war wenn überhaupt cool und vielleicht anders als das Zeug, das damals veröffentlicht wurde. Aber die Platte war nicht “brilliant”.
So doof das klingt, aber für “Blood Ill-Tempered” haben wir uns den Kopf und das Herz zermartert, um die smarteste und emotionalste Musik zu schreiben. Und das Verrückteste an der Platte ist, dass wir es, glaube ich, geschafft haben.

Ich weiß noch, wie Fletcher und ich darüber sprachen. Als wir den Song “Consumate Dragon” geschrieben haben, meinten wir “das klingt hier, als wäre es ein Soundtrack zu einem Film”. Wir waren stolz darauf, dass wir die typischen Hardcore Elemente hinter uns gelassen hatten und auf einer völlig anderen Ebene angekommen waren. “Blood Ill-Tempered” ist vermutlich mit das Beste, was wir je gemacht haben. “Reach Beyond the Sun” ist eigentlich eine Antwort auf “Misanthropy Pure”, was wiederum eine Antwort auf “That Within Blood Ill-Tempered” war. Die Songs auf “That Within Blood Ill-Tempered” waren klasse, aber wir waren sehr unzufrieden mit der Produktion. Das Studio, in dem wir aufgenommen hatten, hat uns nicht die Möglichkeit gegeben und nicht darin unterstützt, Parts unterschiedlich aufzunehmen, andere Sounds und Amps auszuprobieren.

Die Produktion sollte eigentlich genau so dynamisch sein, wie es die Musik war. Bei letzter Gelegenheit im Studio, als wir am Mix saßen, haben wir noch ein paar Effekte draufgelegt. Aber das ist ungefähr alles an Dynamik, was wir bekommen haben. Aus einer ganzen Reihe Gründe ist das Album also nicht so – sagen wir mal – aggressiv und heavy geworden, wie wir uns das vorgestellt hatten. Eigentlich sollte das eine sehr wütende und angepisste Platte werden.

Um also “Reach Beyond the Sun” zu verstehen, müssen wir erst über “Misanthropy Pure” sprechen, denn diese Platte war eine Reaktion darauf, dass “That Within Blood Ill-Tempered” nicht “heavy” oder “aggressiv” war.

Aber “Misanthropy Pure” ist genau das?

Das ist genau das, was wir gemacht haben: “Oh, ihr denkt, wir sind keine heavy Band? Nimm das, Motherfucker!” Da gab es dieses britische Magazin, das geschrieben hatte, “That Within Blood Ill-Tempered” wäre eine Emo Platte. Wir also: “Echt? Ok, wir zeigen euch, wie eine Emo-Band klingt, hier kommt ‘Misanthropy Pure’!” Das Album sollte dich am Ende erschöpft zurücklassen.

“Reach Beyond the Sun” sollte organischer werden. Wir haben einfach auch zu viele Spielereien bei “Misanthropy Pure” eingebaut. Um ehrlich zu sein, waren irgendwann der Typ, mit dem wir aufgenommen haben, und ich alleine im Studio; Matt Fletcher war nicht da. Er mag die Dinge etwas weniger vertrackt. Er war also nicht da und wir fingen an rumzuspielen, Änderungen einzubauen, Noten und Taktarten zu tauschen. Als Matt Fletcher dann zurückkam, meinte er nur: “Es ist ja cool. Aber es ist nicht das, was wir eigentlich mal geschrieben haben. Seid ihr sicher, dass ihr damit gehen wollt?”

“Misanthropy Pure” ist ein gutes Stichwort: Misanthropie und Hass sind die Themen vieler Shai Hulud Songs.

Leider, ja.

Wenn man sich die Texte allerdings genauer anschaut, gibt es immer auch einen Hoffnungsschimmer (wie z.B. in den Titelsongs von “Misanthropy Pure” oder “Reach Beyond The Sun”). Was ist jetzt also die ultimative Message? Misanthropie und Hass? Oder schlussendlich Liebe und Hoffnung?

Wenn Du mich so fragst: Liebe und Hoffnung, ganz klar. Immer gewesen. Ich glaube, wir haben das bereits am Anfang, wenn auch vielleicht nicht so eindeutig formuliert. Sogar in einem unserer ersten Songs “A Profound Hatred Of Man”, was ja fast so etwas wie unser Titelsong ist, heißt es: “All I’ve ever hoped for and been deprived of.” Manchmal habe ich sehr harsche Gefühle, so wie die meisten Menschen. Manchmal denke ich “oh man, jetzt könnte ich echt jemanden umbringen”. Und manchmal schreibe ich einen Song darüber. Sogar “A Profound Hatred Of Man” beginnt mit der Zeile “if these hands would only kill”. Ich könnte aber keinen Song und insbesondere Texte schreiben, die jemand lesen und daraus schließen könnte, dass jemanden umzubringen tatsächlich die Antwort wäre. Glaube ich, dass so etwas passieren würde? Nein, natürlich nicht. Aber es würde mich selbst unglücklich machen, eine solche Botschaft an jemanden anderen zu geben.

Um das also klarzustellen: Shai Hulud geht es zu 100 Prozent um Liebe und Hoffnung als Botschaft. Aber um dahin zu kommen, muss man sich erst durch all den Eigennutz, die Unaufrichtigkeit, oft bewusste Grausamkeit von Menschen kämpfen. Du musst all das verarbeiten, um schlussendlich zu Liebe und Hoffnung zu kommen. Das fasst es ganz gut zusammen.

Eure neuste Platte heißt „Just Can’t Hate Enough x2 – Plus Other Hate Songs“. Der Titel klingt schon mal nach einem Konzeptalbum. Erzähl mal ein wenig über die Idee dahinter und die Entstehung der Platte. (die Platte gibt’s hier im Stream: https://soundcloud.com/nosleeprecords/sets/shai-hulud-just-cant-hate)

Ja, da sind Hate-Songs. Aber nur, weil sie das Wort “Hate” im Titel haben. Nimm z.B. den Song “Colder Than A Cold World” – du hast gesehen, was wir gemacht haben? Die Buchstaben HAT-E sind im Titel auf dem Cover hervorgehoben. Aber, “Colder Than A Cold World” ist vom Text her einer der schönsten Songs, die wir geschrieben haben. (Song & Lyrics: https://soundcloud.com/nosleeprecords/colder-than-the-cold-world)

Es geht darum, wie ein Mann ist und wie er sein sollte, also gütig und weniger wütend. Und das gleiche gilt für eine Frau, wie eine wütende Frau ist und wie eine Frau sein sollte, nämlich gütig und großherzig, so wie es ein Mann sein sollte. Der ganze Song handelt davon, wie wir eigentlich noch kälter sind, als die Welt um uns herum, aber er stellt die Frage: Warum müssen mitfühlende Menschen eigentlich überhaupt noch kälter sein als die Welt um sie herum? Das sollten sie nicht.

Du siehst, das ist ungefähr genauso ein Hate-Song wie “Dancing Queen” von Abba. Und “Sincerely Hated”, ist das wirklich ein Hate-Song? Klar, auch der hat das Wort im Titel, aber es geht darum, wie man schnell man gemieden und ins Abseits gestellt oder gehasst wird, wenn man die Menschen wissen lässt, wie die Dinge wirklich sind. Ich finde es beschämend, dass die Reaktionen darauf, wenn jemand die Wahrheit sagt, oft so negativ sind. Aber, obwohl das Wort “Hated” im Titel steht, kann ich “Sincerely Hated” nicht allen Ernstes als Hate-Song bezeichnen. Ich kann keinen einzigen Shai Hulud Song als Hate-Song bezeichnen, denn alle entstehen aus Warmherzigkeit.

