36 Crazyfists – Time & Trauma

Label Spinefarm
Musikrichtung Alternative Metal, Nu-Metal
Redaktion
Lesermeinung
3

Der Nu-Metal ist tot. Es lebe der Nu-Metal. Die 90er wieder auferstehen zu lassen, liegt aktuell ja ohnehin im Trend. Die 36 Crazyfists sind in dieser Hinsicht besonders harte Verfechter. Denn betrachtet man die 20 Jahre lange Bandgeschichte, zeigt diese ganz klar auf: Variation ist und war keine besondere Stärke der Amerikaner. Denn der genannte Nu-Metal wird auch auf Release Nummer sechs munter weiter zelebriert.

„Time & Trauma“ macht da auch grundsätzlich nichts anders als die Vorgänger-Alben. Vielleicht ist die Ausrichtung zum Alternative Metal noch stärker geworden, aber ob da überhaupt von großen Unterschieden zum Nu-Metal gesprochen werden kann, ist fraglich. Erschreckend ist vor allem die vorhandene Tristesse, die sich wie ein Schleier über das komplette Album legt. Alles fühlt sich wie ein langer Song an – keine Abwechslung, keine Überraschungen. Darüber hinaus können die Jungs rund um Frontmann Brock Lindow nicht einmal mehr mit melodiösen Refrains punkten. 36 Crazyfists wirken auf „Time & Trauma“ viel zu angestrengt und verkrampft.

Stetig und immer wieder das Gleiche neu aufzulegen geht irgendwann zwangsläufig nach hinten los. Genau das wird nun am Beispiel von „Time & Trauma“ überdeutlich: Die 36 Crazyfists hängen in allen Bereichen hinterher. Am deutlichsten wird das am altbackenen Songwriting. Lindow schafft es zu keiner Sekunde mit seiner Stimme zu fesseln oder irgendwelche Akzente zu setzen. Stimmlich war er sowieso nie ein Aushängeschild, aber auf „Time & Trauma“ nervt der weinerliche Gesang nach einer gewissen Zeit nur noch. Auch die eingestreuten Shouts wirken mehr wie Fremdkörper, statt mit den Songs verwoben. Stimmung kommt da keine auf.

Innovationsfeuerwerke waren Alben wie „A Snow Capped Romance“ oder „Rest Inside the Flames“ auch vor zehn Jahren nicht, aber dafür wenigstens stimmig und abwechslungsreich produziert. Und Lindows durchwachsener Gesang wurde immer durch eine gelungene Atmosphäre überspielt. All das ist 2015 passé und so ist „Time & Trauma teilweise sogar richtig peinlich.

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