Interview mit The Dirty Nil

Interview mit The Dirty Nil

Punk oder doch nicht Punk? Und was ist überhaupt die Alternative? Selten hat sich eine Band derart gesträubt, als Punk-Band bezeichnet zu werden wie The Dirty Nil. Nun geht es allerdings nicht mehr anders, jetzt müssen sich David Nordi, Luke Bentham und Kyle Fisher (v.l.n.r.) immer und immer wieder dieser Frage stellen. Denn nach 18 Monaten Arbeit ist ihr Full Length-Debüt „Higher Power“ endlich auf dem Markt – und das klingt für die meisten eben wie ein Punk-Album!

Momentan seid ihr, was Interviews angeht, sehr eingespannt. Was mir dabei aber aufgefallen ist, ist, dass sie alle davon handeln, ob ihr denn nun eine Punk-Band seid oder eben nicht. Wie ist das so für euch, immer dieselben Fragen gestellt zu bekommen?

Luke: Es ist okay, noch nervt es nicht. Es ist ja verständlich, wenn die Hörer wissen wollen, wie wir uns sehen, wenn wir schon klar sagen, dass wir keine Punk-Band sind. Sie müssen dann nur eben auch verstehen, dass wir genau das nicht klarstellen wollen. Wir haben nicht vor, jemandem zu sagen, was The Dirty Nil für uns ist, weil wir niemanden diffamieren wollen, indem wir klarstellen, dass wir eben nicht das sind, wovon er so überzeugt ist, weißt du? Uns ist es egal, was die Leute von uns denken, wo sie uns nun einordnen wollen. Man soll sich einfach selber ein Bild machen, anstatt es sich vorgeben zu lassen.

Aber warum ist es denn dann trotzdem so wichtig für euch deutlich zu machen, dass ihr keine Punk-Band seid? Das widerspricht ja eigentlich dem, was du gerade gesagt hast.

Luke: Wir sagen, dass wir keine Punk-Band sind, weil wir es nicht sind. Aber nur, weil wir eine Richtung ausschließen, bestimmen wir ja trotzdem nicht darüber, wie andere The Dirty Nil interpretieren. Uns war von Anfang an wichtig, nicht in ein bestimmtes Licht gerückt zu werden. Wir finden es viel besser, wenn die Leute, wenn sie eine Platte von uns kaufen, nicht wissen, wo sie sie hinstellen sollen – angenommen natürlich, sie sortieren ihre Alben nach Genre. Und wenn wir jetzt so oft hören, dass es so vielen schwer fällt, uns irgendwie einordnen zu können, wissen wir, dass es geklappt hat, was wir wollten. Nichtsdestotrotz ist es aber noch immer eines der größten Komplimente, die man als Musiker bekommen kann, finde ich.

Obwohl ihr euch nicht als Punk-Band seht, habt ihr dennoch einen Song über eine Punk-Band geschrieben und zwar Hüsker Dü. Ihr sagt, ihr gehört nicht in dieselbe Schublade – haben sie euch trotzdem inspiriert?

Luke: In der Tat! Wie auch so ziemlich jede Band aus dem mittleren Westen. Aber gerade für eine sehr schnelle Dreimann-Band wie uns ist es unmöglich, jemals so wie sie zu klingen. Das würde allein schon wegen der Soundtiefe nicht funktionieren. „Wrestle Yü To Hüsker Dü“ ist eigentlich nur eine Hommage an eine von uns sehr geschätzte Band.

Habt ihr den Song auch deshalb geschrieben, weil es über diese Band – jedenfalls soweit ich das mitbekommen habe – eigentlich gar keinen Song gibt?

Luke: Tatsächlich war der Song schon lange fertig, er hatte nur noch keinen Titel. Naja, und dann klang es eben witzig, sah witzig aus und dann haben wir es einfach dabei belassen.

