Interview mit Wayfarer Youth

Interview mit Wayfarer Youth

„Wayfarer“ – Reisende. Das Hengeloer Quintett Wayfarer Youth hat sich nicht nur wegen ihres Faibles für Alexisonfire für diesen Namen entschieden, sondern auch, weil sie gerade zu Beginn viel unterwegs waren. Inzwischen hat sich das ein wenig geändert, der Schuldtragende: Das Berufsleben. Umso mehr genießen sie es aber nun, zumindest zwischendurch den ein oder anderen Weekender zu spielen. Wir haben Sänger Joost Benner und Gitarrist Pieter Daatselaar zum Interview getroffen und uns mit ihnen über die Anfangstage ihrer Musikkarriere und ihre aktuelle EP „Moving Mountains“ unterhalten.

Lasst uns zunächst ein paar Basics abhaken, um euch besser kennenzulernen. Wann habt ihr angefangen, Musik zu machen?

Joost: Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen, danach Schlagzeug. Dabei ist es auch zum größten Teil geblieben. Meine erste Band hatte ich mit 13.

Pieter: Als ich acht Jahre alt war, habe ich angefangen, Akustikgitarre zu spielen. Dann habe ich Bands wie Limp Bizkit und Nirvana gehört, wollte daraufhin selber E-Gitarre spielen und habe mir dann auch eine gekauft (lacht). Kurz danach wurde ich gefragt, ob ich bei der Punkrock-/Hardcore-Band Striking Justice einsteigen wollte. Weil ich zu dem Zeitpunkt aber nicht wusste, ob ich dafür schon gut genug gewesen bin, habe ich ihm geraten, lieber noch jemand anderen zu fragen. Er hat mich aber immer weiter gefragt – bis ich dann irgendwann aufgegeben und ihm gesagt habe, ich könne es ja versuchen (lacht).

Letzten Endes war ich sehr lange Teil der Band und bin mit den Jungs diverse Touren gefahren – aber alles hat mit einem achtjährigen Kind angefangen, das draußen spielen wollte, aber von seinen Eltern zum Gitarrenunterricht gebracht wurde. Ich wurde erst richtig motiviert als ich begonnen habe, Bands wie Nirvana und Korn zu hören.

Gibt es abgesehen davon noch etwas Anderes, das euch dazu gebracht hat, mit dem Musikmachen anzufangen?

Joost: Als Kinder war es mehr nach dem Motto „ich spiele Schlagzeug, du spielst Gitarre – lass und doch mal zusammenspielen“. So hat sich das dann nach und nach entwickelt.

Pieter: Wir hatten natürlich auch unsere Idole, aber nie den Gedanken, dass wir wie eine andere Band werden wollen. Früher waren wir ambitionierter – auch was das Touren angeht. Jetzt ist Wayfarer Youth für uns ein Hobby, das wir versuchen in unser Leben zu integrieren. Es macht natürlich Spaß, aber es geht nicht mehr darum, die ganze Zeit unterwegs zu sein und Shows zu spielen. Das funktioniert zeitlich mit unserem Privatleben einfach nicht mehr.

Wenn ihr euch schon „Wayfarer“, also „Reisende“ nennt, welche Songs hört ihr dann auf Tour?

Joost: Manchmal haben wir USB-Sticks von Freunden dabei, auf denen dann aber zum Beispiel auch nur Metal oder Metalcore ist. Meistens hören wir aber die Musik, die wir auch selber spielen, Hardcore, Black-Metal.

Eure erste Platte, die Demo-EP „Homebound“, habt ihr 2014 veröffentlicht, vor Kurzem kam dann mit der „Moving Mountains“-EP der Nachfolger. Warum hat es so lange gedauert, fünf neue Songs zu veröffentlichen?

Joost: Wir haben unser Line-Up ein wenig verändert. Ich war eigentlich Schlagzeuger, jetzt singe ich – das hat einiges ausgemacht. Das Aufnehmen und Veröffentlichen hat auch nochmal ein Jahr gedauert.

