Interview mit The Xcerts

Interview mit The Xcerts

Die Xcerts erleben vor allem auf der Insel gerade einen ziemlichen Hype. Wie sie damit umgehen und wie Sänger Murray Macleod sich in letzter Zeit zum Frontmann gemausert hat, erzählen Murray und Tom Heron uns im Interview vor ihrer Support-Show für Nothing But Thieves in Hamburg.

Herzlichen Glückwünsch! „Hold on to your Heart“ ist in die Top 40 der UK-Charts eingestiegen. Wie fühlt ihr euch kurz nach der Veröffentlichung eures vierten Albums?

Macleod: Vielen Dank, Man! Es fühlt sich wie ein Erfolg an, das steht fest. Wir haben an diesem Album im Prinzip das komplette 2016 gearbeitet. Es ist also vor allem eine Erleichterung, es endlich rausgebracht zu haben. Wir haben es tatsächlich geschafft und nun gehört es den Leuten. Die Tatsache, das die Reaktionen bisher so gut waren, setzt dem ganzen die Krone auf.

Auf YouTube gibt es ein Video, in dem euer Bassist zu eurer Vorgänger-Platte „There is only you“ sagt, er könne – im Gegensatz zu den ersten beiden Alben – sich die Songs auch nach den langwierigen Aufnahmen mit Freude anhören. Wie geht es euch mit dieser Platte?

Macleod: Fertig gemischt und gemastert waren die Songs im April 2017. Ich habe sie seitdem immer wieder sehr oft gehört und finde immer noch, dass sie unglaublich gut klingt.

Heron: Wir haben vor ein paar Tagen während der Release-Woche eine kleine Instore-Tour durch Großbritannien gemacht. Dort haben sie das Album auch in den meisten Läden immer wieder gespielt und mich hat es zu keinem Zeitpunkt genervt. Allerdings mussten wir aufpassen, nicht mitzusingen bzw. ich vielmehr mich zügeln, den Beat auf meinen Beinen mitzuspielen (lacht).

Zu eurem Album gibt es eine Menge positiver Kritiken. Viele der Musikjournalisten schreiben, dass dies euer Durchbruch wird. Wie geht ihr mit solchen Lobeshymnen um?

Heron: Ich glaube, dadurch, dass wir schon so lange dabei sind, ist es für uns relativ leicht, nicht dem „Hype“ zu glauben. Wir hatten schon häufig Situationen in unserer Karriere, wo es für viele danach aussah und dann aber quasi nichts passiert ist. Dieses Mal fühlt es sich aber tatsächlich ein bisschen anders an.

Inwiefern anders?

Macleod: Wir sind dieses Mal einfach selbstbewusster. Wir drei sind davon überzeugt, dass „Hold on to your Heart“ mit Abstand unsere beste Platte ist und auch die, die wirklich das Zeug hat, durchzustarten. Es fühlt sich gerade so an, als ob die Leute wirklich alle an Bord wären. Wir müssen nicht an jede Tür klopfen und betteln „bitte hört Euch unsere Platte an, bitte interviewt uns“ etc. Dieses Mal kommen die Leute eher zu uns und wollen uns helfen.

Heron: Wir fühlen uns sehr stark unterstützt durch unser Umfeld, unsere Fans sowie Musikmagazine. Es fühlt sich einfach anders an.

Macleod: Es ist also auch schön, solche Dinge über sich zu lesen. Besonders, weil wir so hart dafür gearbeitet haben. Am Ende das Tages heißt es für uns vor allem: Cool, aber jetzt müssen wir uns erst recht beweisen. Nun geht die Arbeit erst richtig los!

Nächstes Jahr feiert euer Debüt-Album „In The Cold We Smile“ 10 jähriges Jubiläum. Was hat sich für euch geändert? Habt ihr damals die gleichen Erwartungen gehabt, als ihr das Album veröffentlicht habt wie bei diesem Release?

