Wolf Down im Interview

Wolf Down im Interview

Wolf Down haben vor wenigen Wochen ihr Debütalbum „Stray From The Path“ veröffentlicht und große Festivals wie das Fluff in Tschechien oder das Ieper Fest in Belgien bespielt. Grund genug also, der Band ein paar Fragen zu stellen.

Stageload: Hallo erstmal! Euer neues Album „Stray From The Path“ ist jetzt seit einigen Wochen draußen. Wie ist das Feedback bis jetzt ausgefallen? Gab es vielleicht auch Kritik von einigen Seiten? Das Album hält ja doch die ein oder andere Überraschung parat, nicht zuletzt in Form von „Daydreaming“.

Hi! Ja, seit knapp zwei Monaten ist die Platte jetzt draußen und schlägt gute Wellen. Wir sind mit der Resonanz und dem Endergebnis auf jeden Fall sehr zufrieden.
Reviews und Feedbacks sind bisher durchweg positiv, live werden die Songs gefeiert und anhand der Download- und Verkaufszahlen sehen wir, dass die Scheibe ziemlich einschlägt was uns sehr glücklich macht.
„Daydreaming“ ist so ein Experiment gewesen um das Ganze ein bisschen aufzulockern und interessant zu halten. So etwas können wir mit mehr Zeit und Fokus auch sicher noch besser aber was wir vor hatten ist uns dem Feedback nach auf jeden Fall gelungen. Wenn der Song dann sogar von manchen als bester Track des Albums bezeichnet wird sollten wir uns vielleicht Gedanken machen haha.
So sehr uns der ganze Entstehungsprozess auch gestresst hat, freuen wir uns schon wieder neues Zeug zu schreiben und haben schon einen Plan für das nächste Release.
Okay, genug geschwafelt, hört’s euch einfach selbst an. Die Platte ist komplett gestreamed auf unserem Bandcamp. Wen’s interessiert, 2nd pressing wird schon angepeilt und CD Release kommt auch endlich in wenigen Wochen!

Stageload: Ihr habt seit einiger Zeit einen neuen, zweiten Gitarristen an Bord. War das eine notwendige Änderung in eurer Band? Euer Sound ist dadurch ja, besonders live, um einiges dichter und härter geworden.

Ja, war es. Wir haben eine ganze Weile Ausschau gehalten und plötzlich hatten wir Glück und haben Tobi aufgegabelt. Geiler Typ, 100% menschlich, musikalisch und inhaltlich passend und somit 100% Bereicherung in puncto Songwriting, Soundhärte und Spaßfaktor. Hammer.

Stageload: Auf euren letzten Shows habt ihr immer einen Teil eines Leeway-Songs als Intro für euer Set benutzt. Haben Bands dieser alten Schule, wie eben Leeway, die Cro-Mags oder auch Madball einen großen Einfluss auf euch?

Denke eher indirekt, also wahrscheinlich sind wir mehr von den Bands beeinflusst, die von diesen Bands beeinflusst wurden.

