Interview mit The Tidal Sleep

Interview mit The Tidal Sleep

The Tidal Sleep werden dieses Jahr wohl zu den großen Durchstartern gehören. Grund genug, mit den Jungs aus dem Süden der Republik mal ein Wörtchen zu reden!

Stageload: Hallo erstmal! Stellt euch doch mal kurz den Lesern vor.
Hallo. Wir sind The Tidal Sleep. Wir kommen aus Karlsruhe und Mannheim. Wir proben in Mannheim. Oliver spielt Gitarre und ist unser Technik- und Effektfan. Armin spielt Schlagzeug und macht das Booking, Nicolas schreit und schreibt die Texte. Und ich, Thomas, spiele Bass.
 Stageload: Eigentlich kommt ihr gerade recht! Neue Bands braucht das Land, jetzt wo sich jüngst Ritual und Just Went Black aufgelöst haben (oder auslösen werden), die lange Zeit als die Vorzeigebands Deutschlands galten. Habt ihr Idole oder Bands, welchen ihr nachtrauert?
Bands lösen sich leider immer irgendwann auf, aber das schöne ist ja auch dass die Zeit nicht stehen bleibt. Und ich finde auch gerade in Deutschland gibt es genügend aktuelle Bands die man abfeiern sollte.
 Stageload: Wenn ich mir eure LP so durchhöre, dann stoße ich immer wieder auf maritime Anspielungen, zum Beispiel in „Ghost Poetry“ oder gar auf eurem Covermotiv (die See im Herzen). Was steckt genau dahinter?
Nick, unser Sänger, schreibt gerne über das Meer. Das war schon bei seinen früheren Bands so. Ich persönlich finde es auch schöner Allegorien über das Meer zu erzählen, als direkt irgendwas zu predigen. Das Auf und Ab des Meeres, und die Schönheit und die Kraft lassen sich auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Es ist somit ein Spiegel in gewisser Weise.
Benny, der unser Artwork gemacht hat, hatte keine Vorgaben von uns. Aber er kam mit der Herz/Meer-Idee und wir fanden das dann auch gleich sehr stimmig und schön.
 Stageload: Ihr seid sozusagen aus dem Nichts gekommen. Laut eurer Biogrpahie gibt es euch seit 2011 und bevor ihr im März in Hamburg mit Touche Amore gespielt habt, hab ich noch nie von euch gehört. Jetzt kommt schon eurer Debütalbum auf den Markt, das geht schnell. Was habt ihr vorher so getrieben?
Wir alle haben immer in Bands und Projekten gespielt, wir kennen uns alle auch schon ne Weile. In der jetztigen Konstellation haben wir letzten Sommer gejammt, und recht schnell gemerkt das es super läuft und die Chemie stimmt. Es gab wenig Vorgaben was es werden sollte, außer epischen Gitarren und einer gewissen Härte. Wir haben prinzipiell dann ab dem Zeitpunkt nur geprobt und an den Songs gearbeitet, Texte geschrieben, Equipment probiert, Demos aufgenommen … die komplette Freizeit ging für die Band drauf. Aus dem nichts kommen gibt es nicht.
 
Stageload: Ihr wart erst vor kurzem auf Tour mit MNMNTS. Die Jungs hatten wir letzten Herbst im Interview und sie haben allerhand über lustige Tourerlebnisse geplaudert. Was ist euch so von der Tour mit MNMNTS im Gedächtnis geblieben?

