Interview mit Touché Amoré

Interview mit Touché Amoré

Kurz und knackig – das war einmal das Erfolgsrezept von Touché Amoré. Mittlerweile mögen sie es etwas ausladender. Für das Interview mit Frontmann Jeremy Bolm galt aber noch einmal das alte Mantra.

Mehr als 1000 Shows ist eine stolze Zahl. Welchen nächsten Meilenstein peilt ihr an? 

Das wird wohl unser 15-jähriges Jubiläum als Band sein. Bis wir es auf 2000 Shows bringen, dürfte deutlich länger dauern als 10 Jahre, da wir’s mit dem Touren mittlerweile deutlich ruhiger angehen lassen als noch in unseren ersten Jahren.

Habt ihr in euren Anfängen irgendwelche Pläne gemacht, wie ihr es soweit bringen könntet? 

Alles, was wir damals wollten, war eigentlich nur auf Tour gehen und es schaffen, unsere Musik auf Vinyl rauszubringen. Wenn es also nach den Gesichtspunkten geht, haben wir schon das Bestmögliche rausgeholt.

Auf „Stage Four“ hast du über den Tod deiner Mutter geschrieben. Was hat dich bewogen ein derart persönliches Thema mit unzähligen Fremden zu teilen? 

Auf jedem Album basieren meine Lyrics auf all dem, was mich in der Zeit beschäftigt, wenn wir daran arbeiten.  Der Tod meiner Mutter war und ist bis heute das schlimmste Ereignis, was ich durchleben musste und das Album hat mir damals die Möglichkeit gegeben, damit fertig zu werden.

Worum geht es jetzt auf eurem neuesten Song „Green“? 

Ich habe ein Gedicht namens „Green“ geschrieben und es für den Song quasi ausgebaut. Ich würde sagen, im Kern handelt es davon, eine Umgebung zum Besseren zu verändern.

Die Demokraten haben in den Midterms die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert. Eine wirkliche „blaue Welle“ ist aber ausgeblieben. Woran lag’s? 

Gerade herausgesagt: Weil viele Leute in diesem Land dazu neigen, entgegen ihrer eigenen Interessen zu stimmen. Außerdem haben die Linken das Problem, dass manche sich von der ausführlichen Berichterstattung in den Medien blenden lassen und erwarten die Kandidaten der Demokraten gewönnen sowieso. Im Endeffekt gehen so einige Leute nicht zur Wahl, weil sie sicher sind, ihr Kandidat hat auch so die Mehrheit sicher. Mir würden noch unzählige andere Gründe einfallen, aber das sind die beiden zentralen.

Kennst du jemanden, der 2016 für Trump gestimmt hat oder kannst du zumindest die Motive seiner Wähler nachvollziehen? 

Ich kenne durchaus einige Trump-Wähler. Oft haben sich Leute wegen einem Thema, das ihnen aber besonders wichtig ist für ihn entschieden, weil er auf diesen Feld für sie eben die richtige Linie vertrat wie etwa eine betont waffenfreundliche Handlung. Andere wiederum wurden als Republikaner erzogen, haben schon immer für sie gestimmt und werden es auch weiterhin tun, ganz gleich, welcher Clown die Partei vertreten mag.

Die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten erscheint heute zerrissener denn je. Wie kann dem entgegengewirkt werden? 

Es beschränkt sich ja nicht auf Amerika. Die ganze Welt ist zerrissener denn je und die kurze Antwort auf die Frage nach dem Grund ist: Rassisten fürchten sich nicht mehr. Ich habe kein Rezept parat, um das große Ganze zu heilen, aber Rassisten müssen wieder Angst haben.

Was können wir in naher Zukunft erwarten? Ein neues Touché Amoré-Album? 

Wir haben noch nicht mit der Arbeit begonnen, aber wir sprechen darüber.

Foto: Christian Cordon

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Redigatur
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

Hinterlasse einen Kommentar