Ich finde es lustig, der Platte den Titel “Plus Other Hate Songs” zu geben oder “Sincerely Hated” auf unseren Merch drucken zu lassen, aber im Kern ist Shai Hulud eine warmherzige Band. Eine letzte Sache kann ich noch zu unserem Song “Misanthropy Pure” sagen, in dem es um die Gründe für Hass geht. Eine der letzten Zeilen im Text fasst es wohl am besten zusammen: Wir tragen diesen Konflikt in unserem Herzen, dass wir uns trotzdem um diese beschissenen Menschen sorgen. Wir mögen sie nicht, wir wollen kein Teil von ihnen sein, aber auf der anderen Seite sind wir alle Brüder und Schwestern, so dass wir uns auch um diese Menschen sorgen. Und das ist für mich der wahre Kern eines mitfühlenden Menschen.

Wie habt ihr die Cover Songs ausgewählt? Hast du einfach in Deiner iTunes Bibliothek nach allen Songs mit dem Wort “Hate” im Titel gesucht?

(lacht) Zum Teil schon. Wir wollten schon immer “Just Can’t Hate Enough” von Sheer Terror und von Chorus of Disapproval covern. Wir hatten diese Idee seit über 10 Jahren. Auch den Song “Sincerely Hated” hatten wir schon seit Jahren. Er hatte es beinahe auf “Reach Beyond The Sun” geschafft, aber wir wollten ihn unbedingt für “Just Can’t Hate Enough x2” haben.

“Blaze Some Hate” wollte ich covern, seitdem ich ihn das erste Mal mit 15 gehört habe. Kreator haben damals immer Excel Shirts getragen. Ich liebte Kreator, also bekam ich ständig Excel Shirts zu sehen. Die Band wollte ich kennenlernen und fand dann insbesondere den Song “Blaze Some Hate” klasse. Aber dann hast du eigentlich Recht, ich habe mal in meiner iTunes Bibliothek nach “hate” gesucht und der Propaghandi Song kam raus. Es war schlussendlich eine Entscheidung zwischen drei Songs: Entweder “Hate, Myth, Muscle, Etiquette” von Propaghandi, “World Full Of Hate” von Sick Of It All oder “Wall Of Hate” von Killing Time.

Der Grund, warum wir uns für den Propaghandi-Song entschieden haben ist, weil er besser dazu passt, was wir gerne bei Cover Songs machen: Einen Song, der ganz und gar nicht nach uns klingt, nehmen und ihn mit unseren Ideen in einen Shai Hulud Song verwandeln. Und der Song war echt eine Herausforderung; aber auch ein Riesenspaß.

Ihr habt bei fast jedem Song einen Gast am Mikrofon dabei. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was ist Euer Verhältnis zu diesen verschiedenen Bands und Sängern?

Wie gesagt, wir hatten die Idee für diese Platte schon sehr lange. Wir haben mal mit Chrorus of Disapproval während ihrer Reunion gespielt. Ich bin ein großer Fan, also hab ich damals Sänger Isaac angesprochen. Und ich meinte zu ihm: “Hey, irgendwann mal, ich weiß zwar noch nicht wann, werden wir euren Song covern. Es wär klasse, wenn du dabei wärst.” Und das Tolle ist, er fand die Idee so gut, dass er all die Jahre mit uns in Kontakt geblieben ist und immer wieder nachgefragt hat, wann wir das Projekt endlich angehen.

Jesse von Stick To Your Guns: Unsere erste Tour mit ihnen hatte den Titel “How to power clean everything”. Der Grund warum er diesen Titel gewählt hatte war, weil er ein großer Propaghandi-Fan ist und er wusste, dass wir das auch sind. Er wusste, dass das ein cooles verbindendes Element wäre. Und als klar war, dass wir den Song machen, war klar, dass ich Jesse anrufen musste. Das war unser Ding. Wer ist noch dabei?

Bei “Sincerely Hated” haben wir Rachel von der Band Eths, die ich online kennengelernt habe, so wie so ziemlich jeder andere. Sie hat bei France’s Got Talent einen Death Metal Song gesungen (ein Video des Auftritts gibt es hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=yOD5mcMnfmI) und wir haben uns darüber kennengelernt. Sie hat unglaubliches Talent und ich wollte auf jeden Fall einen weiblichen Part auf der Platte haben.
Lustig am Rande: Kennst du den kanadischen Popstar Bif Naked?! Sie hatte in den 90ern einen großen Hit. Sie macht noch immer gute Sachen und eigentlich sollte sie bei “Sincerely Hated” dabei sein. Warum auch immer, aber sie liebt Shai Hulud, was echt großartig ist. Ich hatte sie gefragt und sie war eigentlich dabei, aber dann kam was dazwischen.

Andrew von Comeback Kid ist ein guter Freund von uns. Er hat eine wahnsinnige Stimme, die einen guten Gegensatz bildet. Matt Mazzali, unser Sänger damals, hat eine tiefe, angepisste Stimme. Andrew klingt mehr nach Punk Rock, melodischer. Für “A Profound Hatred Of Man” haben wir Big Chad, der früher bei Strongarm Bass gespielt hat. Er hatte bereits alle Backups auf “Hearts Once Noourished” gemacht. Also haben wir ihn angerufen und gefragt, ob er einfach alles noch mal machen will.

Und wer noch? Ach ja, Shawna von War On Women. Ich wollte einfach auch einen weiblichen Teil auf der Platte haben und sie hat eine tolle Einstellung zu vielen Dingen. Ich dachte mir, sie bei diesem Song “Just Can’t Hate Enough” schreien zu lassen, bringt eine interessante neue Perspektive hinein. Heute ist es nichts Außergewöhnliches mehr, eine Frau in einer Hardcore Band zu haben, und ich wollte, dass es auch auf unserer Platte so ist. Weißt du, Gastsänger dabei zu haben ist immer eine spaßige Sache. Wir haben das ein bisschen auf “Reach Beyond The Sun” gemacht, aber bei dieser Platte geht es nur darum Spaß zu haben. Das ganze Ding soll einfach nur Spaß machen. Und das ist die beste Art von Platte, um alle deine Freunde dabei zu haben.

Die Platte ist bei No Sleep Records rausgekommen (mit einer exklusiven Vinyl Farbe für Revelation Records). Heißt das, Shai Hulud sind nicht mehr auf Metal Blade?

Nein, wir sind auf jeden Fall noch bei Metal Blade. Wenn du auf die Platte guckst, ist sogar deren Logo drauf. Wir wollte diese kurze, spaßige EP machen und ein Label, das so groß ist wie Metal Blade, macht normalerweise keine EPs. Also haben wir gefragt, sie haben zugestimmt und sie meinten: “Sucht euch ein Label, mit dem ihr das Ding machen wollt.” Ich kann dir natürlich nichts versprechen, aber wir sind noch auf Metal Blade. Sogar hier auf Tour, nehme ich ein paar Demosachen auf und wir schicken es ihnen, damit sie sich ein Bild machen können, wie die nächste Platte wird.

Wann kommt die Platte raus?

