Adventures – Supersonic Home

Band Adventures
Musikrichtung Emo-Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

Es führt kein Weg daran vorbei, ein Review zum Debütalbum von Adventures zu schreiben, ohne auch nur einmal Code Orange zu erwähnen. Code Orange, die im letzten Herbst mit „I Am King“ eines der wohl härtesten Alben des Jahres veröffentlicht haben, entsprechen nicht gerade den typischen Trends und Klischees der Hardcore-Szene: Während die Mehrzahl der Bands mit zunehmenden Alter immer softer und eingängiger wird, schwimmen Code Orange genau gegen den Strom und geben sich als äußerst widerspenstig. Dass aber jeder Mensch auch einen weichen Kern hat, können zumindest Dreiviertel der Band nicht leugnen. Adventures standen lange Zeit im Schatten von Code Orange (Kids). Nicht zuletzt durch den Release von „I Am King“ und das damit verbundene ausgiebige Touren durch Großbritannien, Japan und die USA waren sie auch erst einmal auf Eis gelegt. Nun aber setzen sie mit ihrem Debütalbum „Supersonic Home“ zum Angriff an. Ein Angriff, der im Gegensatz zu Code Orange aber in eine komplett andere Richtung geht.

„Supersonic Home“ erinnert an die großen Momente der 90er, an Dinosaur Jr., Superchunk oder The Get Up Kids. Ein Mix aus leicht verträumten Melodien, nachdenklichen Lyrics und straight nach vorne gespielten Rockriffs. „Supersonic Home“ ist ein von Anfang bis Ende abwechslungsreiches und mitreißendes Album: Während der Opener „Dream Blue Haze“ noch in bester Poprock-Manier das Tempo ordentlich anzieht, schalten Adventures schnell mit dem grandiosen „Heavenly“ einen Gang zurück. Dieser Mix aus Up- und Mid-Tempo Songs zieht sich durch die gesamten knapp 32 Minuten des Debüts der Pittsburgher. Reba Meyers trifft mit ihrem Gesang zwar nicht immer den richtigen Ton, aber dafür genau ins Herz: „There is infinite time to concern the truth, but there is only a moment to get through to you.“ („Absoluion, warmth requited“) Unterstützt wird sie dabei tatkräftig von Keyboarderin Kimi Hanauer, was besonders Songs wie „My Marble Home“, „Walk You To Bed“ und dem äußerst eingängigen „Tension“ einen ganz eigenen Charakter verleiht (die Labelmates von Tigers Jaw und Pity Sex lassen grüßen!).
Einen Schwachpunkt auf „Supersonic Home“ zu finden ist kaum möglich. Weder wirken die Songs zu sehr wie aus einem Guss, noch finden sich zu viele Kanten, an denen man anecken könnte. Auch sich einen wirklichen Hit herauszupicken, fällt schwer. Man kann alle Songs als großes Ganzes betrachten, aber auch jeden Einzelnen für sich sehen. Egal wie man es jedoch tut: „Supersonic Home“ wickelt den Hörer in eine warme Decke aus Melancholie und Nachdenklichkeit, die man so schnell nicht wieder loslassen möchte.

Adventures sind viel mehr als ein bloßes Spin-off von Code Orange: „Supersonic Home“ ist vielleicht eines der besten Indie-Alben des noch jungen Jahres. Eine Reminiszenz an den Alternative- und Emo-Rock der Neunziger, wie sie besser nicht hätte sein können. Wäre „Supersonic Home“ Mitte der Neunziger Jahre erschienen, so würde es heute vielleicht auf einer Stufe mit Alben wie „Without A Sound“ oder „Four Minute Mile“ stehen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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