Pieter: Und gerade was das Songwriting angeht, sind wir wahre Perfektionisten, wir haben die Songs immer und immer wieder verändert. Für uns waren sie wie ein Puzzle, das wir immer wieder anders zusammengesetzt haben. Wir haben Sachen umgeschrieben oder noch eine Gitarrenspur mehr aufgenommen, was auch alles seine Zeit gedauert hat.

Eure Musik weckt starke Erinnerungen an Bands wie Jimmy Eat World, Basement und Title Fight. Habt ihr euch jemals in den Kopf gesetzt, es einer anderen Band in ähnlicher Weise nachzutun?

Joost: Nicht direkt. Natürlich sind das Einflüsse, die man auch auf der Platte hört, aber wir in der Band bringen auch die unterschiedlichsten Einflüsse mit, weil manche von uns zum Beispiel auch Black Metal hören. Man hört wahrscheinlich auch ein bisschen Grunge und Punkrock der 90er raus.

Den Black Metal-Part hört man nicht im Geringsten heraus – bringt denn dann wirklich jeder was mit? Ist Wayfarer Youth dann tatsächlich ein „Gruppen-Projekt“?

Joost: Bei dem ersten Song „Winter“ war es so, dass ich den Text vorher schon fertig hatte. Pieter arbeitet meistens an den Gitarrenriffs, die Songs entstehen aber erst im Proberaum, wenn wir alle unsere Ideen einbringen.

Pieter: Wir fangen meistens mit den Gitarren an, danach kommen die Drums und der Gesang dann ganz zum Schluss, wenn die Musik fertig ist. Es ist aber bei jedem Song unterschiedlich, die Tracks entstehen jedes Mal anders, sehr individuell.

Manchmal auch in Form einer Jam-Session?

Pieter: Manchmal – gerade bei einzelnen, coolen Riffs. Viele Ideen entstehen aber auch bei mir Zuhause, wenn ich alleine für mich spiele. Während einer Probe ist es nicht immer so einfach, konkrete Ideen zu erarbeiten oder an ihnen zu arbeiten.

Ich habe gehört, dass es mit dem EP-Artwork einige Probleme gab – dass ihr eigentlich ein anderes haben wolltet. Was ist da genau vorgefallen?

Pieter: Wir haben die Freundin eines Freundes von Striking Justice gefragt, ob sie das Artwork machen würde, weil sie darin auch schon Erfahrung hat. Unsere Idee war, ihr bis auf einige Elemente, die wir im Artwork haben wollten, freie Hand zu lassen. Dann hat sie sich allerdings lange Zeit nicht mehr bei uns gemeldet, woraufhin wir sie an unsere Deadline erinnert haben – das ist aber nicht nur einmal passiert, sondern öfters. Als sie uns schließlich ihren Entwurf gezeigt hat, waren wir nicht zufrieden und haben sie um ein paar Änderungen gebeten, die sie aber nicht machen wollte, weil es in ihren Augen bereits das Endergebnis war. Wir mussten dann leider die Zusammenarbeit mit ihr beenden, was für sie aber total in Ordnung war, sie hat sich sogar noch bei uns entschuldigt (lacht). Das war ein bisschen komisch.

Unser Bassist Rogier van Marle hat dann im Internet nach einem anderen Artwork gesucht. Wir wollten es nicht noch einmal so wie zuvor versuchen, sondern einfach eins kaufen, was bereits fertig war. Rogier hat dann eines von einem vietnamesischen Künstler gefunden, was uns allen gut gefallen hat. Es war nur total verrückt, weil wir die fertig gemasterten Songs schon einige Monate hatten und nur noch auf das Artwork gewartet haben.

Joost: Das war leider auch ein Grund, warum es so lange gedauert hat, die EP zu veröffentlichen.

Heutzutage kann man ohne ein Artwork ja auch eigentlich keinen Song oder gar eine Platte veröffentlichen.

Pieter: Ja, es gehört einfach zum Gesamtpaket dazu. Deswegen war die Wartezeit auch so frustrierend.

Unser Review zu „Moving Mountains“ findet ihr hier: http://www.stageload.org/reviews/wayfarer-youth-moving-mountains

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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