Mein Ziel ist, zum Ende des Jahres aufzunehmen. Das ist ein echt ehrgeiziges Ziel, nicht nur weil ich echt schnell frustriert bin, wenn ich Songs schreibe. Es gibt mache Bands, die klingen, als würden sie jedes Mal, wenn sie eine Gitarre in die Hand nehmen, einen Song bis zum Ende schreiben. Das passiert mir vielleicht einmal in 50 Songs. Ich drehe jede Note, jedes Wort dreimal um, bevor ich fertig bin. Aber ich denke, wenn wir konzentriert arbeiten bis Dezember, sollten wir Ende des Jahres beginnen können aufzunehmen. Ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich hoffe, dass ein neues Shai Hulud nicht später als nächstes Jahr rauskommt.

Was ist die bemerkenswerteste Erfahrung, die du in den 20 Jahren mit Shai Hulud gemacht hast?

Oh, ich denke die Antwort ist ganz einfach: Seit dem ersten Mal, das Erlebnis, wenn jemand mitsingt. Das erste Mal war in unserer Heimatstadt. Wir haben in Pompano Beach tausendmal vorher gespielt und es hat quasi niemanden interessiert. Dann hatten wir endlich eine Platte und die Leute kannten unsere Songs. Ich erinnere mich an Little Chad, der damals für uns gesungen hat. Zwei Leute kamen und haben sich das Mikro geschnappt. Er hat sich zu mir mit offenem Mund umgedreht und nur die Worte “oh my god” geformt. Das war das erste Mal, dass wir das erlebt haben und völlig verrückt für mich.

Und dann passierte das in New York, in New Jersey, in Kalifornien. Und dann wurde es verrückter und die machten das in Deutschland, in Holland… Nicht nur haben sie in Holland mitgesungen, nein wir haben sogar einen Sänger gefunden, der alle Songs kannte. Das war eine beeindruckende Erfahrung. Und dann ging es so weiter in Australien, in Singapur, in Hong Kong, in Japan. Ich kriege noch immer Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Wir haben nicht die größte Fanbase der Welt, aber es gibt nicht ein Land, das wir je gespielt habe, wo nicht zehn, oder sagen wir wo nicht wenigstens einer war, der die Texte konnte. Das ist für mich verdammt großartig. Und ich werde das niemals für selbstverständlich nehmen. Vielleicht ist das für manch anderen nicht so, aber für mich ist das gigantisch.

Was kommt als nächstes? Was ist Dein Endziel mit Shai Hulud?

Das ist eine großartige Frage! Ich denke, die nächsten Ziele sind immer die gleichen: Weiterhin großartige Musik und Texte, die etwas aussagen wollen, zu schreiben. Ich bin mir sicher, dass Shai Hulud niemals eine schlechte Platte rausbringen werden. Klar, manche mögen die eine Platte mehr als die andere. Aber es gibt keine Platte, die mir heute peinlich wäre. Nicht eine. Shai Hulud werden niemals eine schlechte Platte schreiben, denn die Musik kommt immer aus unseren Herzen ohne einem der aktuellen Trends hinterher zu jagen. Sie ist immer ehrlich. Eines unserer Ziele ist, genau das weiterzumachen.

Wenn ich etwas weiter denke, ist es so, dass Zeit in Shai Hulud zu investieren, jetzt, wo wir älter werden, leider mehr Geld benötigen als früher. Ein Ziel ist also, es zu schaffen, dass Shai Hulud finanziell auf besseren Füßen steht, ohne Kompromisse! Keine Kompromisse in der Musik, niemals. Haben wir nie gemacht und werden wir nie machen. Ich geh lieber pleite, ich würde eher die Band auflösen. Aber wie schaffen wir das, die Band auf sicherere Füße zu stellen? Ich weiß es nicht. Weniger touren? Mehr touren? Schwer zu sagen, aber es wird schwieriger so weiterzumachen, wie wir es die letzten 20 Jahre gemacht haben. Finanziell hängt einfach zu viel dran.

Nebenbei, und das klingt jetzt komisch, wo wir das doch seit 20 Jahren machen und bis zu einem bestimmten Level gekommen sind, aber nie darüber hinaus. Um es ehrlich zu sagen, sind wir lange nicht mehr da, wo wir mal waren. Aber, ich will größer werden. Mir ist Shai Hulud zu wichtig, ich habe mich in der Vergangenheit gescheut, so etwas zu sagen, denn ich bin ein bescheidener Mensch. Wenn ich auf etwas stolz bin, gebe ich es normalerweise nicht zu, interessiert eh keinen. Aber, scheiß drauf: Ich liebe Shai Hulud. Shai Hulud ist eine großartige Band. Ich liebe die Musik, die wir machen, ich liebe die Texte, die wir schreiben, ich liebe, was die Musik bei anderen auslöst.

Diese Band ist viel zu machtvoll, um so beschränkt zu werden, wie wir es gerade sind. ich weiß nicht, ob die Hardcore Community, die Metal Community, die Metal Industrie, die Plattenfirmen, die Leute, die Shai Hulud nicht mögen, ich weiß nicht, ob all diese Leute es zulassen werden, dass Shai Hulud größer werden, als wir es gerade sind. Aber ich werde dafür jeden Schritt kämpfen. Ich bin jetzt 42, ich lebe noch wie ein Jugendlicher, trage jetzt und hier Superman-Unterwäsche. Man wird mir meine Hoffnung und meine Träume nicht zerstören.

Diese Band ist viel zu gewaltig, als dass ich sie nicht so weit wie möglich bringen will. So abgedroschen das nach 20 Jahren klingt, aber das wird immer mein Ziel bleiben.

Hier unsere Fotos von der Hamburg-Show:

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ENGLISH VERSION

Standard opening question for any interview on tour: How is the tour going?

So far great. We came over a bit sick, we had quite a long trip: We flew Turkish Airlines, so we flew past Germany to Istanbul, that was about 13 hours. We had a couple of hours layover and then another three hours to Germany. This was the longest one way trip I’ve ever taken.
So, we had a full day of traveling and I think the first show in Essen may have suffered a little because of that. We were all wrecked. But then I was actually surprised how quickly things improved the next night. And even Essen wasn’t bad, but it was definitely a band’s first show after a full day of traveling.

Hulud is again part of a rather unusual package tonight and the next weeks supporting Funeral For A Friend; what reactions do you expect?

I truly don’t know. I’ve heard a lot of people on the internet say that the fanbases of the two bands , Funeral For A Friend and Shai Hulud, are so different, that a lot of what we do will maybe lost on some of their fans. You know, all you can do is put on the best show.
Any time I see someone who doesn’t look interested, I point at their face and I scream words at them and, at some point in the set, they crack a smile. And at some point, they feel a little more open to what they are seeing. And, that’s really the best I can do. Whether or not that translates into a merch sale, checking is out online or even remembering the name five minutes after we played, I don’t know.

You will play each venue two nights in a row. Funeral For A Friend will play their first two albums entirely, one each night. Do you plan a similar concept for the Hulud setlist?

