Adam Angst – Neintology

Album Neintology
Band Adam Angst
Musikrichtung Punk, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6.75

Ist das eigentlich noch Punk? Auch auf dem zweiten Album arbeiten sich Adam Angst an aktuellen Themen ab – Alexa, AfD, aber auch die Szene-Polizei bekommen ihr Fett weg. Gleichzeitig hat sich Adam Angst vom Soloprojekt (von Ex-Frau Potz-Sänger Felix Schönfuss) zu einem echten Bandprojekt gemausert. Musikalisch macht sich das durchaus bemerkbar.

Das Cover zeigt am deutlichsten die Transformation. Wurde Schönfuss beim Debüt noch solo abgelichtet, stehen ihm nun vier weitere junge Männer, unter anderem FJØRT-Bassist David Frings zur Seite. Die Konstellation besteht bereits seit der ersten Tour. Farblich abgehoben steht der Sänger als „Neintology-Sektenführer“ trotzdem im Vordergrund. Gesang und Text bleiben nach wie vor das Trademark der Punk-Band.

Schon die erste Single „Alexa“ offenbart, dass der Sound von Adam Angst vielfältiger geworden ist. Mit dezenten elektronischen Klängen wird der knackige Sound erweitert und untermalt passend das dystopische Szenario, das Schönfuss rund um die künstliche Intelligenz zeichnet.

Wir haben dich erzogen und dir alles anvertraut.
Doch du lebst mit deinen Schwestern jetzt in einer unbekannten Cloud.
Vielleicht waren wir zu hart mit dir in unserer Überheblichkeit.
Alexa, es tut uns schrecklich leid.
Alexa, bitte tu uns nichts.

In gewohnt ironisch zynischer Weise rechnen die Songs „Alle sprechen deutsch“ mit Klischeetouristen und „Punk“ mit Genre-Konventionen ab. Beide stehen exemplarisch für die schwächeren Lieder von Neintology. Die Textidee diktiert in beiden Fällen die Musik – ein Polka auf der einen, 0815-Punk auf der anderen Seite. Beides sind ganz sicher bewusste Persiflagen, die sich nur leider schon während des ersten Durchlaufs als relativ farblos entpuppen.

Die Überraschung des Albums ist die Ballade „Damit ich schlafen kann“. Ganz ohne Ironie und Pointe veranschaulicht Schönfuss anhand von Gesprächsfetzen die Auswirkungen einer globalisierten, nach Optimierung strotzenden Arbeitswelt. Ein bockstarker Song, der die Pogo-Kids irritieren dürfte. Diese werden dafür dann in „Splitter von Granaten“-Manier mit Songs wie „Blase aus Beton“ und „Kriegsgebiet“ entschädigt.

Adam Angst wagen auf Neintology einige Experimente und vertrauen gleichzeitig auf die Stärken des Debüts. Die Songs sind komplexer und unkonventioneller. Besonders spannend sind sie dann, wenn Adam Angst als Einheit, als Band funktionieren. Das ist leider bei einigen Tracks, bei denen sich die Musik einige Schritte hinter dem Text anstellt, nicht der Fall.

Nichtsdestotrotz gehören Adam Angst zur Sperrspitze der hiesigen Punk-Szene und könnten für Teenager das werden, was die Ärzte für die mittlerweile Alexa-nutzende Ex-Punk-Generation gewesen sind.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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