Interview mit Tiny Moving Parts

Interview mit Tiny Moving Parts

Selten waren sich Fans und Presse so einig wie bei dem neuen Album von Tiny Moving Parts. Die Begeisterung machte auch vor unserer Redaktion nicht halt. Wenige Stunden vor ihrer Show in Essen haben wir uns also mit Sänger und Gitarrist Dylan Mattheisen (Mitte) und Bassist Matthew Chevalier (rechts im Bild) zusammengesetzt und unter anderem über ihre persönlichen Highlights von 2016 unterhalten, aber auch über die Dinge, die die jungen Männer aus Minnesota schon immer einmal machen wollten.

„Celebrate“ gilt als eines der beliebtesten Alben von 2016 – was waren eure Highlights?

Dylan: Jede einzelne Tour war großartig und hat richtig viel Spaß gemacht. Aber so geht es uns ohnehin jedes Mal, wenn wir wieder unterwegs sind.

Matthew: Letztes Jahr konnten wir zum Albumrelease aber auch unsere erste Headliner-Tour spielen. Am Anfang hatten wir uns deswegen auch einige Gedanken gemacht, ob alles klappt und gut geht und dergleichen. Zum Schluss war aber alles einfach nur echt cool!

Gibt es etwas, auf das ihr euch dieses Jahr ganz besonders freut?

Dylan: Eigentlich genau diese Tour jetzt. Wir konnten an Orten spielen, an denen wir noch nie waren. Wir haben zum Beispiel auch zwei Wochen lang mit den Wonder Years und Trash Boat in Mexiko gespielt. Bald steht auch noch eine Tour mit Real Friends in Amerika an, die bestimmt auch super viel Spaß machen wird. Und in der Zwischenzeit werden wir wohl auch wieder schreiben. Schreiben, aufnehmen, touren – wir wollen uns so beschäftigt wie nur möglich halten.

Einer der Gründe, warum „Celebrate“ so beliebt wurde, ist deine Art des Gitarrespielens, Dylan – das Tapping. Wie hast du das gelernt?

Dylan: Wir spielen inzwischen seit ungefähr 13 Jahren zusammen und haben in der Zeit sehr viele, sehr unterschiedliche Bands gehört. Von Blink-182 und Sum 41 zu ganz verrückten Sachen wie The Fall Of Troy – und letztere sind auch ein großer Einfluss für unsere Musik. Deren Gitarrist, Thomas Erak, macht das Tapping ja auch und spielt dabei noch unfassbar schnell, was ich echt cool finde. Ich glaube, dass ich deswegen auch damit angefangen habe. Ich wollte das einfach auch können und habe mir das dann quasi selber beigebracht.

Für „Common Cold“ habt ihr euch Conor Murphy von Foxing als Feature organisiert. Hat er eigentlich auch an dem Song selber mitgeschrieben?

Dylan: Nein, die Lyrics habe ich für ihn geschrieben. Er hat das dann einfach bei sich zu Hause im Studio aufgenommen. Wir haben in der Zeit super viel telefoniert und er hat uns immer wieder seine aufgenommenen Sachen rübergeschickt. So lange, bis wir zu 100 Prozent zufrieden waren. Vor ein paar Monaten haben wir in Chicago auch eine Show zusammen gespielt und das war das erste Mal, dass er zu uns auf die Bühne gekommen ist und seinen Part live gesungen hat – das hat echt Spaß gemacht!

Also war er nur bedingt an dem Songwriting von „Common Cold“ beteiligt?

Dylan: Wir haben ihm vorher gesagt, dass er die Lyrics auch selber schreiben kann, wenn er möchte. Da wollten wir ihm von Anfang an die Freiheit lassen. Letzten Endes habe ich’s aber gemacht.

Für „Common Cold“ habt ihr auch ein Video gedreht, in dem unter anderem ein Sofa ist, das kleiner wird. Und bei „Headache“ gibt es außerdem die Zeile „this couch is not as long as I remember“, was offensichtlich Bezug zu eurem Debütalbum „This Couch Is Full Of Friendship“ nimmt. Was ist passiert, dass ihr eure Meinung geändert habt?