In theory, we would have. I don’t know what I should admit, but at this point it’s no secret. You know, we’ve had so many different singers… When this tour was offered to us last year, we had Matt Mazzali in the band, who sang on “Misanthropy Pure”. He came back and did our new EP, “Just Can’t Hate Enough x2”. And that was our plan: We were going to do not necessarily a full album, but we were going to do two entirely different sets. Because with him in the band, we had enough songs between all of us that we could do that.
He told us that he could not do the tour roughly about 6 weeks before we were to leave. It was frustrating as it always is. We struggled to make sure we found a suitable replacement. His name is Matt Carlock. He is a singer songwriter guy from New Jersey. He used to be in a hardcore band and he came in very late in the game and kicked a lot of ass to learn as many songs as he could. He’s got now 11 songs that span from the beginning till now. So that being the case, there’ll be a couple of nights where we’ll play a couple different songs, but it’s certainly not an entirely different set. Not the way that we had intended. But, if the person who had agreed to do the tour, would have done the tour, then our set would have been much different than it is now. And that’s just a fact.
It’s difficult to count on people. And you begin to trust people and their words less and less in the coming years, the more experiences you have like that.

Who is in the touring Shai Hulud this time?

Well, we’ve got grandpa, me. My name is Matt Fox, I’ve been playing guitar since ‘95.
On vocals, like I said, we have a guy named Matt Carlock. He’s not in the band, he’s just filling in. And he’s doing really a killer job and, I mean, everybody who sees him thinks so. And I’m thankful for that.
On base guitar, it’s an interesting story, because our long time bass player and collaborator in Shai Hulud is, who you probably know, a guy named Matt Fletcher. He is still in the band. He and I wrote the EP that we’ve just released and we are already starting to contribute to another album. But it got to a point in his life where he just couldn’t afford to do it anymore. He got a full time job, he got a wife. So there’s no opportunity for Matt Fletcher to tour full time anymore. So, in his stead we have our friend Justin Albright, who played in a death metal band called Diskreet. He has been playing with us since last summer.
We have my friend Stefan Hojnacki who lives about two blocks away from me. He works in a music store. And I just happen to ask a friend of his if he knew anyone, because we needed a guitar player. He also is not in the band, but learned the songs pretty quickly to come in. He’s never been to Europe before, so he wanted to play with us and he wanted to experience Europe.
And then our drummer we’ve had for about a year now. His name is Moe Watson really a killer drummer. And hopefully he’ll be with us for a long time. I say hopefully, because I simply cannot make any promises for any other people. But, he is already a part of the creative process for the next record.

Shai Hulud and its members is basically an ongoing riddle and never-ending story. Do you know the exact number of all band member ever associated to Shai Hulud?

No, definitely not. I know, there’s a wikipedia page…

…that lists in total 44 current and former band or touring band members; and most likely there’s missing one or another.

It’s such a foolish thing. You know, I don’t go Shai Hulud’s wikipedia page, but I’ve definitely seen it before. There were members from other bands that filled in for a show. For whatever reason we had a drummer and this guy couldn’t do it, so this guy filled in and it has him listed. That’s not accurate.
I would consider you a member if you’ve contributed and played on a record. So, we’ve had far less than 44, less than half of 44.
I mean, does Black Sabbath count Rob Halford as a member, because he filled in for a couple of shows when Ozzy was sick? No. So, if you leave it up to people to create your band’s history, you get a lot of dumb shit.

I believe, the main input on songwriting is yours; but what about second guitars and bass lines and, above all, drums? How do you tackle song writing and recording with such a constantly changing line up?

To me, that’s not difficult at all. I write mostly the first draft of songs by myself. I piece it together and then I show it to people. What some people might not know, is that I really love collaborating with other people. One thing that’s always been some kind of a problem to me in songwriting is that I have too many ideas. And, I like working with somebody else, because I can bounce these ideas off them and they can put their input in and I finally get to the end result much sooner. If it’s on my own, I have five different ideas for each section and it gets to be too much.

I probably see that: In “That Within Blood Ill-Tempered”, where there’s much from you and “Reach Beyond the Sun” was a little more input from others? I think, that record is a little more straight forward.

No, no… I mean, we can touch on that in a second, but as far as with different members… It comes down to this, I don’t know how to say it, it makes me sound like I’m the director of a movie, but I guess that’s what it is. Everybody is welcome to throw in ideas; and especially if it is a new person that has a new take. For example the new guy singing, Matt, he sings and he writes his own songs and he does more like singer songwriter folk stuff. He and I were working on what I think will be the first song on the next Shai Hulud album and he had a very cool take on something that I had. I’ll ask anybody, if I’m writing songs. I’ll ask you, I’ll ask my friends. All it does is give my output a different color, which is always nice.
I don’t know, if you want me to comment on “Blood Ill-Tempered” and “Reach Beyond the Sun”?!

Go ahead!

“That Within Blood Ill-Tempered” was a really interesting record for Fletcher and I. A band comes out and they get a fanbase, people like some of the stuff, all of a sudden, these guys are “brilliant”. It usually isn’t true and it certainly wasn’t true with us. We were never, we weren’t brilliant. I think “Hearts once nourished” at best is maybe cool and maybe different than what else was coming out at the time. But it wasn’t brilliant.
“Blood Ill-Tempered” was the first time, where we really, as corny as it sounds, we really wracked our brains and our hearts to try to write the smartest, the most emotional effective music, that we could write. And, the craziest thing about that record is that I think we’ve succeeded. I remember Fletcher and I talking about it. When we’ve written the song “Consumate Dragon”, we said “some of this stuff sounds like a movie soundtrack”. We were really proud that we had transcended typical hardcore and moved into a different arena. “Blood Ill-Tempered” may be some of my favorite content we’ve ever done.
“Reach Beyond the Sun” is really a response to “Misanthropy Pure”, which was also a response to “That Within Blood Ill-Tempered”. We loved the content of “That Within Blood Ill-Tempered” but were very unhappy with the recording. The studio that we were recording it at didn’t allow us or encourage us or help us to take the time to record parts differently, to use different sounds, to try different amps. We wanted that album to be as dynamic as the music was. And we weren’t given that opportunity. At the very last minute in the studio, while mixing, we threw on some effects. And that’s about as dynamic as it got.
So, for a lot of reasons the album didn’t come out to be as – for lack of a better term – aggressive and heavy as it’s supposed to be. And that’s supposed to be a very angry and pissed off record.
So, to get to “Reach Beyond the Sun” we have to first talk about “Misanthropy Pure”, because that was a response to the fact that “That Within Blood Ill-Tempered” was not “heavy” or “aggressive”.

And “Misanthropy Pure” is?!

That’s exactly what we did: “oh, you don’t think we’re a heavy band? ok, here’s this, motherfucker!”
Particularly there was an English magazine that said that “That Within Blood Ill-Tempered” was an emo record. We said “really? ok?! we’ll show you how an emo band sounds like! here’s ‘Misanthropy Pure’!” I don’t know if you’ve noticed, but even the time in between songs is like a second or two. Because we wanted one song to stop and then: BAMM; another one that punched you right in the face. We wanted the album to be exhausting at the end.
So with “Reach Beyond the Sun”, it was a response to that. We wanted it to be much more organic. We also put too many tricks into “Misanthropy Pure”. To be honest, the guy who produced it and myself, we were left in the studio by ourselves, Matt Fletcher wasn’t there, who tends to like things a little more straight forward than I do. So, since he wasn’t there, we played around a lot and we made changes, and we used weirder notes and we used different time signatures. So when Matt Fletcher heard the end of the song, he said: “It’s cool. It’s not what we wrote, originally. And you’re sure, you want to do that?”
So, forgive me for talking too much, but “Reach Beyond the Sun” was a response to that. We wanted something that was calmer, still aggressive, but very organic and something that can be played live by the guys in the band. A lot of songs on “Misanthropy Pure” would be pretty impossible to replicate exactly live. So, that’s the evolution of the sound between those records.