Heron: Unsere Erwartungen sind bei diesem Album auf jeden Fall anders.

Macleod: Wir waren sehr jung und ziemlich naiv. Alles was wir wollten, war auf Tour zu gehen. Diese Herangehensweise hat sich sehr geändert. Wir genießen die Zeit im Studio jetzt viel mehr. Mittlerweile liebe ich die Arbeit im Studio genauso wie das Tourleben. Wir wissen einfach viel mehr was wir wollen. Damals dachten wir nur: Lasst uns das Album rausbringen und die größte Band der Welt werden (lacht). Die harte Realität ließ dann nicht lange auf sich warten. Jetzt denken wir immer noch, dass wir die größte Band der Welt werden können, aber uns ist klar, dass dafür noch eine Menge zu tun ist.

Der Albumsound erinnert teilweise an Rockikonen der 80er wie Tom Petty oder auch Bruce Springsteen. Andererseits sprühen Songs wie Daydream nur so vor jugendlicher Euphorie. Diese fast schon naive Stimmung hat mich auch an Pop/Punk-Größen der 90er wie Offspring und Green Day erinnert.

Macleod: „Daydream“ war für uns das Aha-Erlebnis des Albums. Es war der erste Song, der es auf das Album geschafft hatte. Wir hatten so viele Songs vorher geschrieben, die sich alle nicht wirklich gut anfühlten. Als wir dann „Daydream“ im Proberaum gemacht haben, waren wir total aufgeregt. In diesem Moment hat es Klick gemacht: Wir wollen mit unserer Musik nicht mehr verstören und irritieren. Wir wollen, dass die Leute tanzen und Kraft schöpfen. Wir hatten das Gefühl, dass der Song ein bisschen nach Cheap Trick oder Rick Springfield klingt, was interessant ist, weil diese Gruppen eben jene Bands inspiriert haben, die du gerade erwähnt hast. Der zweite Song war dann „We are gonna live“, der für uns wie eine etwas punkigere Version von Songs wie Don Henleys „Boys of Summer“ klang. Da haben wir gemerkt, dass wir diesen 80er-Einfluss mit offenen Armen forcieren wollen.

Wie fühlt es sich bisher für euch an, die Songs live zu spielen? Wie gut passen sie mit den ja deutlich anders klingenden älteren Songs zusammen?

Macleod: Ich denke, die Songs fügen sich echt gut in das Set ein. Wie viel spielen wir vom neuen Album gerade?

Heron: Vier. Nach dieser Tour müssen wir noch mal in den Proberaum und die anderen lernen (lacht).

Macleod: Die neuen Songs machen in jedem Fall am meisten Spaß und funktionieren vor allem in großen Hallen. Das war auch unser Plan.

Große Hallen sind ein gutes Stichwort: Ihr tourt gerade mit den Nothing But Thieves europaweit durch ausverkaufte Läden. Wie läuft die Tour für euch?

Macleod: Wir sind mit kleinen Unterbrechungen seit November mit Nothing But Thieves unterwegs. Die Tour läuft einfach wahnsinnig geschmeidig. Viele Leute kennen uns schon und singen mit und wir gewinnen jeden Abend neue Leute für unsere Musik. Die ,Thieves‘ sind super Leute und auch Airways [die andere Support-Band] sind wunderbar.

Heron: Wir verstehen uns mit denen einfach super. Wir kennen Nothing But Thieves schon echt lange und mit Airways verstehen wir uns auch so gut, dass wir sie für unsere UK-Tour als Support eingeladen haben. Es ist einfach schön mit guten Bands und guten Leuten unterwegs zu sein.

Wie gefallen euch denn die Konzerte hier in Deutschland?