Es waren ja nur fünf kurzweilige Tage. Leider. Insgesamt sind mnmnts einfach spitzen Typen. Extrem umgänglich und sympathisch. Was uns an Erinnerungen definitiv bleiben wird, ist eine Nacht in einem komischen Pfadfinderheim auf dem Boden mit den Boys zu verbringen, Seb’s und Jonas‘ Dialekt, Maxis Liebe zu Frauke Ludowig und das entspannte Abhängen.
 Stageload: Ihr geht im Sommer auf Tour mit Defeater. Defeater werden ja in der Szene zunehmend mit kritischen Augen betrachtet (nachdem die Band 2010 sehr geyped wurde), weil sie Mercheinnahmen an Kriegsveteranen gespendet und letztens die Veröffentlichung eines Interviews zu dem Thema verhindert haben. Wie steht ihr dazu? Freut ihr euch trotz dieser Kritik an der Band auf die Tour?
Wir würden nie mit einer Band auf Tour gehen die rassistisch, homophob oder sexistisch unterwegs ist. Generell würde ich uns auch als pazifistische Band sehen. Wir sind sicher keine fans von Heldentum, der Army oder der Bundeswehr. Kulturell gesehen spielt eine Armee für uns in Deutschland auch keine wirkliche Rolle, während in Amerika eigentlich so gut wie jeder einen Bezug dazu hat. Wenn also die Jungs von Defeater (in dem Fall wohl hauptsächlich Derek) einen Bezug dazu haben, und auf seine Art und Weise Support zeigen will, ist das sein gutes Recht.
Uns geht es um Kommunikation. Seine Sicht der Dinge ist nicht unsere Sicht der Dinge. Man muss nicht mit seiner Meinung übereinstimmen, man darf widersprechen, man muss seine Ansagen auch nicht gutfinden … Aber es gibt eben mehr als eine Meinung und nicht nur schwarz und weiss.
Wir freuen uns aber natürlich sehr über die Möglichkeit eine Tour im Sommer zu spielen und dass auch noch All Teeth und Code Orange Kids auf dem Trip mit dabei sind, lässt die Vorfreude schon steigen!
 Stageload:“The Wave“ ist momentan in aller Munde, da habt ihr sicher auch schon von gehört. Defeater, La Dispute, Pianos Become The Teeth,  Touche Amore, all diese Bands gehören in diese „Welle“ und rein stilistisch auch ihr (sagt ja auch die Beschreibung eurer Platte auf der Seite eures Labels This Charming Man Records). Was haltet ihr von dieser „Welle“? Findet ihr selber, dass ihr zu all diesen in diesen Tagen sehr populären Bands gehört?
The Wave ist für uns ein Witz unter Freunden, der von der Presse auf überdimensionale Proportionen aufgeblasen wird. ‚Wave‘ Bands finden wir schon gut. Auch Bands in ähnlichem Fahrwasser, wie die Goodtime Boys oder Veils. Was den Einfluss auf unsere Musik betrifft, kann man die Bands sicher nicht zu den Haupteinflüssen zu zählen. Da sind uns z.b. Cave in sicher näher als Defeater. Wir fühlen uns sicher auch nicht der ‚Wave‘ zugehörig. Man braucht halt immer irgendwie Vergleiche/Referenzen. Man könnte sicher auch sagen, wir klingen wie Bright Calm Blue oder Caravels. Aber die kennt hier kein Mensch.
 Stageload: Wo wir gerade bei gerade beim Thema Popularität sind: (Post-)Hardcore ist momentan populärer denn je, Touche Amore haben 2010 noch in Kellern auf ihrer ersten Europatour gespielt und teilen sich nicht mal zwei Jahre später die Bühnen der großen Hallen mit Rise Against. La Dispute sind auf der Titelseite der Visions und spielen dieses Jahr große Festivals wie das Hurricane. Was haltet ihr davon, dass Hardcore immer populärer in Deutschland wird? Würdet ihr euch das für eure Band auch wünschen?
Anscheinend vergisst man immer dass Bands bis sie einen Status erreicht haben, unglaublich viel arbeiten müssen. Touche Amore haben so unglaublich viele Shows gespielt, jetzt dürfen sie gerne auch mal was Größeres mitnehmen. Die Rise Against-Tour war für die Band aber auch eher ein Experiment und wird in dieser Art sicher nicht nochmal stattfinden.
Es gab immer schon ‚große‘ Bands im Hardcore. Das ändert sich sowieso alle Jahre was gerade gross, angesagt und innovativ ist . Aber man sollte auch nicht vergessen dass es extreme Spartenmusik ist und mittelgroße Popbands in 5000er Hallen spielen, während richtig große HC-Bamds von 1000 Leuten spielen. Wir wünschen uns eigentlich nur konstant Konzerte spielen zu können, immer und überall.

Stageload: Was habt ihr für Pläne für die Zukunft? Bei so einem tollen Debütalbum und einer anstehen Tour mit Defeater habt ihr ja schon viel erreicht, wofür andere Bands Jahre schuften müssen.
Wir sind wohl auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir sind auch extrem dankbar, dass es mit der Band gerade sehr gut läuft. Wir spielen im September und Oktober eine Eurotour, da sind wir gerade am planen. Und noch so viele Weekender wie möglich. Nebenbei haben wir schon wieder Songs geschrieben und denken auch dran nachzulegen. Im Juni nehmen wir schon wieder Demos für’s nächste Release auf.
 Stageload: Zum Abschluss noch eine ganz simple Frage: Euer Bandname, woher kommt der? Steckt da eine Geschichte hinter?
Wir wollten etwas das sich nicht sofort zuordnen lässt. Mit ‚Tidal‘ gab’s dann wieder den Meeresbezug. Mit ‚Sleep‘ vielleicht einen Bezug zu Endlichkeit und Wiederholungen.
 Stageload: Der letzte Satz gehört euch, lasst raus, was euch auf den Herzen liegt.
Vielen dank für das Interesse an unserer Band. Wenn es Fragen gibt, schreibt gerne an: thetidalsleep@googlemail.com
Wir sehen uns ‚on the road‘ – kommt vorbei und redet mit uns.

xo, thms tdl slp

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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