A Traitor Like Judas / Light Your Anchor – Guerillahomefires

Split-Platten machen oft genau das, was ihnen der Titel gebietet – spalten. Die Fans in verschiedene Lager und wenn nicht aufgepasst wird, das schwarze Gold in zwei zusammenhangslose Teile. Die Fans, die Band x nicht mögen, andere wollen endlich mal wieder ein richtiges Album und für manche wird ein wunderbarer Traum wahr. Das wird auch hier so sein. Doch haben es die norddeutschen Bands geschafft ihre Freundschaft auf die Platte zu übertragen und ein eingängiges Brett vom Zaun zu schlagen.

Schon der Anfang macht direkt eines klar: A Traitor Like Judas haben die drei Jahre nach dem letzten Album nicht vergeudet. Epischer, wuchtiger und melodischer als zuvor kommen die Braunschweiger daher. Alles wirkt reifer und die Extreme sind deutlicher herausgearbeitet. Packende Rhythmusgitarren, die sich die Klinke in die Hand, einige melodiöse „popige“ Parts, gut verständliche Mid-Shouts und ein einnehmendes Schlagzeug, das über Allem wacht. Das ergibt eine gute Mischung und logische Weiterführung von „Guerilla Heart“. Fans, die sich nach einem etwas härterem Sound gesehnt haben, werden allerdings enttäuscht.

Auch Sänger Jasper hat an seiner Stimme gearbeitet. Sie ist deutlich markanter und facettenreicher geworden. Leider wird diese Energie nicht immer auch gut genutzt:

„BOOM BOOM is your way to take a life, BOOM BOOM is your way to be, BOOM BOOM is what you think is right, BOOM BOOM BANG“

Das Ganze erinnert an eine kindische, englische Version des Rammstein Klassikers „Feuer Frei“, die dem sonstigen inhaltlichen Anspruch von A Traitor Like Judas eigentlich nicht gerecht wird. Dafür hat die Beugung gegenüber der Eingängigkeit ihren Teil aber erfüllt: Auch noch Stunden später klebt das „BOOM BOOM BANG“ wie ein Kaugummi im Ohr des Hörers.

Keine Sekunde vergeht nach der praktisch nicht vorhandenen Halbzeit und man weiß sofort, dass einem nun Light Your Anchor aufs Trommelfell schlagen. Allein schon die Shouts von Frontmann Daniel im Zusammenspiel mit den Vocals von Gitarrist Thomas sind unverwechselbar. Die Band hat hier einfach die Quintessenz ihrer Musik perfekt in Szene gesetzt und mit dem goldenen Hammer veredelt. „Hutaree“ dürfte mit seinem eingängigen und schön geschriebenen Refrain live auf jeden Fall für einige trockene Kehlen sorgen. Und mit dem wunderbar hergeleiteten Breakdown gegen Ende des zweiten Stückes haben die Hamburger obendrein ein Musterstück geschaffen, das für die nötige Härte auf der Platte sorgt.

„Guerillahomefires “ zeigt, dass eine Split durchaus ein harmonischer Schulterschluss zweier Bands sein kann – sowohl auf musikalischer, als auch freundschaftlicher Ebene. Hier wurde nicht einfach etwas überhastet auf den Markt geworfen. Die zehn Jungs haben teilweise ihre stärksten Songs aufs Vinyl gepresst. Das dürfte vor allem die Fans erfreuen, aber kann durchaus auch ein guter Einstieg für neue Hörer sein.

Autor Aaron-Corin Hane
Wohnort Lüneburg
Beruf Student
Dabei seit März 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Stick To Your Guns - alle Releases seit Hope Division, Black Sabbath - Paranoid, Dream Theater - Train Of Thought, The Beatles - Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, Parkway Drive - Atlas, Idles - Brutalism
Die besten Konzerterlebnisse Tour Of The Year 2014; Taste Of Anarchy Tour 2015; Summer Breeze 2014; Destruction Derby 2015

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