Macleod: Wir lieben es hier. Ernsthaft. Die Leute wissen die Mühen, die es kostet, zu touren sehr zu schätzen. Ich habe das Gefühl, dass das in Großbritannien oft anders ist. Wir empfinden hier einfach eine hohe Wertschätzung für das was mir machen. Das Publikum ist bislang sehr offen und aufmerksam. In anderen Ländern strahlen die Leute öfter diesen „impress-me“-Blick aus. Hier holen sich die Leute ein Ticket und wollen einfach eine gute Zeit haben.

Heron: Wir nehmen hier definitiv sehr viel Enthusiasmus wahr. Es gibt mittlerweile Fans in Deutschland, die wir kennen, die zu vielen Shows kommen und sogar in andere Länder reisen, um uns zu sehen.

Wenn ich euch live erlebe, aber auch, wenn ich die neuen Musikvideos sehe, habe ich das Gefühl, dass du, Murray, deine Rolle als Frontmann mittlerweile deutlich selbstbewusster und offensiver angehst.

Macleod: Da hast du hundertprozentig Recht. Während der „Scatterbrain“-Konzerte habe ich davor immer ziemlich zurückgeschreckt. Ich fand es nicht cool, ein Entertainer zu sein, also habe ich meine Kapuze aufgesetzt und einen auf düster gemacht. Aber das war nicht wirklich ich. Als wir mit „There is only you“ auf Tour waren, habe ich mit diesem Frontmann-Ding angefangen. Ich war gelangweilt davon, einfach nur die Songs runterzuspielen. Tief in mir drinnen wollte ich eigentlich immer die Leute unterhalten. Ich war früher ein echt hyperaktives Kind und liebte Theater. Ich mochte es immer, ein Spektakel zu veranstalten. Zum Ende der „There is only you“-Kampagne habe ich mich mehr und mehr wohl damit gefühlt, ein Frontmann zu sein. Unsere erste Show nach der letzten Pause war dann das 2000 Trees Festival. Ich bin wie bescheuert vorne an der Bühne abgegangen, bin viel zum vorderen Bühnerand gelaufen und so weiter. Das hat auch wieder viel mit Selbstbewusstsein zu tun. Wir sind viel selbstbewusster und wollen, dass die Leute Spaß haben. Und für das Ego sind die Mitmach-Aktionen auch ganz gut (lacht).

Wie wirkt sich diese Entertainer-Haltung auf das Bandgefüge aus?

Heron: Auf der Bühne haben wir dadurch mittlerweile eine viel positivere Atmosphäre und viel mehr Publikumsbeteiligung. Es macht auch mir am Schlagzeug einfach mehr Spaß.

Macleod: Ich glaube auch, dass wir dadurch besser spielen. Wenn du dieses Frontmann-Ding abziehst, aber als Band scheiße spielst, ist das einfach nur furchtbar. Wir müssen total auf den Punkt spielen, damit ich rumalbern und so tun kann, als wäre ich Freddy Mercury (lacht).

Ihr habt hier schon Frank Turner, Nothing But Thieves, Biffy Clyro, You Me At Six, Twin Atlantic supportet. Wird es nicht langsam Zeit für eine Headline-Tour in Deutschland?

Macleod: Absolut. Dieses Jahr! Wir werden im Frühling für einige Termine nach Deutschland kommen. Das wird unsere erste Headline-Tour in Europa. Das wird großartig! Wir sind schon sehr aufgeregt und werden die Daten demnächst verkünden.

Da freuen wir uns schon drauf. Vielen Dank für’s Interview!

Unser Review zu „Hold on to your Heart“ findet ihr hier.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben The Hirsch Effekt - Holon Anamnesis, We Were Promised Jetpacks - These Four Walls, Apologies I Have None - London, The Offspring - Smash, Herrenmagazin - Das Wird Alles Einmal Dir Gehören
Die besten Konzerterlebnisse Zinnschauer (Hildesheim 2013), We Were Promised Jetpacks (Hamburg 2014), The Xcerts (London 2012, Supprt: Yearbook)

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