96 – Future Trippin‘

Band 96
Musikrichtung Hardcore Punk
Redaktion
Lesermeinung
3

Entscheidet sich eine Band dazu, ihre neue Platte „Future Trippin’“ zu nennen, darf man es dem Hörer nicht verübeln, wenn er mit etwas musikalisch Visionärem rechnet. Vermutlich, so die Botschaft, geht ja der Blick nach vorne. Oder ist das etwa die falsche Erwartungshaltung, wenn man sich mit amerikanischen Hardcore-Punk beschäftigt? 96 aus New Jersey jedenfalls denken gar nicht daran, das Genre auf den Kopf zu stellen. Im Gegenteil, sie spielen auch im Jahr 2016 Hardcore nach altbewährtem Schema.

Soll heißen: Typische Underdog-Durchhalte-Parolen werden vermengt mit groovigen Schrammel-Klängen. Dem beigemischt ist das wiederkehrende Angebot an den Hörer, zu den gebremsten Passagen das Tanzbein zu heben. Leider scheint die Quote solcher Abschnitte nun einmal das bewährte Konsens-Gütekriterium zu sein, wenn es darum geht, Hardcore-Platten zu bewerten. Zumindest diesem Anspruch wird die Band gerecht. Und so dürfte der solide 96-Sound auf neun von zehn Shows funktionieren – obwohl die Bereitschaft zu musikalischen Wagnissen etwa so groß ist wie bei den letzten zwölf Motörhead-Alben.

Lyrisch sieht es mit der Solidität ganz ähnlich aus: So wird auf mit bewährten Szene-Feinden abgerechnet, konkret geht es um „Fake Punks“. In den übrigen sechs Liedern halten 96 trotzig die Fahne der Realness hoch, ohne Ausflüge in ungewohnte Gefilde zu riskieren. Auch das hat man nun schon sehr oft gehört.

Was 96 mit „Future Trippin’“ liefern, fühlt sich an wie das heimische Sofa: sehr vertraut, aber eben auch ein wenig ausgeleiert. Dabei zeigen Bands wie Turnstile, Angel Dust, Fucked Up oder Code Orange doch, dass es sich lohnt, das enge Hardcore-Punk-Korsett abzustreifen. 96 entscheiden sich dagegen. Verübeln kann man es ihnen nicht. Denn auf ihrer Facebook-Seite bekennen sie ja schon: „Hardcore ist ein Genre, in dem Loyalität und Tradition alles bedeuten.“ Visionäres überlassen sie lieber anderen.

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