“Misanthropy Pure” is a good key word. Misanthropy and hate has been a main theme of many Shai Hulud songs lyrically.

Unfortunately.

Looking at the lyrics however, there’s always a glimpse of hope (see for example the title tracks „Misanthropy Pure“ or „Reach beyond the sun“). So what is the ultimate message? Misanthropy & hate? Or eventually love & hope?

If you are asking me what the ultimate message is: Love and hope, absolutely. It always has been.
And I think, we stated it in the beginning, but it probably wasn’t as clear as it is now. Even in one of our first songs “A Profound Hatred Of Man”, which is almost like the theme song for our band, it says: “All I ever hoped for and been deprived of.
I have very harsh feelings, a lot of people do. You know, sometimes I feel like, everyone feels like “oh, I could kill somebody”. And sometimes I’ve even written a song about that. Even the song “A Profound Hatred Of Man” starts off with “if these hands would only kill”. Because I do not have it in my heart to put out music and lyrics particularly that somebody could read and say: “Hah! Maybe murder is an answer!” Do I think that anything would happen? No, of course not. But it would make me unhappy as a person to possibly give that message to someone else.
So, just to repeat myself: It’s very important to state that Shai Hulud is 100% about love and hope, but by getting to love and hope you have to navigate through all the selfishness, insincerity, often seemingly intentionally cruelty of people. You have to navigate through all of that effectively to achieve love and hope. And that sums us up best.

Your newest output is entitled „Just Can’t Hate Enough x 2 – Plus Other Hate Songs“. Already the title sounds like there’s a concept behind it. Tell me something about the concept and development of this record. (Full stream of the record available here: https://soundcloud.com/nosleeprecords/sets/shai-hulud-just-cant-hate)

Yeah there are hate songs. But only, because there’s “hate” in the title. You know, take the song “Colder Than A Cold World” – I think you saw what we did? We highlighted the letters HAT-E in the title. But, “Colder Than A Cold World” has got to be one of the most beautiful songs, lyrically, I think, that we have. (full song & lyrics: https://soundcloud.com/nosleeprecords/colder-than-the-cold-world )
It’s about what a man is and what a man should be, as far as “should be” being kind and less angry. And same thing goes for a woman, what an angry woman is, and what a woman should be, which is kind and generous, the same way than a man should be. And the whole song talks about not how we are colder than a cold world, but it asks a question: Why should tender hearts be, why should they ever be colder than a cold world? They shouldn’t be.
So that’s about as much a hate song as “Dancing Queen” by Abba is; not a hate song at all.
And “Sincerely Hated”, is it really a hate song? I mean, it’s got the word hate in the title, but all it really talks about is being shunned and being pushed aside and being disliked or hated, because you feel the need to let people know how things actually are. And, I think it’s a shame, that the reaction to telling the truth is often so negative. But, even with “hated” in the title, I just can’t consider “Sincerely Hated” in seriousness a hate song. I can’t consider any of Shai Hulud’s songs hate songs, because they all come from such a warm place.
I like to joke around and call the release “Plus hate songs” and I like to have “Sincerely Hated” on the merch, but at Shai Hulud’s core, it’s a very warm and loving band.
One last thing, that I’ll say, is in the song “Misanthropy Pure”, it talks about the reasons we hate. And one of the last lines of the song, I think it really sums it up best, where it says, and I’m paraphrasing: “but there’s a conflict in your chest, because we’re concerned for the needs of these shitty, bastard people. We don’t like them, we don’t want to be a part of them and it’s such a conflict, because we are all brothers and sisters and we are all human beings, that we are also concerned with these people.” And that’s, I think, the true nature of a warm and compassionate person.

How did you chose the cover songs? Did you simply pick all songs with the word „hate“ in the title from your iTunes library?

Hahaha. You’re partially correct.
We always wanted to cover “Just Can’t Hate Enough” by Sheer Terror and Chorus of Disapproval. We’ve had this idea for over ten years, you know?! We’ve had the song “Sincerely Hated” for so long. And it almost made it onto “Reach Beyond the Sun”. But we said no, we have to do “Just Can’t Hate Enough x2”.
“Blaze Some Hate” I’ve wanted to cover since I’ve first heard it when I was 15. You know, because Kreator would always wear Excel shirts. And I loved Kreator, so I would see Excel shirts and say “what is this band?” and I went and found Excel and I fell in love particularly with the song “Blaze Some Hate”.
But then you’re correct, I did search my iTunes library for “hate” and the Propaghandi song came up. It was a cross between three songs: We would either do the Propaghandi song “Hate, Myth, Muscle, Etiquette”, or “World Full Of Hate” by Sick Of It All or “Wall of hate” by Killing Time. The reason we chose the Propaghandi song was, because it’s more in line with what we liked to do with covers: Taking covers that don’t sound like us and putting our own ideas in it and really making it our song. And that one, that song was a real challenge. A lot of fun, though.

You have guest vocalists on almost every song of the EP. How did you come up with these collaborations? What’s your relation to all these different bands?

Like I said, we’ve the idea for this EP for a long time.
We did a show where Chorus of Disapproval had reunited. I’m a big fan of Chorus of Disapproval, so I went up to the guy, Isaac, introduced myself and he was a hell of a lot friendlier than I expected. And I said “Hey, at some point, I don’t know when, we are going to cover your song. I would love to have you on it.” And what’s great is, that he was so interested, he stayed in touch with me for years, before we were even ready to record this thing: “Hey, when are you doing that song?” So, he was very excited to be a part of it, and I was excited to have him.
To have Jesse from Stick To Your Guns: When we did our first tour with them, the tour was called “how to power clean everything”. And the reason he chose that is because he’s a huge Propaghandi fan and I’m also a huge Propaghandi fan, we are, Shai Hulud. So he knew that and that would be a cool thing to bond over. Because of that, when we decided to do that song, in my head I said: “I have to call Jesse.” Because that was our thing.
Who else is on there? On “Sincerely Hated”, oh that’s a really interesting one: On “Sincerely Hated” we had Rachel from the band Eths, who I just happened to meet online the same way like everyone else got acquainted with her. She was on France’s Got Talent and, where she did Death Metal vocals (a video of that performance is available here: https://www.youtube.com/watch?v=yOD5mcMnfmI) and we met that way. And we’ve just been friends. I just think, she’s an immense talent and I really wanted to have a female presence on this record.
Here’s a little side note: I don’t know if you know the Canadian pop star Bif Naked?! She had a big hit in the 90s. She’s still around and she does a lot of good stuff. She was supposed to be on the song “Sincerely Hated”. She loves Shai Hulud for whatever reason, which is awesome. I had asked her, she was onboard, but something happened and she couldn’t be a part of it.
Andrew from Comeback Kid we’re just great friends with. He’s got a killer voice and he is contrary. Matt Mazzali, our singer at that time is very low and pissed. And Andrew is more punk rock and melodic.
On “Profound hatred of man” we just asked Big Chad, who used to play bass for Strongarm, because he did all of the backups on “Hearts once nourished”. So we called him and said “you just want to do it again?”
And, who else? Oh, Shawna from War On Women, again, I really wanted to have a female presence on the record. And she’s got so many great strong opinions. I thought having her on that song, a female perspective of screaming “Just Can’t Hate Enough”, would bring a nice new angle to it. It’s not a novelty for women to sing in hardcore bands now, now it’s just as basic as having a man do it. I wanted it to be prevalent on our recording, too.
You know, having guest vocalists is always a lot of fun. And we did a little bit on “Reach Beyond the Sun”. But on this record, the whole record is just about fun. The whole thing is supposed to make you smile and enjoy everything. And that’s the best kind of record to have your friends participate in.