Stageload: Euch gibt es seit 2011 und ihr habt bis jetzt jedes Jahr eine neue EP veröffentlicht (2011 „MMXI“, 2012 „Renegades“) und in diesem Jahr, das Dritte eures Bestehens, ein Album. Dementsprechend muss es, was das Songwriting angeht, ja sehr gut bei euch laufen. Probt ihr oft und könnt ihr das mit euren Jobs und/oder eurem Alltag vereinbaren? Genau so seid ihr ja sehr oft auf Tour. Ich bin Student und könnte es mir, bis auf in den Semesterferien, nicht erlauben so oft und auch teilweise lang unterwegs zu sein.
Ist nicht immer einfach aber wir geben alle unser Bestes und versuchen der Band so viel Zeit einzuräumen wie nur möglich, was dann meistens bedeutet privates und berufliches hinten anzustellen. Daher geht unser Bandleben oft zum persönlichen Nachteil von Beruf, Studium und Privatem. Was in der Entscheidung natürlich nicht schwer fällt, da Arbeit scheiße und Tourlife geil ist!
Ist schon eine YOLO-Attitude aber wir sind nicht so die besonderen Riester-Bauspar-9to5-Lemminge und haben alle den Drang dem Alltagstrott zu entkommen. Dann halt ein Semester mehr studieren müssen oder paar $$$ weniger auf dem Konto aber nichts anderes ist so erfüllend und belebend wie Musik machen, herumreisen, sich selbst verwirklichen und sich Gehör zu verschaffen. Wenn ich reflektiere was ich durch Bands schon für Leute kennen gelernt und Orte zu sehen bekommen habe, bin ich auf jeden Fall bereit einen tadellosen Lebenslauf gegen das fast unendliche Freiheitsgefühl auf Tour zu sein einzutauschen.
Viel zu machen und keine Proberaumhocker_innen oder Spaßband zu sein war von Anfang an einer der gemeinsamen Erwartungen an die Band, daher geben alle was sie können.
Zum eigentlichen zurück; wir haben zur Zeit keine_n Bassist_in, müssen daher immer mit Fill-in-Aushilfen rumshakern und Tobi wohnt in Bayern, das erschwert die logistische Situation nochmal zusätzlich. Dazu kommt noch der ganze unsichtbare Verwaltungs- und Organisationskram, der mit so einer Band verbunden ist. Booking, Merch und Promo machen wir so gut wie alles selbst. Besonders Merch frisst viel Zeit und ist für manche von uns wie ein unbezahlter Nebenjob.

Stageload: Ich glaube es gibt keine andere Hardcore-Band in unseren Breitengraden, die momentan so gut Merch verkauft wie ihr. Merch ist natürlich für eine Band eine gute Sache um Touren und Studiotermine zu finanzieren. Aber stört es euch nicht, dass der Name Wolf Down langsam zu einem Streetwear-Label mutiert? Früher habe ich auf jeder Show mindestens jemanden mit Bane- oder Have Heart-Merch gesehen, nun hat sich Wolf Down in diese Reihe eingereiht.

Bands die aktiv sind, viel spielen, viel touren und sich den Arsch aufreißen verkaufen auch viel Merch. Gute Beispiele wären da Bands wie Coldburn, World Eater, Nasty oder Risk it von denen sieht man auch Merch an jeder Ecke. Von nichts kommt nichts. Den Eindruck, dass es zu einem Streetwear-Label mutiert habe ich dabei nicht und: Hey, wie könnte es uns stören wenn Leute unsere Band und natürlich auch die Message, die viele Designs haben, representen? Ist doch super.
Es ist auch kein Geheimnis zu sagen, dass wir sowie andere DIY-Bands auf den Merchverkauf sehr angewiesen sind, weil so eine Band als solches und speziell Touren ein scheiß teurer Spaß sind, besonders dann wenn keine reichen Eltern im Spiel sind.

Stageload: Auf eurer Facebook-Seite werden die Rufe nach Touren durch Südostasien und Südamerika immer lauter. Nun bringt ihr eurer Album unteranderem über Seven Eight Life und Learn To Trust Records, ein südamerikanisches und ein südostasiatisches Label, heraus. Auch andere europäische Bands wie Anchor, AYS oder Daggers waren schon in Südamerika oder Südostasien auf Tour. Eine Tour in Südamerika habt ihr nun schon für 2014 ankündigt, da ist Südostasien ja nicht mehr allzu fern, oder? Freut ihr euch darauf, auf andere Kontinente zu kommen? Habt ihr auch mal vor durch die USA zu touren? Das schaffen ja nur die wenigstens Bands aus Europa. Ich erinnere mich da spontan nur an Rise & Fall, Basement und die Dead Swans, die dort mal auf Tour waren.

Konkrete Pläne für Asien und Südamerika Touren gibt es bereits. Asien sollte eigentlich jetzt schon im September 2013 passieren, klappt aber leider aus verschiedenen Gründen doch nicht daher mussten wir es auch auf 2014 verschieben.
Am lautesten sind die Rufe eigentlich aus Australien, hoffen wir mal, dass wir das auch noch unter bekommen beziehungsweise sich in nächster Zeit gute Optionen ergeben um es zu realisieren. Gleiches gilt für eine US-Tour.
2014 haben wir so eine gewisse Welttouragenda und werden auf jeden Fall ausgiebige Europatouren, Asien- und Südamerikatouren machen. Wenn es sich dann noch irgendwie ausgeht natürlich auch die verbleibenden Kontinente. Grundsätzlich haben wir vor alles zu touren was geht. Russland ist leider auch immer noch offen. Als nächstes steht jetzt erst mal eine Woche Spanien/Portugal an.