Bleiben wir noch ein bisschen bei eurer Musik. Gerade bei „Friends In The Sky“ habe ich euren Sound sehr interessant gefunden, weil ich mich gefragt habe, ob ihr wirklich wisst, was ihr da gerade macht. Für mich ist die Musik da im Großen und Ganzen Punkrock, die Vocals klingen manchmal aber so, als wollten sie zum Hardcore-Punk.

Luke: Gerade bei „Friends In The Sky“ wusste ich von Beginn an nicht, wohin es geht, da war wirklich alles möglich. Irgendwie ist er dann so geworden wie er jetzt ist. Ich höre aber anscheinend ganz andere Sachen dabei als du. Mich freut es aber, dass sich die Leute so ausgiebig mit unseren Sachen beschäftigen!

Wie klingt er denn für dich?

Luke: Ich weiß nicht genau. Gerade textlich und thematisch ist es ein sehr persönlicher Song. Ich höre Sarkasmus, Verwirrung, Optimismus – daran siehst du auch schon, dass ich echt nicht mehr weiß, wie „Friends In The Sky“ entstanden ist.

„Fugue State“ möchte ich auch noch kurz ansprechen, diesen sehr kurzen, aber auch sehr heftigen Wutanfall. Kaum hat der Song begonnen, ist er auch schon wieder vorbei.

David: Es ist ein Hardcore-Song, ganz einfach. Wir wollten etwas in die Richtung machen und haben uns überlegt, was wir in der Richtung überhaupt machen können, was wir auch textlich kurz und knapp auf den Punkt bringen können.

Luke: Es ist auch hier wieder einfach witzig, das ist unser Band-Humor und so ähnlich wie bei „Wrestle Yü To Hüsker Dü“. Bei The Dirty Nil geht es ohnehin immer nur darum, witzig zu sein (lacht)! Live macht „Fugue State“ aber auch einfach Spaß, weil die Leute eben nicht wissen, was sie damit jetzt anfangen sollen. Wir wollen es den Hörern nicht zu gemütlich machen, wir wollen sie auf Trab halten.

Abseits der Musik ist euch das ja auch gut mit der Zusammenarbeit mit Fat Wreck Chords gelungen. Wie ist das mit den Labels denn nun eigentlich bei euch? Man liest überall etwas Anderes. Seid ihr nun bei Fat Wreck oder doch bei Dine Alone?

Luke: Dann sorgen wir mal für Klarheit! Also bei Fat Wreck haben wir mal eine 7-Inch veröffentlicht und das war wegen Mike auch ziemlich in den Medien. „Higher Power“ ist aber jetzt, obwohl wir uns mit Fat Wreck wirklich immer noch sehr gut verstehen, bei Dine Alone Recordings erschienen. Dine Alone Recordings ist unser geliebtes neues Zuhause.

Das klingt aber sehr romantisch.

Luke: Bisher ist auf jeden Fall alles gut (lacht). Nein, die sind wirklich gut, aber man weiß eben nie, was noch passieren kann.

Kyle: Mit „Higher Power“ haben sie aber gute Arbeit geleistet und nicht nur, weil wir jetzt so coole Touren machen können. Es ist eine wahnsinnige Erleichterung, das Debütalbum nach so vielen Stunden, Tagen, Wochen und Monaten endlich veröffentlichen zu können. So kann es echt weitergehen.

Also arbeitet ihr schon am nächsten Album?

Luke: Das ist noch top secret! Und damit meine ich, dass wir an vielem gleichzeitig arbeiten. Also eigentlich haben wir bislang nur Ideen – also quasi nichts (lacht). Aber ich freue mich sehr darauf zu sehen, in welche Richtung wir als Band gehen werden. Ich meine, wir spielen inzwischen seit zehn Jahren zusammen, wir haben quasi eine musikalische Beziehung, was das Ganze unglaublich spannend und aufregend macht.

Unser Review zu „Higher Power“ findet ihr hier: www.stageload.org/reviews/the-dirty-nil-higher-power

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Hinterlasse einen Kommentar