You’ve released the record on No Sleep Records (with a vinyl exclusive color for Revelelation Records). Does this mean Shai Hulud is not on Metal Blade Records anymore?

No, we are still very much on Metal Blade. And if you look on the record, it’s even got a Metal Blade logo. They approved it.
We wanted to do this short, fun EP and a record label as big as Metal Blade doesn’t typically do EPs. So we asked them and they let us do it. They said: “Pick the label that you want to do it on.” And, as of right now, again I can’t promise anything, but we are still on Metal Blade. I’m demoing out songs on this tour and I’ll be sending them to them, so they can hear where we’re going for the new album.

When will it be released?

My goal is to record it by the end of the year.
That’s a very ambitious goal, because not only do I get frustrated easily, when I’m writing. You can hear some bands that just write a song like they pick up the guitar and they finish the song. That happens to me once every 50 songs. For me, I tend to slave and focus over every note and every word.
But I feel, if I work hard from now consistently until December, we should be able to start recording by the end of the year. I couldn’t say for sure, but I’m really, really hoping that a new Shai Hulud album will not be later than next year. Which will only be 1 year less than our typical turnaround time, which is 5 years.

What are your most remarkable experiences being in and touring with Shai Hulud in the past 20 years?

I think it’s a very simple answer and a short answer:
From the first time that somebody came up to sing along. The first time that happened was in our hometown. We played Pompano Beach millions of times and nobody cared. Then, when we finally had a record out and people knew the songs, I remember, Little Chad, who used to sing for us. Two people grabbed the mic from him and he turned around to me and he goes like with his mouth open like “oh my god”. And that was the first time ever I’d ever seen that. That was crazy for me.
And then we started seeing that in New York, in New Jersey, in California. And then it got even crazier, they did it in Germany, they did it in Holland… Not only did they do it in Holland, we found a singer that knew all the songs in Holland. That’s a remarkable experience. And then they did it in Australia, they did it in Singapore, they did it in HongKong, they did it in Japan. I’m getting chills thinking about it.
We don’t have the biggest fanbase in the world, but there’s no country we’ve ever been to, where there wasn’t maybe even ten, or let’s say one, where there’s wasn’t one person that didn’t know the words from the song.
That, to me, is really fucking remarkable. And, I can never take that for granted. That’s a pretty humongous thing, for me. Maybe not for somebody else, but for me it was.

What’s next? What your ultimate goal to achieve with Shai Hulud?

That’s a really great question.
I think, the immediate goals are always the same: to keep writing great music and lyrics that mean something. I’m so confident that Shai Hulud would never put out a bad album. Sure, some people like this album better than others. But there’s not one record that I’m embarrassed of. Not one. Shai Hulud will never write a bad album, because it always comes from the heart. It’s always honest.
None of the records have any of the trends of the moment. You know, there’s no southern rock riff, there’s no – as much as I love In Flames – there’s no album that sounds like In Flames, you know what I mean?! No matter what the trend was, you don’t find it on a Shai Hulud album. So Shai Hulud will never write a bad album, because it always comes from the heart. It’s always honest.
One of our forever-goals is to just keep doing that.
Thinking bigger, as we get older, investing time in Shai Hulud, unfortunately now requires more money than it did before. So, a goal is to make Shai Hulud more sustainable, without – in big capital letter – WITHOUT compromise. No compromise in the music ever. Never. Never has been, never will be. I’d rather go broke. I’d rather disband the band.
But to make things more sustainable, how to do it? I don’t know. Touring less? Touring more?
It’s hard to say. But to make Shai Hulud more sustainable, we couldn’t function as we have in the past 20 years. There’s too much on the line financially.
And, aside from that, ultimately, which it sounds crazy to say, because we’ve been at it fro 20 years and we got a certain level and we didn’t go past that level, in fact we sank far below it. You know, I want to get bigger. I feel too strongly about Shai Hulud and I’ve been really hesitant to say things like this in the past, because you know I am a humble person. If I’m ever proud of something, I don’t like to admit it, because I feel like “ahh… noone needs to hear that”… But fuck that. I love Shai Hulud. I think Shai Hulud is a great band. And I love the music we write, I love the lyrics we write, I love the way it makes people feel. I feel that the band is too powerful to be as contained as it is.
I don’t know that the hardcore community, the metal community, the metal industry, the record labels, the people that don’t like Shai Hulud, I don’t know that any of these people will allow Shai Hulud to get any bigger than it is, but I’m going to keep fighting them every step on the way. Because, again, I’m 42 now and still living like a kid, I’m wearing Superman underwear right now, you know, you’ll never smash my hopes, you won’t crush my dreams.
The band is too powerful to not bring it as far as it can go. Again, as corny as it sounds, after 20 years, that will always be part of my goal.