Stageload: Auf „Renegades“ habt ihr eine Revolution besungen. Was macht diese Revolution für euch aus?

Es geht um die „Soziale Revolution“. Gut, dass mal jemand fragt! Von Revolution ist ja überall die Rede. Der DDR-Greis will Revolution, Neonazis schreien „Revolution“, das neue Smartphone und der neuste Sportwagen sind „Revolution“, alles ist oder spricht von „Revolution“ aber eigentlich sind immer ganz unterschiedliche Dinge gemeint. Wir wollen die „soziale Revolution“! Keinen Putsch oder bewaffneten Aufstand bei dem ein paar Bullen und Politiker_innen abgemurkst werden, sondern gesamtgesellschaftlichen Wandel und einen radikalen Umsturz der bestehenden Verhältnisse. Hin zu einer emanzipatorischen Gesellschaft, die mit der hegemonial patriarchalen Gesellschaftsordnung, sowie der Krieg und Krisen provozierenden kapitalistischen Verwertungsökonomie bricht und frei von Unterdrückung, Ausbeutung, Ausgrenzung sowie Naturbeherrschung ist. Somit ist „Revolution“ dann kein singuläres (Facebook-)Event sondern ein gegenwärtiger Prozess. Die Revolution ist hier und jetzt, mal ist sie stärker, mal schwächer. Fernab aller historischen Niederlagen oder Fehlversuche. Wir resignieren nicht und kämpfen weiter für eine herrschaftsfreie Welt in der es sich zu leben lohnt.
Das ganze, was da später bei herauskommen soll, läuft dann soweit unter dem Label „libertärer Kommunismus“ oder auch „Anarchosyndikalismus“, natürlich mit veganem und feministischem Upgrade.

Stageload: Als mein Kollege Aljoscha euch vor gut anderthalb Jahren zum Release eurer ersten 7“ interviewt hat, habt ihr den kommerziellen Hardcore und die großen Booking-Agenturen an den Pranger gestellt, dass sie es der DIY-Szene in Deutschland und ganz Europa schwer machen und das Geld mit überteuerten Eintrittspreisen für Konzerte aus den Taschen der Zuschauer ziehen. Würdet ihr das noch immer unterschreiben oder hat sich in euren Augen in den letzten anderthalb Jahren viel in der Konzert- und Hardcore-Szene geändert?

An unserem DIY-Verständnis hat sich natürlich nichts geändert. Szenemässig, mag es durchaus einzelne regionale Veränderungen geben aber im Gesamten bleibt es erst einmal so wie es war. Schade. Es wird alles teurer, es gibt Leute die daran Verdienen, die das „Mainstream-Game“ adaptieren, Kids die nicht auf kleine local-shows gehen, Kids die selbst kleine Shows mit local-bands machen und merken müssen, dass niemand kommt, dann auf’s Maul fallen und nie wieder Shows machen, Großteile einer 30+ Generation, die sich nur für Reunions interessiert oder aber Kids, die nur überteuerten Merch im Internet bestellen… mal ein paar Beispiele woran eine unkommerzielle, selbstbestimmte Kultur zu zerbrechen vermag.
Zu den Eintrittspreisen, ich selbst kann es mir oftmals durchaus einfach nicht leisten auf Konzerte zu gehen weil ich die 20€ einfach nicht habe um 3 Bands zu sehen oder aber ich bin einfach nicht bereit bin so viel Geld zu bezahlen, besonders dann nicht wenn ich weiß, dass die Kohle nicht bei den Bands ankommt. Klar sind die 3€ und auch 5€ Limits vorbei, aber es gibt schon noch Schmerzgrenzen. Nunja, entweder hab ich dann Glück und schnorre mir Gästeliste oder ich mach was anderes wie skaten oder Kuchenbacken.