Dylan: Wir haben als Band eigentlich immer über das Leben geschrieben und versucht, trotz allen Schwierigkeiten, die auf einen zukommen, optimistisch zu bleiben. Und manchmal schafft man es dann eben, positiv zu bleiben, und manchmal nicht. Mit dem Titel, der Zeile und dem Video wollen wir die Balance zwischen diesen Emotionen zeigen. Der Satz „this couch is full of friendship“ ist super optimistisch – alle sind zusammen, alles ist gut. Manchmal gibt es dann aber Momente, in denen eben doch nicht alles so schön ist, wie es scheint. Wir versuchen, diese Balance zu finden. Darum geht es bei Tiny Moving Parts, das ist das Hauptthema unserer Song. Das Leben im Allgemeinen, das Erwachsenwerden, an einen anderen Ort ziehen.

Bleiben wir noch ein bisschen bei „Headache“. Zu dem Song habt ihr ein sehr beeindruckendes Video veröffentlicht. Wie lange hat es gedauert, die Liste mit den Dingen zu schreiben, die ihr in dem Video machen wollt?

Matthew: Das weiß ich gar nicht mehr. Der Regisseur hatte ein paar Ideen, wir hatten ein paar Ideen. Es war aber sehr schnell klar, dass wir unbedingt das Skydiving machen wollten (lacht). Das war auch das erste, was wir für das Video gedreht haben.

Damit ihr das mal gemacht habt, falls das Video aus welchem Grund auch immer, doch nicht realisiert werden kann?

Dylan: Genau (lacht). Eigentlich wollten wir nur eine Entschuldigung haben, endlich mal Skidiving machen zu können (lacht).

Matthew: Ich glaube nicht, dass ich das ohne das Video jemals gemacht hätte!

Gibt es etwas, das ihr für das Video auch noch machen wolltet, letzten Endes aber nicht realisierbar war?

Dylan: Ich glaube nicht. Das Skydiving war ganz klar ganz oben auf der Liste. Wir hatten insgesamt ungefähr 50 Ideen und für das Video haben wir 16 umgesetzt.

Matthew: Wir wollten eigentlich auch noch Bungeejumping machen, das hat aber leider nicht mehr geklappt.

Tiny Moving Parts klingt wie eine der positivsten Bands auf der Welt – bis man sich die Lyrics durchliest. Nun ist es aber gerade in der letzten Zeit scheinbar immer beliebter geworden, schmerzhaft realistische Themen in fröhliche Musik zu verpacken. Setzt euch das unter Druck, wenn ihr an neuen Sachen arbeitet?

Dylan: Jedes Mal, wenn wir uns beim Songwriting oder beim Texten unter Druck gesetzt fühlen, versuchen wir zu dem Punkt zurückzukehren, wo wir uns wohlfühlen. Wir wollen Songs schreiben, die sich für uns gut anfühlen, die wir selber mögen und mit denen wir am Ende des Tages alle zufrieden sind. Wir versuchen alles so zu machen, wie es sich für uns gut anfühlt. Und wenn wir live spielen und die Leute im Raum mitsingen, dann fühlt sich das wie eine besondere Verbindung an – und das ist das beste Gefühl!

Ich habe gelesen, dass ihr in einer kleinen Stadt ohne Musikszene aufgewachsen seid, was mir persönlich sehr bekannt vorkommt. Bei mir hat es immer sehr lange gedauert, bis ich auch nur ansatzweise neue Musik bekommen habe, wie seid ihr mit neuen Sachen in Berührung gekommen?

Beide: MySpace!

Dylan: Wir haben irgendwann sogar herausgefunden, dass man nur durch MySpace und diversen Kontakten seine eigene Tour buchen kann (lacht).

Matthew: Dadurch haben wir auch viele DIY-Bands kennengelernt.

Was für Musik hört ihr denn gerade so?

Dylan: Auf dem Weg nach Essen haben wir Paramore gehört – eine der Bands, die wir alle lieben. Tegan And Sara hören wir auch gerne, aber generell ist es eine Mischung aus poppigen Sachen und Math. Und wir hören viel Musik von unseren Freunden! Modern Baseball, Front Bottoms, PUP – Bands, mit denen wir auf Tour waren. Mit Bands unterwegs zu sein, bringt einen übrigens nur noch mehr dazu, auch ihre Musik zu mögen (lacht).

Unser Review zu „Celebrate“ findet ihr hier: http://www.stageload.org/reviews/tiny-moving-parts-celebrate

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Hinterlasse einen Kommentar