“Misanthropy Pure” ist ein gutes Stichwort: Misanthropie und Hass sind die Themen vieler Shai Hulud Songs.Leider, ja.Wenn man sich die Texte allerdings genauer anschaut, gibt es immer auch einen Hoffnungsschimmer (wie z.B. in den Titelsongs von “Misanthropy Pure” oder “Reach Beyond The Sun”). Was ist jetzt also die ultimative Message? Misanthropie und Hass? Oder schlussendlich Liebe und Hoffnung?Wenn Du mich so fragst: Liebe und Hoffnung, ganz klar. Immer gewesen. Ich glaube, wir haben das bereits am Anfang, wenn auch vielleicht nicht so eindeutig formuliert. Sogar in einem unserer ersten Songs “A Profound Hatred Of Man”, was ja fast so etwas wie unser Titelsong ist, heißt es: “All I’ve ever hoped for and been deprived of.” Manchmal habe ich sehr harsche Gefühle, so wie die meisten Menschen. Manchmal denke ich “oh man, jetzt könnte ich echt jemanden umbringen”. Und manchmal schreibe ich einen Song darüber. Sogar “A Profound Hatred Of Man” beginnt mit der Zeile “if these hands would only kill”. Ich könnte aber keinen Song und insbesondere Texte schreiben, die jemand lesen und daraus schließen könnte, dass jemanden umzubringen tatsächlich die Antwort wäre. Glaube ich, dass so etwas passieren würde? Nein, natürlich nicht. Aber es würde mich selbst unglücklich machen, eine solche Botschaft an jemanden anderen zu geben.Um das also klarzustellen: Shai Hulud geht es zu 100 Prozent um Liebe und Hoffnung als Botschaft. Aber um dahin zu kommen, muss man sich erst durch all den Eigennutz, die Unaufrichtigkeit, oft bewusste Grausamkeit von Menschen kämpfen. Du musst all das verarbeiten, um schlussendlich zu Liebe und Hoffnung zu kommen. Das fasst es ganz gut zusammen.Eure neuste Platte heißt "Just Can't Hate Enough x2 - Plus Other Hate Songs". Der Titel klingt schon mal nach einem Konzeptalbum. Erzähl mal ein wenig über die Idee dahinter und die Entstehung der Platte. (die Platte gibt’s hier im Stream: https://soundcloud.com/nosleeprecords/sets/shai-hulud-just-cant-hate)Ja, da sind Hate-Songs. Aber nur, weil sie das Wort “Hate” im Titel haben. Nimm z.B. den Song “Colder Than A Cold World” - du hast gesehen, was wir gemacht haben? Die Buchstaben HAT-E sind im Titel auf dem Cover hervorgehoben. Aber, “Colder Than A Cold World” ist vom Text her einer der schönsten Songs, die wir geschrieben haben. (Song & Lyrics: https://soundcloud.com/nosleeprecords/colder-than-the-cold-world)Es geht darum, wie ein Mann ist und wie er sein sollte, also gütig und weniger wütend. Und das gleiche gilt für eine Frau, wie eine wütende Frau ist und wie eine Frau sein sollte, nämlich gütig und großherzig, so wie es ein Mann sein sollte. Der ganze Song handelt davon, wie wir eigentlich noch kälter sind, als die Welt um uns herum, aber er stellt die Frage: Warum müssen mitfühlende Menschen eigentlich überhaupt noch kälter sein als die Welt um sie herum? Das sollten sie nicht.Du siehst, das ist ungefähr genauso ein Hate-Song wie “Dancing Queen” von Abba. Und “Sincerely Hated”, ist das wirklich ein Hate-Song? Klar, auch der hat das Wort im Titel, aber es geht darum, wie man schnell man gemieden und ins Abseits gestellt oder gehasst wird, wenn man die Menschen wissen lässt, wie die Dinge wirklich sind. Ich finde es beschämend, dass die Reaktionen darauf, wenn jemand die Wahrheit sagt, oft so negativ sind. Aber, obwohl das Wort “Hated” im Titel steht, kann ich “Sincerely Hated” nicht allen Ernstes als Hate-Song bezeichnen. Ich kann keinen einzigen Shai Hulud Song als Hate-Song bezeichnen, denn alle entstehen aus Warmherzigkeit.Ich finde es lustig, der Platte den Titel “Plus Other Hate Songs” zu geben oder “Sincerely Hated” auf unseren Merch drucken zu lassen, aber im Kern ist Shai Hulud eine warmherzige Band. Eine letzte Sache kann ich noch zu unserem Song “Misanthropy Pure” sagen, in dem es um die Gründe für Hass geht. Eine der letzten Zeilen im Text fasst es wohl am besten zusammen: Wir tragen diesen Konflikt in unserem Herzen, dass wir uns trotzdem um diese beschissenen Menschen sorgen. Wir mögen sie nicht, wir wollen kein Teil von ihnen sein, aber auf der anderen Seite sind wir alle Brüder und Schwestern, so dass wir uns auch um diese Menschen sorgen. Und das ist für mich der wahre Kern eines mitfühlenden Menschen. Wie habt ihr die Cover Songs ausgewählt? Hast du einfach in Deiner iTunes Bibliothek nach allen Songs mit dem Wort “Hate” im Titel gesucht?(lacht) Zum Teil schon. Wir wollten schon immer “Just Can’t Hate Enough” von Sheer Terror und von Chorus of Disapproval covern. Wir hatten diese Idee seit über 10 Jahren. Auch den Song “Sincerely Hated” hatten wir schon seit Jahren. Er hatte es beinahe auf “Reach Beyond The Sun” geschafft, aber wir wollten ihn unbedingt für “Just Can’t Hate Enough x2” haben.“Blaze Some Hate” wollte ich covern, seitdem ich ihn das erste Mal mit 15 gehört habe. Kreator haben damals immer Excel Shirts getragen. Ich liebte Kreator, also bekam ich ständig Excel Shirts zu sehen. Die Band wollte ich kennenlernen und fand dann insbesondere den Song “Blaze Some Hate” klasse. Aber dann hast du eigentlich Recht, ich habe mal in meiner iTunes Bibliothek nach “hate” gesucht und der Propaghandi Song kam raus. Es war schlussendlich eine Entscheidung zwischen drei Songs: Entweder “Hate, Myth, Muscle, Etiquette” von Propaghandi, “World Full Of Hate” von Sick Of It All oder “Wall Of Hate” von Killing Time. Der Grund, warum wir uns für den Propaghandi-Song entschieden haben ist, weil er besser dazu passt, was wir gerne bei Cover Songs machen: Einen Song, der ganz und gar nicht nach uns klingt, nehmen und ihn mit unseren Ideen in einen Shai Hulud Song verwandeln. Und der Song war echt eine Herausforderung; aber auch ein Riesenspaß.Ihr habt bei fast jedem Song einen Gast am Mikrofon dabei. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was ist Euer Verhältnis zu diesen verschiedenen Bands und Sängern?Wie gesagt, wir hatten die Idee für diese Platte schon sehr lange. Wir haben mal mit Chrorus of Disapproval während ihrer Reunion gespielt. Ich bin ein großer Fan, also hab ich damals Sänger Isaac angesprochen. Und ich meinte zu ihm: “Hey, irgendwann mal, ich weiß zwar noch nicht wann, werden wir euren Song covern. Es wär klasse, wenn du dabei wärst.” Und das Tolle ist, er fand die Idee so gut, dass er all die Jahre mit uns in Kontakt geblieben ist und immer wieder nachgefragt hat, wann wir das Projekt endlich angehen.Jesse von Stick To Your Guns: Unsere erste Tour mit ihnen hatte den Titel “How to power clean everything”. Der Grund warum er diesen Titel gewählt hatte war, weil er ein großer Propaghandi-Fan ist und er wusste, dass wir das auch sind. Er wusste, dass das ein cooles verbindendes Element wäre. Und als klar war, dass wir den Song machen, war klar, dass ich Jesse anrufen musste. Das war unser Ding. Wer ist noch dabei? Bei “Sincerely Hated” haben wir Rachel von der Band Eths, die ich online kennengelernt habe, so wie so ziemlich jeder andere. Sie hat bei France’s Got Talent einen Death Metal Song gesungen (ein Video des Auftritts gibt es hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=yOD5mcMnfmI) und wir haben uns darüber kennengelernt. Sie hat unglaubliches Talent und ich wollte auf jeden Fall einen weiblichen Part auf der Platte haben.Lustig am Rande: Kennst du den kanadischen Popstar Bif Naked?! Sie hatte in den 90ern einen großen Hit. Sie macht noch immer gute Sachen