Grundsätzlich haben wir kein Problem mit Bookingagenturen, wir arbeiten zum Teil schon mit welchen zusammen oder werden es zukünftig für bestimmte Sachen noch tun. Bookingagentur ist ja auch nicht gleich Bookingagentur. Vielmehr haben wir ein Problem mit illoyalen Nutznießer_innen und Mitverdiener_innen.

Stageload: Sind Politik und Hardcore zwei Dinge, die für euch nicht zu trennen sind? Wenn man sich viele Songs von euch anhört, könnte man ja diesen Eindruck gewinnen. In letzter Zeit sehe ich immer mehr Leute in meiner Heimatstadt mit Shirts oder Beanies von euch herumlaufen, die ich aber selten bis gar nicht in den linken Zentren, auf politischen Veranstaltungen oder auf DIY-Konzerten zusehen bekomme. Was haltet ihr davon, dass sich besonders jüngere Hardcore-Hörer_Innen immer mehr von den politischen Seiten der Szene entfernen?

Die Hardcoreszene ist nicht so homogen wie sie von Außenstehenden gerne dargestellt wird.
Insbesondere beim Thema Politik tun sich Abgründe auf, was auch einer der Gründe ist warum Bands wie wir so stark polarisieren. Von den einen geliebt, von anderen mit Jähzorn zum absoluten Feindbild erklärt. Für uns nicht verwunderlich, da die Menschen, die sich in Szenekreisen bewegen schließlich auch nur ein Querschnitt der Mehrheitsgesellschaft sind und somit auch alle positiven wie negativen Beschaffenheiten aufeinander treffen. Kritik an Whiteness, Heterosexismus und Chauvinismus oder Widersprüche an entsprechendem exklusiven Verhalten werden dann ganz schnell mit dem aufzwingen von Regelkatalogen abgewehrt.
Für uns ist Hardcore/Punk eine Protest- und Gegenkultur und somit ganz klar politisch. Abgesehen davon, dass strenggenommen jede soziale Interaktion politisch ist, ist Hardcore/Punk als Untergrundbewegung mit all seinen Grundgedanken, Werten und Motivationen eine politische, eine gesellschaftskritische, nonkonforme, antiautoritäre Subkultur.
Auch wenn es schon immer reaktionäre, konservative und rechte Tendenzen gab und diese auch immer noch gibt, (in jüngster Zeit sogar auch mal mehr oder weniger problematisch) ist Hardcore/Punk als Gegenkult, als Ausdruck von Individualität und Nonkonformität, als Druckventil für Wut und Unzufriedenheit, als Ort für Entwicklung und Bildung, als Schutzraum um Kräfte zu tanken und als Kontrast zur Mainstream Musikindustrie eine politisch links verortete Subkultur mit emanzipatorischen Impuls. Selbst wenn es das sogenannte Subgenre „Politpunk“ oder „political hardcore“, wie man es oft liest, gibt, beschreibt diese Klassifizierung letztlich nur die Sorte Bands die die grundsätzlich vorhandenen Ideen von Gerechtigkeit und Freiheit weiterdenken oder klarer formulieren als Bands, die sich in den Lyrics nicht direkt für/gegen politische Forderungen oder Ideen aussprechen und eher über persönliche oder emotionale Dinge singen.
Die Minorität der quengelnden Stimmen der „Unpolitischen“ oder Krumme Ideen von Weiterentwicklungen der Szene wie Deathcore-, Dubcore,… sind dabei pragmatisch gesehen nicht charakteristisch oder repräsentativ.

Stageload: Was hört ihr momentan privat gerne an Musik? Was würdet ihr empfehlen, wenn euch jemand nach guter Musik fragt? Danke für das Interview!

Grade sehr angesagt bei mir Twitching Tongues – In love there is no law, Bent Life – Full skull und die neue Gone To Waste – TOWLTF 7“. GTW unbedingt auschecken.

Ansonsten ein kleiner Call noch an euch alle,22.09. Bundestagswahlen -> Nicht dass der Wahlzirkus der Politbonzen etwas ändern würde, aber helft mit den rechten Wahlkampf zu sabotieren. Sammelt Flyer ein, reisst Propaganda ab und wo immer sie offen auftreten wollen, mischt euch ein! Nazis und Rassist_innen raus aus den Parlamenten.

Danke euch für das Interview und natürlich danke für’s Lesen!

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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