und eigentlich sollte sie bei “Sincerely Hated” dabei sein. Warum auch immer, aber sie liebt Shai Hulud, was echt großartig ist. Ich hatte sie gefragt und sie war eigentlich dabei, aber dann kam was dazwischen. Andrew von Comeback Kid ist ein guter Freund von uns. Er hat eine wahnsinnige Stimme, die einen guten Gegensatz bildet. Matt Mazzali, unser Sänger damals, hat eine tiefe, angepisste Stimme. Andrew klingt mehr nach Punk Rock, melodischer. Für “A Profound Hatred Of Man” haben wir Big Chad, der früher bei Strongarm Bass gespielt hat. Er hatte bereits alle Backups auf “Hearts Once Noourished” gemacht. Also haben wir ihn angerufen und gefragt, ob er einfach alles noch mal machen will.Und wer noch? Ach ja, Shawna von War On Women. Ich wollte einfach auch einen weiblichen Teil auf der Platte haben und sie hat eine tolle Einstellung zu vielen Dingen. Ich dachte mir, sie bei diesem Song “Just Can’t Hate Enough” schreien zu lassen, bringt eine interessante neue Perspektive hinein. Heute ist es nichts Außergewöhnliches mehr, eine Frau in einer Hardcore Band zu haben, und ich wollte, dass es auch auf unserer Platte so ist. Weißt du, Gastsänger dabei zu haben ist immer eine spaßige Sache. Wir haben das ein bisschen auf “Reach Beyond The Sun” gemacht, aber bei dieser Platte geht es nur darum Spaß zu haben. Das ganze Ding soll einfach nur Spaß machen. Und das ist die beste Art von Platte, um alle deine Freunde dabei zu haben.Die Platte ist bei No Sleep Records rausgekommen (mit einer exklusiven Vinyl Farbe für Revelation Records). Heißt das, Shai Hulud sind nicht mehr auf Metal Blade?Nein, wir sind auf jeden Fall noch bei Metal Blade. Wenn du auf die Platte guckst, ist sogar deren Logo drauf. Wir wollte diese kurze, spaßige EP machen und ein Label, das so groß ist wie Metal Blade, macht normalerweise keine EPs. Also haben wir gefragt, sie haben zugestimmt und sie meinten: “Sucht euch ein Label, mit dem ihr das Ding machen wollt.” Ich kann dir natürlich nichts versprechen, aber wir sind noch auf Metal Blade. Sogar hier auf Tour, nehme ich ein paar Demosachen auf und wir schicken es ihnen, damit sie sich ein Bild machen können, wie die nächste Platte wird.Wann kommt die Platte raus?Mein Ziel ist, zum Ende des Jahres aufzunehmen. Das ist ein echt ehrgeiziges Ziel, nicht nur weil ich echt schnell frustriert bin, wenn ich Songs schreibe. Es gibt mache Bands, die klingen, als würden sie jedes Mal, wenn sie eine Gitarre in die Hand nehmen, einen Song bis zum Ende schreiben. Das passiert mir vielleicht einmal in 50 Songs. Ich drehe jede Note, jedes Wort dreimal um, bevor ich fertig bin. Aber ich denke, wenn wir konzentriert arbeiten bis Dezember, sollten wir Ende des Jahres beginnen können aufzunehmen. Ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich hoffe, dass ein neues Shai Hulud nicht später als nächstes Jahr rauskommt.Was ist die bemerkenswerteste Erfahrung, die du in den 20 Jahren mit Shai Hulud gemacht hast?Oh, ich denke die Antwort ist ganz einfach: Seit dem ersten Mal, das Erlebnis, wenn jemand mitsingt. Das erste Mal war in unserer Heimatstadt. Wir haben in Pompano Beach tausendmal vorher gespielt und es hat quasi niemanden interessiert. Dann hatten wir endlich eine Platte und die Leute kannten unsere Songs. Ich erinnere mich an Little Chad, der damals für uns gesungen hat. Zwei Leute kamen und haben sich das Mikro geschnappt. Er hat sich zu mir mit offenem Mund umgedreht und nur die Worte “oh my god” geformt. Das war das erste Mal, dass wir das erlebt haben und völlig verrückt für mich.Und dann passierte das in New York, in New Jersey, in Kalifornien. Und dann wurde es verrückter und die machten das in Deutschland, in Holland… Nicht nur haben sie in Holland mitgesungen, nein wir haben sogar einen Sänger gefunden, der alle Songs kannte. Das war eine beeindruckende Erfahrung. Und dann ging es so weiter in Australien, in Singapur, in Hong Kong, in Japan. Ich kriege noch immer Gänsehaut, wenn ich daran denke.Wir haben nicht die größte Fanbase der Welt, aber es gibt nicht ein Land, das wir je gespielt habe, wo nicht zehn, oder sagen wir wo nicht wenigstens einer war, der die Texte konnte. Das ist für mich verdammt großartig. Und ich werde das niemals für selbstverständlich nehmen. Vielleicht ist das für manch anderen nicht so, aber für mich ist das gigantisch.Was kommt als nächstes? Was ist Dein Endziel mit Shai Hulud?Das ist eine großartige Frage! Ich denke, die nächsten Ziele sind immer die gleichen: Weiterhin großartige Musik und Texte, die etwas aussagen wollen, zu schreiben. Ich bin mir sicher, dass Shai Hulud niemals eine schlechte Platte rausbringen werden. Klar, manche mögen die eine Platte mehr als die andere. Aber es gibt keine Platte, die mir heute peinlich wäre. Nicht eine. Shai Hulud werden niemals eine schlechte Platte schreiben, denn die Musik kommt immer aus unseren Herzen ohne einem der aktuellen Trends hinterher zu jagen. Sie ist immer ehrlich. Eines unserer Ziele ist, genau das weiterzumachen.Wenn ich etwas weiter denke, ist es so, dass Zeit in Shai Hulud zu investieren, jetzt, wo wir älter werden, leider mehr Geld benötigen als früher. Ein Ziel ist also, es zu schaffen, dass Shai Hulud finanziell auf besseren Füßen steht, ohne Kompromisse! Keine Kompromisse in der Musik, niemals. Haben wir nie gemacht und werden wir nie machen. Ich geh lieber pleite, ich würde eher die Band auflösen. Aber wie schaffen wir das, die Band auf sicherere Füße zu stellen? Ich weiß es nicht. Weniger touren? Mehr touren? Schwer zu sagen, aber es wird schwieriger so weiterzumachen, wie wir es die letzten 20 Jahre gemacht haben. Finanziell hängt einfach zu viel dran.Nebenbei, und das klingt jetzt komisch, wo wir das doch seit 20 Jahren machen und bis zu einem bestimmten Level gekommen sind, aber nie darüber hinaus. Um es ehrlich zu sagen, sind wir lange nicht mehr da, wo wir mal waren. Aber, ich will größer werden. Mir ist Shai Hulud zu wichtig, ich habe mich in der Vergangenheit gescheut, so etwas zu sagen, denn ich bin ein bescheidener Mensch. Wenn ich auf etwas stolz bin, gebe ich es normalerweise nicht zu, interessiert eh keinen. Aber, scheiß drauf: Ich liebe Shai Hulud. Shai Hulud ist eine großartige Band. Ich liebe die Musik, die wir machen, ich liebe die Texte, die wir schreiben, ich liebe, was die Musik bei anderen auslöst.Diese Band ist viel zu machtvoll, um so beschränkt zu werden, wie wir es gerade sind. ich weiß nicht, ob die Hardcore Community, die Metal Community, die Metal Industrie, die Plattenfirmen, die Leute, die Shai Hulud nicht mögen, ich weiß nicht, ob all diese Leute es zulassen werden, dass Shai Hulud größer werden, als wir es gerade sind. Aber ich werde dafür jeden Schritt kämpfen. Ich bin jetzt 42, ich lebe noch wie ein Jugendlicher, trage jetzt und hier Superman-Unterwäsche. Man wird mir meine Hoffnung und meine Träume nicht zerstören.Diese Band ist viel zu gewaltig, als dass ich sie nicht so weit wie möglich bringen will. So abgedroschen das nach 20 Jahren klingt, aber das wird immer mein Ziel bleiben.Hier unsere Fotos von der Hamburg-Show:
Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, manchmal Interviews oder Reviews
Top-Alben Poison The Well - The Opposite Of December, Shai Hulud - That Within Blood Ill-Tempered
Die besten Konzerterlebnisse Have Heart, Edge Day 2009 - Boston

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